Das beruhigt mich doch… Unsere Debatten inner Kurve hätten fatale Auswirkungen, wenn sie im Nachhinein die Moleküle der Kombattanten beeinflussen könnten. Stellt euch vor: Wir lassen die diskursiven Fetzen fliegen und verändern so im Nachhinein den Lauf der Geschichte (naja, lediglich der Fußball-Geschichte. Aber immerhin!)
Aber im Ernst:
Euer Diskurs @Alex und @willythegreat über die Frage „Beeinflusst Inters Saison-Performance unsere Wahrnehmung der Bayern-Leistung“ ist eine großartig zu lesende Einführungsvorlesung in die neue MSR-Paradedisziplin „Fußball und Meta-Philosophie - Erkenntnistheoretische Anmerkungen zum Descartes‘schen Paradoxon „ich betrachte Fußball - also bin ich“ unter besonderer Berücksichtigung der historischen Subjektwerdung des menschlichen Bewusstseins im Collosseum Romanum“.
Ich bin immer wieder begeistert, wieviel Wegweisung ein Studium der Philosophie im allgemeinen und der klassischen Logik im besonderen uns in den Niederungen des Alltags doch zu geben imstande sind. @Alex und @willythegreat - you really made my (sun)day!
Gegen den Absteiger Bochum zu Hause 2:3 nach 2:0-Führung zu verlieren, ist ein kleines Problem. Weil Bochum klein ist, weil shit happens und weil jeder in der BL mal nen schlechten Tach hat.
Gegen den Pokalgegner Bochum zu Hause 2:3 nach 2:0-Führung zu verlieren, wäre schon ein größeres Problem. Weil Bochum klein ist, wir schon wieder inner 2. Hauptrunde rausfliegen und Neuer halt nicht mehr aus’m Tor rennen darf.
Gegen den CL-VF-Gegner Bochum zu Hause 2:3 nach 2:0-Führung zu verlieren, wäre Soccer-GAU: Weil Bochum klein ist, wir im Ruhrstadion über ein Hinspiel- 0:0 nicht hinausgekommen waren und weil Bochum jetzt im DFB-Pokalfinale Bielefeld besiegt UND im CL-Halbfinale gegen die Flickentruppe spielt. Während der Versager Kompany wieder mal NUR Deutscher Meister wird.
Die Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters. Und meistens in der Mitte sowieso.
Wobei man am Beispiel Bochum gut erkennen kann, dass die Größe und Stärke eines Vereins sehr wohl die Wahrnehmung der Leistung der eigenen Mannschaft betrifft.
Im Anschluss an das Bochum-Spiel hatten wir an dieser Stelle eine Diskussion darüber, inwiefern man eine schwache Schiedsrichterleistung als Grund für eine Niederlage heranführen sollte. Der Schiedsrichter hatte damals einen rabenschwarzen Tag und traf zumindest 2 Entscheidungen, die man nach Ansicht der Mehrzahl der Experten anders hätte treffen sollen (Rot für Medic, kein Rot für Palinha). Einige waren der Meinung, dass Bayern trotz dieser Fehlentscheidungen in der Lage sein sollte, das Spiel gegen Bochum zu gewinnen, was eine durchaus berechtigte Ansicht darstellt. Würde man so eine Position auch nach einem Spiel gegen einen namhafteren und in der Tabelle höher postierten Klub als Bochum mit der gleichen Konsequenz vertreten?
Genau das wollte ich mit meinem überzeichneten Bochum-Beispiel illustrieren.
Dein Villareal-Vergleich @willythegreat war die Inspiration…
Der Name, das Renommee des Gegners spielt ne große Rolle in der Wahrnehmung. Der Wettbewerbs-Kontext spielt ne große Rolle. Und daneben spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle das Selbstbild der Bayern - siehe Bayern nach dem glücklichen 0:0 in Leverkusen (da warn wir in der Hölle) und im Vergleich nach dem 5:0 gegen selbige in der Champions League (da warn wir im Finale dahoam).
Ich habe seit Jahren mit Antonio Rüdiger das Problem, dass er irgendwie keinen Zweikampf ohne Foul führen kann. Das ging bei Real lange gut, weil es kaum gepfiffen wurde, aber das kann doch kein Erfolgsrezept sein…
Ich würde ihn bei Bayern auf keinen Fall sehen wollen.
Tja, in der BL kennt man ihn, den Bayernbesiegerfluch.
Nun lernt ihn auch Inter kennen. Seit dem Weiterkommen gegen Bayern erleidet man drei Niederlagen, scheidet aus dem Pokal aus und verliert die Tabellenführung.
Wenn man sich die Bilanz von Inter im April anschaut, dann muss man sich als Bayernfan eigentlich noch mehr über das knappe Aus ärgern, denn eines kann man jetzt wohl schon sagen: Inter ist momentan nicht in Bestform. Und das waren sie auch vor den Spielen gegen Bayern nicht. Da gab es auch nur 2 Unentschieden im Pokal gegen Milan und beim Abstiegskandidaten in Parma (trotz 2:0 Führung)
In 8 Pflichtspielen in diesem Monat lautet die Bilanz: 2 Siege, 3 Unentschieden und 3 Niederlagen und 1 Spiel wartet noch im April und das findet am Dienstag in Barcelona statt. Eine 2-3-4 Bilanz wäre also nicht verwunderlich.
Oder Inter zeigt in der CL ein anderes Gesicht? Da haben sie bislang ja nur ein Spiel verloren (in Leverkusen durch ein Last Minute Gegentor).
Insgesamt würde ich aktuell zum Fazit kommen, dass wir Inter mit dem Personal, das uns noch vor der Länderspielpause zur Verfügung stand (also mit Musiala, Davies und Upamecano) wahrscheinlich mit 2-3 Toren in der Gesamtabrechnung ausgeschaltet hätten und dass Inter neben dem BVB wahrscheinlich der schwächste mögliche Gegner war.
Aber vielleicht schafft Inter ja so wie 2010 ein mittleres Fußballwunder und setzt sich gegen das deutlich favorisierte Barcelona durch.
Ob das auch bei Inter so ist, kann ich nicht beurteilen. Bis vor kurzem haben sie auf jeden Fall nicht den Eindruck erweckt, dass sie die Liga schleifen lassen. Vergleich: Bayern hat nach 31 Spieltagen 75 Punkte, Inter hatte nach 31. Spieltagen 68 Punkte. Das würde im Normalfall für eine Saison reichen, in der deutlich mehr als 80 Punkte nach 38 Spieltagen stehen. Da war Inter in den letzten Jahren teilweise auch schwächer unterwegs.
Durch den Einbruch im April werden sie dieses Ziel jetzt möglicherweise verfehlen. Ob es am Fokus auf die Champions League liegt oder doch an einer Formkrise werden evtl. auch die Spiele gegen Barca zeigen. Ich tippe eher auf die Formkrise.
Möglicherweise ist es auch eher so, dass man seine Kräfte für die Champions League gebündelt hat und jetzt nicht mehr genug Kraft für die anderen Wettbewerbe bzw. kann man sich nicht mehr genug dafür motivieren.
Es kann natürlich sein, dass der CL-Titel für die Inter-Spieler deutlich wichtiger wäre, weil er fast allen noch auf der Visitenkarte fehlt. Allerdings ist es bei Inter jetzt auch nicht so, dass sie in den letzten Jahren exorbitant oft Meister geworden wären und deshalb hier eine gewisse Sättigung eintritt, wie man sie bei Bayern nach zig Titeln am Stück für möglich hielt. Inter wurde in den letzten 10 Jahren gerade 2mal Meister (2021 und 2024). Vom Kader des Meisterteams 2021 sind nur noch 5 Spieler im Kader. Von einer Sättigung kann also eigentlich keine Rede sein.
Inter ist eine richtig gute Mannschaft, aber ich glaube auch, dass sich Inter im klaren ist, dass Bayern sie in Bestbesetzung besiegt hätte. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Inter nach den Verletzungen bei Bayern Hoffnung gesehen hat und sich daher voll auf die Champions League konzentriert hat.
„Ich muss ein bisschen aufpassen, aber ich finde es einfach sehr schwierig, wenn man in der Vorsaison ein solcher Bestandteil der Mannschaft war in einer so einmaligen Saison, wenn man dann so außen vor gelassen wird“, wird Hofmann, dessen Vertrag bis 2027 läuft, vom „Kicker“ zitiert.
Der einstige Gladbacher, der 2023 per Klausel für 10 Millionen Euro Ablöse kam, betonte, dass Alonso „sehr wenig“ kommunizieren würde.
Die Flitterwochen sind vorbei, jetzt regiert der Alltag.
Vielleicht auch ein Grund für Alonso zu gehen. Von dem Höhepunkt im letzten Jahr aus, kann es für ihn dort eigentlich nur noch bergab gehen.
Mit den letzten Eindrücken vom spanischen Pokalfinale…
Der Alonso würde mit seinem Verhalten an der Außenlinie ja sowas von super zu Real Madrid passen. Das ist wirklich ein perfektes Match.
Als es so super lief in LEV und dann noch im ersten Halbjahr dieser Saison, vielleicht sogar 2/3, wusste man noch nicht, ob Stephan v N. nur Alonso oder dem ganzen Verein ganz tief in den A. gekrochen ist. Seitdem die Erfolge ausbleiben (Matchpläne nicht mehr „genial“ sind) und Alonso ein klares Bekenntnis zum Club vermeidet (aka „rumeiert“) ist es recht klar: Der Kicker Autor fühlt sich dem Club, aber nicht dem Trainer verbunden. Plötzlich ist dessen sympathisch, gelassene, höfliche, teilweise nichtssagende Art, mit Fragen umzugehen, damals noch gefeiert, eine Belastung für den Club, plötzlich werden kritische Spielerstimmen sehr prominent und ausführlich platziert…
Ich liege ja bei Tipps zu Spielen und Saisonverläufen und bei der Entwicklung einzelner Spieler gerne mal meilenweit daneben. Aber im Fall von Leverkusen diese Saison ist es genauso gekommen, wie ich prognostiziert (und auch gehofft habe): Dieses perverse Spielglück ist weg, Spieler werden unzufrieden, sie werden eine Wirtz- und Trainerzukunft-Debatte haben. Und sind damit auf Normalmaß zurück gestutzt. Wird spannend zu sehen, wer nächstes Jahr der „zweite Leuchtturm“ in D ist.
Was ich mich gefragt hatte. Wie kommen eigentlich solche Dinge bei Florian Wirtz respektive Papa Wirtz an?
Geht es eher in die Richtung „Ist mit doch egal. Real bleibt Real“?
Oder fragt man sich, ob das gerade das richtige Umfeld für die weitere Entwicklung ist?
Man wird das da schon auch registrieren.
Ich schätze, dass für Wirtz eher ManCity eine ernsthafte Option ist und Real Madrid vermutlich erstmal auf anderen Positionen nachbessern wird.
Aber meinst du Alonso war schon immer so oder ist er erst so geworden? Denn ich finde nicht, dass Alonso bei uns „unsympathisch“ war. Aber vielleicht täusche ich mich auch.
Als Spieler fand ich ihn super, hab sogar ein Trikot mit ihm beflockt.
Als Trainer an der Seitenlinie find ich das Verhalten von ihm und seinem Trainerteam unter aller Kanone. Das erinnert manchmal schon an Freiburg unter Christian Streich.