Ich würde hier nochmal einen Teaser in die Runde werfen wollen: eigentlich fände ich es charmant, dem Trainer, der bei uns ja zweifellos immer noch unter Vertrag und auf der Gehaltsliste steht, eine zweite Chance zu geben. Beziehungsweise mindestens einen weiteren Teil des eigentlich angedachten langfristigen Konzeptes umzusetzen.
Wenn man mal nüchtern vergleicht, wie die Mannschaft unter Nagelsmann und danach unter Tuchel gespielt hat, dann mag man zwar die unterschiedlichen Ansätze (Tuchel etwas mehr auf Stabilität und Gegentore vermeiden orientiert) erkennen, aber die Gesamtperformance - zählbare Erfolge, erkennbare Begeisterung der Mannschaft im Spiel, Attraktivität der Spiele - hat sich nicht signifikant verändert. Obwohl Manuel wieder da ist und ein gewisser Harry Kane verpflichtet wurde.
Überspitzt gesagt: hätte Nagelsmann im Frühjahr 2023 einen Manuel Neuer im Tor und schon Kane im Sturm gehabt, bräuchten wir jetzt weder über einen Kaderumbau noch erneut über einen neuen Trainer sprechen.
Ich glaube auch nicht, das im Team noch größere Vorbehalte gegen Nagelsmann da sind; der größte Kritiker ist mit Lewandowski weg, Neuer scheint sich mit der Situation arrangiert zu haben, und wenn nicht, erleichtert das dem FC Bayern vielleicht, sich endlich ernsthaft mit Frage zu befassen, wer nach Neuer übernehmen könnte.
Zusammengefasst, was würde den Charme des Alt-/Neu-Trainers Nagelsmann ausmachen?
man könnte zeigen, dass der Plan, längerfristig mit einem Trainer zusammen zu arbeiten, ernst gemeint ist
man hätte die 25 Mio. Ablöse an Leipzig nicht ganz umsonst gezahlt
man würde Nagelsmann die Chance geben zu zeigen, dass er lernfähig ist und auch eine Mannschaft auf höchstem Niveau zum Erfolg führen kann
wenn es klappt, könnte man mit dem noch jungen Trainer eine neu Ära starten
falls es doch nicht passt, hat man wenigstens mal den leidigen 1 1/2 Jahre Rhythmus der sprunghaften Trainerwechsel durchbrochen
Ob es so kommt? Keine Ahnung, vermutlich nicht; andererseits wurden ja Kahn und Salihamidzic wohl vor allem deswegen abgesetzt, weil sie Nagelsmann zur Unzeit und unabgestimmt entlassen haben. Also könnte es in Vorstand / Aufsichtsrat schon Sympathien für diese Variante geben.
Man wird sehen; ich persönlich fände es spannend und fände es gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Lösung gut funktionieren würde.
Gute Gedanken, ich halte Nagelsmann auch für ehrgeizig genug allen zeigen zu wollen es doch als FCB Trainer zu schaffen! Ich sehe auch wenige bessere Alternativen auf dem Markt.
Allerdings steht er nach meinem Kenntnisstand nicht mehr beim FCB unter Vertrag. Der wurde doch aufgelöst als er zum DFB ging. Sicherlich mit einer Abfindung. Aber vielleicht kann man die dann ja anrechnen😉
Glaube ich nicht. Das war nur das Tüpfelchen auf’s i.
Kahn war doch schon vorher angezählt. Stichwort Elfenbeinturm, miese Stimmung bei den Mitarbeitern etc.
Zum Thema Nagelsmann
Er beweist ja gerade Mut bei der Nationalmannschaft mit seinen Nominierungen. Nominierungen alleine gewinnen aber erstmal nichts. Die Spiele unter ihm waren erstmal ernüchternd. Wir werden ja bald sehen, ob seine Strategie etwas bringt oder nicht.
Ein Nagelsmann der als Europameister zu Bayern zurückkehrt? Ein Nagelsmann der im Viertelfinale ausgeschieden ist und dann Bayern Trainer wird?
Aus meiner Sicht brauchen wir jetzt dringend Konstanz auf der Trainerposition. Unbedingt. Das Wagnis Nagelsmann 2.0 ist in meinen Augen viel zu groß. Nagelsmann in 5 oder 10 Jahren nach erfolgreichen Auslandstationen als gereifte Persönlichkeit kann ich mir gut vorstellen.
Wenn ich mir den chaotischen, unstrukturierten und uninspirierten Fußball in Erinnerung rufe, den wir im letzten Frühjahr unter Nagelsmann gespielt haben, dann ist das für mich im Moment vollkommen ausgeschlossen.
Aber wie @ChrisCullen sagt, in ein paar Jahren bestimmt vorstellbar.
Verstehe Dein Ansinnen und empfinde das auch als symphatisches Gedankenspiel - allerdings müssten wir uns erstmal auf die grobe Einordnung von „erfolgreich“ in diesem Zusammenhang verständigen.
National z.B. Bayern München und Paris Saint-Germain.
Ob das daran liegt, dass man so super arbeitet trotz ständiger Trainerwechsel oder vielleicht doch eher an dem meilenweiten finanziellen Vorsprung auf die inländische Konkurrenz…sei mal dahingestellt
Ja wie gesagt, wir sind da einer Meinung. Madrid wird immer gerne erwähnt, aber generell ist es eher so das langfristiger Erfolg mit Konstanz auf dem]r Trainerbank zusammenhängt, keine Frage für mich. Ich frage mich ob wir und PSG es da schwerer haben (rein anekdotisch) weil National die Messlatte extrem hoch hängt. In England/Spanien/Italien ist der nationale Erfolg etwas großzügiger definiert als jedes Jahr Meister werden (obwohl Madrid und Barca Anhänger das sicher anders sehen).
PSG ist aus meiner Sicht nicht erfolgreich. Ihr Massstab ist die CL und da schneiden sie enttäuschend ab.
Bayern München gewinnt zwar die Meisterschaften, aber für den Anspruch des Klubs ist das was in den letzten Jahren gewonnen wurde eindeutig zu wenig. Wäre man zufrieden würde man nicht ständig den Klub neu aufstellen.
Mit erfolgreich meine ich ein Klub der ständig Trainer wechselt und seine Ziele erreicht.
Für den Scheich gilt doch eh nur die CL. Klar ist es schwerer. Aber die schaffen es ja kaum mehr ins Halbfinale. Das ist für die Ansprüche den Einsatz an Geld einfach zu wenig.
Bei uns doch ähnlich. Krachend aus dem Pokal ausscheiden, oftmal unattraktiver Fußball, letzte Saison die Meisterschaft geschenkt bekommen, weil die anderen zu blöd. In Europa enttäuschend. Das ist eben nicht der Anspruch. Es muss ja kein Triple sein, das ist Quatsch. Aber eine Mannschaft die guten Fußball spielt und um die Krone in Europa ernsthaft mitspielt und in der Liga richtig stark auftritt. Das sollte man schon erwarten dürfen. Wie soll das gehen, wenn alle 18 Monate ein neuer Trainer mit neuen Ideen kommt?
Naja: wir haben das Geld ja nicht im Lotto gewonnen, sondern uns den finanziellen Vorsprung durch gute Arbeit und den daraus resultierenden Erfolg erwirtschaftet.
Hätte z.B. der HSV in den 80ern ähnlich machen können - waren aber dann auf Strecke nicht erfolgreich…
Ja, deshalb hab ich auch genau die beiden Clubs genannt.
Abgesehen von der Scheich-Thematik und den glanzvollen Spielernamen kann man die Clubs bzw. die jeweilige Situation da schon ein bisschen vergleichen.
National erfolgreich, international läuft man den eigenen Ansprüchen hinterher und ist ständig unzufrieden. Deshalb u.a. auch die vielen Trainerwechsel.
Klar, darum ging es aber überhaupt nicht. Es ging ursprünglich um die Frage, warum manche Top-Clubs so oft den Trainer wechseln und manche nicht.
Ich muss ehrlich gestehen das mir zurzeit völlig die Phantasie fehlt da einen speziellen Trainer nennen zu können dem ich das bei uns zur Zeit zutraue.
Aber das führt ja dann wieder zurück zu anderen oder dem übergreifenden Thema: welche Strukturen haben/brauchen wir damit ein Trainer erfolgreich auf längere Zeit arbeiten kann. Auf dem Papier hat sich j mit Freund und Eberl jetzt einiges verändert, aber ob sich das mit dem nächsten Trainer in die Praxis umsetzen lässt und welche Rolle diverse manschaftsteile/spieler spielen was Konstante Unruhe im Verein angeht, das muss man abwarten.
Wenn man mal von den erfolgreichen Klubs (wie man sieht immer schwer zu definieren) weggeht und es stattdessen mal die Topklubs nennt.
Da gibt es nicht sehr viele, die ihre Trainer im Schnitt länger halten als wir.
Ausnahmen mit City, Liverpool, Atletico wurden genannt. Jetzt scheidet auch Liverpool aus dieser Riege aus und man wird sehen was dort passiert.
Ansonsten?
Nehmen wir mal als Startpunkt 2016, das Ende der letzten Ära bei uns, wenn man das so nennen will.
Nehmen wir dann Real, Barca, Juve, Milan, Inter, Neapel, PSG, Chelsea, Arsenal, Tottenham, Porto, Benfica. Auf die BL bezogen den BVB, Leipzig, Bayer.
Ist da der Durchschnitt der Trainerverweilzeit tatsächlich so viel länger als bei uns?
Ich habe es nicht nachgerechnet, aber würde mich wundern, wenn es da Riesenunterschiede geben würde.
Ohne nachzugucken ob der Durchschnitt nicht eher 2.5 Saisons ist, könnte man sich ja wenigstens wünschen das unsere Trainer es zumindest bis ins dritte Jahr schaffen.
Schon kapiert.
Vielleicht liegt es nicht an den Vereinen, sondern an den Trainern? Wäre Pep vielleicht immer noch Trainer, wenn er nicht gegangen wäre? Wäre Jupp 15 Jahre jünger - wäre er vielleicht immer noch da? Hätte der Kaiser Bock auf das Traineramt gehabt, hätte wohl nur er über sein Ende bestimmt?
Alles Spekulation. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Verein Pep entlässt. Und dass man bei Liverpool an Klopp festgehalten hat, liegt halt auch daran, dass er zu der Hand voll Trainern gehört, die eine Stufe über allen anderen stehen.
Und dann gibt es halt die Konstellationen, bei denen einfach Trainer und Verein passen, wie die Faust aufs Auge: Streich und Freiburg, Simeone und Atlético, früher Ferguson und United - künftig vielleicht De Rossi und die Roma?
Ich persönlich würde mir für uns mal wieder frischen Wind aus dem Ausland wünschen.
Meine klare Nummer eins wäre De Zerbi.