Fair. Da hast Du meinen Post an der schwächsten Stelle aufgespießt, weil es tatsächlich keinen deterministischen Zusammenhang zwischen der Höhe des Gehaltsaufwandes und der Platzierung in der Meisterschaft gibt, bei dem der mit dem höheren Gehaltsaufwand immer vor dem mit dem niedrigeren liegt. Ergo ist die Aussage, die Bayern müssten wegen ihres finanziellen Vorsprungs zwingend jedes Jahr Meister werden, auch falsch. Ich habe im Eifer des Gefechts den Sachverhalt rhetorisch etwas zu sehr zugespitzt.
Allerdings gibt es empirisch einen sehr ausgeprägten statistischen Zusammenhang zwischen der Zahl der gewonnenen Punkte bzw. dem erreichten Tabellenplatz und der Höhe der Gehaltsaufwendungen, der sich auch mit noch so viel gutem Willen nicht wegdiskutieren lässt und bei dem wohl auch kein Fall einer ‘Zahl der Kinder’-’Zahl der Störche’-Scheinkorrelation vorliegt.
Ja, sicher, es gibt keinen Automatismus, keine Notwendigkeit, aber wenn ich als Alien auf die Erde käme und nichts über die Bundesliga, ihre Vereine und Spieler wüsste, aber den Gewinner der nächsten Saison vorhersagen sollte und dafür auf lediglich einen Indikator meiner Wahl zurückgreifen dürfte, dann würde ich die Personalkosten (entweder Gehaltsaufwand oder Gehaltsaufwand plus Abschreibungen) wählen und dann auf das Team mit den höchsten davon setzen. Ich stehe daher auch zum zweiten Teil meiner Aussage: Die Bayern müssen meiner Meinung nach auf jeden Fall wenigstens den Anspruch haben, jedes Jahr Meister zu werden, alles andere hielte ich vor dem Hintergrund ihres finanziellen Vorsprungs in der Bundesliga für lächerlich (daran ändert auch Dein Einwand, der Fußball sei ein low-scoring game, nichts, denn 34 Spiele sind genug, um die einzelspielbezogenen Besonderheiten jedes Spiels in Richtung einer generellen Aussage zu nivellieren; für die Champions League hingegen stimme ich Dir zu. Über 180 Minuten haben Zufallsfaktoren wie Tagesform, Wetter, Verletztensituation und so weiter einen deutlich stärkeren, eine korrekte Vorhersage deutlich erschwerenden Einfluss als über 34 Spieltage in der Bundesliga).
Interessanterweise ist es gerade der erhebliche finanzielle Vorteil der Bayern gegenüber ihrer Bundesligakonkurrenz, der das Ausmaß ihres Scheiterns in der Meisterschaft in diesem Jahr (und eigentlich auch schon im letzten) umso größer macht. Je größer der finanzielle Vorteil, desto größer im Falle eines Scheiterns auch die Menge und/oder Schwere der selbstverschuldeten Fehler. Das von Dir angesprochene Meckern hier im Forum ist daher in seinem Umfang und seiner Schärfe vielleicht verständlich und entschuldbar, in meinen Augen aber sogar grundsätzlich positiv zu werten, denn ohne Analyse und Kritik kein Ansatzpunkt für und wenig Anreiz zur Besserung (womit ich nicht stumpfes, undifferenziertes Draufschlagen mit dem verbalen Vorschlaghammer gutheißen möchte, sondern nur die Idee von Kritik an sich, auch umfassender, wenn etwas schiefläuft).
Noch ein Wort zu Deinen Preis-Leistungs-Betrachtungen für Spieler. Ich tendiere dazu, Deiner These zuzustimmen, dass sich das Angebot sehr guter Spieler an der Spitze der Leistungspyramide in den letzten Jahren dank einer allgemein steigenden Qualität der Ausbildung stärker erhöht hat als die Nachfrage und daher auch eine etwas günstigere Mannschaft immer noch so gut sein kann, dass sie unter vernünftigen Bedingungen (guter Trainer, passend zusammengestellter Kader, passendes System etc.) eine etwas teurere Mannschaft realistischerweise schlagen kann. Auf der anderen Seite ist der robuste Zusammenhang zwischen Kaderkosten und sportlichem Erfolg in allen großen Ligen nicht abzustreiten. Vermutlich ist dieser Zusammenhang nicht einmal einzig auf die intrinsische Qualität der Spieler zurückzuführen, sondern auch darauf, dass finanzkräftige Vereine, die hohe Ablösen zahlen und Gehälter ausloben können, ihre konkreten Kaderlücken auffüllen können, wenn sie auftreten - und nicht irgendwann später. Wenn die Bayern einen Mittelstürmer brauchen und der Bedarf nur dringend genug ist, ebnen ihnen ihre finanziellen Möglichkeiten den Weg, diesen gegebenenfalls auch over the odds und umgehend zu kaufen: Er wird teuer, aber er kommt. Sofort. Wenn ein Verein wie Dortmund einen qualitativ genauso guten Mittelstürmer braucht, muss er gegebenenfalls warten, bis ein solcher im Angebot ist und er es schafft, vor der Konkurrenz zuzuschlagen.
Will sagen, die Vorteile finanzstarker Vereine äußern sich nicht nur darin, dass sie die (marginal) besseren Spieler verpflichten können, sondern dies auch dann, wenn sie sie konkret brauchen. Geld verschafft Flexibilität und zeitliche Souveränität.
@Mathias:
Ja, so ist es. Die DFL weist in ihren Veröffentlichungen den gesamten Personalaufwand aus, nicht den ausschließlich für den Spielerkader.