Veröffentlicht unter: Campus-Kritik beim FC Bayern: "Teilweise anders erlebt"!
Der FC Bayern München schlägt Leipzig mit 6:0. Joshua Kimmich kritisiert danach den Campus mit einem spannenden Seitenhieb. Die wichtigsten Stimmen. Es war ein Start, wie man ihn sich beim FC Bayern München zuvor allenfalls erträumt hätte. Gegen Mitkonkurrent Leipzig gewinnt der FCB mit 6:0. Gegen die Filiale eines Brauseherstellers aus Österreich schickte der amtierende Meister damit ein klares Signal an die Konkurrenz. KEINEN ARTIKEL MEHR VERPASSEN – JETZT UNSEREN WHATSAPP-KANAL ABONNIEREN! „Es war tatsächlich ein sehr guter Start“, sagte Joshua Kimmich hinterher bei Sky: „Nicht nur vom Ergebnis, sondern auch von der Art und Weise war es schon stark…
„Mitkonkurrent“

Irgendwie müssen wir ja so tun, als wäre die Bundesliga ein Wettbewerb. No?
These: Wenn die Bayern jetzt keinen weiteren Spieler mehr verpflichten, werden sie keine schlechtere Saison spielen als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre, gemessen an den Punkten in der Bundesliga und der Tiefe des Vordringens in den Ausscheidungsturnieren.
Ich würde der These zustimmen. Ich würde aber auch sagen, dass ein oder zwei neue Spieler, die man jetzt per Leihe bekommt, die Chancen nicht signifikant erhöhen. Im DFB Pokal hatte man in den letzten Jahren auch einfach Pech. Da hätte eine höhere Kadertiefe glaube ich nichts großartig verändert. Und in der Champions League ist es egal ob die Kadertiefe da ist oder nicht, sofern die Topstars nicht fit sind. Und natürlich verringert sich die Chance von Verletzungen, wenn man rotieren kann. Aber viele Verletzungen die man in den letzten Jahren hatte (Musiala, Davies, Sané, Upamecano, Gnabry) waren eher nicht systematisch mit zu hoher Belastung zu erklären sondern das war bei den Verletzungen einfach Pech.
Aber ist die Kadertiefe nicht genau deswegen wichtig, um die Belastung zu steuern, um die Verletzungen der wichtigen Spieler zu minimieren?
#1 und damit die Belastung steuern kann.
Das schreibe ich doch. Aber wenn sich unsere Spieler wie Musiala, Pavlovic oder Davies verletzen, dann sind diese Verletzungen nicht auf zu hohe Belastung zurückzuführen sondern einfach Pech. Und dann verhindert ein größerer Kader auch keine Verletzungen.
Es gibt Chancen, dass das für diese Saison funktionieren könnte, auch Glück genannt. Aber davon abgesehen hat die These für mich massive Juventus-Turin-Vibes.
National sehe ich aktuell nicht wirklich, welcher Verein Bayern gefährlich werden sollte. Da könnte man 70 Punkte holen und immer noch mit 10 Punkten Vorsprung Meister werden. International wird es halt schwierig.
Genau so ist es. Und vor allem nützt der größere Kader nur dann etwas, wenn die Ersatzspieler ähnlich gut sind wie die genannten. Aber solche Spieler gibt es wenn überhaupt nur für horrende Summen - oder sie kommen eh nicht, weil sie lieber anderswo Stammspieler sind …
Ein breiter Kader ist insofern eine Fata Morgana. Was nicht heißt, dass wir nicht aktuell noch 1 bis 2 Offensive gut brauchen könnten ![]()
Genauso sehe ich das auch. Man könnte jetzt Spieler leihen und wird das wahrscheinlich auch tun, aber wegen diesen Spielern wahrscheinlich nicht die Champions League gewinnen, da es Spieler wie Perisic oder Coutinho aktuell wohl nicht auf dem Markt gibt. Man könnte einen Nkunku kaufen und er könnte den Unterschied machen (wenn er fit bleibt). Aber schlussendlich wird das nicht passieren und wir können uns auf eine mittlere Saison im internationalen Geschäft vorbereiten.
Nennen wir die anderen doch einfach
„Marktbegleiter“…
Gerade Davies und Upa mussten fast jedes Spiel über 90 Minuten machen. Es gab keinerlei Rotation. Keine Pausen. Nicht mal Auswechslungen in der 60. Minute waren bei den beiden ein Thema.
Die hatten auch vor ihren größeren Verletzungen schon mehrere Ausfälle. Davies hatte zwei muskuläre Geschichten eine davon setzte ihn schon im Winter einen Monat lang außer Gefecht. Upa hatte immer wieder kleinere Probleme und fiel dann Ende Februar auch schon für 3 Wochen aus.
Wir haben natürlich keine Glaskugel und wissen nicht, was passiert wäre, wäre ein Ito fit gewesen und hätte Spielzeit von den beiden abnehmen können. Es gibt sicherlich auch Verletzungen die einfach Pech sind (da würde mir vor allem Musiala einfallen). Gerade bei Davies und Upa kann man jedoch schon sagen, dass man es hier systematisch drauf angelegt hat.
Dazu kommt dann ja noch, dass Kim sogar trotz Verletzung permanent spielen musste. Nur bei Laimer gab es meiner Meinung nach eine gesunde Rotation. Der hatte ab und zu mal ein Spiel Pause bekommen und wurde auch immer wieder mal frühzeitig ausgewechselt.
Aber können freie Gelenkkörper mit Knorpelschäden und ein Kreuzbandriss auf zu hohe Belastung zurückgeführt werden. Ich sage nicht, dass man das nicht könnte, aber solche Verletzungen können auch einfach zufällig auftreten. Und deswegen meine ich ja, dass Bayern da einfach viel Pech hatte.
Immer Glück ist Können. Was ist dann immer Pech?
Man würde das dann wohl Unvermögen nennen. Aber ich weiß nicht wie das aussehen sollte.
Die interessante Frage in diesem Zusammenhang ist doch, welche absoluten und relativen Wahrscheinlichkeiten Verletzungen durch Pech und Verletzungen durch Abnutzung haben.
Wir können vereinfacht annehmen, dass Pechverletzungen eine ungefähr konstante Eintrittswahrscheinlichkeit pro Zeiteinheit haben. Von einem Gegenspieler so abgeräumt zu werden, dass man sich die Schulter bricht, das Kreuzband reißt oder einen spielbeendenden Pferdekuss bekommt, ist in der vierten Minute ungefähr genauso wahrscheinlich wie in der 52. oder 85. Minute.
Die Wahrscheinlichkeit von Abnutzungsverletzungen jedoch sollte mit zusätzlicher Belastung (= Abnutzung) steigen, denn das ist ja gewissermaßen gerade das, was dieser Begriff ausdrücken will und ansonsten würde ja auch die Idee von Schonung, um Verletzungen vorzubeugen, keinen Sinn ergeben. Wir dürfen bei Abnutzungsverletzungen also eine steigende Wahrscheinlichkeit pro gespielter Zeiteinheit unterstellen.
Graphisch würde diese Idee ungefähr so aussehen:
(Auf der x-Achse könnte man statt der Minuten in einem Spiel auch die Anzahl der Spiele in einer Saison abtragen.)
Die entscheidenden Fragen sind nun:
- Wie hoch sind die Wahrscheinlichkeiten für Pechverletzungen und Abnutzungsverletzungen im Zeitablauf absolut betrachtet?
- Welche relative Bedeutung zueinander haben Pechverletzungen und Abnutzungsverletzungen im Zeitablauf?
Zu 1) Wenn die Wahrscheinlichkeit von Pechverletzungen und Abnutzungsverletzungen pro Zeiteinheit absolut betrachtet sehr gering sind (selbst an den Stellen, wo die Abnutzungsverletzungen ihren Maximalausschlag haben), dann ergeben große Kader weder hinsichtlich der Möglichkeit der verleztungsvorbeugenden Schonung durch Rotation und Pausen etc. noch hinsichtlich der Möglichkeit des Ausgleichs von Pechverletzungen im Laufe der Saison Sinn. Dann wäre es klüger, einen relativ höheren Anteil des verfügbaren Kapitals auf die ersten elf Spieler zu konzentrieren und relativ weniger auf die Plätze 12 bis 16 oder 18 zu verwenden, um etwaige Verletzungen im Laufe der Saison hochwertig ausgleichen oder durch Pausen vorbeugen zu können.
Wenn aber die Wahrscheinlichkeit von Pechverletzungen oder Abnutzungsverletzungen im Zeitablauf so hoch ist, dass sie eine optimale Kadergröße von deutlich über 11 Spielern nach sich ziehen, dann ergeben sich zwei Möglichkeiten:
2.1) Wenn die Wahrscheinlichkeit einer Pechverletzung die Wahrscheinlichkeit einer Abnutzungsverletzung über den gesamten Zeitstrahl hinweg deutlich übertrifft (anders, als in meiner Grafik dargestellt), dann können große Kader zwar helfen, Pechverletzungen auszugleichen, aber nicht so sehr, durch Schonung bzw. Rotation Verletzungen vorzubeugen.
2.2) Wenn jedoch Abnutzungsverletzungen über einen ausreichend großen Bereich des Zeitstrahls das deutlich größere Problem sind, dann ist auch vorbeugende Schonung bzw. Rotation sinnvoll und dann ergeben große Kader auch hinsichtlich der Verletzungsvorbeugung Sinn.
Ich denke, es ist empirisch relativ eindeutig, dass das Risiko einer Verletzung aus allen Gründen so hoch ist, dass mehr als 11 hochwertige Spieler zu haben sehr empfehlenswert ist, wenn man eine Saison erfolgreich gestalten will.
Die für mich empirisch interessante Frage ist, welche relative Bedeutung Pechverletzungen und Abnutzungsverletzungen haben, ob also einen großen Kader zu haben relevanter ist, weil man Pechverletzungen wie die von Musiala in der vergangenen Saison ausgleichen möchte oder muss oder weil die Möglichkeit der Rotation Abnutzungsverletzungen vorbeugt.
Aufgrund des Präventionsparadoxons lassen sich durch Rotation bzw. Schonung vorgebeugte Abnutzungsverletzungen nicht positiv feststellen. Um den Effekt von Rotation bzw. Schonung auf die Häufigkeit von Verletzungen identifizieren zu können, müsste man die Verletzungshäufigkeiten von Mannschaften mit kleinen und großen Kadern miteinander vergleichen und dabei auch versuchen, den Pechverletzungsanteil herauszurechnen. Wenn Mannschaften mit kleinen eingesetzten Kadern häufiger verletzungsbedingte Ausfälle von Spielern in der Endphase von Spielen, im dritten Spiel einer besonders intensiven Woche oder in der Endphase einer Saison zu verzeichnen haben als Mannschaften mit größeren eingesetzten Kadern, dann wäre das ein ziemlich guter Indikator, dass Abnutzungsverletzungen gegenüber Pechverletzungen tatsächlich eine signifikante Bedeutung haben.
Meisterschaftsermöglicher?
Punktelieferant wäre zu überheblich.
Danke für die Anregungen. Ich möchte den Gedanken aufgreifen und die von dir genannten Pechverletzungen ein wenig betrachten.
Ja, Verletzungen können einfach durch schwer beeinflusbare Umstände entstehen. Für den Beinbruch Musialas musste schon sehr viel zusammenkommen, damit diese Freaksituation so ausgeht wie in diesem Fall. Allerdings denke ich, dass gewisse Verletzungen nicht nur durch Pech sondern auch ein finaler Ausdruck von Abnutzung sein können. Hierzu ein paar Beispiele:
Ein Spieler steigt hoch zum Kopfball, fällt unglücklich und bricht sich Schulter, Schlüsselbein o.ä. - keine typische Fußballverletzung. Der Körper des Spielers war aber schon so müde, dass er im Luftduell nicht mehr richtig gegenhalten konnte, das Gleichgewicht verlor und entsprechend hart landete.
Ein Spieler reisst sich die Achillessehne. Freakig. Kann aber auch begünstigt sein durch feinste Verletzungen der Wadenmuskulatur nach zu viel Belastung.
Hierzu ein Sportmediziner:
„Nach einem Fußballspiel über 90 Minuten braucht die Muskulatur in der Regel vier bis fünf Tage, um sich wieder komplett zu erholen“, erklärt Sportmediziner Bloch. „Bei hohen Belastungen entstehen Mikro-Schädigungen der Muskulatur. Diese Schädigungen sind nicht schlimm. Aber wenn ich nicht die Zeit habe, sie auszukurieren, wird es zu einem Problem. Die Verletzungsgefahr steigt.“
Ähnlich ein Kreuzbandriss, der häufig aus einer Verdrehung oder Überstreckung des Knies entsteht. Meist zufällig, der Fuß bleibt bspw. im Boden hängen. Aber auch hier kann es ein Resultat von Müdigkeit sein. Der Spieler läuft nicht mehr im Rhythmus, bekommt z.B. einen Fuß nicht mehr sauber gehoben. Ein anderes Szenario: er wird rüde von der Seite weggegrätscht. Aber war die Zweikampfführung des Gegenspielers so gewollt? Oder hat er sich verschätzt und die Attacke aufgrund von Überbelastung falsch ausgeführt?
Was ich sagen möchte: es gibt keine absolute Trennung zwischen Pech- und Abnutzungsverletzungen. Mehr noch korellieren sie zueinander. Bei ESPN wurde im Juli mit medizinischen Experten versucht zu ermitteln, warum sich die Anzahl der Achillessehnenrisse, besonders bei Starspielern, in der NBA signifikant erhöhte. Hierzu ein paar Auszüge:
Star players spent 39 or 40 minutes on the court per playoff game rather than 25-30 minutes of playing time with break games during the regular season.
„One of the things we know is whenever you increase the minutes you play over a period of five to 10 games, there’s an increase in injury risk,“ Pandya said.
Pandya also said today’s athletes bring more „mileage“ than older athletes because they start playing at a high level at a young age.
„If you’re looking at a calf muscle or the ligaments and tendons of the average 22-year-old player,“ he said, „they’ve already had so much mileage on them, compared to players 30 or 40 years ago who weren’t doing that.“
Vielen Dank für Deine kritische und gedankenvolle Antwort. Das freut mich.
Ich meinte die Differenz zwischen Pechverletzung und Abnutzungsverletzung analytisch: Nimm von der Verletzungswahrscheinlichkeit den Anteil, der sich in Abhängigkeit von der Einsatzdauer des Spielers ändert und trenne davon den Rest ab, der zeitunabhängig immer gleich hoch bleibt. Den ersten Anteil nenne ich „Abnutzungsverletzung“. Den zweiten Anteil – den Rest – nenne ich „Pechverletzung“. Ich unterstelle dabei analytisch, dass es in jeder Sekunde des Spiels eine Chance auf eine Verletzung gibt, die unabhängig von der Einsatzseit des Spielers ist. Wenn diese Chance null Prozent beträgt, gibt es keine Pechverletzungen. Dann ist jede Verletzung eine reine Abnutzungsverletzung, deren Wahrscheinlichkeit immer mit der Einsatzzeit des Spielers zusammenhängt. Wenn diese Chance jedoch größer als null Prozent ist, dann ist es genau dieser Anteil, den ich „Pechverletzung“ nenne (und analytisch von dem zeitabhängigen Rest trenne).
Die interessanten Fragen, um daraus Ableitungen für die Praxis zu ziehen, sind nun die, wie hoch der Pechverletzungsanteil gegenüber dem Abnutzungsverletzungsanteil ist und wie hoch die Verletzungswahrscheinlichkeit insgesamt ist. Verletzen sich Spieler überwiegend aus Pech oder überwiegend, weil sie zu viel eingesetzt werden? Wie hoch ist die Verletzungswahrscheinlichkeit eines Spielers im Laufe einer Saison insgesamt, gegeben bestimmte Einsatzprofile? Die Antworten auf solche Fragen sind von großer Bedeutung für die Bestimmung der optimalen Kadergröße. Plakativ gesagt: Wenn ich wüsste, dass sich kein Spieler jemals aus irgendeinem Grund verletzt, dann bräuchte ich zumindest aus Gründen der Verletzungsvorbeugung und das Verletzungsausgleichs nie mehr als elf Spieler im Kader (es gibt natürlich noch einige andere Gründe, warum es angeraten ist, mehr als elf Spieler im Kader zu haben). Wenn ich weiß, dass sich Spieler vor allem aus Pech und nicht so sehr wegen Abnutzung verletzen, dann sieht mein optimaler Kader anders aus, als wenn das Umgekehrte gilt usw.
Ich hoffe, meine Aussage ist nun verständlicher geworden?
