Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 1)

Das alte Leid der armen Rechtspopulisten:
Man darf nicht mehr sagen, was man denkt.

Hat der Aiwanger Hubsi neulich ja auch wieder thematisiert.
Zwengs mir darf jeder sagen, was er denkt. Mein Problem mit manchen Politikern ist eher, dass die denken, was sie sagen.

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In einer normalen Welt kommt es überhaupt nicht zu der Situation, dass sich Grenzschützer diesem moralischen Dilemma stellen müssen. Insofern ist das von Anfang an eine vergiftete Debatte gewesen.

Es steht außer Frage, dass man nicht um Einlass in ein fremdes Land gewährt, wenn man keinen Anspruch darauf hat.

Bei Deinen Formulierungen muss man aufpassen, sie nicht zu missrepräsentieren. :wink:

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Die AfD ist doch gegen die drohende „Frühsexualisierung“ von Kindern.
Rechtzeitige Erschießungen können da ja ein probates Mittel sein… :wink:

Hard stuff, mein Lieber. Ich bin froh, dass ich das nicht geschrieben habe. Das hätte mir als fiese Polemik ausgelegt werden können.

Keine Ahnung, was du dich jetzt an dem Wort aufhängst. Missinterpretation habe ich jedenfalls nicht gemeint. Ich nutze in meinem Alltag eher Englisch (Überraschung!). Da kann sowas schonmal vorkommen.

https://www.linguee.de/englisch-deutsch/uebersetzung/misrepresentation.html

Du machst mich total kirre grad.

Es war ein kleiner Spaß - okay, misslungen. Eigentlich ging es um den zitierten Satz, der einigen Interpretationsspielraum „gewährt“.

Wird schon nicht so schlimm sein. Überleg vielleicht einfach einen Moment länger, was exakt Du uns mitteilen willst. Dass ich Deine Sachen genau lese, ist ja nicht zwingend Ausdruck von Böswilligkeit.

Hier liegt mMn der Kern des Problems. Es gibt einfach viele Wähler, die ihre Meinung in den letzten Jahren zu gewissen Themen nicht geändert haben, aber auf der anderen Seite Parteien, die sich massiv verändert haben. Die CDU wurde ja schon weiter oben mal als Kanzlerwahlverein tituliert, was in gewissem Sinne stimmen mag. Dadurch hat die Partei allerdings auch einen ziemlichen Linksruck durchgemacht, den sehr viele Wähler allerdings nicht mitmachen wollten bzw. wollen.

Die SPD hat ähnliches erlebt (in die andere Richtung allerdings), als unter Schröder eine Politik gemacht wurde, die viele als arbeitnehmerfeindlich empfanden. Da hieß es auch, dass die Partei ihre Ideale verraten würde und die Quittung war, dass es massiv bergab ging und man viele Wähler verlor.

Hier kann man allerdings auch anführen, dass einige Länder in Europa genau den Weg des „Errichtens von Mauern“ gehen und man wirklich nicht vorhersehen kann, ob dieser Weg der schlechtere ist. Zur Zeit gibt es zumindest keine Belege dafür, dass unsere Nachbarn Österreich, Polen und Dänemark mit ihrer restriktiven Politik schlechter fahren. Außerhalb Europas wird ohnehin in Australien, Neuseeland und den beiden nordamerikanischen Ländern USA und Kanada sehr streng vorgegangen, was die Aufnahme von Menschen aus anderen Kulturkreisen betrifft.
Es gibt also mMn genügend „Vorbilder“ in anderen demokratischen Ländern, die Menschen, die die derzeitige Migrationspolitik der BRD nicht gut finden, ansprechen und die ihnen zeigen, dass es eben nicht nur Weg gibt, den die Regierungen in Deutschland seit den 2010er Jahren gewählt haben.

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Nein Tobi, ist es nicht.

(Also ein Land, in dem wer vor einiger Zeit noch als in der bürgerlichen Mitte verortet wurde heute als rassistischer, rechtsextremer Neonazi durchgeht, ohne sich selbst zu bewegen.)

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Gibt es noch weitere?
Geht mir allerdings auch eher um den Fakt, als um Anspruch auf Vollzähligkeit.

Du hast mich schon verstanden, aber da ich wusste, dass Du mit dieser Erwiderung kommen würdest, habe ich meinen Kommentar inzwischen ergänzt.

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Nee, hab ich tatsächlich erst durch die Editierung.
Schau:

Willst du ernsthaft abstreiten, dass du heute mit solchen Sprüchen nicht eindeutig dem rechten Spektrum zugeordnet werden würdest?
Natürlich benutzt das von mir eingestellte Bild das Mittel der Überspitzung, aber im Kern trifft es zu.

das war man schon damals - zum Glück hat sich das Bewusstsein verändert solch rechten Positionen auch entsprechend zu benennen!

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Also da hätte ich jetzt mehr von dir erwartet. Die Aussage ist ja nun absolut einfach zu verifizieren, wenn man sich anschaut, dass sogar Palmer und Wagenknecht als Rechte bezeichnet werden.

Du kannst dich an den einzelnen Begrifflichkeiten aufhängen, musst aber zugeben, dass der woke Mob sämtliche Bezeichnungen synonym verwendet.

Das heißt in der Folge, dass man einen Höcke vielleicht als Schlimmsten vom Schlimmsten betrachtet (warum eigentlich?), es aber egal ist, da man auch weniger Schlimme, die man nicht mehr als gut ansieht, gleich behandelt. Gecancelt werden alle.

Dass der Linksruck immer wieder geflissentlich verneint wird, macht die Leute nicht glaubhafter. Er zieht sich ja durch sämtliche Institutionen. Die Politik ist da nichtmal das größte Schlachtfeld. Die Bildungseinrichtungen und Kulturstätten sind das große Problem. Aber auch das hat man mittlerweile bei der AfD erkannt und versucht da entsprechend gegenzusteuern.

Gibt ein hervorragendes Podium vom Sommerfest in Schnellroda mit, unter anderem, Maximilian Krah.

Warum muss man da ins Ausland schauen? Die Menschen kennen es auch anders aus ihrer Kindheit. Deutschland war bis zur woken Wende unter Merkel weder Einwanderungsland, noch besonders beliebt bei Asylsuchenden, Sans Papiers, „Flüchtlingen“ oder wie auch immer man sie nennen will.

Die Gastarbeiter im Westen sind kein Beispiel für die Migration wie sie heute stattfindet. Die Vertragsarbeiter in der DDR sind kein Beispiel für die Migration wie sie heute stattfindet.

Habe mich eigentlich bemüht nichts zu schreiben. Wenn Du hier aber dann schreibst von „gecancelt werden alle“, geht mir echt die Hutschnur hoch.

Wer genau wird denn gecancelt und darf nicht mehr sagen, was er meint? Maaßen, Ploß, Weidel, Reichelt? Oder vielleicht doch zum Beispiel eher die beiden Lehrer aus Burg, die nun wegziehen müssen, weil sie keinerlei Unterstützung erfahren?

Es ist doch einfach falsch, dass man nicht mehr sagen kann was man möchte. Ganz im Gegenteil. Es werden doch ganz offen Dinge gesagt, für die man vor 20 Jahren vor Gericht gekommen wäre.

Man muss aber eben auch damit klarkommen, dass der „woke Mob“ (allein für den Spruch müsste man Dich für 10 Minuten auf die stille Treppe setzen) dann auch mal Kontra gibt.

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Im Grunde halte ich es für beinahe sinnlos, mit Dir auf dieser Ebene der kleinteiligen Einzelbeispiele als Beleg für bestimmte übergeordnete Sachverhalte zu diskutieren, weil es Dein typischer modus operandi ist, dann mit der nächsten Ladung Beispiele um die Ecke zu kommen und mich zur nächsten Stellungnahme (dann dazu) aufzufordern.

Das ist mir normalerweise zu mühsam - und führt auch zu nichts, weil ich Dich ohnehin nicht überzeugen kann und der Fundus Deiner zitierten Artikel und Gegenbeispiele keinen Boden kennt.

Allerdings möchte ich bei diesem ersten Konvolut mit Postern von Dir einmal meinen guten Willen demonstrieren und eine Ausnahme machen. Also was steht da:

  • Wir pfeifen auf linke Vögel - CDU: Okay, dieser Slogan atmet zwar eindeutig die Luft einer vergangenen, sorgenfreieren Zeit, als man die Bürger noch mit lustigen Späßchen meinte gewinnen zu können, aber wo ist dieses Plakat bitte rassistisch oder rechtsextrem (oder auch nur besonders rechts)? Wenn die CDU sich damit nicht wegen der Gefahr, der stilistischen Infantilität in der politischen Ansprache bezichtigt zu werden (wahrscheinlich zu Recht), blamieren würde, könnte sie das Plakat heute 1:1 wieder so bringen.

  • Mit Ulrich Nölle auf neuen Kurs: Asylmißbrauch beenden! (den Rest kann ich nicht lesen): „Asylmißbrauch beenden“ ist jetzt also eine besonders rechte Formel, ja? (Bis auf das „ß“ natürlich :face_with_hand_over_mouth:.) Wenn ich das richtig sehe, wird genau diese Formel doch dieser Tage sogar aus den Reihen der Ampel und ihrer Regierung fast täglich öffentlich beschworen und findet sogar ihren Niederschlag im praktischen politischen Handeln, siehe Abschiebeabkommen mit Tunesien als nur neuestes Beispiel. Wie Du der Meinung sein kannst, dass die Verwendung des Satzes „Asylmissbrauch beenden“ - auch auf Wahlplakaten - jemanden automatisch in die Nazi-Ecke stellt, ist mir unerfindlich.

  • "Wir sind ein Volk: Okay… Was bitte ist an dieser Phrase rechtsextrem? Mit der Begrifflichkeit der Semiotik gesprochen, könnte man höchstens sagen, dass sie pragmatisch unterbestimmt ist, es also zur Feststellung dessen, ob sie rechtsextrem ist oder nicht, darauf ankäme, in welcher Situation in welchem Kontext sie von wem zu welchem Zweck verwendet wird. Auf einem CDU-Wahlplakat hielte ich den Satz für völlig harmlos, auch wenn er natürlich wie alle Wahlplakate seine Zeit reflektiert und heute wegen mangelnder Relevanz im gegenwärtigen politischen Kontext nicht mehr plakatiert werden würde (aber könnte).

  • Schützt uns! Seid abwehrbereit, wählt CDU: Also dieses Wahlplakat ist jawohl sowas von offensichtlich ein Kind des Kalten Krieges (Schutz gegen den roten Kommunismus), das würde man heute natürlich mangels Relevanz so nicht mehr plakatieren, aber wo ist das bitte rechts?

  • Komm aus Deiner linken Ecke, gesprochen von einer Frau mit grünen Boxhandschuhen: Aha, dieses sogar ganz witzig gemachte Plakat, wie ich neidlos anerkennen muss, ist also schon auf anstößige Weise rechts(extrem)? Unfug. Das ist vollkommen harmlos, grün = links ist nach wie vor eine Standardformel der CDU, schon immer gewesen, und die Kopplung dieses Mantras mit einer Frau in grünen Boxhandschuhen ist der Versuch, dieser Aussage im Wettstreit um die knappe Ressource ‚öffentliche Aufmerksamkeit‘ im Meer der Wahlplakate ein wenig ästhetischen Pep zu verleihen. Könnte die CDU inhaltlich und stilistisch heute fast genauso wieder plakatieren (wirkte vielleicht ein bisschen unernst und der gefühlten Schwere der Zeit nicht angemessen), würde sie aber aus taktischen Gründen nicht mehr machen, denn mit den Grünen will sie ja schließlich irgendwann noch mal koalieren…

  • Fehlstart in Bonn usw: Alle Stichpunkte auf diesem Plakat sind doch banalste Claims des politischen Tagesgeschäfts, heute wie ehedem. Wo ist irgendwas davon bitte auch nur annähernd rechtsextrem oder spezifisch rechts? Interessant an diesem Plakat finde ich persönlich vielmehr, dass das politische Deutschland bereits zu Zeiten Bonns als Hauptstadt ganz offenkundig von fast denselben Problemen in Atem gehalten wurde, die die politische Sphäre heutzutage immer noch dominieren. Lektion 1: Politik braucht Probleme als Mittel der Binnendifferenzierung, um Unterscheidbarkeit herzustellen, und die AfD ist ein Meister darin, die gewöhnlichen Probleme, die die Politik beobachtet (oder im wertneutralen Sinne gemeint, konstruiert) und die es als konstitutiv notwendiges Merkmal einer pluralen Demokratie schon immer gab und immer geben wird, dankend anzunehmen, künstlich weiter aufzublasen und zum eigenen Nutzen auszuschlachten - und ihr fallt alle auf diesen Trick rein. Man, man, man… (mitleidig-mit-dem-Kopf-schüttel).

Sorry, Tobi, wenn diese Plakatserie der CDU als Beleg für Deine These herhalten sollte: I’m not convinced.

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In deiner Bizarro World vielleicht.

Kontra geben? So wie Lina E.? Und dann rumheulen, wenn solche Leute auch mal Kontra bekommen, wie die Antifa-Lehrer aus Burg.

Was wollt ihr eigentlich immer mit diesem „nicht mehr sagen dürfen“. Canceln und „was sagen dürfen“ sind doch zwei Paar Schuhe. Man darf natürlich fast alles sagen und wird dann dafür belangt. Oftmals aber am Recht vorbei.

Twitterkanäle werden gesperrt, Youtube-Videos und Kanäle werden gesperrt. Kommentare werden gelöscht. Es werden Demonstrationen vor Lesungen abgehalten. Sowas gibts fast ausschließlich vom woken Milieu. Man stelle sich mal Neonazis vor, die eine Lesung eines linken Autors verhindern wollen. Was für ein Aufschrei das gäbe. Aber wenn sich Woko Haram vor die Veranstaltungsorte stellt, dann ist das alles cool.

Und dagegen können dann auch nur solche privilegierten Leute wie die von dir genannten vorgehen, weil die sich die Anwälte leisten können. Der Rest schaut in die Röhre. Die Reichelts und Weidels werden dann aber von dir angeführt um zu behaupten, es würde nicht gecancelt.

Das macht mich so unfassbar sauer.