Veröffentlicht unter: Wie Vincent Kompany den FC Bayern mit Taten statt Lautstärke anführt
Als Spieler war Vincent Kompany Kapitän, Organisator und Symbolfigur. Als Trainer des FC Bayern München zeigt er, dass Führung nicht immer laut sein muss, um zu funktionieren. Ein Porträt. Als Vincent Kompany im Sommer 2024 Trainer des FC Bayern München wurde, reagierte die Fußballwelt überwiegend mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis. Nach einer ungewöhnlich langen Trainersuche und mehreren prominenten Absagen, die sicher auch ein wenig am Selbstverständnis der Vereinsführung kratzten, entschieden sich die Münchner schließlich für den Belgier – einen Coach, der zwar eine klare Idee, in seinem Job aber noch keine Erfahrung bei einem europäischen Spitzenklub vorweisen konnte. …
Als junger Spieler hatte er mir schon sehr gut gefallen. Seine Entwicklung ist äußerst beeindruckend und vorbildlich.
Was für ein Glücksgriff ! Möge er uns noch lange erhalten bleiben und eine Ära prägen.
Erstmal DANKE für den fundierten Artikel mit etlichen Facts, die ich noch nicht kannte! Sehr interessant und eine Erklärung für das, was VK ausmacht und ihn von Vielen unterscheidet.
Ich muss gestehen, dass ich nach der Verpflichtung von VK aus diversen Gründen äußerst skeptisch war.
Er hatte als Trainer eine überschaubare Erfahrung, er war gerade mit Burnley abgestiegen und er hatte noch nie bei einem top Club als Coach gearbeitet.
Inzwischen hat er mich komplett überzeugt und die o.g. Argumente haben sich als nichtig erwiesen!
Die fehlende Erfahrung spielte offensichtlich keine Rolle, bei Burnley lag es wohl nicht am fehlenden taktischen Konzept und er hat eindrucksvoll bewiesen, dass man auch bei einem top Club wachsen kann.
Hut ab und meinen allergrößten Respekt! Ich traue VK zu, mit diesem Fundament auch unruhige Zeiten zu überstehen und eine Ära bei uns zu prägen!
„Mit seinem Amtsantritt beim FC Bayern schrieb Kompany Geschichte: Er ist der erste Schwarze Cheftrainer in der Geschichte der Bundesliga.“
Interessant, hatte ich überhaupt nicht auf den Schirm.
Abgesehen davon, dass ich den Begriff „Schwarzer“ total unpassend finde sollte es heute egal sein, welche Hautfarbe ein Mensch hat. Allein die Erwähnung als erster Schwarzer festigt die Einordnung eines Weltbildes, das längst überholt ist in einer globalisierten Welt.
Damit tut man all den anderen Trainern (und Funktionäre, Fußballern etc) keinen Gefallen, die ebenfalls einen Hintergrund haben in Afrika, Asien oder sonst wo. Ist Kompany also etwas Besonderes, nur weil er eine 100% dunkle Hautfarbe hat? Oder weil er kein Produkt verschiedener Kulturen ist?
Ein toller Artikel, vielen Dank dafür!
Ich muss (nochmals) gestehen, dass ich bei der Verpflichtung von Vincent Kompany sehr skeptisch war (aus diversesten Gründen). Um es plastisch zu machen: Wenn man mich gefragt hätte, welcher Trainer hier erfolgreich sein würde - Ancelotti oder Kompany - ich hätte IMMER auf Ancelotti getippt! Von dem war ich im Vorwege TOTAL überzeugt und ebenso überzeugt, dass wir mit ihm die Champions League gewinnen würden.
Aber besser skeptisch (oder nicht viel erwarten) und dann positiv überrascht werden, als anders herum…
Unterschiede und deren Bedeutung für Ungleichheit zu ignorieren, die faktisch auch in unserer ach so tollen globalisierten Welt weiterhin vorhanden sind, ist jedenfalls kein Weg. Und der Begriff „Schwarzer“ ist die gängige Selbstbezeichnung.
Es mag ja nett gemeint sein, wenn du schreibst, dass es diese Unterschiede nicht geben sollte und man diese nicht sprachlich manifestieren sollte, aber in dem Moment, in dem man das tut, tut man so, als wären wir im Jahr 2026 schon längst an dem Punkt, an dem Schwarze Menschen nicht benachteiligt würden. Aber da sind wir nicht. Die Unterschiede sind nun mal da. Strukturell, gesellschaftlich, alltäglich. Eine Normalisierung wird nicht dadurch stattfinden, dass man es ignoriert. Also setzen Schwarze Menschen mit dieser Selbstbezeichnung bewusst ein Statement. Ihnen jetzt als Nicht-Betroffener zu sagen: Macht das mal nicht. Nun ja … Würde ich mir zumindest nicht anmaßen.
„Der Begriff Schwarz wird oft als Selbstbezeichnung von Menschen afrikanischer und afro-diasporischer Herkunft, schwarzen Menschen, Menschen dunkler Hautfarbe und People of color gewählt. Das großgeschriebene „S“ wird bewusst gesetzt, um eine sozio-politische Positionierung in einer mehrheitlich weiß dominierten Gesellschaftsordnung zu markieren und gilt als Symbol einer emanzipatorischen Widerständigkeitspraxis.“
Ich habe es beim Lesen des Artikels sehr genossen, wie eine derart komplexe Geschichte einfach und gut strukturiert erzählt wird.
Teilweise las es sich, wie der Stoff zu einem Film (kann ja irgendwan noch kommen
).
Es ist ein Segen, einen solchen Empathen als Trainer zu haben und er ist durch seine Geschichte ein mehr als glaubwürdiger Botschafter gegen Ungleichbehandlung und Unterdrückung, wie sie heutzutage in unserer angeblich fortschrittlichen Welt immer noch vorhanden ist.
Ich finde, beide Aspekte haben ihre Berechtigung. @TBS76 hat das Idealbild für die Zukunft beschrieben, wo hoffentlich Hautfarbe und anderes wirklich keine Rolle mehr in den Köpfen der Menschen spielt und daher auch keine sprachliche Differenzierung mehr notwendig ist.
In der realen Welt sind aber zweifellos rassistische Stereotype unterschiedlichster Levels noch weit verbreitet, oftmals wahrscheinlich eher unbewusst. Da helfen Begriffe wie PoC durchaus, um mindestens bei allen Gutwilligen das Problembewusstsein zu schaffen oder zu schärfen.
Mit dem Problem, dass man nicht wissen kann, ob sich tatsächlich alle Betroffenen mit den Begriffen wohlfühlen; und: die Begriffe sind eher volatil, sobald ein Begriff mal prominent in abwertender Weise gebraucht wurde, muss er eigentlich ausgetauscht werden …
Fun Fact: in meinem Kopf ist „Die Schwarzen“ eigentlich primär ein abwertender Begriff für Unionspolitiker, die wieder mal hanebüchene Entscheidungen getroffen haben … ![]()
Wer Vincent Kompanys Ausführung zu dem Thema gehört hat, der weiß, dass es für ihn eine Rolle gespielt hat. Dass es ihn auch ein geprägt hat. Also ist das Thema relevant.
Ich denke, du hast mich nicht verstanden.
Wieso genau muss erwähnt werden, dass er ein Schwarzer ist?
Eine Frage zur Anregung: Was ist mit Felix Magath? Was unterscheidet Felix Magath von Vincent Kompany, als dass man bei Vincent Kompany extra hervorheben muss, dass er der erste schwarzer Trainer eines Bundesligisten sei?
Ich denke @TBS76 ist seiner Zeit einfach schon voraus.
Wie so viele, für die vieles mittlerweile einfach selbstverständlich ist und die für diese Unterschiede keine Zeit und Energie mehr verschwenden.
2-0 (zwanzigxklatschen)
Kompany wird sportlich an seiner Spielidee, Ergebnissen und Führung gemessen.
Aber die Existenz dieser Dimension komplett wegzuwischen („ist egal“, „der Zeit voraus“) klingt für mich eher nach bequemer Farbblindheit als nach Fortschritt. Fortschritt wäre, es irgendwann wirklich nicht mehr erwähnen zu müssen. So weit sind wir offensichtlich noch nicht.
Und Magath taugt als Beispiel leider auch nicht. Bei Magath hat niemand gesagt „er ist ein weißer Trainer“, weil weiße Trainer schon immer normal waren. Dass man bei Kompany sagt, er ist der erste Schwarze Cheftrainer bei Bayern ist keine Zeitverschwendung. Es zeigt einfach, dass es so etwas bisher nicht gab.
Ich glaube, man muss da zwei Ebenen auseinanderhalten.
Im „Jetzt“ wenn jemand auf dem höchsten Niveau steht und liefert spielt für viele in den Köpfen tatsächlich zuerst die Leistung die Hauptrolle. Kompany wird heute primär als Trainer beurteilt. Spielidee, Ergebnisse, Führung. Punkt.
Aber daraus folgt nicht, dass das Thema „keine Rolle spielt“. Es heißt nur, dass Erfolg vieles überdeckt. Der Weg dorthin war für viele eben nicht neutral. Zuschreibungen, Vorurteile, fehlende Selbstverständlichkeit, manchmal auch offener oder subtiler Rassismus – all das verschwindet nicht einfach, nur weil am Ende sportlicher Erfolg steht.
Man muss einfach nur die Perspektive der Betroffenen einnehmen und dann ist der Weg zum Verstehen auch eigentlich nicht mehr weit.
Katrin ist als Frau mit indonesischen Wurzeln übrigens selbst Betroffene von Rassismus und beschäftigt sich darüber hinaus seit Jahren mit diesen Themen sehr engagiert. Deshalb ist es mir persönlich auch so wichtig, ihr den Raum zu geben, über diese Themen hier zu schreiben.
Für jemanden wie Kompany spielt das Thema Hautfarbe eine übergeordnete Rolle. Er brachte es selbst auf den Punkt: Um das zu erreichen, was er erreicht hat, musste er deutlich mehr arbeiten als die meisten Weißen.
Dass er nun erster Schwarzer Trainer der Bundesliga ist, ist für sich genommen bereits ein Fakt, der untermauert, dass strukturell einiges nicht passt. Wer glaubt denn ernsthaft, dass Kompany der einzige kompetente Schwarze Trainer in der Vergangenheit war? Die anderen wollten einfach nicht, oder wie?
Wer nun behauptet, Hautfarbe sollte sprachlich, gedanklich usw. keine Rolle spielen, der meint es vlt. gut, ignoriert damit aber eben all das, was Betroffene durchmachen müssen. Natürlich muss man solche Fakten also erwähnen, wenn es um Rassismus geht. Und natürlich muss man hervorheben, dass Kompany ein Schwarzer Trainer ist. Weil das Wirkung hat. Vor allem auf Betroffene, wie es Katrin im Text auch schreibt. Es gibt Hoffnung, dass etwas möglich ist. Aber dafür müssen Unterschiede und Probleme auch weiterhin benannt werden.
Das beantwortet nicht meine Frage.
Ab wann ist man ein Schwarzer? (Daher die Frage mit Felix Magath) Was bringt mir diese Einordnung? Wie sehr hilft es der Diskussion? Wie sehr hilft es im Kampf gegen Rassismus?
Hilft es wirklich zu erwähnen, dass er der erste schwarze Bundesliga Trainer ist? (Was übrigens falsch ist!? Was ist mit Daniel Thioune? Felix Magath? Ist die 2. Bundesliga keine Bundesliga?
Und ich sehe es überhaupt nicht so, dass man die Unterschiede wieder und wieder erwähnen muss. Genau das führt immer wieder zur Festigung des Rassismus. Ich bin selbst Asiate und wenn ich im Alltag immer wieder daran erinnert würde, dann wäre ich nicht so integriert. Meine Herkunft spielt im alltäglichen Leben so gut wie keine Rolle. SO sollte es sein und nicht anders. Und genau so ist es bei mir.
Ich bin übrigens auch Trainer. Und zwar Volleyballtrainer seit 35 Jahren. Noch nie, und wirklich seit Anfang an auch bei der Trainerausbildung hat je jemand gesagt, dass ich der erste Asiate wäre im Lehrgang oder Verein. Das wurde nie gesagt oder angedeutet. Aber, es gibt selbstverständlich noch Menschen, die gerne in Kategorien denken.
Ist dies nicht das, was wir wollen?
Farbblindheit und es nicht mehr erwähnen müssen?
Warum dann Menschen die das bereits so handhaben als rückständig bezeichnen und nicht als fortschrittlich loben?
Das wusste am Anfang letzter Saison keiner. Und auch da hab ich keine Stimmen vernommen, die die Hautfarbe von Kompany zum Thema machten.
Das muss man auch nicht . Aber darauf hinzuweisen darf man eben auch. Der Artikel beschreibt den Werdegang. Da ist es doch passend. Warum sollte es dafür nicht relevant sein?
Wenn wir über Taktik, Führung etc. reden. Über seine aktuelle Arbeit, da ist es nicht relevant.
Ist das zu kompliziert? Glaube eher nicht .
Vielleicht noch etwas dazu in eigener Sache.
Warum stehe ich bei solchen Themen klar auf der Seite der Menschen, die mit Stigmatisierung und Ausgrenzung leben müssen?
Das hat für mich nichts mit irgendeiner politischen Richtung zu tun. Ich für mich bin nicht links und auch nicht rechts. Ich für mich möchte vor allem möglichst frei sein. Es geht mir darum nicht um Lagerdenken, wie ich es hier immer wieder mitbekomme. Es geht um Anstand, um Charakter und um die Verantwortung jedes Einzelnen.
Denn am Ende sind es immer der Einzelne, der den Unterschied macht. Der der herabsetzt. Der der dazu schweigt. Aber eben auch der der Widerspricht, der klar sagt, bis hierhin und nicht weiter.
Was ich besonders schwierig finde, ist dieses Scheinheilige. Dieses so tun, als sei doch gar nichts dabei. Als sei das alles nicht so gemeint. Als sei man selbst ja ganz sicher keiner von „denen“. Aber genau darin liegt oft das Problem.
Wer seine Stimme nicht erhebt, wenn Menschen diskriminiert, ausgegrenzt oder abgewertet werden, macht die Sache eben nicht neutraler, sondern schlimmer. Nicht weil er selbst laut beleidigt, sondern weil er dazu beiträgt, dass andere es ungestört tun können.
Mein Freund Camus, der mich durchs Leben begleitet wusste, dass Unrecht nicht nur von denen lebt, die es offen begehen, sondern auch von denen, die es verharmlosen, beschönigen oder ihm aus Bequemlichkeit ausweichen.
Genau deshalb ist Schweigen eben nicht immer neutral. Manchmal ist es Teil des Problems. Und genau deshalb kann auch der Einzelne einen Unterschied machen indem er sich weigert, bei Herabsetzung und Ausgrenzung still mitzulaufen.
Ausgrenzung hat viele Formen. Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Herkunft, Sprache, Aussehen oder einfach die Tatsache, dass jemand nicht in das passt, was manche für „normal“ halten. Es reicht ganz oft einfach anders zu sein als die Masse. Diese Ausgrenzung beginnt sehr früh. Auf dem Kinderspielplatz, in der Schule, im Sport, im Alltag. Für viele hört sie nie wirklich auf.
Hier in so einem Forum ist es gerade deshalb ist es nicht egal, wie wir reden, welche Begriffe wir verwenden und was wir durchgehen lassen. Worte können sehr verletzlich sein. Da sage ich nichts Neues. Worte können Menschen klein machen und ihnen immer wieder das Gefühl geben, nicht dazuzugehören. Und noch schlimmer wird es, wenn andere das sehen und so tun, als sei das alles halb so wild.
Jeder Einzelne trägt Verantwortung für sein eigenes Handeln. Für das, was er sagt. Für das, was er schreibt. Aber auch für das, was er stillschweigend mitträgt. Man muss nicht perfekt sein. Aber man sollte wenigstens bereit sein, klar Stellung zu beziehen, wenn andere wegen dem, was sie sind, herabgesetzt werden.
Ich wollte das einfach einwerfen, weil wir hier uns alle paar Tage bei einem Thema in dem es um solche Begrifflichkeiten geht, im Kreis drehen. Unnötigerweise.
Ich verstehe, was du meinst – gerade wenn man selbst die Erfahrung gemacht hat, dass Herkunft im eigenen Alltag keine große Rolle spielt, wünscht man sich natürlich, dass das für alle so wäre. Gleichzeitig ist genau das aber der Punkt: Deine Erfahrung ist eine individuelle und leider nicht die Realität vieler anderer Menschen. Dass du als Asiate im Sport nie darauf reduziert wurdest, ist schön. Aber es bedeutet nicht, dass strukturelle Themen oder fehlende Repräsentation nicht existieren.
Die Erwähnung, dass jemand der erste Schwarze Bundesliga-Trainer ist, soll ja nicht „kategorisieren um der Kategorisierung willen“, sondern sichtbar machen, dass bestimmte Gruppen in solchen Positionen bislang kaum oder gar nicht vertreten waren. Ohne diese Einordnung würde man diese Ungleichgewichte unsichtbar lassen. Und genau das hilft eben nicht im Kampf gegen Rassismus, weil man Probleme, die man nicht benennt, auch nicht verändern kann.
Dein Wunsch nach einer „farbenblinden Gesellschaft ist nachvollziehbar. Aber es ist eben nur ein Wunsch. Viele Menschen erleben eben, dass ihre Hautfarbe sehr wohl eine Rolle spielt, ob sie wollen oder nicht. Solange das so ist, bleibt es wichtig, darüber zu sprechen.
Kurz gesagt: Es freut mich sehr, dass du diese Erfahrungen nicht machen musstest. Aber daraus lässt sich leider nicht ableiten, dass das Thema für alle erledigt ist.