Das Spiel des Jahres für die Amateure. Ohne jeden Zweifel. Heute ging es „auswärts“ zum Derby gegen die Löwen. Auswärts ist hier natürlich relativ, aber faktisch war das Spiel so eingestuft und man wird es vermutlich auch an den Zuschauerrängen sehen. Für die meisten der wie immer blutjungen Bayern-Mannschaft dürfte das die größte Feuerprobe ihrer bisherigen Karriere sein. Natürlich galt der weitaus erfahrenere Lokalrivale in diesem Spiel als der Favorit.
Nach den Wirren des Sommers scheint sich dort eine für die Regionalliga gute Truppe zusammengefunden zu haben. In den bisherigen 13 Spielen musste man nur eine Niederlage hinnehmen und mit einem Sieg heute wäre man in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Aber auch die Bayern haben sich im Verlauf der bisherigen Saison stabilisiert. Nach einem schwachen Start kommt man allmählich ins Laufen und ist jetzt auch schon fünf Spiele ungeschlagen. Und sollte man gar heute gewinnen? Ja, dann wäre vieles was bisher geschah vielleicht nicht vergessen, würde aber viel milder beurteilt werden.
Nach einer kleinen Abtastphase schien der Favorit denn auch gleich das Ruder in die Hand zu nehmen. Die Löwen waren überlegen. Die Bayern schien das aber wenig zu stören, nach 12 Minuten schlugen sie zum ersten Mal zu. Ein langer Schlag von Bärtl überraschte die Abwehr, Binder ging damit ab und Richtung Strafraum. Seinen gut getimten Querpass musste Heinz nur noch einschieben. Das Spiel war nun intensiv, es ging viel hin und her. Die Feldüberlegenheit lag aber weiter bei den Gastgebern. Die Bayern hielten weiter dagegen und versuchten sich immer wieder an schnellen Gegenstößen. Einer davon sollte in der 23.Minute zum 2:0 führen. Della Rovere fand mit einem starken Diagonalpass Binder auf der rechten Seite. Der ging Richtung Torauslinie, zog wieder zurück und nach innen. Zwei Gegner ausgedribbelt, Schuss, Tor.
Diesmal waren es aber die Löwen die bald darauf zurückschlugen. In der 29.Minute hatten sich die Bayern tief zurückgezogen. Eine Flanke auf der linken Seite konnte nicht verhindert werden. Der Stürmer hielt den Fuß rein, Anschlusstreffer, 1:2. Das steckten die Bayern aber gut weg und nicht zurück. Man war jetzt ziemlich gut im Spiel. Und den letzten Schlag in der ersten Hälfte hatten die Bayern. In der 40.Minute fand Della Rovere vor dem Strafraum Anton Heinz. Der drehte sich einmal, wurde nicht gestört und schoss den Ball trocken und humorlos aus 25 Metern in den Winkel. Mit diesem 3:1 ging es in die Pause. Sicher etwas zu hoch. Die Bayern gefielen mit einer sehr guten Chancenverwertung, die Gastgeber vergaben ihrerseits einige gute Gelegenheiten. Bis hierher auf jeden Fall ein Spiel, dass man sich sehr gut anschauen konnte. Vor allem natürlich aus Bayernsicht.
Die zweite Hälfte begann mit stürmischen und aggressiven Löwen. Man ging auf den Anschlusstreffer. Und der sollte auch schon in der 50.Minute gelingen. Wieder war es eine Flanke von der rechten Angriffsseite, die diesmal weit über die Abwehr gezogen wurde. Von links lief ein Angreifer ein, der per Kopf verwandelte. Nun begann eine schwierige Phase für die Amateure. Die Gastgeber machten Druck, suchten den Ausgleich. Den Bayern gelang es nun weniger sich zu lösen, allerdings ließen sie auch wenige aussichtsreiche Chancen gegen sich zu. Die Begegnung stand nun auf der Kippe. Und in der 75.Minute kippte sie auf die richtige Seite. Santos Daiber setzte sich im Strafraum durch, chippte den Ball von links zu Degraf der aus der Drehung zum 4:2 traf.
Das traf die Löwen nun ins Mark. Zwar war noch genügend Zeit übrig, aber den Gastgebern schien nun so etwas Sprit und Moral auszugehen. Die Bayern ackerten nun vorbildlich, warfen sich in alle Zweikämpfe und Bälle, hatten noch einige aussichtsreiche Umschaltsituationen. Bis zum Schluss brannte nun gar nichts mehr an, die Partie endete mit einem 4:2 Sieg der Amateure. Derbysieger, wie sie nun heißen. Insgesamt eine ganz starke Vorstellung gegen einen als Favoriten gehandelten Gegner, dem man am Ende den Schneid abgekauft hatte.
Man of the match, wie es sich nach so einem Spiel gebührt, das ganze Team.
Natürlich gab es auch individuelle Leistungen zu bestaunen. Die beiden Doppelscorer Heinz und Binder wären zu erwähnen. Der Kinderriegel in der IV, Pavic und Kiala, mit einem Durchschnittsalter von 17.0. Oder der Oldie unter den Jungen, Vincent Manuba, dem man gerade in diesem Spiel anmerkte, dass er schon einiges an Erfahrung gesammelt hatte. Und natürlich Keeper Jannis Bärtl, auch in einem Derby cool bis ans Herz.