Musiktipps und Musikgeschmäcker (Teil 1)

Im Dezember 2023 habe ich erstmalig zu Zwischenlichten geschrieben - das verlinkte Video ist leider bisher das einzige - und nun ist das neue Album „Leidgeboren“ veröffentlicht worden.

Erneut ein Meisterwerk deutscher Folk-Kunst mit düsterem Einschlag, melancholischen Tönen und zu Herze gehenden Textzeilen - passend veröffentlicht zur Herbstzeit!


hier nochmal mein persönliches Lieblingsstück „Duldsamkeit“ - tatsächlich auch das einzige Video bisher:

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Das Lied selbst und Fleetwood Mac als Band, in allen Besetzungen gefällt mir auch sehr. Ich habe in meinem Archiv mal nach Coverversionen gesucht, aber leider nichts gefunden, was mir ebenbürtig erschien. Die einzige Info, die ich gefunden habe, ist die Platzierung auf Platz 119 im Rolling Stone Magazine’s 500 Greatest Songs Of All Time.
…und natürlich habe ich die, für mich mit wunderbarem mehrstimmigen Gesang und Mick Fleetwood an der Schießbude beeindruckende Live-Version vom 1997 Concert gefunden.

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Wo anfangen?

Vielleicht bei den Unterschieden zwischen den zwei Versionen von George Harrison’s While My Guitar Gently Weeps, um die es hier geht.

Die erste, aus dem Concert for George anlässlich seines frühen Todes, stammt von 2002. Hier ist eine geradezu obszöne Menge an musikalischer Brillanz versammelt: Nicht nur die beiden verbleibenden Beatles, Paul und Ringo, sondern auch Eric Clapton und Marc Mann an den Leadgitarren, Jeff Lynne und Andy Fairweather-Low an den Rhythmusgitarren, Jim Keltner am (zweiten) Schlagzeug, der unverwechselbare Ray Cooper als Percussionist, Gary Brooker von Procol Harum sowie Billy Preston an den Tasten und und und. Im Grunde also eine Fusion von Electric Light Orchestra mit den Beatles und den Travelling Wilburies, ergänzt durch andere Szenegrößen und einen Bläsersatz. Ergebnis: Ein Wall of Sound mit Clapton als Dominator.

https://www.youtube.com/watch?v=CrTMc2i6Lzc

Die zweite Version, aufgenommen bei der Einführung George Harrisons in die Rock & Roll Hall of Fame 2004, ist dagegen etwas sparsamer angelegt; von der früheren Truppe sind noch Jeff Lynne, Marc Mann und Dhani Harrison, Georges Sohn, übriggeblieben. Hinzugekommen sind unter anderem Tom Petty, der sich mit Lynne die Vocals teilt, Stevie Winwood an den Keyboards und Jim Capaldi mit der Percussion.

Ach ja – und noch ein scheu am Rande stehender kleiner Mann mit großem rotem Hut, den die Kamera aber nur gelegentlich streift.

Es dauert dreieinhalb Minuten, bis dieser Typ auf einmal nach vorn tritt, als zweiter Gitarrist nach Marc Mann ein Solo spielt und sich die nächsten zweieinhalb Minuten auch nicht mehr davon abbringen lässt. Die anderen sind gerne bereit, ihm dafür die rhythmische und gesangliche Grundlage zu liefern, denn was dieser Mann – er nennt sich Prince – da vorführt, ist atemberaubend. Um das zu erkennen, muss man nur Dhani Harrisons Mimik verfolgen.
Am Schluss wirft der kleine Mann mit dem großen Hut seine Gitarre einfach weit von sich und geht ab; es bleibt zu hoffen, dass Jim Capaldi hinten an den Bongos die Geistesgegenwart hatte, das Ding reaktionsschnell wieder aufzufangen.

Wie es dem Ensemble gelingt, ein ziemlich trauriges Lied (die weinende Gitarre symbolisiert die vielen verpassten Möglichkeiten, die Welt im Persönlichen und Politischen zum Besseren zu wenden) zu einer Feier des musikalischen Zusammenspiels im Gedenken an seinen Komponisten umzuwidmen, ist schon bemerkenswert.

https://www.youtube.com/watch?v=CdfMh8QgJjA

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Rap (im weitestens Sinn, wenngleich es auf Alligatoah nicht mehr so recht zutrifft) wird hier keinerlei Gegenliebe zu teil.
Allerdings muss ich sagen, dass mir die Musik von Alligatoah auf Dauer zu ironisch, zynisch, unernst etc. ist. Wenngleich er als Künstler grundsätzlich in Deutschland raussticht wie ich finde.

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Ich liebe Prince…Suuuper. So ein super Auftritt als Gitarrist.

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Das ist vielleicht vor allem eine Altersfrage - meine sehr persönliche These dazu ist (ob das andere so sehen, ist eine ganz andere Frage): insbesondere in der Jugend/Pubertät entdeckt man Musik als eine Möglichkeit der „Rebellion“ und der persönlichen Ausdrucksweise. Und das prägt ungemein für die Zukunft, denke ich (Klassik lasse ich hier mal bewusst außen vor - ich spreche hier nur von „populärer“ Musik). Und wenn man sich die Altersumfrage hier in der Kurve ansieht, dann stelle ich eine gewisse Übereinstimmung mit dem hier vorherrschenden Musikgeschmack fest - das ist einfach „Alte-Säcke-Musik“ :smirking_face:

Damit möchte ich ganz bewusst nicht Alligatoah oder andere Rap-Künstler herabwürdigen, ich bin einfach anders musikalisch geprägt worden. Es ist schlicht nicht mein Ding - besser kann ich es nicht beschreiben. Wenn ich damals in den 80ern z. B. Alligatoah gehört hätte, wäre er vielleicht heute mein Favorit, wer weiß…

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Klar - der jeweilige Musikgeschmack ist sehr stark durch die eigene Biographie geprägt, zumal durch Eindrücke in jungen Jahren. Ich hab mich allerdings berufsbedingt bemüht, den Musikgeschmack der Jugendlichen, mit denen ich zu tun hatte, einigermaßen zu verfolgen, obwohl mir beispielsweise die härteren Varianten des Rap nicht behagen - dafür bin ich einfach zu harmoniebedürftig.
Aber immerhin - Rens Hi Ren ( https://www.youtube.com/watch?v=s_nc1IVoMxc ), das ich verehre, kam öfters mal bei der Behandlung des „Faust“ zum Einsatz - dann aber halt auch The Not Knowing von den Tindersticks bei der Lektüre von Shakespeares „Othello“.

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und ich bin so froh, damals beim Folk und harten Gitarren gelandet zu sein… :zany_face:

Letztlich - denke ich - findet jeder seinen sehr persönlichen Zugang zu Musik, sei es Metal, Rock, Folk, Pop, Rap, Schlager, Klassik oder was auch immer. Auch hier macht es die Vielfalt aus, denke ich. Musik ist für mich ein wirklich wunderbares Beispiel dafür (Entschuldigung für das Wort zum Sonntag).

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Ja is denn heit scho Weih…ähhh Sonntag?

Ich will hier mal ne Band vorstellen, die sich mir leider erst vor ein paar Jahren erschlossen hat. Der Youtube-Algorithmus hat mir das nachfolgende Video empfohlen - und ich hatte ein Erweckungserlebnis.

Nightwish ist nicht einfach nur eine Metal-Band. Ihr Mastermind Tuomas Holopainen komponiert Metal-Symphonien, die dann von extrem guten Musikern und tollen Sängerinnen dargeboten werden.

Beim Video oben sticht beim ersten Anhören natürlich Floor Jansens Gesang heraus. Aber wenn man mal genau reinhört… das Stück wechselt teilweise einfach mal mittendrin den Takt und wird halbwegs arhythmisch, aber das merkt man gar nicht… und für mich schwingt es irgendwie zwischen "ich fühle mich, als wäre ich beim „Jahrmarkt-Fiedler“ und „Guns n’ Roses - Hymne zu deren bester Zeit“.

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großartige Band - vor allem in ihren ersten Jahren bis 2005/06 mit Tarja am Mikro - was für eine Stimme, was für eine Frau!

bis zu ihrem Ausstieg (der nicht sehr geräuschlos verlief) habe ich mir alle CDs gekauft, habe sie live gesehen, konnte die meisten Stücke im Schlaf - eine tolle Zeit!

ich verstehe, dass Bands den Erfolg fortführen wollen und deshalb am bewährten Konzept und dem Namen festhalten - wie so oft ist das für mich nicht passend (in den letzten Jahren zum Beispiel bei Slime ersichtlich), die Diskussion haben wir hier auch schon geführt, wenn ich mich recht entsinne…

Tarjas Stimme ist so prägend gewesen - es war schlicht eine völlig andere Band nach ihr…

leid tat mir Anette Olzon - Nightwish trat mit ihr bei RaR 2008 auf, es war einer der ersten großen Auftritte in Deutschland mit ihr… letztlich hat sich die Band mit technischen Problemen entschuldigt und den Auftritt mehr oder weniger vorzeitig beendet oder zumindest immer wieder unterbrochen… der wahre Grund, und das konnten alle sehen, waren aber die Tränen und die Enttäuschung von Anette - denn sie wurde gnadenlos ausgepfiffen und die Menge skandierte unentrebrochen Tarjas Namen - das war natürlich bescheiden und unfair!

für mich bleiben Nightwish eine wundervolle Erinnerung - auf ewig mit Tarja verbunden - mit allen neuen Sängerinnen sind sie für mich eine normale Symphonic Metal Band… nett zu hören…

mein Neffe (17,5) liebt Nightwish abgöttisch und ist auf großer Mission:
er sammelt alles an CDs etc. was er irgendwie ergattern kann - das macht die Geschenkeauswahl zum Geburtstag etc. recht leicht - man sichtet seine aktuelle Liste und füllt die Lücken :wink:

live hat er sie noch nicht gesehen - aktuell pausieren sie live - wenn sie wieder touren, weiß ich, was ich ihm als nächstes schenke - dann gehe ich doch nochmal auf ein Konzert!

übrigens sind auch Tarjas Soloarbeiten sehr hörenswert - HAIL TARJA!!!

und mein liebstes überhaupt:

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Das mag sein, aber ich bin ja mittlerweile auch nen alter Sack. Vielleicht nicht (ganz) alt :smile:
Aber als Baujahr 1981 wundere ich mich doch, dass die vermutlich prägendste Musik der letzten 30 Jahre hier quasi keine Beachtung findet.

Allerdings gebe ich Dir Recht, bei den Usern die hier, in diesem Thread, mitdiskutieren, liegt das Durchschnittsalter vermutlich jenseits der 50… Immerhin merkt man das „Ihr“ mit guter Musik sozialisiert wurdet :smiley:

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Jahrgang 1980 - aber ja… die meisten sind deutlich grauer als wir… :smiling_face_with_sunglasses:

die meisten sind deutlich grauer als wir…

Darauf würde ich nicht wetten :rofl:

Es ist wirklich schade, dass man es nicht schaffte die Zusammenarbeit zwischen Tarja und Nightwish fortzusetzen und dann nach dem Album Once und der Tour dazu getrennte Wege ging.
im Nachhinein hat sich die Trennung für Nightwish weniger negativ dargestellt als für Tarja.
Nightwish waren zwar auch mit Tarja schon ziemlich groß, aber die Hallen die sie zuletzt bespielten, wurden eher größer, während Tarja zwar noch immer ihre Fans hat, aber nicht mehr über Kapazitäten hinauskommt, die sie mit Nightwish schon in der Anfangszeit bespielt hat.
Ein Problem war damals auch, dass sie während der Zeit bei Nightwish immer wieder offen mit einer Karriere im Opernbusiness liebäugelte, was aber nie wirklich spruchreif wurde. Und so blieb sie dann doch in der Metal-Szene, die sie ursprünglich nur als Durchgangsstation sah.

Dank „Celtic CD Releases“ von Keith Bailey habe ich eine fantastische Gruppe entdeckt - „The North Wind“ bestehend aus „Italian flutist Michel Balatti, Irish fiddler Tola Custy and Scottish singer and multi-instrumentalist Tom Stearn“ - absolute Empfehlung!

Nicht verwundert sein - der Spotifyeintrag führt namentlich zu Michel Balatti…

Na dann gib mal an, was da so deiner Meinung nach so prägend ist. Ich bin Jahrgang 58 und habe meine Ohren seit meinem 10. Lebensjahr Richtung jeder Musikrichtung ausgerichtet. Mir ist bestimmt trotzdem einiges durchgerutscht. Ich bin da echt neugierig. :+1:

Ich möchte heute bewusst ein „modernes“ Musikinstrument würdigen:

Im Jahr 2025 feiert der Gitarrenhersteller Gibson das 70-jährige Jubiläum seines Modells Les Paul anlässlich der ersten Vorstellung auf der wichtigen Musikmesse NAMM (also im Jahr 1955). Das Modell wurde zwar schon 1952 erstmals vorgestellt, war also schon einige Jahre alt: auf der NAMM erschien es erstmals in verschiedenen Farben und wurde damit massenmarkttauglich - heute gilt die Les Paul heute neben der Stratocaster (oder auch der Telecaster) von Fender als eine der wichtigsten und weltweit erfolgreichsten E-Gitarren überhaupt.

Im Unterschied zur Stratocaster oder Telecaster von Fender (die Tonabnehmer mit einer Wickelrichtung - sogenannte Singlecoils - der Drähte im Tonabnehmer aufweisen) besitzen heute fast alle Les Paul-Modelle sogenannte Humbucker als Tonabnehmer: das sind zwei parallele Tonabnehmer, die gegenläufig gewickelt sind (dementsprechend doppelt so breit breit sind und damit optisch auch leicht zu erkennen sind). Bei Singlecoil-Tonabnehmern entsteht oft ein gewisses „Brummen“ im Sound, der Humbucker eliminiert diese weitestgehend durch die gegenläufige Wicklung. Das Resultat ist ein eher warmer, fetter und brummfreier Sound, der ebenso wie der Sound einer Strato- oder Telecaster sehr charakteristisch ist. Moderne Les-Paul-Modelle besitzen daneben sogar die Möglichkeit des Coil-Splittings: dabei wird die zweite Spule ausgeschaltet und man hat im wesentlichen den Sound eines Singlecoil-Tonabnehmers.

Berühmte Gitarristen, die vor allem (nicht nur) das Les Paul-Modell von Gibson eingesetzt haben, sind u. a. Slash (Guns N’ Roses), Jimmy Page (Led Zeppelin), Billy Gibbons (ZZ Top) oder auch Kirk Hammett (Metallica), der übrigens eine ganz berühmte Les Paul-Version besitzt: es handelt sich um die „Greeny“, die schon von Peter Green und Gary Moore gespielt wurde.

Stellvertretend für den Sound der Les Paul möchte ich hier den Song „Nobody’s fault but mine“ von Led Zeppelin von ihrem letzten gemeinsamen Live-Auftritt „Celebration Day“ vorstellen: natürlich mit Effekten wie Flanger und ähnlichem versehen, aber es ist einfach gut: (und es gibt wirklich zahllose weitere Beispiele mit diesem tollen Instrument)

(dass eine Stratocaster wie z. B. im Falle eines Mark Knopflers mindestens ebenso würdigenswert ist, versteht sich von selbst!)

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Ja, lass mal hören…!

Ich bin Jahrgang '69 und fände es auch schade, immer nur im Vergangenen zu schwelgen. Es gibt auch heute so viel gute Musik!
Meine Generation ist, so vermute ich, einfach oft sehr Song-orientiert oder -geprägt. Ich könnte mir denken, dass dies eine Ursache ist, warum manche mit Rap u.a. nicht so ganz warm werden. Sicher zu Unrecht.
Ich selber habe ja schon öfters was von LITTLE SIMZ oder KENDRICK LAMAR gepostet, bin aber selbstverfreilich auch mit GRANDMASTER FLASH, PUBLIC ENEMY oder dem glorreichen WU-TANG CLAN groß geworden. EMINEM sowieso.
Ich gebe aber auch zu, dass ich bei ganz modernen Richtungen wie der ganzen Trap-Kiste eher raus bin. Siehe den künftigen Hero der Superbowl-Halftime-Show, BAD BUNNY - schätze ich als Typ sehr, aber mit der Musik kann ich nicht viel anfangen.