Ja das verstehe ich und sehe ich genauso.
So wie die Übernahme des 1. FFC Frankfurt 2020 von Eintracht Frankfurt? Wo war da der Aufschrei?
Der VfL Wolfsburg-Frauen entstand 2003 aus der Angliederung des Wendschotter SV, die mit 121:1 Toren die Regionalliga gecrasht hatten. Frauen-Fußball-Tradition in Wolfsburg?
Die SSG 09 Bergisch Gladbach (der Club von Silvia Neid) wurde 1996 vom TuS Köln rrh. 1874 übernommen und feierte bis 2008 Erfolge. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde die Profilizenz des TuS Köln von Bayer Leverkusen übernommen - wie auch die gesamte Frauenmannschaft. Zuvor gab es bei Leverkusen keinen Frauenfußball. Tradition?
Wenn ich das richtig sehe, sind Bayern München (gegründet 1970) und der SC Freiburg (gegründet 1975) neben der SGS Essen (gegründet 1973 als Grün-Weiß Essen, seit 2000 SGS Essen-Schönebeck, 2012 umbenannt in SGS Essen - mit dem damals neuen Erfolgstrainer Horst Högner (sic!) die einzigen Frauenfußball-Vereine der Bundesliga mit einer mehr als 50jährigen Tradition.
Werder Bremen: 1970 gegründet, 1974 wieder aufgelöst. 2007 neu gegründet - auf Bitte des Bremer Sportverbandes, um die andauernde Abwanderung der Frauen-Talente ins Bremer Umland zu verhindern. Zuvor begründete der SV Werder seine Ablehnung einer Frauen-Abteilung mit „Platzproblemen“…
TSG Hoffenheim - der Traditionsverein aus Sinsheim gründet seine Frauenabteilung ebenfalls 2007. Der Club übernahm die SG Hoffenheim/St. Leon, eine Spielgemeinschaft aus Sinsheim und Leon, die zuvor sieben Jahre steil Karriere bis zur Badischen Meisterschaft gemacht hatten. Grund: Spielgemeinschaften erhielten keine Lizenz für die oberen Ligen. Hoffenheim übernahm alle Frauenteams der SG komplett.
1. FC Köln: Die Frauenfußball-Abteilung wurde jedoch erst am 1. Juli 2009 durch den Übertritt des FFC Brauweiler Pulheim 2000 zum 1. FC Köln gegründet.
Union Berlin ist so dazwischen: 1990 erhielt der Klub mit dem Übertritt der Fußballerinnen der aufgelösten BSG Kabelwerk Oberspree Berlin erneut eine Frauenfußballabteilung, die es zuvor in den 70ern in der DDR schon einmal für wenige Jahre hatte.
Ebenso der 1. FC Nürnberg: 1995 wurde die 1. Fußball-Club Nürnberg Frauen- und Mädchenfußball e. V. als eigenständiger, vom 1.FCN unabhängiger Verein gegründet. Vor dem Bundesliga-Aufstieg 2023 wurde der Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Vereine Herren- und Frauenfußball in Nürnberg beschlossen.
Ich bin auch kein Anhänger des Franchising-Konzepts im Fußball, weiß Gott nicht, im Gegenteil. Ich war auch vom „Personenkult“ um Kang bei den Titelfeiern vor kurzem reichlich abgetörnt.
Aber dennoch halte ich M. Kangs Aussagen nicht für kühl kalkulierte Werbesprüche. Ich glaube, ihr ist es absolut ernst mit dem „an own specific way for womens football“.
Und mal Step by Step:
- Die Frauenvereine sind vielfach und mehrheitlich kleinere Anhängsel der erfolgreichen Männerclubs - ist das etwa falsch??
- Wieso sterben Vereine ohne den Profi-Herren-Überbau immer mehr aus? Weil Traditionsvereine immer vorne liegen? Turbine Potsdam? 1. FFC Frankfurt? SGS Essen? Spielen alle Champions League gegen die Viktoria Löwen?
- Und den Schritt in ein großes Stadion finde ich wegweisend und mutig - und wenn die Bayern-Frauen irgendwann einen Zuschauer:innen-Schnitt von 35.000 haben werden, dann war Ol Lyonnes der Pionier, der Vorreiter. (By the way: Wenn @JOP s Recherchen bezgl. der zu erwartenden Verkaufszahlen in Lyon stimmen, spricht das nicht wirklich für eine Unternehmerin, die auf kurzfristige Gewinnabschöpfung aus ist…)
- Die Schaffung von frauenspezifischen Trainings- und Forschungsbedingungen pusht (so weit ich weiß) derzeit niemand im Frauenfußball so sehr wie Michelle Kang - wirtschaftlich wie politisch.
Der FC Bayern hat in der vergangenen Saison einen Schnitt von 2.500 - und dennoch wird der Schritt in die Allianz-Arena gewagt. Auswärts haben wir 30.000 nach Frankfurt und 57.000 nach Köln gebracht.
Nur um das noch mal klarzustellen: Ich verteidige weder das Konzept Franchise noch die Person Kang.
Aber dennoch sehe ich die Mehrzahl ihrer Aktivitäten als mutige, wegweisende Pionierarbeit für den Frauenfußball an.
Und mal im Ernst: FlyEmirates holt mit Arsenal den UWCL-Titel - Traditionsvereins-Geld? Was macht die Kohle von Audi und Telekom weniger problematisch als die von Kynsica? Am Samstag holt PSG die UCL - proudly presented by Qatar Sports Investment - Traditionssport?
Die finanzielle Integrität des Profifußballs bei Traditionsvereinen ist doch ein Mythos - der FC Bayern ist eine Aktiengesellschaft und ein auf Gewinn ausgerichtetes kapitalistisches Unternehmen.
Tradition?
Come on …