Bitte nicht aus den Augen verlieren, dass es explizit nicht (nur) um diese eine Szene nach Schlusspfiff geht. Tabea Kemme hat vollkommen Recht, wenn sie darin allerdings ein Muster erkennt, das ihr nur allzu bekannt vorkommt. Es ist auch nicht weiter von Nutzen, nun ellenlange Debatten zu führen, inwieweit man den Spielern nun Unhöflichkeit oder unterschwelligen Sexismus unterstellen darf, zumal bereits festgestellt wurde, dass man sich auch unbewusst sexistisch verhalten kann.
Wie immer man jedoch auf diese eine Szene blickt, so ist doch eines klar:
Man kann sie einbetten in ein allgemeines Umfeld, wo Frauen nach wie vor auf eine unangemessene Weise behandelt werden. Und wenn sie oder andere sich dann noch erdreisten, darauf aufmerksam zu machen, folgt sogleich ein Shitstorm sondergleichen, mindestens aber kann man die Uhr danach stellen, dass Relativierungen erfolgen.
Letzteres will ich gar nicht per se kritisieren, zumal es sein kann, dass man in seiner Verzweiflung über patriarchale Strukturen und Reaktionen auch mal verbal übers Ziel hinausschießt, was zumindest mir selbst schon passiert ist. Aber die Frage, warum sich Männer so außerordentlich auf den Schlips getreten fühlen, wenn sie lediglich etwas reflektieren sollen, was unser aller Verhalten nun mal über Jahrzehnte geprägt haben muss, stellt sich immer wieder aufs Neue. Warum diese Abwehrhaltung? Wenn man das Ganze als Teil einer eigentlich natürlichen Persönlichkeitsentwicklung betrachtet, verstehe ich weder diese Abwehrhaltung noch das offenbar instabile Selbstbewusstsein dahinter. Wäre letzteres nämlich stabil, warum dann nicht hinzulernen?
Es mag sein, dass ich persönlich allzu geprägt (und damit sensibilisiert) von der langjährigen Vereinskarriere bin. Wenn man jedoch die Rolle von und das Verhalten gegenüber Frauen in einem Fußballverein so lange erleben und betrachten durfte/musste, dann ist es wirklich schwer, diese oben genannten Muster zu übersehen. Und ich habe selbst lange genug gebraucht, um auch meine persönlichen Verhaltensmuster auf einen Stand zu bringen, mit dem ich leben kann und will.