Prima Diskussion! Fassen wir noch einmal zusammen: Woher könnte für die Bayern neuer Umsatz kommen?
…Umsatz, den sie nicht brauchen, um möglichst viele Profite auszuschütten – obwohl: e.-V.-Dividende nicht vergessen! –, sondern um möglichst viel Geld für die Sicherung ihrer sportlichen Wettbewerbsfähigkeit zur Verfügung zu haben: neue und bessere Spieler, bessere Trainingsbedingungen etc.
Das nur als Randbemerkung, um klarzumachen: Umsatzwachstum, nicht Profitwachstum, muss das primäre Ziel der Bayern sein – und das ist es auch.
Woher könnte nun dieser Umsatz kommen?
Er hat zwei mögliche Quellen:
- Weiteres Wachstum in den bereits bestehenden Geschäftsfeldern (Spielbetrieb, Merchandise/Lizenzgeschäft, Werbung und Sponsoring, TV-Vermarktung, Transfergeschäft)
- Neue Geschäftsfelder
Für 2. hat die Diskussion folgende Ideen produziert:
- Frauenfußball (aber Margenstärke vermutlich gering?)
- NFL-Spiele, mit den Bestimmungen der Stadt München vereinbare Großveranstaltungen in der Allianz Arena
- (VIP-)Hospitality: Hotel, teure Logen, teures Catering, organisierte An- und Abreise, …
Mit Blick auf 1. würde Ich noch ergänzen:
- Merchandise-Geschäft mit Chancen: Nutzbarmachung der weltweiten Wohlstandssteigerungen. Anders etwa als ein Stadionbesuch oder eine Werbebande können Trikots in beliebig skalierbarer Menge auf der ganzen Welt verkauft werden.
- Transfergeschäft mit Chancen: hervorragende Synergieeffekte mit einer entschlossenen Nachwuchsstrategie. Mehrere Fliegen werden mit einer Klappe geschlagen:
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- Chance auf hohe Transfermargen
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- Chance auf Identifikationsfiguren aus dem eigenen Nachwuchs in der ersten Mannschaft
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- Chance auf potentiell exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis für Leistungsträger (keine Transferkosten!)
- Spielbetrieb, Werbung und Sponsoring und TV-Vermarktung hingegen: Wachstumspotential unsicher bis mau.
Das könnten die Bayern tun. Was werden sie tun?
Vermutlich werden sie zunächst alle Hebel in Bewegung setzen (Priorität 1), um ihr Geschäft mit Werbung und Sponsoring wieder deutlich zu beleben. Man muss sich Folgendes klarmachen: Die Bayern haben derzeit etwa 30 Sponsoren. Mit drei davon – namentlich Telekom, Audi und Adidas – machen sie rund 75 Prozent des gesamten Umsatzes in dieser Kategorie (rund 180 von 240 Millionen Euro). Das heißt, mit den übrigen 27 Sponsoren erzielen sie zusammen so viel wie mit einem der drei großen alleine.
Ich denke, sowohl damit, die Verträge mit den drei großen Sponsoren von unten kommend an das Niveau von Real, Barça und den großen englischen Vereinen anzunähern, als auch damit, aus den Verträgen mit den kleinen Sponsoren individuell und in der Summe mehr herauszuholen, wird sich der neue Marketingvorstand in der kommenden Zeit intensiv beschäftigen.
Dann werden die Bayern versuchen, ihr zuletzt sehr erfolgreich gewachsenes Geschäft mit Merchandise und Lizenzen weiter auszubauen, indem sie ihre lokale Präsenz und ihre Markenstärke auf den globalen Märkten erhöhen. Die Eröffnung einer weiteren Niederlassung vor ein paar Wochen in Südkorea ist ein Fingerzeig.
Drittens werden die Bayern versuchen, der DFL auf die Füße zu treten, damit diese viel entschiedener als bisher dem schleichenden Bedeutungsverlust der Bundesliga auf dem internationalen Markt entgegentritt, der sich in den enttäuschenden internationalen TV-Erlösen, die nicht nur gering sind, sondern in den letzten Jahren auch noch geschrumpft sind, äußert. Die Bayern können und werden hier die Füße nicht stillhalten (auch wenn ihr Einfluss ultimativ begrenzt ist).
Viertens sollten (und hoffentlich werden) sie ihr Transfergeschäft und ihre Mannschaft so ausrichten, dass ein positiver Ergebnisbeitrag aus dem Transfergeschäft zu einer regelmäßigen Erscheinung wird. Die letzten drei Jahre sind ein guter Anfang, aber in diese Bemühungen kann noch sehr viel mehr Systematik Einzug halten, man denke nur an den Last-Minute-Transfer von Jackson, den man in dieser Beziehung nur als Rückschritt werten kann.
Parallel dazu werden sie in der Langfristplanung auch neue Profitchancen durch den Frauenfußball ausloten, die Möglichkeiten für ein neues Stadion untersuchen, Erweiterungsmöglichkeiten für hochwertige Hospitality prüfen und die Auslastung des Stadions mit Non-Football-Events zu erhöhen versuchen.
Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber für Leute, die echt Bock haben, unternehmerisch etwas zu bewegen, wäre jetzt eine fantastische Zeit, beim FC Bayern in Verantwortung zu sein. So viele Herausforderungen! So viele Chancen! So viele Spielfelder! @Georg, es muss Dir doch in der Seele weh tun, dass Du das Ganze nur von der Seitenlinie aus anschauen kannst. (Das Foto von dem Stadion in Toronto ist übrigens der Hammer. So muss man übernachten!)