WM 2026 – Favoritencheck, Teil 1: Strauchelndes Spanien, CR7 als Klotz am portugiesischen Bein

Ich sage ja nicht, dass es mehr Weltmeisterschaften sein müssen. Europameister hätten sie mindestens einmal werden müssen. Und da kann man dann schon auch in vielen Einzelfällen über die Herangehensweise sprechen.

EM hätte mehr rausspringen können, stimmt. Gerade die letzte war enttäuschend. Aber die dachten, sie kommen dann ins rollen. Aber da rollte nichts.

Mir geht’s ja auch nicht darum, die Legitimität dieser Herangehensweise in Frage zu stellen. Auch hier fehlt die Gegenthese. Wir wissen nicht, ob Frankreich mit Kompany-Fußball erfolgreicher gewesen wäre. Aber ich habe das Gefühl, in Deutschland wird in etwa so über Fußball diskutiert:

  • Wenn Offensivfußball nicht erfolgreich ist, dann ist es das Spektakel, das Schuld ist. Keine Rationalität, kein Pragmatismus, keine Stabilität – die Heiligtümer des Deutschen
  • Wenn Defensivfußball nicht erfolgreich ist, dann sind es zahlreiche andere Gründe, die genannt werden, bevor die Spielweise mal thematisiert wird.

Defensivfußball wird als herausragendes Mittel für Titelgewinne glorifiziert, Offensivfußball als naive Spielerei, die einen irgendwann scheitern lässt. Ich persönlich sehe das nicht so und ein paar Argumente habe ich ja auch schon genannt.

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Vielleicht ist es auch ein Generationen-Thema. 1986 habe ich meine erste WM bewusst wahrgenomen, da war das Hauptthema, wie man es schafft Maradona auszuschalten. Andere Themen waren nicht so päsent. Man wusste dass man mit Völler und Rummenigge sehr gute Stürmer hat, aber das war zweitrangig. Ironischerweise haben dann andere als Maradona die Tore gemacht und als wir dann aufholen mussten hat dies zwar geklappt, jedoch konnte der Hebel nicht mehr umgelegt werden und wir sind ins offene Messer gelaufen und dann gab es ihn doch noch, diesen einen genialen Moment, der halt dann entscheidet.

1990 war es dann letzten Endes auch nur ein schönes Spiel und ein genialer Matthäus, der Rest war ziemlich zäh - aber erfolgreich. Wobei - und da wiederhole ich mich auch - erfolgreich oder nicht erfolgreich hängt ja oft am seidenen Faden, sprich einen 11er den England im HF zuviel verschossen hat.

Ich komme daher eher zu der Erkenntnis, egal wie der Spielstil ist, wer die entscheidenden Momente für sich nutzen kann gewinnt Titel.

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Na ja, wenn tatsächlich noch nie eine „große“ Nationalmannschaft versucht hat, ein großes Turnier mit spektakulärem Offensivfußball zu gewinnen, können wir daraus unter gewissen Voraussetzungen hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit eines solchen Ansatzes auch schon etwas lernen.

Stimmt. Dass der Mensch und sein „das haben wir schon immer so gemacht“ unvermeidbar sind. Mit Blick auf die Chancen von Offensivfußball können wir hingegen nichts sagen.

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Ich möchte hier ergänzend noch anfügen, dass ich das für eine „Natur der Sache“ halte.

Defensivfußball ist sehr viel leichter zu trainieren und einzuüben.

Offensivfußball, gerade der Marke Kompany oder Enrique, benötigt Zeit und Training und eine gewisse Personalkonstanz.
Nichts davon hat eine Nationalmannschaft aus meiner Sicht in ausreichendem Maße.

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„Die Situation könnte eskalieren!“ 14.000 Fans wollen gratis zum WM-Eröffnungsspiel - und drohen der FIFA sogar mit „Gewalt“ | SPOX

Eine kuriose Geschichte. Davon hatte ich noch nie gehört.

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Alles, was man dafür braucht, ist:

  • ein Stamm an Spielern, der in den Vereinen Offensivfußball spielt. Frankreich hat reichlich davon.
  • Spieler auf sehr hohem Niveau, denn die sind in besonderem Maße dazu geeignet, viele Systeme zu beherrschen. Eine Nationalmannschaft wie Frankreich ist keine E-Jugend. Abläufe mit denen zu trainieren, dauert keine absurde Ewigkeit. Vor allem dann, wenn Punkt 1 zutrifft. Auch hier: Hat Frankreich.
  • Einen sehr guten Trainer, der genau weiß, an welchen Stellen er Komplexität reduzieren muss. Hat Frankreich nicht.

Es mag der bequeme Weg sein, Defensivfußball spielen zu lassen. Aber dass Frankreich damit trotz dieses Megakaders nur einen relevanten Titel geholt hat, ist kein Argument für deren aktuelle Spielweise.

Es muss ja nicht mal sofort Kompany- oder Flick-Fußball sein. Dazwischen gibt es noch einiges.

Südafrika 2010 (!) was hatte es da gemüllert. Am Ende gewinnt Spanien mit langweiligem Ballbesitzfussball und Tresor vorm eigenen Kasten.

Deutschland und Holland waren die attraktivsten Teams.

Wer und wie gewann 2006 (?), ganz anders dafür die EM 2022. Da hat :italy: richtig Spaß gemacht.

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Im Gegensatz zu 1982 ( :italy: hoch verdienter Sieger, Deutschland chancenlos ) hätten wir 1986 den Titel einstreichen müssen - trotz Maradona.

Nach der bärenstarken 2. HZ und dem überfälligen Ausgleich, war es in der Euphorie schlicht naiv zu glauben in den letzten Minuten alles nach vorne zu hauen um den Sack zuzumachen. In einer Verlängerung, mit Geduld und deutschen Tugenden, hätten wir das Final gewinnen müssen. :disappointed_face: eine der bittersten Niederlagen überhaupt und unnötig dazu.

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…und geözilt. Zum ersten und fast einzigen Mal. Das war wundervoll anzusehen.
Und außerdem die überfällige die Revanche für Wembley :zany_face:

Das ist ja das Ding. Du bekommst das dann nicht mehr eingefangen. Schade. Fand die Mannschaft auch fast stärker als 1990.

Absolut. Wir hatten unser Finale die Runde zuvor gegen Frankreich. Ein ähnliches Spiel wie PSG-FCB. Eines der besten Spiele, leider live nur so nebenbei mitbekommen.

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Ja und nein.

Du hast recht - Weltklasse-Offensivspieler in „Offensivvereinen“ hat Frankreich mehr als genug.
Du hast recht - Deschamps ist und wird kein Offensivtrainer mehr bezüglich seiner Grundphilosophie.

Wo wir nicht übereinstimmen, ist das Thema „Zeit, um komplexere Offensivstrukturen einzutrainieren“.
Die Nationalmannschaften spielen deutlich mehr als die Vereinsmannschaften mit wechselnden Kadern. Jetzt haben sie drei Wochen Vorbereitungszeit. Natürlich gibt es zwischen dem weißen Kompany und dem schwarzen Inter-Mailand-Mourinho noch ganz viele Schattierungen - aber es gibt aus meiner Sicht schon einen deutlichen Anreiz dafür, eher defensiv zu spielen - einfach weil es die sicherere Variante ist. Lässt du Offensivfußball spielen und bekommst es nicht vernünftig eintrainiert, bist du als Trainer der Depp.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich sehe viel lieber Teams zu, die den Ball auch haben wollen.

Nur habe ich bspw. beim deutschen Nationalteam großes Bauchweh. Die wollen den Ball, haben aber weder die Schärfe im Pressing, noch die Intensität im Rückzugsverhalten. Der Sechser- und Achterraum war gegen Finnland für diese einige Male leicht bespielbar. Bessere Gegner schlagen daraus einfach Kapital.

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FRA - BRD 1982 HF in Sevilla war der Hammer !

Tresor, Giresse, Tigana, Platini, Six hatten sich die Zähne ausgebissen….. lach

Für jene die es nicht gesehen haben, unbedingt nachholen !!!

https://www.kicker.de/frankreich-gegen-deutschland-1982-weltmeisterschaft-567853/aufstellung

Nur zu toppen vom Jahrhundertspiel 1970 ITA - BRD HF im Aztekenstadion, welches ich leider nicht sehen konnte…

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Die Deutschen hatten sich gegen Frankreich so ziemlich ausgepowert. Italien hatte ein ziemlich lockeres HF gegen Polen.
Das war es dann vielleicht auch schon.

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Es war nicht die WM des mE wohl stärksten kongenialen Duo Platini-Boniek (Juve) ever!

Das ist für mich einer der Kerne der Analyse. Die Branche ist durch und durch ängstlich und risikoavers. Niemand will der Depp sein. Deshalb scheuen alle das Risiko. Die Trainer im Spiel. Die Vorstände bei der Trainerbesetzung. Im Ergebnis wählt man die Taktik, die alle erwarten: die defensive.

Der “Nobody gets fired for buying IBM”-Effekt ("Nobody Gets Fired For Buying IBM". But They Should.).

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Bessere Gegner schlagen auch daraus Kapital, wenn Deutschland versucht, sich auf etwas zu fokussieren, wo sie die im Verhältnis schlechtesten Spieler in ihrem Kader haben. Nämlich tief verteidigen. Sie haben dafür nicht die entsprechenden Mittelfeldspieler, sie haben dafür nicht die entsprechenden Verteidiger. Den Gegner zum Spielen einladen und dann auf Umschaltsituationen hoffen, würde exakt diese Bereiche noch stärker ins Rampenlicht rücken. Wenn Deutschland am Ende scheitert, dann, weil sie einen schwächeren Kader haben als andere Nationen.

Und genau das ist ein Irrtum, der sich so sehr zumindest in Deutschland festgebrannt hat, dass er als Fakt angesehen wird, der schlicht keiner ist. Ständig scheitern hochklassige Teams in diversen Wettbewerben mit diesem Ansatz, teilweise sogar viel früher als man es bei deren Kader erwarten würde. Nur wird die Spielweise dort dann kaum thematisiert. Warum nicht?

Ich stimme zu, dass es für manche Nationen einfacher ist, die Komplexität zu reduzieren. Das geht aber auch wunderbar mit Offensivfußball. Vor allem dann, wenn man Spieler auf sehr hohem Niveau hat, die in ihrer Karriere schon mehrere Systeme gespielt haben. Ich hatte in meinem Leben das Vergnügen, mit mehreren Trainer*innen auf unterschiedlichen Ebenen zu sprechen. Eines meiner vielen Learnings aus diesen Gesprächen ist, dass es auf Profiniveau zwar auch, aber weniger darauf ankommt, wie lange du ein System spielst, sondern deutlich mehr darauf, welche Qualität du in deinem Team hast und welche Spielertypen. Wenn der Kader gut zusammengestellt ist, dann funktioniert das quasi wie das Schnellladen am Handy, die ersten 80 Prozent gehen super schnell, die 20 Prozent sind dann eben Detailarbeit.

Und ja, es gibt das legitime Argument, dass man schneller bei 100 Prozent ist, wenn man ein System spielt, das weniger komplex ist. Das trifft auf Defensivfußball oft zu. Nur kann man das nicht für jede Mannschaft pauschalisieren. Ich würde sogar behaupten, dass Frankreich das, was sie tun, nicht mal richtig gut tun. Und das, obwohl sie schon so lange mit ihrem Trainer arbeiten. Ja, Fluktuation im Kader und so, aber einige Spieler sind auch schon länger dabei. Dass sie trotzdem viele Spiele gewinnen, liegt weniger am System als viel mehr daran, was für einen unfassbaren Kader sie haben. Gerade auf Nationalmannschaftslevel macht das einen Riesenunterschied.

Denn auch Mannschaften, die Defensivfußball spielen, verteidigen auf dem Level schlechter als jene Teams, die das in der Champions League tun. Das liegt in der Natur der Sache. Und genau hier ergeben sich dann auch wieder die Chancen des Offensivfußballs.

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@justin ist mir zuvorgekommen mit seiner Antwort - und hat das perfekt herausgearbeitet. Ich begegne diesem Ansatz so häufig, unter anderem bei den Teams, die ich selbst trainierte, dass ich da mittlerweile fast allergisch reagiere, weil er sich so hartnäckig hält. Ich habe dafür durchaus Verständnis, so ist es nicht. Man arbeitet ja auch selbst an so manchen Schubladen.

Ich würde zu @justin’s Worten noch hinzufügen, dass es sich aus meiner Sicht immer mehr lohnt, die Stärken eines Teams zu betonen anstelle der Schwächen. Und es ist aus meiner Sicht auch schon Teil deiner eigenen Argumentation, warum etwa die Zeit, um Dinge einzustudieren und Abläufe festzuzurren, auch eher für die offensivere Ausrichtung spricht. Denn gerade in den Defensiv-Abläufen sind Kompaktheit und Eingespielt-Sein sehr relevant. Während in der Offensive mehr Raum für individuelle Klasse herrscht. Und wenn man sich die reinen Defensiv-Qualitäten unserer Spieler in der hinteren Reihe ansieht, fehlt speziell diesbezüglich viel von dem, was ein Stehen im tiefen Block erfolgversprechend machen würde.

Ob wir als Team ein dauer-aggressives Vorwärts-Pressing spielen wollen, ist in der Tat bedenkenswert, speziell bei manchen Gegnern. Aber an einer grundsätzlich offensiven Ausrichtung kann man meiner Ansicht nach kaum zweifeln, denn wenn unsere Stärken irgendwo liegen, dann dort.

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