Ja, das wäre eine Möglichkeit: den VAR noch intensiver nutzen. Aber das wird den Spielfluss noch weiter stören. Nach jedem Pfiff des Schiedsrichters warten, ob der VAR sein o.k. gibt? Und dann bleibt immer noch das Problem, wann der VAR eingreifen darf, wenn der Schiedsrichter nicht pfeift.
Mein Vorschlag geht genau in die andere Richtung:
Das Challenge-System. Der VAR greift genau dannn ein, wenn der buzzer gedrückt wird. Jede Mannschaft hat pro Halbzeit ein (oder zwei) Mal das Recht, den VAR anzurufen, wird die Challenge bestätigt, bleibt das Recht bestehen, ansonsten verfällt es.
Es gibt keine Diskussionen mehr, ob sich der Schiedsrichter die Szene anschauen muss oder nicht, ob der VAR sich von sich aus hätte melden müssen oder nicht. Die Fans einer Mannschaft können sich nicht mehr benachteiligt fühlen (höchstens auf ihren Trainer sauer sein, wenn er den buzzer nicht gedrückt hat). Selbst die Schiedsrichter bekommen wieder mehr Autorität, weil ihnen nicht ständig der VAR etwas ins Ohr flüstert: Entweder der buzzer wurde gedrückt: challenge ansonsten gilt Ihre Entscheidung ohne wenn und aber.
Als einziges Element der bisherigen VAR-Bestimmungen könnte man beibehalten, dass bei einem Tor auf Abseits untersucht wird (und auf nichts anderes).
Was ich oben geschrieben habe, ist alles andere als meine Wunschvorstellung, sondern schlicht der Versuch, auf Basis der Realität eine Verbesserung zu erzielen. Denn dass der VAR wieder komplett abgeschafft wird, ist meines Erachtens ausgeschlossen.
Wenn man mit der Challenge-Regelung das Primat der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters wiederherstellen könnte, wäre ich sofort dabei. Torlinientechnik behalten, Abseits-Überprüfung in weniger kleinlicher Version (nicht schon bei 3 cm Tor aberkennen) meinetwegen; aber Fouls und Handspiele nur nach Anforderung prüfen - und dann auch nur bei klaren Fehlern den Schiri überstimmen, alles was „Kann“-Entscheidungen sind, bleibt bestehen - damit könnte ich mich auch gut anfreunden.
Dann hätte Kompany am Samstag den Buzzer gedrückt, Jablonski hätte sich die Szene angesehen, wäre bei Gelb geblieben und eine Challenge wäre weg. Was wäre dadurch gewonnen oder besser?
Und wie lange danach kann ich den Buzzer drücken? Es muss sich ja auch erstmal einer die Szene genau anschauen und sagen „wir challengen“. Ist das Spiel dann schon fortgesetzt, kann ich dann noch?
Der erste Einwand ist leicht zu widerlegen:
Zum Challenge-System sollte aus demVAR (Video Assistant Referee) ein „Oberschiedsrichter“ werden, d,h. nach einer Challenge trifft die endgültige Entscheidung nicht der Feldschiedsrichter, sondern eine übergeordnete Instanz. Das ist keine Abwertung des Schiedsrichters, sondern eine ganz normale, z.B. in der Justiz selbstverständliche Ordnung. Empfinde ich z.B.das Urteil des Landesgerichts als ungerecht, so kann ich mich an das Oberlandesgericht wenden, ohne dass damit ein generelles Misstrauen gegen die Landesgerichts-Richter verbunden wäre. Außerdem hat sich eine solche Regelung schon in anderen Sportarten bewährt, z.B. beim Hockey.
Der zweite Einwand wiegt m.M. schwerer und die Zeit nach der man noch den Buzzer drücken darf ist wirklich schwierig zu bestimmen. Gebe ich zu wenig Zeit, so beschneide ich das Recht auf eine vernünftige Challenge, gebe ich zu viel Zeit vor, so leidet der Spielfluss und der unmittelbare Zusammenhang zwischen Ereignis und Challenge. Grundsätzlich ist aber die „Sekunde 0“ immer das Ereignis selbst (z.B. das Foul) und unabhängig davon, wann oder ob überhaupt der Feldschiedsrichter pfeift oder nicht. Ich denke, irgendwas zwischen 10 s und 20 s wäre angemessen.
Man muss dabei auch berücksichtigen, dass das Recht auf eine Challenge für die Mannschaft (bzw. den Trainer) ein sehr, sehr wertvolles Gut ist. Er wird das nicht für das Anfechten eines Allerweltfouls verschwenden und deshalb sorgsam und selten einsetzen.
Kann der Challenge Idee durchaus einiges abgewinnen, es wäre allerdings meinem Verständnis nach noch zu definieren, wie lange das Spiel bzw. die Spielsituationen nach “betätigen” des Buzzers weiterlaufen muss. Im Falle eines quasi Stopp auf Knopfdruck, würde man ja der Nutzung als Instrument zum Unterbinden, beispielsweise eines gefährlichen Konters, insbesondere falls man noch eine Challenge in der 89en Minute offen hat, Tür und Tor öffnen. Da könnte ja der ein oder andere versucht sein zu challengen,obwohl ihm klar ist es ist nix gewesen, nur um das Spiel zu unterbrechen.
Das lässt sich leicht regeln: der Trainer drückt auf den Buzzer, der SR bekommt ein Signal aufs Ohr und unterbricht das Spiel bei nächst passender Gelegenheit. So wie jetzt auch schon, nur dass das Signal aktuell aus Köln kommt. Dieser Aspekt funktioniert doch relativ gut - jedenfalls höre ich darüber kein Gemecker.
Viel schwieriger finde ich die Frage: für was darf der Trainer die Challenge ziehen? Für jeden falsch ausgeführten Einwurf 20 Sekunden vor dem Tor?
Das hätte dann meiner Meinung nach zur Folge, dass jedes Team einen eigenen „VAR“ installieren würde, der jeden kleinsten Fehler des Schiris notiert und wenn ein Gegentor fällt, wird geschaut, ob etwas davon 20s zurück lag. Dadurch wird die Challenge zur Tor-Verhinderungsmaschine. Denn umgekehrt kann man einen falschen Pfiff der z.B. einen aussichtsreichen Konter unterbricht eben nicht per Challenge rückgängig machen.
Eine abgeschwächte Variante wäre, dass man Genzen für die Challenge zieht. Wie die aber aussehen könnten, ohne dass das aktuelle Konflikt-Potential nur dorthin verschiebt, bin ich mir nicht sicher.
Eine falsche Challenge zu ziehen muss schon auch Nachteile haben, wie beim Eishockey, wo es dann eine zwei Minuten Strafe für die Mannschaft gibt, wenn die Challenge unberechtigt war.
Man könnte dafür beim Fußball auch eine Zeitstrafe einführen. Oder es fallen 1-2 Wechsel + 1 Wechselfenster weg.
Irgendwie sowas. Und natürlich nur maximal zwei Challenges pro Mannschaft pro Spiel, bzw. eine pro Halbzeit.
Challenge ziehen sowieso nur, wenn das Spiel unterbrochen wurde bzw. wenn die eigene Mannschaft im Ballbesitz ist.
Gute Idee, aber ob das z.B. gestern beim Spiel Köln gegen BVB geholfen hätte?
Alle Experten, alle im Stadion sahen in Minute 96 einen klaren Elfmeter für Köln - nur eben SR Siebert und VAR Cortus nicht.
Ob sich das mit einer Challenge geändert hätte wage ich zu bezweifeln.
Es geht immer um Menschen und wenn sich die mal etwas in den Kopf gesetzt haben, sind sie nur schwer davon abzubringen.
Insbesondere VAR Cortus spielte gestern eine zentrale Rolle, sah die gelbe Karte von Siebert als klare Fehlentscheidung und als „brutales Foulspiel“ des Kölners (viele sagten gestern in dem Zusammenhang auch, dass z.B. Schlotterbeck gegen Stani mindestens genauso „brutal“ wäre gewesen, so zum Beispiel auch der Kölner Trainer im Interview), während er aber beim möglich Strafstoß nicht eingegriffen hat.
Das Problem bleibt und zieht sich durch die ganze Saison: eine einigermaßen einheitliche und erkennbare Linie im deutschen Profischiedsrichterwesen existiert nicht und das sorgt für Unverständnis.
Auch Menschen können mit einer vernünftigen Ausbildung und definierten Regeln eine einigermaßen einheitliche und erkennbare und damit verlässliche und nachvollziehbare Linie hinbekommen.
Aber das war doch schon immer so, auch in Zeiten vor dem VAR. Der eine Schiedsrichter stellte den meckernden Spieler mit gelb-rot vom Platz, ein anderer ließ ihn drauf. Für einen war das Foul rot- bzw. elfmeterwürdig, für den anderen nicht.
Die einzige Lösung - solange eine KI nicht alle strittigen Situationen beurteilen kann und dabei alle “Präzedenzfälle” miteinbezieht - wäre aktuell wohl, dass es zusätzlich zu Schiedsrichtern auf dem Feld und dem VAR in jedem Spiel zusätzlich noch einen Ober-Schiedsrichter gibt, der bei jedem Ligaspiel das letzte Wort hat und interveniert, wenn Szenen auftauchen, die strittig erscheinen. Die immer größer werdende Zersplitterung eines Spieltages mit bis zu 6 unterschiedlichen Anstoßzeiten an einem Wochenende würde das wohl sogar möglich machen.
„Den Strafstoß gab er dennoch. Seine Kollegin habe festgestellt, dass ein Foul vorgelegen habe, sagte Bickel im Stadion durch. Warum die Technik versagte, blieb nicht lange unklar. Die Heimfans lieferten selbst einen schnellen Verdacht, als sie ein Banner mit der Botschaft entrollten: „Dem VAR den Stecker ziehen!“ Später bestätigte die DFB Schiri GmbH dem SID , dass tatsächlich ein Zuschauer den Stecker am Monitor gezogen habe. Auch auf Fotos sind zwei Vermummte zu sehen, die über den Zaun klettern.“
Und das hat keiner von den ganzen Leuten die da rumstehen bemerkt?
Zum Foul und dem Drumrum kann man die eine oder andere Meinung haben. Dass auf Straßstoß entschieden wird, obwohl der Schiedsrichter keine Bilder hat - für mich gefühlt nicht richtig. Ich akzeptiere aber auch, wenn das jemand anders sieht.
Aber: Es als „überragende Aktion“ zu bezeichnen, wenn vermummte Chaoten aus dem Block klettern und den VAR-Bildschirm manipulieren?
Wäre interessant, ob es hier eine Regelung gibt. Kann ja durchaus sein, dass die Technik nicht funktioniert, warum auch immer, und dann sollte das geregelt sein, wie es danach weitergeht. Ich finde es gut, dass dann anhand der Bilder entschieden wird.
Ich kenne die Szene nicht, also weiß ich auch nicht, ob das dann am Ende falsch oder richtig entschieden wurde.
Ich fände es aber schon eher so semi gut, wenn es eine Fehlentscheidung vom Schiri gab (z.B. Foul außerhalb des 16ers gesehen, in Wirklichkeit war es aber innerhalb) und es dann nicht zu einem Elfmeter gemacht wird, weil der Fernseher nicht geht.
Dass da anscheinend niemand richtig auf das Equipment aufpasst ist jetzt natürlich auch nicht so geil aber eigentlich sollte es das auch nicht brauchen, ehrlich gesagt…
@Brille Wie wurde da denn der DFL der Spiegel vorgehalten?