Das ist ja der Irrtum, der vorherrscht: Wir investieren jetzt mal drei Jahre ein bisschen was und erwarten dann aber, dass sich im vierten Jahr alles von selbst trägt. Was wir erleben, ist auch oft gönnerhafte Investition. Wir machen das jetzt, weil wir es machen müssen oder weil das gerade ein gutes Bild auf uns wirft.
Wer mit Überzeugung dahinter steht und mit Überzeugung daran arbeitet, so zu investieren, dass sich eine Abteilung auf Dauer selbst tragen kann, mit Geduld, mit Rückschritten und mit Leidenschaft, der wird die Resultate dann auch sehen. Einige internationale Klubs haben es ja schon vorgemacht, dass Gewinne möglich sind – wenn auch unter anderen Voraussetzungen.
Wenn immer mal wieder Häppchenweise ein bisschen was investiert wird und man dann die Arme verschränkt und sagt: So, jetzt liefert mal was. Der wird es eben schwer haben. Wenn ich aber Geld in die Hand nehme für Infrastruktur, für Kaderplanung, für Nachwuchsarbeit – und dann eben auch für Marketing, dann kann ich in diesem Wachstumsmarkt profitieren. Entweder jetzt oder in fünf Jahren.
Dieser festen Überzeugung bleibe ich.
Auch Uli Hoeneß weiß genau, dass das nicht von allein kommt.
Oder, um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Das Minus könnte gern noch größer sein. Investieren, investieren, investieren.
Der “Downfall” von Wolfsburg (der noch nicht zu Ende sein muss), ist mMn multifaktoriell begründet.
Zum Einen fehlen die guten/besseren Einzelspieler. Natürlich sind die meisten Positionen bei Wolfsburg immer noch besser besetzt als in Bremen, Hoffenheim oder Leverkusen. Aber der Abstand ist kleiner geworden, weil die deutlich besseren Spieler eben ins Ausland gewechselt sind.
Zum Anderen (und vielleicht sogar wichtigeren Grund) fehlt die taktische Weiterentwicklung. Wolfsburg vertraut immer noch (wie auch zu ihren erfolgreichsten Jahren) auf die individuelle Qualität der einzelnen Spieler als auch auf Intensität, Energie und Physis der Spieler. Wie bereits geschrieben, fehlen die besten Spieler mittlerweile und zudem haben die anderen Vereine in Bezug auf individuelle Spielerqualität aufgeschlossen und damit auch ordentlich Intensität, Energie und Physis dazugewonnen und sich hier und da auch einfach taktisch weiterentwickelt.
Wenn es also so weitergeht wie aktuell ist Wolfsburg in ein paar Jahren womöglich nur noch im Mittelfeld der Liga unterwegs.
Zur allgemeinen Ligaqualität kann man natürlich sagen, dass wenn zwischen Platz 3 und Platz 11 nur 13 Punkte Abstand sind, dann ist das eine relativ ausgeglichene Liga im Mittelfeld. Oben und unten gibt es dann eben die positiven wie negativen Maxima in der Qualität.
Danke für die ausführliche Antwort. Ich habe meinen Trugschluss dahingehende auch eingesehen.
Ich glaube aber auch, dass sich da so schnell nichts ändern wird, weil deutsche Klubs hauptsächlich konservativ agieren und die schwarze Null für die meisten Konservativen zumindest ein Heiliger Gral ist, der nicht angefasst werden darf. Es regiert da eher die wirtschaftsliberale Sichtweise, dass der Markt es schon regeln wird.
Bei Wolfsburg fehlt es mir an Mut. Wie du schon sagst: Du kannst nicht mehr wie früher einfach jeden Gegner körperlich wegpumpen. Erstens fehlen dir die Spielerinnen. Oberdorf ist weg, Popp nicht mehr 25 Jahre alt, usw.
Zweitens haben die anderen Teams hier aufgeholt. Umso wichtiger ist es spielerische Lösungen finden zu können. Das ist für mich dann auch eine Frage des Coaches. Auch da: Null Mut.
Die Eintracht… ach je… Ich glaube nicht mehr, dass Arnautis variabler wird und somit das Team weiterentwickeln kann. Das bleibt maximal Stillstand auf einem Okay-Niveau. Aber damit scheint man dort ja zufrieden zu sein.
Ich glaube Wolfsburg hat Lerch zurückgeholt, weil sie einfach gehofft haben, dass dann auch der Erfolg aus der Vergangenheit zurück kommt. Lerch kann man natürlich auch fehlende Weiterentwicklung und Kreativität vorwerfen, aber ich glaube man wusste schon vorher, was man bei ihm bekommen würde und was nicht. Daher würde ich da eher die Vereinsführung als ganzes kritisieren, die ja auch bei den Männern eindrucksvoll zeigt, wie viel sportliche Kompetenz sie besitzen.
Bei Frankfurt sehe ich kurioserweise auch ein paar Parallelen zu den Männern. Der Trainer ist schon länger da, kann aber keine nachhaltige Entwicklung vorweisen und der Erfolg entstammt eher der individuellen Qualität der Einzelspieler, die aber entweder nicht mehr da oder außer Form sind. Trotzdem will man sich nicht vom Trainer trennen, weil er ja doch gewisse Erfolge vorzuweisen hat(te) und die Angst besteht, dass man keine bessere Alternative findet.
Man kann also beiden Vereinen einfach wenig Risikobereitschaft und wie du es sagst Mut vorwerfen. Passt lustigerweise auch gut zur Diskussion der (fehlenden) Investitionen.
Dahingehend hat Bayern in Person von Bianca Rech wirklich Mut bewiesen und ist mit Barcala den eher unkonventionellen Weg gegangen, der sich bisher aber ordentlich auszahlt.
Exakt. Und das ist für mich die Beschreibung des Problems.
Genau das meinte ich ja. Das geht gar nicht gegen Lerch. Der macht was er halt so macht. Der Vereinsführung werfe ich vor, dass man nur verwaltet und die immer gleichen Wege beschreitet.
Bei den Männern schmiert Wolfsburg ja gerade richtig ab. Würdet ihr das eigentlich auch für die Frauen begrüßen oder wäre der Verlust von den Wolfsburger Frauen ein zu großer Verlust für den Frauenfußball in Deutschland?
Was soll eine Pixel Bundesliga ohne Wolfsburg? Bayern wird kampflos Deutsche Meisterin? Dass Hoffenheim, Frankfurt oder wer auch immer aufschließt zu den beiden “großen” Clubs, sehe ich absolut nicht.
Also: All in für ein maximal starkes Wolfsburg der Frauen!
Easy. Ich habe zu Wolfsburg absolut keinen Bezug und mir könnte diese Mannschaft nicht unwichtiger sein. Aber als jemand, der davon träumt, dass die Bayern Frauen irgendwann einmal die Champions League gewinnen und dem dieser Titel mehr bedeutet als 10 Double-Gewinne, begrüße ich jedes Team, das nur im Ansatz ein Gradmesser für uns ist und klar aufzeigt, wo wir stehen. Also beantworte ich deine Frage damit, dass ich mir wünschen würde, dass wir 5 weitere Teams vom Niveau eines Wolfsburg und noch besser darüberhinaus in der Liga hätten.
Die Sache ist ja, dass Wolfsburg auch bei den Frauen keine Traditionsmannschaft ist wie Potsdam, Frankfurt oder Essen. Genauso wie bei den Männern haben sie sich den Erfolg zu einem großen Teil auch einfach erkauft. Deswegen würde mir wie es @Tom sagt, eine konkurrenzfähige Mannschaft fehlen, aber Wolfsburg an sich würde nicht fehlen.
Wir haben Wolfsburg, die zumindest physisch ein wenig gegenhalten können. Und alles dahinter ist tatsächlich auch eine Stufe drunter: Hoffenheim noch, Eintracht immer stärker werdend, Werder und Freiburg spielerisch nicht ihrem Tabellenplatz entsprechend. Leverkusen könnte kommen. Schaun mer mal.
Aber
Populismus at its best. Keine Profiligalizenz für Leipzig, Leverkusen, Hoffenheim as well. Man könnte auch sagen: Nehmt dem FCB Frauen die Lizenz weg - die werden quersubventioniert von den Männern.
Aber auf Wolfsburg schimpfen - datt is billich. Kost ja nix in einem Bayern Forum.
Ich habe auch nur mein Wunschszenario geäußert. Dass wir davon noch mindestens einige Jahre entfernt sind und dies vielleicht “niemals” erreichen, das steht auf einem anderen Blatt, haha aber ganz grundsätzlich ist eine starke Liga mit mehreren konkurrenzfähigen Mannschaften immer begrüßenswert. Die WSL z.B. ist ja nicht nur für die Zuschauer selbst interessant, sondern bringt auch die teilnehmenden Mannschaften weiter. Ich stoße in Kommentarspalten oder Podcasts zum Thema Bundesliga immer wieder auf die Aussage “alles ab Platz 3 ist spannend" und wenn man nur darauf blickt, dann hat die Liga großen Reiz. Aber sowas ist halt nicht mein Anspruch, denn mir macht das internationale Kräftemessen einfach wesentlich mehr Spaß.
Am optimalsten wäre sicherlich, wenn in der Frauen-Bundesliga auch nur reine Frauenvereine spielen würden. Aber das funktioniert nicht, insbesondere nicht, wenn man will, dass der Frauenfußball sich in Deutschland weiterentwickelt. Aber wenn es quersubventiontionierte Frauenvereine in Deutschland gibt, dann sollen das wenigstens interessante und gute Vereine sein wie Frankfurt, Bremen, Freiburg, Hamburg und in Zukunft dann Stuttgart, Dortmund oder Gladbach.