Da muss ich @jjs zur Seite springen:
Diese Aussage ist mir (nicht nur) eine Spur zu drüber.
Nichts dagegen, wenn man angesichts der letzten Transferfenster sehr kritisch mit den Verantwortlichen umgeht; nichts dagegen, wenn man den (tatsächlich) planlos erscheinenden Umgang mit dem Campus-Nachwuchs betrachtet.
Und gar nichts dagegen, den Diaz-Transfer so zu sehen, wie es hinsichtlich des Gesamt-Pakets hier die meisten tun.
Aber ein Vergleich mit Manchester United???
Hätte man geschrieben: wir sind auf dem Weg dahin - selbst das könnte ich noch tolerieren, ist zwar nicht meine Meinung, aber hab ich hier ja bereits gelesen.
Aber: wir haben schon aufgeschlossen…???
Also, jetzt mal halblang. Die Meinung zu Harry Kane teilen hier ja auch manche, ich finde sie angesichts der Performance vollkommen realitätsfremd. Aber Altstars…??? Schon mal was von der Blüte des Lebens gehört? Diaz ist keine 33 oder 34, sondern 28!! Und da können wir die Debatten um den Wiederverkaufswert mal gerne wegstecken, Stand jetzt ist das kein Altstar, sondern ein Star, fertig. Und Harry ist nochmal gut 2 Jahre älter und immer noch mit der beste Stürmer der Welt, Ende. Wenn man andere Dinge präferiert oder mit in die Analyse einbezieht, ist das in Ordnung, aber so zu tun, als sei durch eine grundsätzliche Haltung, nämlich dass es ein Tabu sein müsse, Spieler über 28 zu holen, jegliche Ausnahme bereits verbrannt, ist doch albern. Mein Fast-Lieblingsspieler aller Zeiten bei Bayern, ein gewisser Xabi Alonso, war, soweit ich mich erinnere, zarte 33, als er zu uns kam. Aber wahrscheinlich findet man auch hier ein Argument, dass das bloß Glück und prinzipiell sowieso vollkommen theoretisch abzulehnen war und ist, sowas je zu wiederholen.
Aber so what, wenn die Realität nicht zur verankerten Grundüberzeugung passt. Man könnte nämlich den Diaz-Deal auch schlicht als simple Reaktion auf den Sane-Abgang sehen, mit dem man offenbar nicht rechnete. Was ich verstehe, ich hab auch gestaunt, als der Berater-Move kam. Und ja, statt eine clevere, innovative (und sportlich riskantere) Wette auf die Zukunft zu machen, hat man die Geld-Schatulle mal schnell wieder geöffnet und einen überteuerten Preis für einen nachweislich sehr guten Spieler bezahlt. Mehr ist diesbezüglich nicht passiert.
Altstar, ich fasse es nicht. In 2,3 Jahren, wenn Diaz hoffentlich gute bis sehr gute Leistungen gezeigt hat und dann gen USA oder zu den Saudis entschwebt, dann darf man ihn gern als solchen bezeichnen.
Und übrigens:
Das ist das, was ich von MSR-Artikeln nicht gewohnt bin und eigentlich nur in der Kurve halbwegs ertrage:
Der erste Teil des Satzes ist erstmal nur eine Behauptung. Und eine Behauptung kann man kopfnickend oder kopfschüttelnd wahrnehmen, aber eines kann man ganz sicher schon: sie von der Hand weisen, und zwar jederzeit, mit Gegenbeispielen, anderen Theorien etc.
Aber vielleicht bin ja ich das Alien und der Geisterfahrer, schon möglich, und ich bilde mir ein, dass noch sehr viel Luft zwischen dem deutschen Meister und CL-Viertelfinalisten und dem englischen Mittelklasse-Klub liegt. Aber sicher verstehe ich auch nicht, den Grad der Planlosigkeit der Bayern-Führung in seiner ganzen Pracht wahrzunehmen, der den baldigen Abstieg in die Niederungen schon jetzt völlig offensichtlich macht, für die, die die Zeichen der Zeit zu deuten wissen.
Nur noch eins:
Ich habe sehr viele Bayern-Freunde im sozialen Umfeld, die sich nicht so intensiv mit Fußball beschäftigen wie ich. Unter denen gelte ich gern als Miesmacher, der viel zu viel Kritik an Bayern übt.
Wenn die wüssten.
EDIT:
Vielleicht noch eine kleine Ergänzung, um den Blickwinkel zu weiten:
Man kann nur hoffen, dass Luis Diaz (ich bin aus dem Alter raus, um zu beurteilen, ob das ein absurder Gedanke für so junge Menschen ist) keine Affinität zu sozialen Medien hat. Sonst könnte er ja auf den Trichter kommen, mal die Netzwerke zu durchforsten, um zu sehen, ob sich die Fans seines neuen Klubs auf ihn freuen.
An Stelle von Diaz würde ich sofort in tiefste Depression verfallen und mir denken, jessas, wo bin ich denn hier gelandet? Das erleichtert die Integration sicher sehr. Aber was soll’s, wir reden hier ja von hochbezahlten Profis und nicht von normalen Menschen.