FC Bayern: Wie geht es weiter mit Klara Bühl?

Deutschland wartet gerne ab.
Ob bei MP3, KI, Elektroautos oder eben beim Frauenfußball.

Scheiß auf Technologie- oder Marktführerschaft und potenzielle Giga-Märkte. Deutschland wartet.
Wartet bis etwas irgendwie von selbst passiert. Oder bis die Chinesen / Amerikaner / Engländer übernehmen.

Oder um mit Dreesen zu sprechen: „…keine Budgets abzwacken … weiterhin nicht mehr ausgeben als wir einnehmen…“ (Siehe z. B.: FC Bayern: So werden die FCB Frauen bald abgehängt)

So wie man als erfahrener CFO eben jegliche Risiken killt – und aus Versehen Wachstumschancen gleich mit.

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Das wird natürlich bei den Entscheidern ganz anders formuliert. Da heißt es eher, dass man nur gezielt investieren will.

Das ist global gesehen sicher nicht ganz falsch, aber auch erklärbar. Deutschland verteidigt gerade. Die Mentalität ist defensiv. Deutschland ist jahrzehntelang eines der führenden Industrieländer der Welt gewesen, speziell in den Bereichen Chemie, Maschinenbau und Automobilbau. German engineering, Made in Germany und so weiter. Inzwischen haben andere Länder in diesen Industrien aufgeholt und spätestens seit dem Beginn des Tech-Booms in den frühen 2000ern hat sich die Wachstumsdynamik ganz allgemein in andere Bereiche verlagert. Deutschland führt schon nicht mehr, der Ausgleich ist bereits gefallen, aber jetzt will man wenigstens nicht verlieren. Also stellt man sich mit elf Mann hinten rein.

Man sieht es wie im Brennglas auch in der politischen Diskussion: Es geht nur noch ums Verteidigen von Besitzständen und wer was von dem bekommt, was noch da ist. Es geht nicht um Ideen für morgen. Aufbruchstimmung, positive Energie, Mut, ein Kompany-Spirit, den ich so liebe, ist weit und breit nicht zu sehen.

Bedauerlich, aber historisch erklärbar. Immerhin haben wir noch etwas zu verteidigen. Noch.

Was den Frauenfußball angeht, sehe ich eher ein Problem des kollektiven Handelns. Die Liga kann nur wachsen, wenn alle mitmachen, wenn jeder Spieler (d. h. Verein) investiert und ins Risiko geht, um das Produkt – ein Wettbewerb von vielen Mannschaften – insgesamt attraktiv, hochwertig und aufgeladen mit Emotionen zu machen. Ein Verein alleine kann diesbezüglich nicht viel ausrichten.

Aber jeder Verein hat individuell einen Anreiz, die anderen die Investitionen tätigen zu lassen und selbst nicht zu investieren, sondern als Trittbrettfahrer von den getätigten Investitionen zu profitieren. Die Payoff-Matrix für einen einzelnen Verein sieht ungefähr so aus, hier am Beispiel des FC Bayern:

Man sieht, dass es für einen einzelnen Verein individuell stets rational ist, nicht zu investieren, egal, was die anderen Vereine (als imaginiertes Kollektiv) machen:

Wenn die anderen Vereine nicht investieren, aber man selbst investiert, reicht das alleine nicht um den Frauenfußball erfolgreich zu machen, man verbrennt viel Geld ohne Nutzen (in der Graphik die Auszahlung von -2). Wenn alle anderen nicht investieren und man selbst auch nicht, bleibt der Frauenfußball zwar am Boden, aber man hält sich finanziell immerhin schadlos (in der Grafik die Auszahlung von 0). Wenn alle anderen investieren und man selbst auch, hat man einen positiven Nutzen, der Frauenfußball wird für alle erfolgreich (in der Grafik dargestellt durch die Auszahlung 3). Aber wenn alle anderen investieren, aber man selbst nicht, ist der Nutzen des „Trittbrettfahrers“ sogar noch größer, weil er ohne eigene finanzielle Anstrengungen von den Investitionen der anderen profitiert. Der Frauenfußball wird für alle ein Erfolg, aber man selbst hat zusätzlich noch den Vorteil, dass man dafür kein Geld aufwenden musste (in der Grafik dargestellt durch die Auszahlung 5). (Die Auszahlungen der anderen Vereine bitte ignorieren, die Nummern dienen nur der Vollständigkeit.)

Diesem Anreizschema sieht sich jeder Spieler gegenüber. Aus Sicht jedes einzelnen Vereins heißt das:

Egal, was die anderen machen, ich bin immer besser dran, wenn ich selbst nicht investiere.

Das ist das klassische Problem des Freeridings bzw. Trittbrettfahrertums im kollektiven Handeln, das seine prominenteste Inkarnation auf dieser Erde wahrscheinlich beim Problem der Reduktion der globalen CO2-Emissionen hat.

Begegnen kann man diesem Problemen beispielsweise durch die Einsetzung einer zentralen Autorität, der gegenüber sich alle Spieler bindend verpflichten, bestimmte Ziele zu bestimmten Zeitpunkten zu erreichen oder der alle Spieler einen Teil ihre eigenen Entscheidungshoheit abtreten. Für eine schnellere und gezieltere Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland wäre es beispielsweise gut vorstellbar, dass eine zentrale Instanz, etwa eine Frauen-DFL, der jeder an der Frauen-Bundesliga teilnehmende Verein jedes Jahr eine bestimmte Summe Geld überweist und die im Namen der Liga (und damit aller Vereine) Geschäfte abschließen darf, beispielsweise in den Bereichen Werbung, Vermarktung und Infrastrukturausbau, die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland deutlich beschleunigen, stringenter und gleichzeitig effizienter machen würde. Denn mit einer solchen Instanz wäre das Trittbettfahrerproblem effektiv gelöst, und die Chance auf eine deutlich höhere Entscheidungsqualität und -geschwindigkeit kommt noch als Kirsche on top.

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Danke, dass du mir anschaulich erklärst, warum ich so eine Abneigung gegen Konservatismus habe.

alle / jede Spielerin(nen)…

Das ist je ein schön aufgemaltes Gefangenendilemma.
Allerdings würde ich dem nahezu komplett widerspreche, was die Payoffs (und damit die Gleichgewichte) angeht.

Zunächst als Gegenbeispiele:

  • Warum investieren Barca und Lyon so kräftig, obwohl die Ligen nicht (in gleichem Maße) mitziehen? Warum lohnt es sich für die beiden?
  • Warum schafften es die Premier-League-Teams in der WSL, auf das Gleichgewicht (inv, inv) zu kommen?

Dann als Gegen-Gedankenbeispiel:

  • Nicht-investieren, wenn die anderen investieren, hast du für Bayern mit einem Payoff von 5 als dominant gegenüber investieren, wenn die anderen investieren (Payoff 3), bewertet. Nie und nimmer. Wenn Wolfsburg, Frankfurt, Leverkusen und Co. wirklich hart investieren, wäre es für den FCB der Super-GAU, nicht zu investieren und national den Anschluss zu verlieren. Ich würde diesen Payoff als 1 o.ä. bewerten.

Nee, hier braucht es kein Gefangenendilemma als Erklärung bzw. wenn, dann ein anderes. Die Gründe sind viel simpler: fehlende Erkenntnis, fehlender Mut und eine unfassbare Kurzfristorientierung.

Gerade für die letzteren beiden gibt es viele Gründe darin, wie das Fußballbusiness funktioniert.
Ich kann da den handelnden Personen auch gar keine großen Vorwürfe machen. Dreesen will seinen Job behalten, dafür braucht er mindestens eine schwarze Null. Heute investieren, um übermorgen zu ernten, gefällt dem Patron nicht. (Mit Hoeneß’ Erfahrungen im Männerfußball der letzten 40 Jahre ist selbst das nachvollziehbar. Auch dort hat ihm wahrscheinlich schon zwölfmal ein Sportchef gesagt, die 2, 20, 100 Mio. brauchen wir noch, dann… und er tat gut daran, das nicht freizugeben.)

In Frankfurt, Köln und Co. hängen die Jobs der jeweiligen Präsidien und Sport-Chefs daran, mit den Männerteams ihre Ziele zu erreichen. Die wissen alle, dass sie gerade Chancen verpassen. Aber sie wissen auch, wie sie ihre Jobs behalten. Heute weitsichtig in den Frauenfußball investieren, um dort in fünf Jahren blühende Wiesen zu erhalten, hilft dabei kaum.

Und genau deshalb hat der deutsche Frauenfußball in den letzten zehn Jahren seine führende Rolle in Europa verloren. Jetzt wo der Markt Fahrt aufnimmt. Das ist rein aus Business-Perspektive so wahnsinnig dämlich.

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Das ist eine gute Frage: Warum?

Vermutlich weil die Clubs dort von Unternehmern und reichen Mäzenen gehalten werden, die entweder money to burn haben oder etwas von Unternehmertum verstehen oder beides, während die Clubs hier in Deutschland von risikoaversen Ex-Spielern geführt werden, die sich persönlich nicht für Frauenfussball interessieren, ihn aber auch nicht in geschäftlichen Kategorien wie Investition, Chance, Disruption etc. begreifen können.

(Das war jetzt etwas polemisch und wahrscheinlich unfair, ich geb’s zu. Obwohl: Etwas sehr Ähnliches hast Du auch geschrieben, und ich glaube, ich stimme Dir voll und ganz zu.)

Der Fairness halber möchte ich die Herren Vorstände im deutschen Fußball allerdings damit verteidigen, dass man ja tatsächlich nicht wissen kann, ob der Frauenfußball in Deutschland jemals profitabel wird, während gleichzeitig aufgrund der Nullsummensspielstruktur des Herrenwettbewerbs die optimale Höhe für Ausgaben für Dinge außerhalb des Kerngeschäfts Herrenfußball Null beträgt.

Dieses Anreizproblem ließe sich zuverlässig wahrscheinlich nur durch eine Art Frauen-DFL, wie ich sie oben beschrieben habe, an der sich alle Vereine mit einem bestimmten Betrag nach einer Formel, die für alle gleich ist, beteiligen und die gewisse erfolgskritische Entscheidungskompetenz im Bereich des Marketings und der TV-Vermarktung und möglicherweise auch noch der Infrastruktur hat, beheben.

Das wäre zumindest eine Chance.

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Aber zutreffend.

Profitabilität ist für mich nicht die relevante Frage. Auch der Männerfußball ist nicht für alle nachhaltig profitabel. Unstrittig dürfte aber sein, dass der Markt für Frauenfußball großes Wachstumspotenzial hat. Eine Garantie ob und wohin gibt es natürlich nicht, gibt es nie bei Wachstumsmärkten. Das haben die so an sich.
Aber wenn wir uns die Dynamik anschauen, das Potenzial anschauen, dann spricht sehr, sehr viel dafür, dass der Markt für Frauenfußball in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren stärker wachsen wird, als der Markt für Männerfußball.

Die gibt es jetzt ja glücklicherweise endlich. Ich fürchte, es ist das übliche too little, too late. Aber geben wir ihnen eine Chance.

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Ich würde bei Barcelona aber noch ergänzen, dass sie auch relativ wenig machen aktuell, wo der ganze Klub in Schlagseite ist. Die Frauen müssen sich auch da den Männern unterordnen. Was dem FC Barcelona aktuell trägt, ist eben die sehr gute Jugendarbeit und die große Fangemeinde. Aber beides hat man sich jetzt nicht erst kürzlich aufgebaut, sondern ist schon länger Teil der DNA.

Und bei Lyon ist es halt auch MCO. Die Liga als ganzes bzw. Frankreich profitiert davon auch nur mäßig. Denn es ist am Ende genauso spannend wie in Deutschland.

Wo die Investitionen wirklich jedem helfen ist eben die WSL in England und NWSL in Nordamerika. Da werden dadurch Strukturen geschaffen, wodurch sich zum Beispiel Liverpool eine Endemann von Wolfsburg leisten kann, obwohl sie im unteren Mittelfeld der WSL spielen.

Relativ wenig, aber im Ergebnis immer noch dreimal so viele Einnahmen wie der FC Bayern. Bei den Ausgaben dürfte es ähnlich aussehen.

Ja klar, beide Ligen sind insofern kein Zielbild für die Bundesliga. Die absolute Dominanz einzelner Teams tut keiner Liga gut.

Ging mir ja nur drum, als Replik auf Alex’ Modell Beispiele zu zeigen, wo einzelne Clubs mächtig Gas geben, obwohl die Liga nicht in gleichem Maße mitziehen.

Ja, nicht für alle. Eigentlich sogar für niemanden, weil die Anreize so gelagert sind, dass die optimale Höhe des Profits nach Berücksichtigung von Investitionen Null ist. Ein Profit von kleiner Null führt auf Dauer zur Insolvenz und ein Profit von größer Null bedeutet, dass man verfügbare Ressourcen nicht dafür eingesetzt hat, doch noch vom Abstiegsplatz auf den Nichtabstiegsplatz oder vom Conference-League-Platz auf den Europa-League-Platz oder vom Europa-League-Platz auf den Champions-League-Platz oder vom zweiten Platz auf den ersten Platz zu springen, was für diese Ressourcen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine deutlich höhere Verzinsung bedeutet hätte als die beste alternative Verwendung.

Aber genau aus diesem Grund ist eben auch kein Geld für den Frauenfußball übrig. Es ist ökonomisch rational, jeden nächsten noch verfügbaren Euro dafür einzusetzen, nicht abzusteigen, als ihm in eine unsichere Investition in den Frauenfußball mit unbestimmtem und unsicherem Rückzahlungshorizont zu stecken.

Ja, aber Wachstum != Profitabilität. Man kann als Unternehmen rasant wachsen, aber gleichzeitig Geld verbrennen one Ende. Man kann auch in rasant wachsenden Märkten aktiv sein und gleichzeitig Geld verbrennen ohne Ende. Meist trifft sogar beides gleichzeitig zu, es ist typisch für Start-ups in neuen Märkten. Der Frauenfußball weist auch so eine Struktur auf.

Die Chancen sind groß, aber die Risiken sind es eben auch. Das Geld, das die Vereine heute in den Frauenfußball investieren, ist eben erstmal nicht mehr für den Abstiegskampf oder den Kampf um die Champions-League-Plätze da.

Ich will die Vereine gar nicht verteidigen, ich will nur die Rationalität der Entscheidungen erklären und die strukturellen Bedingungen erhellen.

Yes! Obwohl ich fürchte, dass noch mehr Entscheidungskompetenz in wichtigen Fragen und Verfügungsgewalt über eine von den Vereinen bereitgestellte finanzielle Ausstattung bedeutenden Umfangs nötig wäre, als es momentan geplant ist.

(Ich bin echt bullish, was den Frauenfußball angeht. Er interessiert mich persönlich nicht, aber als Problem stachelt er meinen Unternehmergeist an. Wollen wir doch mal sehen, ob wir das Kind nicht zum Fliegen kriegen! Ich find’s spannend. :-))

Ich glaube ein Aspekt ist eben auch, dass Bayern in Deutschland mittlerweile bereits quasi absolut gesetzt an der Spitze steht. Und dann denkt sich der FC Bayern wahrscheinlich, warum investieren? In Deutschland sind wir sowieso schon auf der eins und international die Premier League einzuholen wäre so teuer, dass es wirklich ordentlich Verlust geben würde.

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Du hast vielleicht recht mit Deiner Meinung….ich seh es halt bisschen anders….Bühl ist eine TOP Spielerin aber nicht Weltklasse…Zahlen hin oder her….sie braucht zu viele Chancen ..in Barcelona hat sie ohne Kett nicht den Unterschied gemacht und in den letzten beiden Spielen ganz schwach….Fehlpässe auf kürzester Distanz

Sie war verletzt und danach nicht sofort wieder in Topform. Das kann tatsächlich vorkommen :wink:

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