Vincent Kompany: Der stille Anführer des FC Bayern

Ich sehe das anders. Wenn man von Schwarzen Menschen spricht, schließt man andere Betroffene nicht aus. Man benennt eine konkrete Form von Rassismuserfahrung. Genau das ist doch wichtig.

Alles sprachlich einzuebnen klingt erstmal offen und fair, führt aber oft nur dazu, dass konkrete Erfahrungen unsichtbar werden. Und damit ist niemandem geholfen.

Nicht jede Form von Diskriminierung ist identisch, und genau deshalb braucht es auch klare Begriffe.

Mich stört an solchen Einwänden, dass sie oft mehr Energie auf das Unbehagen am Wort verwenden als auf das eigentliche Problem. Es werden Menschen herabgesetzt und ausgegrenzt. Für Betroffene ist das keine abstrakte Debatte, sondern Realität. Deshalb sollte man ihre Erfahrungen präzise benennen und nicht aus falsch verstandener Vorsicht verwischen.

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Ich habe meiner Tochter erfolgreich beigebracht, dass sie, wenn sie von einem schwarzen Menschen hört, denkt, die Person ist schwarz gekleidet. Hautfarbenunterschiede sind ihre völlig egal.

Weil das a) leicht zu überprüfen gewesen wäre und b) ein zentraler Absatz des Artikels darauf aufbaut. Der jetzt dergestalt abgeändert wurde, dass er halt erster beim Verein anstatt in der Liga war, ansonsten das groß angelegte Wording („schrieb Kompany Geschichte“ „Bemerkenswert ist dabei weniger die Symbolik an sich, sondern die Selbstverständlichkeit“ " instrumentalisiert sie nicht – aber er ignoriert sie auch nicht" „schafft, etwas zu normalisieren, das im Jahr 2026 eigentlich schon längst nichts Außergewöhnliches mehr sein sollte“) aber bestehen bleibt. Und wenn die zentrale Grundannahme für diesen Absatz in der Dimension deutlich abgeschwächt wird, die Bewertung dessen aber genau gleich blebit, wirkt das mindestens mal sehr beliebig und nicht wirklich fundamental.

Ansonsten stimme ich vielen Positivzuschreibungen und gerade dem Fazit, VK als Glücksgriff zu bewerten, aber uneingeschränkt zu.

Ich fühle mich der Gruppe der „Schwarzen“ aber nicht zugeordnet bin aber trotzdem vom Rassismus betroffen.
Wer hat das Recht, zu definieren, zu welcher Gruppe ich gehöre?

Woher weißt du als Außenstehender, dass wenn du jemanden siehst, der offensichtlich afrikanischen Ursprungs ist, dass er ein „Schwarzer“ ist?

Du und nur du. Und andersherum haben nur andere Personen das Recht, sich selbst so zu bezeichnen, wie sie das wollen. Keine Schwarze Person behauptet oder suggeriert damit, dass es keinen Rassismus gegen Asiat*innen oder andere Gruppen gibt. Das gegeneinander auszuspielen und zu sagen, das schließe Leute aus, finde ich falsch. Denn jeder Rassismus kann deutliche Unterschiede haben.

Rassismus gegen Schwarze kann ganz anders begründet sein als Rassismus gegen Asiat*innen. Sich zu einer Gruppe zugehörig zu fühlen und dadurch Halt und Sicherheit in einem System der Unterdrückung und Benachteiligung zu bekommen, empfinde ich nicht als falsch, sondern als gut. Gerade weil die Erfahrungen sich so deutlich unterscheiden können, sucht man nach Zugehörigkeit in Gruppen, die ähnliche bis gleiche Erfahrungen gemacht haben. Das ist vollkommen normal.

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Durch Gespräche. Es ist in erster Linie nicht entscheidend und wichtig für ein Gespräch auf der Straße. Aber da renne ich doch auch nicht rum und sage „hey Asiate, hey Schwarzer …“

Die Selbstbezeichnung hat eine politische und gesellschaftliche Dimension, die enorm wichtig ist. Deshalb muss sie beim Smalltalk aber keine Rolle spielen.

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Du hast recht. Niemand sollte von außen festlegen, wie du dich selbst bezeichnest.

Aber und das ist der springende Punkt. Daraus folgt nicht, dass der Begriff „Schwarz“ falsch ist. Er ist für viele Menschen eine bewusste Selbstbezeichnung. Entscheidend ist deshalb nicht, ihn allen zuzuschreiben, sondern ihn dort zu respektieren, wo Menschen ihn für sich selbst verwenden.

Eigentlich ganz einfach. Den Rest hat doch @justin geschrieben. Durchs Gespräch erfährst du, wer sich wie bezeichnet.

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Fast so leicht wie die Debatten hier darüber, wer nun als Schwarze Person gilt und wer nicht und welche Bezeichnungen nun wie gewählt werden sollten. Den Kritikpunkt finde ich dennoch am berechtigsten von allen deinen genannten Kritikpunkten, das hätte ich nochmal besser gegenprüfen müssen. Die anderen Kritikpunkte sehe ich wiederum einfach nicht.

Selbst wenn es jetzt noch vier andere Schwarze Trainer in der Geschichte der Bundesliga gegeben hätte, dann wären das insgesamt fünf aus insgesamt 477 (ohne Gewähr, ist die erste Zahl, die ich gefunden habe). Das wiederum wären gerade so etwas mehr als ein Prozent.

Es gibt keine Statistiken dazu, aber ich gehe jede Wette, dass die Anzahl an Schwarzen Spielern in der Bundesliga-Geschichte deutlich über diesem Prozent liegt. In Deutschland wird die Zahl an Schwarzen Menschen ebenfalls nur geschätzt und nicht erhoben. Schaut man sich diese Schätz-Zahlen an, liegen diese zumindest leicht über dem fiktiven Prozent, das bei fünf Trainern erreicht wäre.

Wo genau entwertet das also die Kernaussage des Artikels? Geschichte geschrieben hat Kompany immer noch, weil es mit seiner Migrationsgeschichte und dem Rassismus, den er und seine Familie erfahren haben, extrem unwahrscheinlich ist, so einen Weg zu gehen. Wahrscheinlicher ist es, dass irgendein weißer Ex-Profi einen Job bekommt, weil der jemanden kennt, der jemanden kennt. So funktionieren solche Besetzungen relativ häufig.

Kompany hat in mehreren Bereichen seines Lebens herausragendes geleistet. Er musste immer deutlich besser sein als andere, um überhaupt die gleiche Aufmerksamkeit zu bekommen. Inwiefern soll das alles keine Rolle mehr spielen, wenn es noch einen zweiten oder gar dritten Schwarzen Trainer gab? Den Artikel darauf zu reduzieren, dass er in der Bundesliga jetzt nicht direkt damit Geschichte geschrieben hat, der erste zu sein, wird dem Artikel nicht gerecht. Und auch Kompany nicht. Er war immer noch in vielen anderen Bereichen der erste.

Selbst vier oder fünf Trainer hätten die strukturellen Probleme dahinter nicht relativieren können. Zwei oder drei erst recht nicht. Ich sehe hier also weder eine “immense Abschwächung” noch eine Notwendigkeit, das “groß angelegte Wording” (ich finde es nicht groß angelegt, sondern realistisch) zu ändern. Es gibt zahlreiche sehr fundamentale Argumente im Artikel, die auch mit der Ergänzung von zwei oder drei weiteren Trainern fundamental bleiben und nicht beliebig.

Mir ist bewusst, dass das deine Meinung dazu nicht beeinflussen wird. Aber unkommentiert wollte ich diesen Vorwurf auch nicht lassen, weil ich dafür (bis auf die Factchecking-Sache) keinerlei Verständnis aufbringen kann.

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Ich hab jetzt mal bei anderen europäischen Topclubs nach Trainern (auch historisch) mit POC Background gesucht - erstmal wird man da auch so gut wie null fündig.

Und darum geht es bei VK ja schon auch speziell - das absolute Top-level und eine echte Ära unter einem solchen Trainer.

Er könnte da international bei echtem Topclub einer der Ersten sein, aber mal schauen wer euch da noch so einfällt?

PS: Rijkaard, Barca, ist mir jetzt doch eingefallen. Aber Massen werdens wohl auch da keine und auch das ist ja schon wieder 20 Jahre her ähnlich wie bei Ismael

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Sein Kollege aus dem großen Hollandtrio ihrer Zeit, Ruud Gullit, war mal Spielertrainer bei Chelsea.

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Viele Trainer in der 1. und 2. Liga haben ja früher auch hochklassig gespielt, bestenfalls Bundesliga oder gar in der Nationalmannschaft. Da in Deutschland die meisten Trainer wiederum deutsch(sprachig) sind, wäre das dann vor allem die deutsche Nationalmannschaft. Und da ist in den vergangenen 5-10 Jahren die Anzahl von POC Spielern ja auch gewaltig gestiegen.

Insofern rechne ich auch mit einer künftig steigenden Anzahl von POC Trainern - spätestens, wenn diese Spieler dann die Spielerkarrieren beenden und stattdessen die Trainer Laufbahn einschlagen.

Dass derzeit und in der Vergangenheit nicht so viele POC Trainer höherklassiger Vereine waren und sind, hat sicherlich auch mit Rassismus zu tun. Aber auch damit, dass die Anzahl ehemaliger POC Nationalspieler, die nun auch die Trainer-Fähigkeiten eine Bundesliga Mannschaft zu führen, vorweisen können, deutlich geringer sind.

Ich habe keine Ahnung, ob z.B. Asamoah, Kuranyi oder Odonkor überhaupt Trainer sind, aber persönlich könnte ich sie mir eher speziell als Stürmer/Assistenz Trainer vorstellen, als als Haupttrainer (ähnlich wie beim Football: dort ist ja auch nicht jeder zum Headcoach geeignet, sondern manchmal auch besser als OC / DC aufgehoben). Vielleicht liegt es auch mit an der Position: Gute Trainer haben oft eine Vergangenheit im Mittelfeld oder Verteidigung (wo man schon ihre strategischen/taktischen Fähigkeiten als Spieler erkennen konnte - die sie jetzt als Trainer nutzen (und natürlich weiter ausbauen) können/müssen). Natürlich gibt es Ausnahmen von Stürmern/offensiven Spieler oder auch Torhütern, aber ich denke statistisch signifikant weniger.

Und hier hat es in der Vergangenheit eben noch deutlich weniger POC Spieler in der Nationalmannschaft (oder zumindest im hochklassigen deutschen Fußball) gegeben, als das derzeit (und in den letzten Jahren) der Fall ist (die meisten waren eher offensiv unterwegs). Von daher ist es aus meiner Sicht logisch - und nicht schlicht rassistisch - dass hier auch zunächst Ex-Spieler wie z.B. van Bommel, Gattuso, Zidane, Arteta zunächst Trainerposten erhalten als Nachfolger der Generation Ancelotti oder auch Klopp…

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Müsste es nicht im Artikel heißen: “Der erste schwarze Cheftrainer in der Geschichte der ERSTEN Bundesliga”?

Weil: Daniel Moustapha Thioune

Edit: Hätte ich den kompletten Thread gelesen, hätte ich nicht rumschlaumeiern müssen! Sorry.

Ist Magaths Papa nicht aus Puerto Rico? Macht ihn also zu einem PoC. Und das sogar ein gutes Stück vor Thioune…

Edit: Hätte ich den kompletten Thread gelesen, hätte ich nicht rumschlaumeiern müssen! Sorry.

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Es gibt in Puerto Rico natürlich wie überall PoC.

Latinos/Hispanics…

„Puerto Rico’s population is predominantly Hispanic or Latino (over 98%)“ (wiki)

…laufen im Allgemeinen was ich so lese aber gerade nicht automatisch unter PoC…