Volle Zustimmung, das waren genau meine Gedanken.
Kane abzufeiern, ist immer wieder konsequent und berechtigt (die Grätsche beim Stand von Zwei-Null links am eigenen Sechzehner!). Aber der entscheidende Spieler war für mich gestern sogar wieder Upa. Wie er bei den beiden Toren die Szenen auflöst, ist in jeder Hinsicht beeindruckend: technisch vom Dribbling her, physisch im Durchsetzungsvermögen, strategisch im Finden des Laufweges und der Richtung des Passens. Natürlich machen die da vorne das immer wieder überragend, aber was, wenn die Kugel nie dahin kommt?
Ich denke (heute) gerne zurück an die Zeiten, als viele Upa lieber schnell weitergeschickt hätten, weil er krasse Fehler drin hatte. Ich hab damals immer gerne - und hoffend - entgegengehalten, dass er als einer der wenigen das Potential zum besten IV der Welt hätte.
Heute ist er es. Gibt noch zwei, drei auf ähnlichem Niveau, aber in seiner sowohl offensiven als auch defensiven Kompetenz ein Geschenk für den FC Bayern, das endlich eingelöst ist. Macht mich sehr glücklich!
Was die Pressing-Auslösung betrifft - ja, da ist Upas Können ganz wesentlich, und sicher (von den Pariser Ballkünstlern abgesehen) denken wir da immer noch gerne an Thiago zurück, der in dieser Hinsicht der Meister aller Klassen war. Aber so einen findest du halt auch nicht mehr. Pavlo hat diesbezüglich meines Erachtens aber noch Potential nach oben. Er ist kein Rastelli, aber technisch schon auf hohem Niveau und etwas explosiver im Antritt als Kimmich. Zudem scannt er extrem gut das Spielfeld und weiß in der Regel immer früher als alle anderen, wo die Kugel hin muss. Das bringt auch die ein oder andere Zehntelsekunde.
Gut, dass Du die langen Pässe (Urbig) ansprichst. Mein Eindruck war auch, dass da die Laufwege nicht ganz so passten, die fehlenden Tiefenläufe. Es hängt halt nicht immer nur am Passgeber. Wobei wir auch sagen müssen, dass das bei Urbig schon ein erfreuliches Jammern auf hohem Niveau ist, dass einem das überhaupt auffällt - bei anderen Keepern würde man das einfach durchwinken.
Es hatte im Gesamtbild aber auch mit dem extremen Aufwand und der hohen Aggressivität der Stuttgarter zu tun, glaube ich. Deren erste Halbzeit, sagen wir 55 Minuten, waren wirklich beeindruckend zweikampfstark und eklig. Jablonski hat sehr viel laufen lassen. Das war schon in Ordnung so, die Fouls waren eben auch immer so clever und sehr knapp an der Gelben dran, aber eben nicht drüber.
Ich war aber, weil der VFB auch keine klaren Chancen hatte, relativ ruhig und hatte das Gefühl, wir können uns reingrooven und zunehmend spielerisch lösen. Und so kam’s ja auch, das Team blieb ruhig und selbstbewusst. Was für eine Entwicklung binnen zwei Jahren! Auseinanderfallen, sich verunsichern lassen, das gibt’s nicht mehr.
Eine wunderbare Saison, trotz CL-Halbfinal-Aus für mich eine der schönsten, vielleicht sogar die geilste ever. Wegen des Fußballs, den wir spielen. Und des Teamgeists, der herrscht. Hab’s schon mal gesagt, ich sag’s nochmal, wenn auch natürlich sehr subjektiv:
Für mich die sympathischste Mannschaft, die wir je hatten.
Und auf dem entsprechenden Thron sitzt Vincent Kompany!