Nachdem nun alle Pro- und Contra-Argumente zu Eberls Performance seit Amtsantritt hinlänglich aufgezählt und abgewogen wurden, versuche ich mal den Blick etwas auf die Gesamtsituation zu weiten.
Uli Hoeneß (und Karl-Heinz Rummenigge) versucht seit längerem den Generationswechsel an der Bayernspitze voranzutreiben, aus dem verständlichen Wunsch heraus, „seinen“ FC Bayern in guten Händen zu sehen. Der Anspruch umfasst meiner Wahrnehmung nach den sportlichen Erfolg, die wirtschaftliche Stabilität, aber auch weichere Faktoren wie den familiären Zusammenhalt in Team und Betreuerstab bis zum Vorstand, sowie ein gerne mal robustes Auftreten in den Medien. (Stallgeruch schadet auch nicht)
Der erste Versuch mit Salihamidzic und Kahn ist gescheitert; Knackpunkte waren wohl, dass die beiden zu viel Geld für Spieler und Trainer ausgegeben haben und – vor allem – zu wenig mit UH gesprochen haben, mindestens Kahn. Konkreter Anlass dann die übereilte Entlassung von Nagelsmann, die ja ganz offensichtlich ebenfalls ohne Rücksprache mit Hoeneß erfolgte.
Damit zurück auf Los, KHR wurde aus dem Ruhestand in unklarer Rolle reaktiviert, anschließend wurde erstmal Christoph Freund geholt, mutmaßlich für die mühsame Kleinarbeit an der Spielerfront. In die folgende Phase der „Task Force“ fallen mehrere fragwürdige Transferentscheidungen, aber eben auch der Königstransfer Harry Kane; parallel hat sich auch die Trainerentscheidung für Tuchel als suboptimal herausgestellt.
Dann wurde im Frühjahr 2024 Eberl als Sportvorstand verpflichtet. Es ist selbsterklärend, dass er nach dieser Vorgeschichte von Anfang unter verschärfter Beobachtung durch den AR stand, besonders natürlich hinsichtlich der Punkte Finanzen und interner Kommunikation. Und es ist sicher kein Hirngespinst anzunehmen, dass Hoeneß und Rummenigge bei Personalentscheidungen ein gewichtiges Wörtchen mitreden wollten. Siehe Trainer: erst nachdem KHR mit Pep telefoniert hatte, durfte Kompany verpflichtet werden (wobei die Rückversicherung zweifellos inhaltlich notwendig und richtig war).
Die Verläufe der folgenden Transferperioden lassen nun, soweit von außen bewertbar, verschiedene Deutungen zu. Klar ist, dass die Abstimmung zwischen Eberl und dem AR nicht gut war und die Außenwirkung entsprechend bescheiden. Klar ist aber auch, dass im Saldo mit Olise, Diaz, Bischof, Urbig Top-Transfers gelungen sind (mit Spielern, die menschlich super ins Team passen und in jedem Spiel und Training Gas geben), die ja nicht alle nur auf Zufall beruhen können … ich bin da ganz bei Justin: Prozess fragwürdig, Ergebnis gut.
Insofern, wenn jetzt über Eberls Vertragsverlängerung geredet wird, ist klar, dass intern noch nicht alles eitel Sonnenschein ist. Andererseits dürfte klar sein, dass es zumindest Uli Hoeneß jetzt nicht darum geht, Eberl abzusägen und noch mal jemand Neuen zu holen, den er dann ja auch wieder in paar Jahre verfolgen müsste, um sicher zu gehen, dass der jetzt wirklich der Richtige ist – UH will meines Erachtens aktuell Eberl noch „erziehen“. Und ich habe auch den Eindruck, dass Eberl willens ist, entsprechend dazuzulernen. Wobei es beim Thema Finanzen wahrscheinlich das Beste ist, tatsächlich auf Dauer den Aufsichtsrat als „bad cop“ im Hintergrund zu etablieren; Eberl kann ich nicht mir so gar nicht als knallharten Verhandler vorstellen, der braucht meines Erachtens die „übergeordnete Instanz“, um sagen zu können, von hier aus keinen Cent mehr.
Angesichts der Gesamtlage halte ich es daher für extrem unwahrscheinlich, dass man den Vertrag mit Eberl nicht verlängert.
Es sei denn, Philipp Lahm steht schon in den Startlöchern, um zu übernehmen 