Veröffentlicht unter: FC Bayern: Bekannte Probleme – und viel Hoffnung
Die FC Bayern Frauen gewinnen mit 3:0 bei Benfica und holen sich ihren ersten Sieg in der Champions League. Drei Dinge, die auffielen. Lange sah es nicht gut aus für die FC Bayern Frauen. Benfica hat ihnen das Leben sehr schwer gemacht. Doch spät kam die Erlösung: Klara Bühl traf sehenswert und spektakulär. Zwei weitere Tore ließen den Knoten dann endgültig platzen. Für den FCB eine Erlösung. Nach dem 2:2 gegen Manchester City war es wichtig, den ersten Sieg in der Ligaphase einzufahren. Genau das ist ihnen jetzt gelungen. Die Analyse ist dennoch komplex. Hier kommen drei Dinge, die auffielen.…
Ich denke, auch aktuell zählen nur die Ergebnisse, das Wie ist zweitrangig solange so wenig rotiert werden kann und die Spielerinnen bereits auf dem Zahnfleisch gehen.
Wieso kann wenig rotiert werden? Es gibt momentan gerade mal zwei Ausfälle!
Mir scheint, dass Stanway tatsächlich arg fehlt. Sie hat im Mittelfeld immer den „Schwung“ nach vorn dirigiert. Dass der Verein auf Oberdorf/ Zadrazil setzen will, ist nachvollziebar - gerade erstere hat das bei ihrem Kurzeinsatz gegen Freiburg großartig angedeutet.
Darüber hinaus sehe ich Tanikawa viel lieber in einer vorderen Position. Sie verteilt auch die Bälle im defensiven Mittelfeld gut, wird dort aber zu wenig eingebunden. Wie flüssig sie ein Spiel gestalten kann, zeigte sich um die drei Treffer herum.
Ich bin sehr gespannt, wie die Mannschaft den Zug, der bekanntlich ja keine Bremse hat, konstant ans Laufen bekommen wird.
Ich glaube Armaster meint damit, dass die meisten unserer Rotationsspielerinnen aktuell noch nicht auf dem Level sind, damit man regelmäßig rotieren kann.
Siehe unter anderem Gladbach.
Auch das bedeutet nicht, dass sie nie ne Hilfe sein können, aber aktuell ist das noch nicht da, wo wir es brauchen.
Zadrazil kommt aus ner Verletzung, braucht noch Zeit und die meisten anderen sind einfach jung und brauchen daher einfach noch Zeit.
Sie bekommen ja Spiele wenn es passt, wie Gladbach oder auch in der Liga gegen Köln hat man rotiert.
Aber für die nationalen Topspiele oder CL ist das einfach noch nicht konstant genug.
Spielerinnen hat es im Kader, aber ne Soforthilfe haben wir halt kaum.
Genau, bedenkenlos kann man aktuell vielleicht 13 oder 14 Spieler einsetzen, bei den Spielerinnen danach sieht man schon eine ziemlich starken Qualitätsabfall.
„Dass man intern weiter tief in die Analyse muss, um die taktischen und individuellen Schwierigkeiten ehrlich und offen zu adressieren, ist unabdingbar. Gleichzeitig zeichnen sich erfolgreiche Teams dadurch aus, dass sie ihre komplizierten Saisonphasen mit guten Ergebnissen überstehen.“
Zum Thema Analyse war gestern das Bühl-Interview nach dem Spiel spannend.
Sie sagte sinngemäß Benfica hätte Bayern offenbar gut analysiert und dabei einige Ableitungen fürs eigene Spiel gefunden, die den Bayern Schwierigkeiten gemacht hätten.
Um diese DInge im Benfica-Spiel zu sehen, das Muster zu verstehen, bräuchte es einige Zeit. Zeit brauchte es auch um Gegenmaßnahmen zu entwickeln, zwischen Analysten und Trainerteam abzustimmen und dann an die Mannschaft weiterzugeben.
Und in der Zwischenzeit, so Bühl, mussten wir einfach immer den Schritt mehr machen, um das zu kompensieren.
Details wären dazu natürlich hochinteressant gewesen.
Mir gefällt in der Partie besonders, dass man endlich wieder zu Null gespielt hat. Selbst gegen schwache Gegnerinnen hat man sich in den letzten Wochen einen einschenken lassen, zumeist auf Einladung.
In dem Spiel gab’s zwar auch Patzer, aus denen andere Mannschaften mehr gemacht hätten, aber vielleicht kann man sich daran hochziehen.
Ich habe das Interview auch gesehen. U. diese Details würden mich ebenfalls wirklich sehr interessieren. Sowas würde mir helfen das Spiel besser zu verstehen.
Leider erst nach dem Spiel habe ich bei YouTube das Hangout von ESPN gefunden, wogegen der sog. Fantalk mit Herrn Neururer und Herrn Basler … für Fans des Männerfußballs ist. Moderatorin Shebhan Aherne hatte Nedum Onuoha (Ex-ManCity-Spieler), Ryhanna Parara (Journalistin), Nancy Baker (Moderatorin), Merel van Dongen & Sanne van Dongen (Ex-Spielerinnen) zu Gast.
Ich fand diese Sendung nicht nur unterhaltsam, sondern auch extrem informativ.
Mir sind zwei sehr interessante Dinge aufgefallen.
Nach dem Tor von Stanway sagte eine: „Stanway looks frustrated“. Nach dem Tor wohlgemerkt. Nur Fakten: Stanway fehlt Bayern extrem, sie war offensichtlich das Herzstück dieses Teams, Taktgeberin, Entscheiderin, was passiert, Tempoveränderin. Für Bayern war dieser Transfer bisher nicht gut. In London spielt sie entweder gar nicht (CL 1. Spieltag) oder wird nach einer Stunde ausgewechselt (Sonntag gegen Chelsea, gestern in der CL). Ich habe die Zusammenfassung gegen Chelsea gesehen, jedes mal, wenn sie im Bild war, war sie nicht am Ball, sie läuft meist nebenher, sie wirkt wie ein Fremdkörper. Für Stanway war dieser Transfer bisher nicht gut. Arsenal hat nach vier Spielen gerade mal fünf Punkte und erst zwei Tore erzielt! Wenn’s bei Bayern nicht läuft, wie nennt man das, was gerade bei Arsenal passiert? Für Arsenal war dieser Transfer bisher nicht gut. Fazit: Keine der drei Parteien profitiert bislang von diesem Wechsel. Er ist eine klassische lose-lose-lose-Geschichte. Wer von den drei Parteien hat zuerst den Mut, zum Hörer zu greifen und zu sagen „Der Transfer hat nicht funktioniert. Da es ja ein ablösefreier Wechsel war, komm, wir wechseln im Winter ablösefrei zurück“?
Nicht frustriert, aber distanziert wirkte Barcala nach dem Bühl-Tor.
Ich weiß, hier sind alle der Meinung, es läge an zu schlechten oder nicht fitten Spielerinnen, dass es schleppend läuft, ich empfand das Spiel gestern wie Leverkusen. 1. Halbzeit: sehr viel Ballbesitz, sehr viele Kurzpässe, sehr hohe Passquote, Kontrolle und Dominanz. 2. Halbzeit: “That international quality makes the difference” (ESPN) Kein einziges Tor fiel nach längeren Ballpassagen, es war Balleroberung, schnell vertikal spielen, Tempo, Einzelaktion, Tor. Oder wie Pernille Harder es im Interview ausdrückte: “In the end we started to play more forward, a bit faster, we used the space when we won the ball.” Man spielte eben das gelobte Dominanz-System des Trainers nicht weiter.
Kann ja auch sein, dass Bayern Venefica müde gespielt hat und dadurch erst Räume entstanden sind, die man nutzen konnte. Bei einer Sechserkette gibt es zum Start in Spiel erstmal keine Lücken, genauso wie gegen Gladbach.
Und warum war Bianca Rech dann in der Halbzeit entsetzt über das, was gespielt wurde, wenn man sie einfach nur müde spielen wollte? Wusste sie von diesem Plan nichts?
Sorry, aber das ist Quatsch. Was heißt denn Dominanz? Unser Ballbesitz war in der ersten nicht viel anders als in der zweiten Hälfte. Mir gefällt der Subtext nicht. Dass wir zu langsam und fehlerhaft agieren, hat nichts, aber auch gar nichts mit einem suggerierten “Dominanz-System” zu tun. Dass wir Ballbesitz haben wollen, bedeutet nicht, dass es verboten ist, schnell auch vertikal zu spielen oder ins Dribbling zu gehen. So funktioniert Fußball einfach nicht.
Man kann ja Barcala kritisch sehen (ich tue es eher nicht), aber seine Anpassungen haben das Straus-System eher flexibler gemacht, das hat man letzte Saison gesehen, auch an der Anzahl an Toren. Nur war da halt Stanway noch da und Harder und Bühl oft in Topform, Tanikawa weiter vorne. Das alles fehlt heuer, und von der Bank kommt bisher zuwenig, um Barcala vorzuwerfen, er würde an etwas festhalten, was nicht funktioniert.
Im Übrigen hat @Armaster schon Recht: zwar war die erste Halbzeit wirklich schlecht, aber Benfica musste zweifellos viel laufen, und so wurden die Räume Mitte der zweiten Hälfte (und nach dem Rückstand) naturgemäß größer.
Und schlecht war die erste Hälfte wegen einigen Dingen, aber sicher nicht wegen zuviel Dominanz oder zu hoher Passquote. Am Beispiel Bühl: das Tor lief nach einem üblichen Muster bei ihr. Aber dieselbe Situation gab es in der ersten Halbzeit mindestens dreimal fast genauso - nur hat sie sich da verdribbelt oder das Tempo rausgenommen und zurückgespielt. Aber ich bin sehr sicher, dass das nicht im Sinne des Trainers ist.
Und warum sagt Pernille Harder dann, dass man in der zweiten anders spielte?
Nochmal: Beispiel Bühl, wie beschrieben.
Du siehst ein systemisches Problem und interpretierst “anders” als Umstellung eines systemischen Ansatzes, nicht zum ersten Mal. Du sagst immer wieder, dass unsere Tore nicht wegen, sondern trotz eines Ballbesitz-orientierten Ansatzes erzielt werden.
Ich habe schon argumentiert, warum ich das für eine Fehlinterpretation halte, aber es sieht nicht so aus, als könnte ich dich überzeugen. Ist okay. Ich bleibe auch bei meiner Grundhaltung, dass wir es nur überhaupt wegen dieses Ansatzes so weit nach oben geschafft haben. Aber wenn die Ausführung schlecht ist, muss nicht automatisch der Ansatz hinterfragt werden. Grade wegen gestern muss ich sagen, da waren so viele individuelle Fehlleistungen dabei, die mir wirklich unerklärlich machen, wieso man da glaubt, der Coach bremse irgendeine individuelle Super-Qualität ein - aber so liest sich das bei dir.
Ich sehe zu Spielbeginn einfach nur ein System, das auf extremem Ballbesitz ausgelegt ist, lieber mehr Querpässe und dadurch Ballkontakte als schnell in die Spitze zu spielen. Das ist der Ansatz und das sagt der Trainer ja auch, der die erste Halbzeit in Leverkusen, die ich ein extrem langweiliges Ballgeschiebe fand, als beste der Saison bezeichnet hat.
Mich wundert halt, dass Bianca Rech gestern in der Halbzeit aber gar nichts von “Das ist unser Plan, wir spielen sie müde, unser Ballbesitz wird schon zu Toren führen” hatte. Die war extrem sauer. Und das vor laufender Kamera.
Und ja, ich finde dieses System anders als letzte Saison und mitnichten das gleiche minus Stanway. Das ist dann wohl die Weiterentwicklung, von der der Trainer im Sommer sprach.
Und ich wundere mich darüber, denn alle neuverpflichteten Feldspielerinnen passen null Komma null dazu. Weswegen sie - da habt ihr absolut recht - auch nicht helfen.
Und ja, ich finde, dieses Team hat sehr sehr hohe individuelle Qualität. Und Halbzeit zwei hat bewiesen, dass da auch niemand in einem Formloch steckt.
Weil die Spielerinnen individuell nicht gut waren. Ein System kann unterschiedlich gut gespielt werden. Es bleibt aber trotzdem das gleiche System. Ob Bühl sich dabei zig mal verdribbelt oder durchkommt oder ob das Mittelfeld viele zu langsame und ungenaue Pässe spielt oder gute, zügige Pässe.
Wenn man so argumentiert, kann man aber auch sagen, dass Halbzeit eins bewiesen hat, dass einige in einem Formloch stecken.
Und in der Halbzeit verschwand die Formkrise?
Ich hab gesagt „wenn man so argumentiert“. Ich finde einfach, dass das kein Argument ist. Eine Form entscheidet sich ja eben nicht dadurch, ob jemand punktuell gut oder schlecht ist.
Mich interessiert einfach, warum Spielerinnen, die gut in Form sind (wie Hz 2 bewiesen hat) zwei solche erste Halbzeiten spielen können wie Leverkusen und gestern.
Und ich finde es schwierig, wenn man abwechselnd zwischen “das ist der Plan, sie müde zu spielen” und “die Spielerinnen waren zu schlecht” switcht, nur, um nicht die geringste Frage an dieses Ballbesitz-System zu stellen. Ich mache mich jetzt unbeliebt, wenn ich sage, dass ich auch die drei Kontertore gegen Arsenal letztes Jahr nicht als Ergebnis von Ballbesitzfußball sehe.