Stichwort modernes Spiel:
Fast alle Spitzenteams spielen mittlerweile im Pressing eine ziemlich extreme Mann-gegen-Mann-Orientierung, zumindest phasenweise. Diejenigen, die das am krassesten umsetzen - sind wir.
Und die hauptsächlich entscheidende Position, um das machen zu können, ist der mitspielende Keeper. Es gibt diesbezüglich kein nice-to-have, es ist schlicht notwendig, um Über- respektive Gleichzahl herstellen zu können. Das betrifft sogar nicht nur die Fähigkeiten am Ball, sondern auch Raumorientierung und Spielverständnis.
Und wer mir jetzt allen Ernstes einen gleichaltrigen Torwart in Deutschland nennen kann, der für dieses Profil bessere Anlagen als Urbig hat, der zudem noch Stärken auf der Linie besitzt, dem gratuliere ich. Ich sehe da echt keinen.
Vor ein paar Wochen haben schon einige gesagt, Urbig sei jetzt schon besser als Neuer. Jetzt taucht er mal an einer dieser modernen, fiesen Ecken vorbei, schon kommen die Stimmen von wegen, der packt’s nie oder der wird in Deutschland bestenfalls die Nummer 4 oder 5. Sorry, aber die Zeiten von Aumann sind in jeder Hinsicht vorbei und das Torwartspiel heute ein völlig anderes. Urbig ist ein moderner Keeper in einem super Alter. Es reicht völlig, wenn er die Strafraum- und Fünfer-Beherrschung noch steigert, dann ist er (anders als Aumann übrigens) in meinen Augen in Deutschland ziemlich konkurrenzlos.
Und auch in Europa findet man kaum Keeper, die all die genannten Stärken vereinen. Ich kann nicht verstehen, wie man bei unserem Spielansatz ernsthaft reine Linien-Götter bevorzugen könnte, und seien sie da noch so gut. Bitte zählt mal die Ballkontakte unserer Torleute während des Spiels, und dann setzt es ins Verhältnis: Mitspielen - klassisches Torwartspiel. Da kommen dann ungefähr 95% zu 5% raus.
Und noch ein Wort zu Donnarumma: der war mit 17 schon ein körperliches Monster und hochveranlagt. Aber sein Stil ist mit klassisch noch zart umschrieben. Es wurde schon erwähnt: bei Flanken lässt er sich permanent fallen und bekommt (noch) die Pfiffe. Mitspielen kann er nicht, und er wird es wohl auch nicht mehr lernen, weil ihm da das Talent fehlt. (Dies im potentiellen Gegensatz zu Urbigs Nachholbedarf bei Flanken.) Auf der Linie ist er, da brauchen wir nicht reden, schon aufgrund der Reichweite Weltklasse. Ich möchte ihn trotzdem nicht haben. Ich will Urbig. Dessen Verpflichtung wäre übrigens auch ein strategischer Fehler gewesen, würde man ihm nicht die Chance geben, Neuer zu folgen. Und was man intern so hört, sieht der Staff der Goalies das genauso.