Sodele, sorry, das meine Antwort so lange gedauert hat, aber ich war eine Zeitlang außer Gefecht.
Ich kann deinen Sarkasmus durchaus nachvollziehen, doch er trifft mich nicht.
Zum einen ist eine derartige Werbeunterbrechungsflut wie in der NFL (oder auch der MLB) schlicht und ergreifend nicht möglich, da es einfach unterschiedliche Spiele sind. American Football ist ein Spiel mit vielen kurzen Aktionen, das zu so einem Werbeformat einfach hundertprozentig passt. Das geht beim Fußball einfach durch die Spielform nicht.
Zum anderen geht es mir gar nicht um die Fernsehübertragungen (die sind ja halbwegs professionell) sondern um die Livespiele und um die komplette Informationsgestaltung rund um die Spieltage/Mannschaften/Vorbereitungen.
Fußball live ist…hrm…ein 3 oder 4 Stunden Event (evtl. mit entsprechender Anfahrt/Abfahrt). Hinfahren , schauen, freuen/kotzen, heimfahren, evtl. mit Freunden abhängen.
American Football ist ein Wochenend Trip mit so viel drumrum (allein was da für die Kids getan wird ist schon der pure Wahnsinn), das das Spiel an sich „nur“ noch gleichberechtigt zum restlichen Entertainment existiert.
Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, aber Fakt ist nun mal, das dieses Konzept ausgezeichnet funktioniert (übrigens auch in Japan beim Baseball, in Spanien beim Basketball oder ähnliches in der NBA in den USA).
Wenn man sich dann noch den Inhalt von NFL+ ansieht, müsste man allein in der Bundesliga da 10-15 Webseiten zusammenführen, dazu noch Youtube, die Mediatheken der diversen Pay TV Sender usw. usf.
Das das ganz dann erheblich teurer ist als die Bundesliga ist klar, aber es gibt ja auch einen Grund, warum die Spielzeiten der amerikanischen Profiligen so extrem verkürzt sind. Künstliche Verknappung des Angebots, Monopolstellung bei allen Informationsträgern, dafür aber halt für das Geld richtig viel Inhalt (wie gesagt, ob man den mag oder nicht ist erst mal nebensächlich).
Und das ist denke ich der Scheideweg, an den sich viele europäische Sportarten befinden (die ja auch noch den „Nachteil“ haben, neben den Nationalen Ligen so Kleinigkeiten wie EM´s , WM´s, Olympische Spiele, Nations League, Champions League und was weiß ich nicht alles durchzuführen).
Für mich als „Hobby“ Fan ist mir Fußball einfach zu viel und gleichzeitig zu wenig.
Zuviel, weil es einfach viel zu viele Spiele gibt (Bayern hatte letzte Saison 56 (!) Spiele, dazu kommen noch die Spiele der Nationalmannschaft) , zu wenig weil für mich ein Spiel allein meistens zu wenig ist, um en paar 100km durch die Landschaft zu gurken.
Für mich persönlich bietet da das amerikanische Modell mehr Vorteile als es Nachteile mit sich bringt (die mehr als genug sind, allein bei den Themen Colin Kaepernick oder Deshaun Watson kommt mir die Galle hoch, aus verschiedenen Gründen natürlich).
Wenn das Spiel scheiße ist habe ich zumindest noch ein Event drumrum, das in der Qualität und Vielfalt einem Jahrmarkt mit Sportprominenz gleicht. Und für diese „garantierte“ Unterhaltung zahle ich dann auch gerne mehr.
Und wenn man sich die Bestrebungen in allen Profisportarten ansieht, wird man meines Erachtens sich auf so ein Modell einrichten müssen, nicht in 5 oder 6 Jahren, aber meines Erachtens wird das kommen.


