Es gibt zu diesem Thema ein interessantes Gedankenexperiment/Befragung.
Amerikanische Studenten wurden befragt in welcher Welt sie nach ihrem Studium gerne leben wollten. (Zahlenwerte nur beispielsweise)
a.) Eine Welt in der sie 80.000 USD verdienen würden. Alle ihre Kommilitonen würden dagegen 90.000 USD verdienen.
oder
b.) Eine Welt in der sie 70.000 USD verdienen würden. Alle ihre Kommilitonen würden dagegen 60.000 USD verdienen.
Rational scheint die Antwort klar zu sein. Ich wähle das Modell in dem ich mehr verdiene. Allerdings entschied sich eine signifikante Mehrheit dafür Szenario b.) zu wählen.
Der Vergleich mit unserer Peergroup, bzw. der Wunsch hier gut abzuschneiden, scheint sehr mächtig in uns.
Und dieses Bevorzugen von Option B ist eben mMn ein eher niederer Trieb. Weil manochte einfach nur besser dastehen als die anderen, aber es ist eigentlich egal, wie viel man selbst verdient.
Ich empfehle Kahnemann “Schnelles Denken, langsames Denken”. Er würde wahrscheinlich - ich bin mir nicht sicher ob dieses Studie in seinem Buch vorkommt, ähnliche aber schon - den “niederen Trieb” als schnelle “System 1” Entscheidung bezeichnen.
Die Wurzel allen Übels ist das ewige Vergleichen. Leider die Natur des Menschen dass es anscheinend besser ist subjektiv besser dazustehen als es objektiv gut zu haben. Deswegen funktioniert es ja auch nicht.
Ich wollte auf diesen interessanten Beitrag eigentlich schon viel früher antworten, nachdem dieses Thema Schwerpunkt meines Berufs als HR-Berater ist. Habe es leider nicht früher geschafft, sorry.
@JOP empfiehlt Kehlmanns Buch. Das Buch ist zugegebenermaßen grandios, ich habe es 2x gelesen. Beim Thema Gehalttsfragen sind die Antworten aber etwas vielfältiger. Es geht nicht um “den einen Bias”:
Vergleichsgruppe: Ich (nicht ich persönlich, dient nur der Vereinfachung) bin bspw. Senior Ingenieur laut LinkedIn oder Visitenkarte. Designe ich nun den neuen Tesla, oder einen Akku-Staubsauger? Habe ich Fachkompetenz , oder arbeite ich meine Themen ab? Darauf geben stepstone, kununu und LinkedIn etc. keine Antwort, wenn sie Gehaltsschätzungen ausspucken.
Arbeite ich in einer Bäckerei, einem KMU, oder in einem globalen Tech-Unternehmen? Ob man das mag oder nicht: Die Gehaltsniveaus liegen je nach Branche und Unternehmensgrösse eklatant weit auseinander. In Stammtisch-Diskussionen wird das selten berücksichtigt.
Personal bias: Hier kommt Kehlmann voll zum Tragen. 87% aller Menschen glauben, dass sie Leistungsträger sind und überdurchschnittlich zum Erfolg des Teams oder sogar des Unternehmens beitragen. Findet den Fehler.
Das Grundproblem ist der extrem subjektive Stammtisch-Vergleich. Ich kenne Teilzeit-Kräfte, die Routineaufgaben abarbeiten und glauben, sie müssten 60k oder mehr verdienen. Es gibt zwar auch Menschen, die bspw. sozial engagiert sind und sich mit 50k p. A. zufrieden geben. Sind aber nur wenige.
Das müssen wir in jetzt in den Profifußball übersetzen, in dem man maximal 3 gute Verträge bekommt und mit 40 aussortiert wird. Kein Wunder, dass die Spieler pokern. Die echte Pest sind dann die Berater, die jedem Götze einreden, er sei der neue Messi.