was sollte auch dagegen sprechen? das die Männer dann von weiblichen Reizen abgelenkt werden und nicht mehr an sich halten können? ![]()
Ist ja zumindest ein (dummes) Argument, das immer wieder genannt wird bei solchen Geschichten.
Beim FC Bayern gibt es übrigens ja auch immer wieder Kontaktpunkte zwischen den Jugendteams (m) und den Frauen. Und auch hier habe ich bisher viel positives gehört aus beiden Richtungen.
Kramer war 2014 Weltmeister und ging im Endspiel k.o. Alle deutschen Spieler kennen ihn.
Hallo Justin, das Thema ist durchaus legitim. Ohne die oberlehrer-hafte Darstellung, die negative Reaktionen schon vorwegnimmt, wäre der Beitrag stärker. Gut gemacht Serge Gnabry und Nicolas Jackson. - Man konnte es auf X nicht sehen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit hatte sich der Moderator den Bayernspielern zugewandt, als die Spieler angefangen haben, dort vorbeizukommen. Was wäre er sonst für eine TV Persönlichkeit? Er wurde dann genauso behandelt wie Tabea Kemme.
Die deutschen ja. Die kennen ihn.
Aber z.B. Olise oder Jackson?
Ja, ich halte das für ausgesprochen plausibel. Ich glaube, nicht einer in meinem Bekannten-und Freundeskreis, der sich für Fußball interessiert, würde die ohne ihren Expertenkrams kennen.
Und bei den professionellen Fußballspielern gibt es ja sogar noch einen beruflichen Anreiz, das eigene zeitig beschränkte Konsumverhalten voll auf Herrenfußball auszurichten.
Ich finde den Punkt mit den teilweise wirklich üblen Kommentaren gegenüber Tabea Kemme absolut berechtigt – sowas geht gar nicht.
Beim konkreten Vorfall selbst bin ich mir aber nicht sicher, ob man daraus wirklich strukturellen Sexismus ableiten kann. Die Spieler kennen die männlichen Experten zum Teil persönlich aus dem Fußballumfeld, da liegt es nahe, dass sie zuerst diese begrüßen.
Der Artikel ist ja auch eher ein Kommentar als eine Analyse und nutzt die Szene eher als Aufhänger für eine größere Debatte. Das kann man machen, aber der konkrete Beleg für Sexismus in dieser Situation bleibt dadurch ziemlich dünn.
Ich glaube, man sollte zwei Dinge trennen:
1.Der teilweise respektlose Umgang mit Frauen im Netz der ist real.
2.Die konkrete Szene nach dem Spiel die lässt mehrere mögliche Erklärungen zu, ohne dass man sofort von strukturellem Sexismus ausgehen muss
Warum ich differenziere? Weil es einen Unterschied macht, ob ich das Verhalten der Spieler kritisiere oder das Verhalten des Redakteurs, der dachte, ich lade das hoch und schreibe etwas unpassendes darunter. Du kannst ja nicht die Aussage und das Framing des Artikels komplett Kemmer zu schieben.
Verzeihe mir meine Polemik. Aber du hast ja in deinem Leben schon mal einen Gym gesehen. Warum sollten Geräte, die überall auf der Welt von Männern und Frauen genutzt werden, nicht auch bei Fußball-Profis von allen Geschlechtern genutzt werden? Cardozo und Goretzka werden doch auch nicht die gleichen Kraft-Werte bzw. Einstellungen verwenden.
Und wer trennt das konkret nicht?
Ich habe mich schon mit vielen Frauen direkt aus der Fußballbranche unterhalten. Kolleginnen, weibliche Funktionäre, Fußballerinnen, Ex-Fußballerinnen. Wenn ich jedes Mal einen Euro bekäme, wenn die mir erzählen, wie Männer im Business mit ihnen umgehen, wäre das Finanzierungskonzept von Miasanrot deutlich einfacher.
Das mindestens unterbewusste, manchmal auch aktive Ignorieren von Frauen im selben Raum ist eine Geschichte, die sich wiederholt. Sehr oft. Es ist ein Muster. Man muss in der konkreten Sache nicht zum Fazit kommen, dass die Bayern-Spieler alle Sexisten sind. Aber man muss die Frage stellen, was alles dazu führen kann und warum das eben kein Einzelfall ist, sondern es ständig passiert. Nur eben diesmal ausnahmsweise mit Kamera. Und wenn man da aufrichtig und ehrlich drüber nachdenkt, landet man bei vielen Ursachen. Auch bei sexistischen. Unsere Gesellschaft wurde mit vielen sexistischen Denk- und Handlungsmustern sozialisiert. Die Frage ist, ob man(n) das akzeptieren und darüber reflektieren kann oder ob man sich bei jedem Einzelfall in Ausreden und Rechtfertigungen flüchtet.
Ich persönlich möchte hier nicht wieder ein eine solche Diskussion einsteigen.
Tatsache ist, dass die Expertin Tabea Kemme sich nicht gut behandelt gefühlt hat.
Ich finde nur schon diese Tatsache sagt uns doch, dass so etwas nicht sein darf.
Ich käme mir auch blöd vor, wenn da 20 Typen an mir vorbeigehen und mit dem vor und nach mir abklatschen und mich stehen lassen. Eine Entschuldigung für ein solches Verhalten, gerade wenn die Betroffene selbst sagt, dass es für sie nicht in Ordnung war, müsste eine Selbstverständlichkeit sein.
Über die Gründe, warum es zu so etwas kommt, darf man ruhig nachdenken.
Ich bin ja nun weiß Gott nicht der Hardcore-Fan, auch nicht des Frauenfußballs. Dennoch ist mir Tabea Kemme schon aus ihrer aktiven Karriere sehr wohl bekannt. Anders wäre es nur dann, wenn ich den Frauenfußball für mich komplett ausgeblendet hätte.
Sie hat am Dienstag übrigens für mein Empfinden durchaus kompetente und gegenüber dem FCB wertschätzende Kommentare beigesteuert. Das Verhalten der Spieler mag unbedacht und wenig einfühlsam gewesen sein - mit erfreulichen Ausnahmen. Unterm Strich kann man es sexistisch (wenn auch wahrscheinlich unbeabsichtigt; das wäre ja auch noch schöner) nennen. Der nachträgliche Shitstorm, dem sie sich nun wohl ausgesetzt sieht, ist vollkommen unakzeptabel.
"Kein vernunftbegabter und empathischer Mensch will ein Sexist sein. Man fühlt sich angegriffen dadurch. Aber das ist nicht der Punkt.
Viele vernunftbegabte und empathische Menschen tragen sexistische Verhaltensmuster in sich, die reflektiert werden sollten und müssen, wenn wir die leeren Worthülsen rund um „Gleichberechtigung“ auch mit Taten füllen wollen – und das geht eben bereits da los, wo Frauen, obwohl sie direkt daneben stehen, nicht begrüßt werden. Es geht nicht darum, jemanden zu belehren oder sich moralisch abzuheben.
Es geht darum, gemeinsam zu lernen und es ernst zu nehmen, wenn Teile unserer Gesellschaft äußern, dass ein Verhaltensmuster nicht in Ordnung ist."
Wunderbar auf den Punkt gebracht, @justin
Die Leute, die die Kommentarspalten zumüllen erreicht man eh nicht.
Entscheidend ist aber auch bei den vernünftigen Menschen noch mehr Bewusstsein für solche Situationen zu schaffen.
Denn dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit gutem Beispiel vorangeht und die Herde (am Ende sind wir alle auch Herdentiere) dem folgt…
Indirekt vielleicht schon, wenn ihnen auch aus einer Ecke, in der sie sich eigentlich sicher fühlen, signalisiert wird, dass ihr Verhalten problematisch ist. Und gerade ein Fußballforum stellt möglicherweise eine solche Nische dar.
Der Text hat ja zumindest bewirkt, dass auch Leute darüber kurz nachdenken, die der festen Überzeugung sind, dass das alles Quatsch ist. Auch wenn diese Leute dann nicht zu einem anderen Schluss kommen, wurde sich zumindest kurz damit auseinandergesetzt. Meine Argumente sind ja vorgetragen. Viel mehr kann man dann nicht tun, außer zu akzeptieren, dass sie nicht alle überzeugen können. Und manch einer ist dann vielleicht sogar doch überzeugt. Dann ist doch schon viel gewonnen. Allein durch die (ernsthafte) Auseinandersetzung damit.
Es kamen gestern aber auch drei E-Mails rein und ehrlichgesagt bin ich immer schon auf das Schlimmste vorbereitet. Aus Erfahrung. Diese mails waren aber größtenteils sehr positiv und bedankten sich für die Auseinandersetzung mit dem Thema – darunter auch ein Mann, der meinte, er habe sich vorher bei dem Video nicht viel gedacht, sehe das jetzt dank des Artikels aber anders. Manchmal sind es solche kleinen Dinge, die mir den Tag versüßen.
Und natürlich gibt es immer auch die, die vehement dagegen anargumentieren, die das Thema Sexismus in Fußball und Gesellschaft nicht als wirklich existent betrachten und mir vorwerfen, ich würde aus einer Mücke einen Elefanten machen. Auch das kam gestern per Mail rein. Aber solche Kommentare sind für mich eher Ansporn, immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen.
Ich habe mich wie oben beschrieben, schon mit vielen Frauen in verschiedenen Positionen im Fußball unterhalten. Und der Tenor ist immer ähnlich. Von so vermeintlich kleinen Dingen bis hin zur „Chancengleichheit“ in Ausbildung und Führungspositionen. Frauen müssen in aller Regel deutlich mehr leisten als Männer, um eine Chance zu haben. Oder sie müssen sich fügen und anpassen. Aber bitte nicht unbequem sein, bitte nicht anstrengend sein, bitte nicht zu viel wollen. Und und und …
Jetzt kann man sagen, ich schweife hier ganz schön ab. Aber all das geht da los, wo Frauen sichtbar oder eben unsichtbar sind. Und wenn es „nur“ ein paar von Emotionen durchflutete Spieler sind, die unabsichtlich an Kemme vorbeilaufen, dann ist das eben trotzdem eine Außenwirkung die zu den Erfahrungsberichten sehr vieler Frauen in diesem Business passt.
Und da reden wir noch gar nicht von den Personen, die genau wissen, dass dieser existiert, aber dies sogar gutheißen und das Thema deswegen negieren und es in die Lächerlichkeit zu ziehen versuchen.
Es löst eben den stärksten Beißfeflex aus, wenn man sich in seiner eigenen Männlichkeit verunsichert fühlt und es dann deswegen mit überbordender “Männlichkeit” (was mit Männlichkeit dann aber nichts zu tun hat) zu kaschieren versucht, was zumeist eher peinlich als beeindruckend ist, nur leider einfach so viel Lärm verursacht, dass das eigentlich Thema mit den beschähmenden Absonderungen dieser Personen zugemüllt und zugeschüttet wird.
Wenn man also auf der anderen Seite nicht so niveaulos und so peinlich laut werden möchte, dann muss man dies immer wieder und mühselig wiederholen und wiederholen und wiederholen, so wie Justin das auch macht.
Dafür danke!
Noch würde mal die Meinung der weiblichen Redaktionsmitglieder interessieren.
Ich lese die Diskussion hier mit großem Interesse – auch, oder gerade aus Sicht einer der wenigen weiblichen Redaktionsmitglieder von Miasanrot. Und ein Gedanke, den ich gern teilen würde:
Für viele Männer wirkt die Szene wahrscheinlich banal. Ein Spieler übersieht jemanden, vielleicht aus Versehen, vielleicht aus Routine, vielleicht weil er einfach weitergehen will. Das kann absolut sein.
Für viele Frauen fühlt sich so eine Situation aber anders an – weil man sie in ähnlicher Form oft erlebt. Dass man in so einer Runde steht und irgendwie „nicht gemeint“ ist. Dass man das Gefühl hat: Gehöre ich hier eigentlich wirklich dazu?
Die Diskussion sollte vielleicht weniger darum gehen, ob hier jemand bewusst sexistisch gehandelt hat. Das lässt sich aus der Szene sowieso kaum ableiten. Aber dass so viele Frauen darin etwas Wiedererkennbares sehen, sollte man vielleicht auch nicht einfach als „übertrieben“ abtun.
Solche Momente entstehen nämlich selten im luftleeren Raum. Sie spiegeln oft Strukturen wider: Wer wird im Fußball automatisch als Teil der Runde wahrgenommen, und wer eher nicht? Wer wird selbstverständlich angesprochen, und wer muss sich den Platz im Gespräch erst erarbeiten?
Deswegen geht es für mich letztlich auch nicht um diesen einen einzelnen Moment, sondern um das größere Bild. Wenn Frauen im Fußball immer noch häufiger erleben, übersehen oder nicht selbstverständlich einbezogen zu werden, dann lohnt es sich, solche Situationen zumindest als Anlass zu nehmen, darüber nachzudenken. Nicht um einzelne Personen an den Pranger zu stellen, sondern auch, um diese Thematik ein Stück bewusster zu machen.
Genau das macht Justin hier mit seinem Kommentar, was ich ihm sehr hoch anrechne. Weil die Diskussionen ermüdend und anstrengend sein können, aber es ist wichtig, dass man sie führt.
Danke für Dein tolles Statement, @katrin. Absolut sachlich, aber treffend und auf den Punkt.
Ja, aber leider und zum Leidwesen meines Körperbaus meist nur von außen. ![]()