Fast so leicht wie die Debatten hier darüber, wer nun als Schwarze Person gilt und wer nicht und welche Bezeichnungen nun wie gewählt werden sollten. Den Kritikpunkt finde ich dennoch am berechtigsten von allen deinen genannten Kritikpunkten, das hätte ich nochmal besser gegenprüfen müssen. Die anderen Kritikpunkte sehe ich wiederum einfach nicht.
Selbst wenn es jetzt noch vier andere Schwarze Trainer in der Geschichte der Bundesliga gegeben hätte, dann wären das insgesamt fünf aus insgesamt 477 (ohne Gewähr, ist die erste Zahl, die ich gefunden habe). Das wiederum wären gerade so etwas mehr als ein Prozent.
Es gibt keine Statistiken dazu, aber ich gehe jede Wette, dass die Anzahl an Schwarzen Spielern in der Bundesliga-Geschichte deutlich über diesem Prozent liegt. In Deutschland wird die Zahl an Schwarzen Menschen ebenfalls nur geschätzt und nicht erhoben. Schaut man sich diese Schätz-Zahlen an, liegen diese zumindest leicht über dem fiktiven Prozent, das bei fünf Trainern erreicht wäre.
Wo genau entwertet das also die Kernaussage des Artikels? Geschichte geschrieben hat Kompany immer noch, weil es mit seiner Migrationsgeschichte und dem Rassismus, den er und seine Familie erfahren haben, extrem unwahrscheinlich ist, so einen Weg zu gehen. Wahrscheinlicher ist es, dass irgendein weißer Ex-Profi einen Job bekommt, weil der jemanden kennt, der jemanden kennt. So funktionieren solche Besetzungen relativ häufig.
Kompany hat in mehreren Bereichen seines Lebens herausragendes geleistet. Er musste immer deutlich besser sein als andere, um überhaupt die gleiche Aufmerksamkeit zu bekommen. Inwiefern soll das alles keine Rolle mehr spielen, wenn es noch einen zweiten oder gar dritten Schwarzen Trainer gab? Den Artikel darauf zu reduzieren, dass er in der Bundesliga jetzt nicht direkt damit Geschichte geschrieben hat, der erste zu sein, wird dem Artikel nicht gerecht. Und auch Kompany nicht. Er war immer noch in vielen anderen Bereichen der erste.
Selbst vier oder fünf Trainer hätten die strukturellen Probleme dahinter nicht relativieren können. Zwei oder drei erst recht nicht. Ich sehe hier also weder eine “immense Abschwächung” noch eine Notwendigkeit, das “groß angelegte Wording” (ich finde es nicht groß angelegt, sondern realistisch) zu ändern. Es gibt zahlreiche sehr fundamentale Argumente im Artikel, die auch mit der Ergänzung von zwei oder drei weiteren Trainern fundamental bleiben und nicht beliebig.
Mir ist bewusst, dass das deine Meinung dazu nicht beeinflussen wird. Aber unkommentiert wollte ich diesen Vorwurf auch nicht lassen, weil ich dafür (bis auf die Factchecking-Sache) keinerlei Verständnis aufbringen kann.