Warum schon wieder so negativ?
Wenn wir aus allen Transferperioden ever was lernen können, ist es doch so, dass am Ende zählt, was faktisch der Fall ist. Keine Zwischenzeugnisse, keine Einschätzungen zu vorhandenen oder nicht vorhandenen Plänen machen irgendwie Sinn, weil wir gar nicht sicher wissen können, was hinter den Kulissen läuft. Natürlich können wir uns austauschen und debattieren, aber ich wäre nicht so vorschnell und grundsätzlich. Vor allem nicht angesichts all der zahlreichen Schwafler unter den Herren des allzu neuen (und fragwürdigen) Berufsbildes Transfer-Journalist.
Scheinbar ist doch folgendes der Fall:
Eberl ist angewiesen, Transfereinnahmen zu generieren, bevor er auf große Einkaufstour gehen kann. Da macht ein Verkauf von Tel halt zweifelsohne Sinn, grade auch in der wohl zutreffenden Höhe des Erlöses. Bei den gezeigten Performances von Tel die letzten eineinhalb Jahre müssen wir die Summe fast noch als sehr hoch einschätzen, wenn wir sie mit vergleichbaren Spielern in Bezug setzen.
Und du glaubst ja nicht ernsthaft, dass wir jetzt noch zwei, drei Spieler abgeben, ohne die Kaderstellen neu zu besetzen, oder?
Was nun Tel betrifft:
Ich bin auch etwas traurig, weil er so ein sympathischer Junge ist und ich nach wie vor an seine Anlagen glaube. Wäre ich Coach, hätte ich ihm auch Minuten gegeben, aber nicht auf dem Flügel, sondern auf der Neun oder als zweiter Stürmer. Viele wären es aber nicht gewesen, weil Harry ja selten ausfällt. So weit die Theorie.
In der Praxis jedoch bin ich bei @Hibbs’s Ansatz. Bei Bayern geht’s zuallererst um den sportlichen Erfolg, Talentförderung ist nice to have und kann unter totaler Dominanz auch mal ausdrücklich gefordert und gefördert werden. Dazu wäre eine starke Stellung des Coaches hilfreich.
Und jetzt schauen wir mal in die Realität, wie wir in die Saison gegangen sind:
Nämlich als Dritter der letzten Runde mit gehörigem Abstand zum Spitzenreiter. Mit einem neuen Coach, an den vielleicht Eberl und er selbst geglaubt haben, alle anderen waren skeptisch, skeptisch, skeptisch. Und die Meisterschaft war auch sehr lange sehr offen, noch bis zum ominösen Rückrundenspiel gegen Leverkusen und darüber hinaus galt Bayer als Favorit. Und die Fluktuation auf dem Trainerposten war fast schon sprichwörtlich.
Mit anderen Worten, wir hatten so ziemlich die schlechtesten Umstände, um pures Talent zu fördern ohne sofortige sportliche Gegenleistung. Und Kompany schon gar nicht.
Aber das Wichtigste:
Ein Trainer isse kein Idiot. 
Fast kein unter Erfolgsdruck stehender Coach wird die sportlich schlechtere Alternative aufstellen, völlig wurscht wie alt der Spieler ist. Wäre Tel im Training klar besser gewesen als Gnabry/Sane/Coman, hätte er gespielt. Fertig. Für Tel das System zu verändern in seinem ersten Jahr als Coach ohne Titelgarantie - das kann man nicht allen Ernstes verlangen in einem Geschäft, das auf genau einem sportlichen Aspekt basiert - nämlich dem Ergebnis des letzten Spiels.
Für Tel ist es schade, ich halte es durchaus für möglich, dass er wie so einige (etwa ein Viktor Osimhen) mit Mitte 20 einen Sprung macht, der seine Anlagen zu einem internationalen Spitzenspieler Wirklichkeit werden lässt. In diesem Moment, bei unserer Situation, sehe ich es als win-win, ihn abzugeben.
@Armaster hat aus meiner Sicht Recht, was wir aus diesem Fall lernen müssen, ist, unser Scouting zu verfeinern und es mit der Spielidee abzustimmen (und im Idealfall auch mit dem stabil im Sattel sitzenden Coach). Pures Talent zu kaufen, reicht halt auch nicht, wir müssen zum Beispiel auch stärker aufs genaue Profil schauen und wie das ins angedachte System passt (den Fehler haben wir jetzt nicht zum ersten Mal gemacht und bei wesentlich prominenteren Namen als einem jungen Spieler, der diesbezüglich auch schwieriger zu werten ist - ich sag nur Sadio Mane).
Jedenfalls hat ein Coach bei den Rahmenbedingungen, wie sie bei uns herrschen, allzu schnell die Arschkarte. Deswegen sehe auch ich da das Management eher in der Verantwortung - und wie ich schon oft betonte, auch hier gilt nach den letzten Jahren das Primat der Kontinuität, sofern die Entwicklung prinzipiell stimmt.
Und das tut sie im Ergebnis absolut. Was einzelne kritische Einwürfe oder tragische Einzelfälle wie Tel natürlich beinhalten kann.