Veröffentlicht unter: Julian Nagelsmann beim DFB-Team: Der Unverstandene?
Julian Nagelsmann steht nach dem 1:2 gegen Ecuador bei der WM 2026 wieder mehr in der Kritik. Wird der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft missverstanden? Da war er wieder: Der genervte Julian Nagelsmann. Nach der 1:2-Niederlage des DFB-Teams zeigte sich der Bundestrainer bei MagentaTV nicht zum ersten Mal in seiner Karriere etwas pampig. „Das ist doch Quatsch“, erwiderte der ehemalige Trainer des FC Bayern München auf die Frage, ob Ecuador es mehr gewollt habe. Gleich mehrere Spieler und später auch Rudi Völler widersprachen ihm ungewollt – also in dem Sinne ungewollt, dass sie es nicht darauf abgesehen hatten, ihren Trainer auflaufen…
Für mich wäre Klopp die bessere Lösung.
Nicht, weil er der feinere Taktiker ist, sondern weil er einer Mannschaft sofort Haltung, Klarheit und Energie gibt.
Deutschland hat genug gute Spieler, aber oft fehlt genau dieses gemeinsame Feuer.
Klopp kann Teams emotional packen, einfache Rollen geben und aus guten Einzelspielern schnell eine echte Einheit machen.
Bei einer Nationalmannschaft mit wenig Trainingszeit ist das Gold wert.
Da brauchst du jemanden, der nicht alles verkompliziert, sondern sofort Wirkung erzeugt.
Also lieber DFB: Nagelsmann nach der WM rausschmeissen und alles auf die Klopp Karte setzen
Starke These
ist nicht einfach mit 82m Bundestrainern täglich umzugehen, aber dann braucht man halt auch mal eine Linie die man konsequent durchzieht. Und dann auch dazu steht wenn’s mal kacke läuft.
Da scheint ein bisschen Pep Guardiola drin zusein das er halt doch denkt dass er so viel mehr Klarsicht hat und den Nuancen besser versteht als andere vom Fach aber natürlich vor allem wir Plebejer.
Er lässt ja auch ungern eine Möglichkeit aus uns daran zu erinnern.
Was genau meinst du damit? Dein “kommentiert”-Banner unten war schneller da, als man diesen langen Text überhaupt lesen kann. Ebenso beim Vorredner.
Nicht böse gemeint, aber es wäre wirklich schön, wenn sich in der hier folgenden Debatte wenigstens auf den Artikel und den Inhalt bezogen wird. Dass es wenig Zustimmung für die positiven Aspekte des Artikels geben wird, war mir eh bewusst, aber die Arbeit fühlt sich sinnvoller an, wenn Leute dann auch den Artikel lesen und ihn nicht nur als Plattform für die eigene Meinung nutzen. Dafür haben wir ja sonst auch andere Threads.
Dein Artikel war 10 Minuten hier in der Kurve online. Ziemlich überheblich den Leuten abzusprechen das bissl Text in der Zeit nicht lesen zu können
Ach, schön, wieder die Keule. Könnte ich zurückgeben, wenn du stundenlange Arbeit als “bissl Text” abtust. Führt ja auch zu nix.
Ich gehe mal davon aus, dass du deinen Kommentar nicht in 10 Sekunden hingehackt hast. Und ja, ich glaube, dass es schwierig wird, den Text in zehn Minuten sinnerfassend und sich komplett damit auseinandersetzend zu lesen, dann noch die Argumente zurechtzulegen und einen Kommentar zu verfassen, der sich mit dem Text auseinandersetzt.
Und dein Kommentar nimmt ja auch überhaupt nicht Bezug auf den Text.
Das hat letztlich wenig mit Überheblichkeit zu tun, sondern mit Ärger darüber, dass man sich Mühe macht, eine lange Auseinandersetzung aufzuschreiben, die viele Seiten beleuchtet und dann ist der erste Kommentar halt ein “Ich finde Klopp geiler”-Kommentar ohne Bezugnahme zum Text.
Dein gutes Recht. Kann man so machen. Mein gutes Recht, das bissl doof zu finden.
Sorry erstmal für die Formulierung. War unglücklich ausgedrückt.
Nagelsmann vermittelt für mich immer häufiger den Eindruck eines bockigen Kleinkinds als den eines wirklich reflektierten Bundestrainers. Für mich zeigt der Artikel sehr gut wie Statistiken vieles „schönrechnen“, aber sie verdecken eben auch, wie fragwürdig manches im Gesamtbild wirklich ist. Statistisch scheint Nagelsmann ein Top Trainer zu sein
Danke! Weiß ich zu schätzen.
Ich sehe hier halt eine Diskrepanz zwischen Öffentlichkeit – und hier wird seine Kommunikation im Artikel ja ebenfalls kritisiert – und dem, was intern los ist. Denn bisher gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Mannschaft nicht von ihm überzeugt wäre. Selbst Ersatzspieler haben sich in aller Regel sehr positiv zu ihm geäußert. Also irgendwie muss es ja einen Unterschied zwischen dem Nagelsmann geben, den wir unter Stress nach Spielen oder auf PK’s sehen und dem Nagelsmann, der in der Kabine und auf dem Platz zu sehen ist. Man kann nicht einfach von mangelhafter Medienkommunikation auf mangelhafte Kommunikation mit den Spielern schließen, finde ich.
Dennoch sehe ich seine Außendarstellung zumindest im Umgang mit Kritik auch kritisch, wenn auch nicht durch die Bank weg so kritisch wie andere.
Ich denke auch, dass die Stats da nicht allzu viel schönrechnen. Am Ende ist es eine relativ große Stichprobe, in der sein Team besser performt hat, als es die meisten vor der EM 2024 wohl gedacht hätten. Das heißt nicht, dass er alles richtig macht. Es heißt aber auch, dass er nicht alles falsch machen kann. So wie ich immer dafür bin, nicht nur das Ergebnis bei Niederlagen zu sehen, bin ich auch dafür, nicht nur das Ergebnis bei Siegen zu sehen. Trotzdem beobachte ich auch einiges an positiver fußballerischer Entwicklung über die zwei Jahre.
Ich hätte diese WM wirklich gern mit Wirtz, Musiala und Pavlo in Topform gesehen. Aus meiner Sicht kann da kein Messiahs etwas ausrichten, wenn die drei nicht optimal funktionieren und das ist für mich auch nicht hauptsächlich systemisch begründet. Pavlo war bei Bayern zuletzt schon dünner, Wirtz verliert Bälle in nahezu allen Räumen und nicht nur auf dem Flügel, Musiala wissen wir eh, dass das noch nicht der Musiala ist, den alle kennen. Ich denke, das kann so ein Turnier schon allein als Faktor killen. Und dann kommen eben noch zig weitere dazu. Sicher auch welche, die Nagelsmann hätte beeinflussen können.
Sollte ein Kompliment sein für eine gute Formulierung.
Ah, das war mir nicht klar, weil ich nicht wusste, welche “These” ich aufgestellt habe. Danke für die Klarstellung.
Ich finde, du hast die Ambiguität von Nagelsmann gut herausgearbeitet. Und diese offenkundige Janusköpfigkeit ist es auch, die mich bei deinem Urteil, er sei ein “sehr guter Bundestrainer”, leicht zusammenzucken lässt. Ich kann seinen Frust, dass ausgerechnet das Mittelfeld schwächelt, von dem er sich (und uns allen) so viel versprochen hat, problemlos nachvollziehen. Dass er daraus in drei Vorrundenspielen noch nicht eine spürbare Konsequenz gezogen hat, möchte ich ihm dann aber doch zum Vorwurf machen. Vielleicht belehrt er mich am Montag ja eines Besseren.
Zu einem “sehr guten Bundestrainer” zählt für mich auch der souveräne Umgang mit dem Gegner auf dem Feld, den Schiedsrichtern, den Medien, der interessierten Öffentlichkeit. Du charakterisierst ihn in diesem Zusammenhang als “genervt” und “dünnhäutig”, konzedierst aber auch, dass er manche Situationen gut gemanagt hat. Mir stößt halt immer wieder unangenehm auf, wie er seine unbestreitbare Kompetenz besserwisserisch vor sich her trägt. Die Pöbeleien gegenüber den Offiziellen und dieser ständige Erregungsmodus gegenüber dem Schiedsrichtergespann machen ihn in meinen Augen nicht zu einem Sympathieträger. Sicher - das ist nicht seine vordringlichste Aufgabe, und die Spieler schätzen es vermutlich, wenn da einer für sie All-In geht; das Binnenklima scheint ja intakt zu sein. Trotzdem geht es auch anders - das hat Kompany in den letzten zwei Jahren eindrucksvoll bewiesen.
Nur kurze Korrektur: Ich schreibe “Nagelsmann ist ein sehr guter Fußballtrainer.”
Ob er auch ein sehr guter Bundestrainer ist, steht dort nicht. Ich würde das auch im Moment ehrlicherweise offen lassen. Ich halte ihn ohne Zweifel auch für einen guten Bundestrainer. Zu sehr gut fehlen mir noch Variablen, die ich Stand jetzt nicht endgültig bewerten möchte.
Hast Recht, ja. 20x genauer hingucken…
Ich finde den Kompany-Vergleich immer müßig. Jeder Jeck ist anders und wenn wir jetzt alle Trainer am eloquenten und ruhigen Kompany messen, werden wir bald gar keine Freude mehr am Fußball haben.
Mir ist Kompany sogar manchmal zu langweilig, weil ich Fußball auch als Unterhaltungsgeschäft verstehe. Dass seine Strategie aus seiner Sicht natürlich völlig richtig ist, steht ja außer Frage. Aber der Vergleich hinkt auch auf mehreren Ebenen. Nagelsmann hatte damals ein komplett anderes Arbeitsumfeld. Die haben ihn quasi auflaufen lassen. Ich bin gespannt, wie es mit Kompany ist, wenn er mal fünf Spiele nicht gewinnen sollte und die Hollywood-Etage unruhig wird. Oder meinetwegen auch vier. Ich kann mir vorstellen, dass er das auch gut machen wird, aber trotzdem sollte man ihn nicht als Schablone über alle anderen legen. Mein Eindruck ist auch, dass wir Trainer in ihrer Kommunikation ganz anderes wahrnehmen, wenn sie erfolgreich sind. Von Nagelsmann waren sehr, sehr viele begeistert als es lief. Als es nicht lief, kippte die Stimmung, weil jede Aussage fünfmal umgedreht wird.
Es freut mich, so eine sachliche und umfassendere Analyse zu Julian Nagelsmann zu lesen.
Zumal ich selbst in der Vergangenheit schon klare Kritik an ihm geäußert hab, wobei ich hoffe, dass diese in der Regel sachlich begründet war. Letzteres schließlich - mit Betonung auf sachlich - fiel mir immer schwer: weil ich ihn eigentlich sehr mag und sehr viel von seinem Fachwissen halte.
Mein Haupt-Punkt lässt sich meist auf die Formel zurückführen, dass Nationaltrainer und Vereinstrainer zwei verschiedene Jobs sind, mit unterschiedlichen Anforderungen und Schwerpunkten. Grade auch während eines Turniers.
Die Krux ist, dass Nagelsmann-Fußball nach meiner Auffassung ziemlich anspruchsvoll ist. Er ist, wie der Mensch Julian: unterhaltsam! Ich finde das eigentlich cool und würde ihn deswegen auch jederzeit vielen Trainern vorziehen. Und die genannten Stats zeigen trotz der kleineren Stichprobe, dass es Nagelsmann meist gelingt, seine Teams pro-aktiv und recht erfolgreich einzustellen.
Allerdings: was der Artikel deutlich herausarbeitet, ist die fehlende Form einzelner Schlüsselspieler. Das wäre für jeden Coach ein Problem, für den Nagelsmann-Ball kann es bedeuten, dass das ganze Spiel, nun: dysfunktional aussieht, weil es in sich schon komplexere Abläufe hat.
Die Kritik, die er auf sich zieht, hingegen ist oftmals betont emotional und schlicht. Mir persönlich etwa ist seine Kommunikation nach außen relativ egal. Solange das Verhältnis zur Mannschaft stimmt - und Gegenteiliges habe ich auf keiner seiner Stationen wahrgenommen - bin ich sogar glücklich, einen begabten Rhetoriker zu haben, selbst wenn er sich dann und wann ein wenig vergaloppiert. Wenn Leute wie Kimmich so ein enges Verhältnis mit ihm haben, dann kann ich davon ausgehen, dass sie das Fachwissen schätzen, das er anbieten kann. Ironischerweise denke ich, dass genau diese Begabungen - die Rhetorik, die breit aufgestellte Expertise - dazu führen, dass man sich seitens der erwähnten 82 Millionen Bundestrainer allzu gern und scharf auf ihn einschießt.
Ich bin in manch zentralem Punkt anderer Auffassung als der Bundestrainer. Zuvorderst bezüglich der Kimmich-Position. Jedoch bin ich mir jederzeit bewusst, im Vergleich nicht einen Bruchteil des Verständnisses für das Spiel aufweisen zu können. Das scheinen, bei aller berechtigten Kritik, viele eher nachrangig zu beachten.
Um also auf die Überschrift zu verweisen:
Der Unverstandene? Ganz sicher.
Der nicht Verstehende? Ich glaube nicht, dass Julian Nagelsmann sehr viel nicht versteht - eher steht ihm sein umfassendes Wissen vielleicht manchmal im Weg.
Bin wirklich begeistert von der ausführlichen Abhandlung mit ganz viel Gedankenfutter. Da hat mir jetzt ein Herzchen nicht ausgereicht.
Freue mich schon das inhaltlich gegen die nächsten Spiele zu spiegeln.
Nagelsmann ist für mich der klar beste Trainer seit 2006 und Löw der schlechteste dieser drei. Im Nachhinein wurde Löw doch deutlich von der Generation Lahmsteiger getragen und als diese weg waren war, hat auch nur noch wenig funktioniert. Zusätzlich hat es immer noch viel Glück gebraucht. Ohne einen überragenden Neuer gegen Algerien gibt es keinen Peak.
Aktuell wird Nagelsmann eben von den nicht-Bayernspielern (ohne Sané) wieder im Stich gelassen (wie auch schon in den letzten zwei Jahren nach der WM. Da kann man dann leider auch nicht mehr herausholen.
Ich danke ebenso für die Einschätzung, möchte trotzdem meinen kleinen ganz persönlichen Eindruck teilen.
Vincent Kompany ist der geborene und professionelle Langeweiler auf PKs zu Fragen, die Taktik, Team und Aufstellung angeht. Das passiert scheinbar weitestgehend intern, und hat dem FCB verdammt gut getan. Gleichzeitig hat er eine mehr als bemerkenswerte PK zum Thema Rassismus gehalten: das war eine ganz klare Kante und trotzdem verbindend. Er hat zudem eine klare taktische Vorstellung davon, wie die Mannschaft spielen soll.
Julian Nagelsmann redet dagegen auf PKs sehr viel über einzelne Spieler, Taktik und Ideen - und entscheidet sich dann (siehe Neuer - egal ob man die Nominierung als richtig ansieht oder nicht, es gibt gute Gründe für beides denke ich) z.B. auch mal wieder um. Zu behaupten, dass er viel experimentiert hat (taktisch und personell), finde ich nicht komplett falsch.
Ich möchte es nur mit einem kurzen Satz zusammenfassen: ich bin sehr, sehr froh, dass Vincent Kompany der Trainer der heutigen Bayernmannschaft ist.
Was für eine Aussage, um Himmels Willen!
Du bist natürlich noch sehr jung, daher kein Tadel meinerseits.
Aber man muss schon fair bleiben: Klinsi und dann vor allem Löw haben die N11 fussballerisch von links auf rechts gedreht: Dass wir heute - mit allen Defiziten - offensive und vor allem spielerische Lösungen suchen, ist einzig und allein den Beiden zu verdanken.
Bis 2006 haben wir meist so grauenvoll gespielt, wie 2002. German Panzer.
Ein Flick oder ein JN mit ihren Ideen wären ohne Klinsi und Löw gar nicht möglich.
Man muss keinen der Beiden mögen, aber dieser Stilwechsel ist einzig ihr Verdienst. Und ja, Löw hatte dann das Glück, die beste Bayern-Achse aller Zeiten zu haben. Schmälert aber seine Courage nicht.
Löw war für mich bis 2016 der beste Bindestrainer, den wir jemals hatten. Bis auf Franz natürlich. ![]()
Sehe ich auch so. Ich glaube, Löw wäre kein so guter Vereinstrainer, aber er ist der perfekte Nationaltrainer. Man sollte auch nicht vergessen, dass die Generation um Schweinsteiger und Co. jahrelang sehr kritisch in Deutschland gesehen wurde, weil ihnen in den großen Momenten angeblich die Nerven versagten. Unter Löw war man bis 2016 konsequent bei jedem Turnier nah dran am Titel.
Was sicherlich auch wahr ist: 2014 profitierte Deutschland sehr vom Guardiola-Effekt. Dessen Einfluss auf den FC Bayern hatte auch massiven Einfluss auf die N11. Aber das eben auch nur, weil Löw es zugelassen hat und er es sehr gut verstand, die Entwicklungen aufzunehmen in seine Ideen. Es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich Deutschland bei den jeweiligen Turnieren gespielt hat. Löw war ein sehr starkes Chamäleon. Auch 2018 hätte ich D einen guten Run zugetraut, wenn sie die Gruppe überlebt hätten. Da war schon auch viel Abschlusspech/unvermögen dabei.
