Ganz grundsätzlich kann wohl sagen, dass es - unabhängig von Parteien - in einer Demokratie gewisse Stimmen/Rollen/Positionen geben sollte, die abgedeckt sind. Sagen wir (ohne Gewichtung):
a) das liberale/freiheitliche (ich weiß, nicht das gleiche, fasse es hier aber zusammen)
b) das soziale (ich nenne es mal den Kitt)
c) das konservative/wirtschaftliche
d) das ökologische/progressive
Und alle Punkte halte ich für fundamental wichtig in einer Demokratie.
Die meisten der Parteien konzentrieren sich auf einen Punkt, haben aber die anderen auch im Programm - Arbeitnehmerflügel in der Union, Seeheimer Kreis bei der SPD und andere.
Dadurch gab es immer Anknüpfungspunkte zwischen den Parteien, bei denen Sie zusammenfinden, Kompromisse schließen und eben Politik machen konnten.
Mittlerweile sind die Grenzen auf der einen Seite etwas schwammig geworden. Viele Union Wähler kann man ja heute bei den Grünen finden, zum Beispiel. Auf der anderen Seite sind die öffentlichen Stellungnahmen viel viel härter und kompromissloser geworden. Hart gerungen wurde auch früher - „Herr Wohlrabe, Sie sind eine Übelkrähe“ - wie auch in anderen Bereichen ist hier eine Amerikanisierung zu erkennen. Dies führt - nicht allein, aber eben auch - zu einer Spaltung und Vertiefung von Gräben in der Gesellschaft. Auf andere wichtige gesellschaftliche Veränderungen wie Transformation, Digitalisierung etc. will ich hier gar nicht eingehen.
Und da nehmen Sie sich wirklich fast alle nichts. Ob bei jeder Äußerung sofort NAZI gerufen wird oder permanentes Bashing der Grünen oder Ausfälle wie von Kubicki: das können sie alle.
Als langjähriger Wähler der Union - aktuell nicht - glaube ich, dass wahrscheinlich nur eine Koalition mit der Union als Nr. 1 das Land wieder vereinen kann. Trotz der momentanen Führungsriege. Weil die CDU sich immer als wirkliche Volkspartei verstanden hat - auch wenn sie eben manche Gruppen nicht so gern dabei hat.
Aber, ABER: nicht mit der SPD. Und auch nicht mit der FDP. Dies wird nur mit den Grünen gehen. Weil die es aus meiner Sicht als einzige verstanden haben, dass man alles auf links drehen muss, um dieses Land wieder in die Spur zu bekommen. Weil die bereit sind, auch über Ihren Schatten zu springen (deswegen ist das Framing Ideologiepartei für mich so lächerlich - das sind die einzigen, die Ihre Ideologie für die Realpolitik beiseite geschoben haben).
Deswegen würde ich es begrüßen, wenn die Union - aber auch alle anderen - sich wieder auf die Kernthemen konzentrieren und nicht auf Weihnachtsbäume. Wenn man miteinander um ein gutes Ergebnis ringt und diskutiert und nicht vorher rote Linien zieht. Wenn man Politik für die Bürger macht und nicht fürs TV und die eigenen Wähler.
Und der letzte Absatz gilt auch für das Forum. Versucht doch, die kleinen Sticheleien wegzulassen. Und versucht doch, nicht mehr reinzulesen, als da steht - geschriebenes wirkt immer härter als gesprochenes. Und springt nicht über jedes Stöckchen.