Übrigens noch etwas zur generellen Tauglichkeit der Statistiken: Ein Sprint gilt bereits als Sprint, wenn ein Spieler zwei Sekunden lang 25 Km/h erreicht. Das ist weit weg vom Maximum aller Profispieler, die meisten knacken beim Maximum 30 Km/h, auch über einen längeren Zeitraum.
So, und was diese Zahlen jetzt nicht erfassen:
wie viele abrupte Richtungswechsel sind dabei, die die Gelenke und Muskeln belasten?
wie lange befinden sich die Spieler in der Nähe ihres individuellen Sprintmaximums? Ein Sprint bei 80 Prozent ist etwas anderes als ein Sprint bei 100 Prozent.
man könnte sogar auf noch viel mehr Detailebenen gehen – wie viele “kalte” Sprints, wie viele Sprints mit mehr als zehn Sekunden und wie viele mit weniger als fünf Sekunden, wie viele Sprints auf welchem Untergrund, wie sieht das Aufwärmprogramm aus, wie sehen die Vorgeschichten der Spieler aus, wie sieht die Ernährung der Spieler aus (hier gibt es gerade im Profifußball noch einige interessante Rückständigkeiten im Vergleich zu anderen Sportarten) und und und – natürlich können wir keine einzelne dieser Fragen seriös klären.
Und genau deshalb ist die Überzeugung, mit der du deine Thesen an die Wand nagelst, für mich eher befremdlich.
Das sind gute und berechtigte Argumente, die die Tauglichkeit meiner gewählten Indikatoren wirksam infrage stellen. Leider gibt es keine besseren, die öffentlich verfügbar sind (soweit mir bekannt).
Du willst vermutlich darauf hinaus, dass es viel mehr diese kritischen Belastungsfaktoren sind, die einen Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit und -schwere der Spieler einer Mannschaft haben, und nicht so sehr, wenn überhaupt, die Zahl der Sprints und intensiven Läufe nach der Definition, wie sie den öffentlich verfügbaren Daten zugrunde liegt? (Bitte beachte das Fragezeichen!)
Kann man davon ausgehen, dass es eine hohe Korrelation zwischen den Sprints und intensiven Läufen, wie sie in den öffentlich verfügbaren Daten definiert sind, und den von Dir angesprochenen eigentlichen Risikofaktoren der abrupten Richtungswechseln, kalten Sprints etc. gibt? Spontan würde ich sagen: ja.
Wenn es eine hohe Korrelation gibt, dann taugen die öffentlich verfügbaren Sprints und intensiven Läufe als guter Proxy für Deine eigentlichen Risikofaktoren und ich muss mir darüber für die Zwecke meiner empirischen Untersuchung keine weiteren Gedanken machen. Die öffentlich verfügbaren Indikatoren taugen für die Untersuchung der Korrelation mit dem Verletzungsrisiko genauso gut wie die nicht verfügbaren.
Wenn es allerdings keine starke Korrelation zwischen der Zahl der Sprints und intensiven Läufe und diesen eigentlichen Risikofaktoren gibt, und wenn es in Wahrheit diese eigentlichen Risikofaktoren sind, die für das Verletzungsrisiko der Spieler entscheidend sind, und nicht sie Sprints und intensiven Läufe, dann ist es auch nicht sinnvoll, von einer Mannschaft weniger Sprints und intensive Läufe zu verlangen, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren. Denn es könnte ja sein, dass sie gar nicht viel sprintet und gar nicht viele intensive Läufe hat, aber abrupte Richtungswechsel, kalte Sprints etc. trotzdem in hoher Zahl vorliegen.
Ich glaube ehrlichgesagt nicht. Denn dafür gibt es zu viele Unbekannte. Man müsste sich für jeden Spieler die Arbeit machen, seine Laufwege genau zu analysieren. Aber ain’t nobody got time for that.
Ich würde sogar das Gegenteil behaupten: Die Anzahl der intensiven Läufe (die sogar noch weniger als die Sprints, denn intensive Läufe sind de facto nur schnelle Dauerläufe) und die Anzahl der Sprints lassen zwar auf eine bestimmte Spielweise schließen oder es lassen sich Thesen zur Spielweise damit untermauern, aber man kann daraus keinerlei physiologische Schlussfolgerungen zur Verletzungsanfälligkeit ziehen. Ich glaube, dass jede Analyse dahingehend unzureichend, unvollständig und kaum aussagekräftig wäre.
Danke. Aber dann frage ich mich, warum Du diese Thesen mit Hinweis auf „Sprints“ angreifst, statt sofort zu erklären, was Du damit eigentlich meinst.
Ich habe gesagt:
Du hast mir dann Deine Definition von „Sprints“ inklusive so etwas wie abrupten Richtungswechseln untergeschoben und mein Argument dann damit angegriffen, dass man diese „Sprints“ nach Deiner Definition ja gar nicht messen bzw. kennen könne und meine Aussagen daher empirisch gar nicht zu belegen wären und ich einfach unwissenschaftlichen Unsinn erzählen würde.
Dabei haben wir jetzt gerade festgestellt, dass meine Sprints bzw. Risikofaktoren und Deine Sprints bzw. Risikofaktoren gar nicht dasselbe sind und dass es daher unzulässig ist, dass Du meine Aussage mit Deinen untergeschobenen Kriterien angreifst. Was Du angreifst, habe ich nie behauptet.
Ich habe nur gesagt, dass Kompany mit den Bayern gerade den praktischen Beweis liefert, dass eine hohe Laufdistanz der Mannschaft und eine hohe Anzahl Sprints der Spieler nicht notwendig dazu führen, dass das Verletzungsrisiko steigt und die Spieler mental oder körperlich „ausbrennen“. Evidenterweise ist weder das eine noch das andere der Fall. Auch die Ergebnisse brechen bisher noch nicht ein. Im Gegenteil: Die Mannschaft gewinnt fast jedes zweite Spiel mit drei oder vier Toren Vorsprung und wir sind auf dem besten Wege zu einem neuen Allzeit-Tor-Rekord, der den alten mal eben um schlanke 25 bis 30 Prozent übertrifft.
Salopp gesagt: Die Bayern schuften in jedem gottverdammten Spiel wie eine Horde Tiere und sind trotzdem so fit und frisch wie noch nie. Kilometer ohne Ende. Tore ohne Ende. Nicht nennenswert mehr Verletzungen als sonst. 100-prozentiger Einsatz bis zur 98. Minute. Und kein Ende in Sicht.
Ich würde mich übrigens beim nächsten Mal, wenn jemand den Hinweis gibt, dass die Bayern ihre Laufdistanz reduzieren sollten, um länger fit und verletzungsfrei zu bleiben, von Dir den Hinweis wünschen, dass dies eine falsche Forderung ist, da die Laufdistanz keinen Einfluss auf das Verletzungsrisiko hat. (Aber Achtung! Das habe ich empirisch noch nicht abgesichert. )
Ich greife deine Vehemenz an, mit der du hier Dinge nahezu als Fakten hinstellst, die wir nicht als Fakten hinstellen können. Aus den genannten Gründen. Du behauptest Dinge in einer Eindeutigkeit und sprichst von Beweisen, wo weder Eindeutigkeit noch Beweise sind. Deshalb bin ich überhaupt erst darauf eingestiegen.
Es ist aber jetzt alles gesagt und ich steige hiermit wieder aus.
Behauptungen, sofern sie sich auf empirisch überprüfbare Tatsachen beziehen, haben den Charme, dass man sie widerlegen kann. Das kann jeder tun und dann stehe ich dumm da. Vielleicht widerlege ich mich in den kommenden Tagen sogar selbst, wenn ich mir die Daten näher angucke. Dann entlarve ich mich höchstpersönlich als der Unsinnsplapperer, der ich anscheinend bin. Ich hätte damit auch kein Problem. We’ll see.
Der Beweis, den Kompany bzw. die Mannschaft der Bayern erbracht hat, ist, dass man bei diversen körperlichen Leistungsindikatoren (z. B. # Sprints, # intensive Läufe, Laufdistanz) an der Spitze der Bundesliga liegen und trotzdem in jedem Spiel aufs Neue die gleichen hohen Leistungen wie im vorausgehenden Spiel bringen kann – zwei bis drei Mal pro Woche, über Monate hinweg, ohne abnormale Verlegungsausfälle oder Leistungsrückgänge. Dass das in dieser Saison der Fall ist, kannst Du nicht bestreiten. Dies ist insofern ein Beweis, als damit bewiesen ist, dass eine weniger körperlich fordernde Spielweise nicht notwendig ist, damit die Spieler von Spiel zu Spiel fit bleiben und sich nicht verletzen.
Ist das eigentlich absichtliche Provokation oder ignorierst du unbewusst alles, was ich dazu geschrieben habe? Oder ist es dir einfach egal, weil es dich “nicht überzeugt”? Ernstgemeinte Fragen. Denn ich trauere gerade ein wenig der Zeit hinterher, die ich investiert habe vorher. Explizit nicht böse gemeint.
Was ist mein Problem?
Du nennst deine These “empirisch überprüfbar”. Deine empirische Überprüfung ist aber weder eine Annäherung an die vermeintliche Wahrheit, noch steht da eine wirklich taugliche Methodik dahinter. Warum? Weil die Datenlage nicht ausreichend ist. Die Datenlage ist, so klar muss man das formulieren, für deine These zu schlecht, um sie damit überprüfen zu können. Du kannst Sprints und intensive Läufe für 20 Saisons am Stück analysieren, deine Zeit in diese Daten stecken und anhand dieser Hypothesen formulieren. Und zugegeben: Interessant wäre es. Nur taugen die Erkenntnisse daraus nicht.
Auch das Argument “es ist nun mal das Beste, das wir öffentlich zugänglich haben” taugt nicht. Denn wenn die Ergebnisse aus diesen Daten so ungenau sind, wie sie es hier sind, dann lohnt der Aufwand einfach nicht.
Nochmal auf den Punkt: Eine Analyse auf Basis von intensiven Läufen und Sprints hinsichtlich von Müdigkeit und Verletzungen ist eine extrem ungenaue Analyse, die das Wort “Annäherung” nicht verdient hätte. Weil die Definition beider Begriffe in der Umsetzung mit Daten viel zu großzügig ist.
Was bringt es dir, wenn Alphonso Davies 20-mal in 90 Minuten mehr als 25 Km/h für zwei Sekunden rennt und die Daten dir das als Sprint verkaufen? Für Davies ist das maximal der Ansatz eines Sprints. Die Belastung für seinen Körper ist in diesem Tempo eine ganz andere als bei irgendeinem Bundesliga-Spieler, der eine Maximalgeschwindigkeit von 30 Km/h hat. Physiologisch liegen dort Welten dazwischen.
Du vermischst also nicht nur für deine Hypothese extrem essenzielle individuelle Unterschiede, du beziehst auch noch Sprints ein, die de facto eigentlich keine Sprints sind. Und davon so viele, dass du ein schwammiges Ergebnis erhältst. Intensive Läufe sind sogar eine noch viel größere Ungenauigkeit als Sprints.
Und selbst WENN dich das immer noch nicht davon überzeugt, dass die Datenlage viel zu schlecht für eine ernstzunehmende Analyse ist, bleiben nach wie vor mindestens zehn Faktoren, die du schlichtweg nicht analysieren kannst, weil es dafür keine Datenlage gibt. Und all diese Faktoren sind derart wichtig, dass sie dein Ergebnis nochmal ungenauer machen.
Du ignorierst mich und meine Argumente einfach komplett und behauptest weiter Dinge, auf die ich längst geantwortet habe.
Denn hier taugen die Sprints und intensiven Läufe als Datengrundlage zumindest ein bisschen. Dieselben Probleme, die ich oben schon beschrieben habe, bleiben zwar bestehen, aber hier werden ja keine Hypothesen in Richtung Verletzungsanfälligkeit oder Müdigkeit aufgestellt, sondern ein simpler Vergleich der vermeintlichen Intensität zwischen zwei Teams, die personell sehr ähnlich aufgestellt waren: Letzte Saison und diese.
Und ein Vergleich ergibt, siehe da: Bayern hat weniger Läufe im High-Intensity-Bereich. Und trotzdem sprichst du von einem vermeintlichen Beweis? Obwohl es nicht nur sichtbar ist, dass die Bayern weniger Vollgasfußball in allen Sekunden des Spiels spielen als in den ersten 6-9 Kompany-Monaten, sondern sich auch zumindest annähernd in der (schlechten) Datenlage widerspiegelt? Es ist offensichtlich, dass Kompany auf mehr Regeneration setzt in dieser Saison und das in verschiedenen Bereichen:
Rotation – ob er mehr rotiert, weiß ich gar nicht, müsste man prüfen, aber er rotiert mMn cleverer, auch weil die Bundesliga es ihm erlaubt
Kontrolle – die Bayern lassen den Ball insgesamt besser und schneller laufen, was zu mehr Qualität in den Ballbesitzphasen führt und weniger wilde Phasen zur Folge hat (aktuell erleben wir dahingehend eher wieder Rückschritte)
Pressing – die Bayern spielen nicht mehr ganz so intensives Pressing wie noch über weite Strecken der letzte Saison
Das sind alles Anpassungen, die gegen deine These sprechen, Kompany würde hier irgendeinen Beweis liefern. Die Anpassungen sind eher Indizien für das Gegenteil.
Selbst wenn wir das jetzt ignorieren, wie du es so vorzüglich getan hast, bleibt dann immer noch die Frage, warum sich in den letzten vier bis acht Wochen wieder einige Spieler verletzt haben, warum die Bayern nicht mehr in der Lage sind, in jedem Spiel so durchgängig dominant zu sein, wie sie es im ersten Saisondrittel waren und wo die Ungenauigkeiten im Spiel herkommen.
Klar, auch hier gibt es eine Vielzahl an Aspekten, die man analysieren müsste. Aber ich behaupte ja auch nicht das Gegenteil deiner These. Ich sage nur ganz deutlich: Die Eindeutigkeit, die du in deiner These siehst und dass du sie bereits belegt siehst anhand der Ereignisse, sind Irrtümer.
Und damit bin ich nun wirklich raus. Ich muss mich jetzt anderen Dingen widmen.
Ja, das mag sein. Vielleicht taugen die Sprint- und Laufleistungen einer Mannschaft nach Definition der Bundesliga nicht zur Vorhersage ihres Verletzungsrisikos. Gibt es denn nach Deinem Dafürhalten irgendwelche formal beobachtbaren Tatsachen im Bundesligafußball, die zusammen mit dem Verletzungsrisiko der Spieler variieren? Oder ist das Phänomen für uns Außenstehende im Grunde genommen unerschließbar?
Ja, in einem vernünftigen Modell würde man für individuelle Unterschiede, die systematisch mit den Sprints und dem Verletzungsrisiko zusammenhängen, beispielsweise die Position, den Fitnesszustand oder auch die individuellen körperlichen Voraussetzungen (Davies belastet ein 25-km/h-Sprint anders als Kimmich), kontrollieren. Es gibt natürlich Grenzen der Praktikabilität. Eine gewisse Abstraktion wird es immer geben müssen, ansonsten wäre die Grundgesamtheit, für die der beobachtete Zusammenhang gilt, immer genau der eine Spieler, dessen individuelle Parameter man vollständig in dem Modell abbildet. Diese Ergebnisse wären dann aber logischerweise nicht mehr ohne weiteres auf andere Spieler übertragbar.
Ja, Du hast recht.
Ich sehe zwar noch nichts belegt, aber nach einer etwas ausführlicheren Auseinandersetzung mit der Materie gebe ich Dir recht, dass eine einfache Korrelation der Ausfalltage mit den Sprints oder den intensiven Läufen oder der Laufdistanz nicht ausreicht, um endgültige Antworten über den Zusammenhang zwischen der körperlichen Intensität der Spielweise einer Mannschaft und dem Verletzungsrisiko ihrer Spieler zu gewinnen. Für eine erste Exploration jedoch, ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt, der sich von Null unterscheidet und eine tiefergehende Untersuchung rechtfertigen könnte, wäre sie allerdings interessant (und auch geeignet).
Ich empfinde das Belastungsthema als für uns unerschließbar. Und ich will einen weiteren recht simplen Grund dafür nennen: Selbst die Klubs tun sich extrem schwer mit der Analyse von Belastung und Regenerationsbedarf. Und die haben nicht nur die Gesundheitsdaten der Spieler und Kommunikationsmöglichkeiten , sondern auch tägliche Eindrücke im Training. Selbst die können das Thema nicht vollends erschließen. Was man ja auch an den schwankenden Erfolgen bei Verletzungsprävention oder Verschleiß von Kraft sieht. Das nun ohne Expertise und Gesundheitsdaten von außen zu beurteilen? Extrem schwer.
Ich tue mich ja schon bei mir selbst schwer und ich überwache Fatigue bei meinem anspruchsvollen Trainingsplan nach meinen Möglichkeiten sehr intensiv und passe mein Training entsprechend an.
Das Ding ist: Ich bin ja tendenziell sogar in manchen Punkten eher bei dir, wenn ich spekulieren müsste.
Ich glaube nicht, dass die aktuelle Spielweise ein Problem für die Belastung darstellt (ich glaube, die in der letzten Saison war aber eines)
Ich denke, dass gelaufene Kilometer überbewertet werden
Ich denke, dass intensive Läufe quantitativ überbewertet werden
Bei Sprints – und zwar echten 95-100-Prozent-Sprints – bin ich anderer Meinung. Je fordernder hier die Spiele physisch und mental sind, desto mehr Entlastung brauchst du einfach. Während des Spiels, danach und über eine Saison hinweg. Ohne Kontrolle hast du ein wildes Hin und Her, das dich leer saugt.
Vielleicht. Ich persönlich hätte ja gern genauere Daten, was die Intensität von Sprints anbelangt. Aber wir sehen ja bei FBref aktuell, dass frei zugängliche Daten von der Welt der Buchmacher nicht gewollt sind. Und alles andere kostet Unmengen an Geld.
Ja, damit magst Du recht haben. Ich kenne mich mit der Materie nicht gut genug aus, um diesbezüglich vernünftige Urteile abgeben zu können. Ich bin weder Trainingswissenschaftler noch Arzt noch habe ich mich mit dem Thema aus sonst einem Grund ausführlicher beschäftigt.
Es fällt mir nur so unfassbar schwer – ich gebe es offen zu –, zu glauben oder zu akzeptieren, dass ein 25-jähriger, professionell trainierter und präparierter Mann körperlich nicht in der Lage sein soll, dauerhaft 3 × 95 Minuten pro Woche und 60 × 95 Minuten pro Jahr eine Belastung, wie sie in einem Profifußballspiel einer Erstligamannschaft (sogar der des FC Bayern) von ihm verlangt wird, zu bewältigen, ohne dabei eine körperliche Degradation zu erfahren und gewissermaßen schon in der zweiten Saisonhälfte des ersten Jahres platt, nach zwei Jahren ausgebrannt und im dritten Jahr praktisch Freiwild für Verletzungen zu sein.
Ich will das einfach nicht glauben. Ich will glauben, dass man als junger Mann so ein Pensum für fünf oder zehn Jahre am Stück problemlos durchziehen kann, ohne darüber signifikanten körperlichen Verschleiß zu erleben. Ein Königreich für einen Sportwissenschaftler!
FBref hat sogar die xG und alle anderen expected-Werte aus dem Angebot genommen, oder?
Welches Interesse sollen denn die Buchmacher daran haben, dass diese Werte nicht mehr öffentlich verfügbar sind?
Ich sehe es einerseits genau wie Du: Die reine Belastung kann für einen trainierten Profisportler nicht das Problem sein. Andere Profisportler haben höhere Belastungen und stecken die auch weg.
Was ich aber für eine mögliche Ursache halte (und für einen Themenkomplex, bei dem ich Profifußballmannschaften; allerdings völlig ohne Ahnung ob ich da richtig liege; noch große Qualitätssprünge im Umgang mit Trainingsmethodik zutraue): Im Fußball wird viel in der Gruppe oder in der Mannschaft trainiert. Und da haben dann unterschiedlich belastete Spieler eine ähnliche Trainingsintensität. Man wird dem einzelnen Profisportler-Individuum gefühlt zu wenig gerecht.
Das ist natürlich einerseits nachvollziehbar - anders ist bspw. Taktik in der Praxis schwer trainierbar. Aber rein körperlich halte ich andererseits da eine höhere Individualisierung des Trainings für möglich.
Dabei ist mir klar, dass die Profiteams da natürlich gegenüber früher schon recht weit sind (tägliche Belastungsdaten sind da und werden verwendet). Aber ich glaube eben, nicht in dem Ausmaß, wie es ggf. notwendig wäre.
Das wäre doch ggf. auch mal ein interessantes Artikelthema - was gibt es da, was wird verwendet; und welche Optimierungsmöglichkeiten gäbe es?
Das würde ich so auch nicht in der Stärke behaupten. Es ist eher leichte Fatigue, die mit jeder Woche Belastung schlimmer wird. Da reichen manchmal 5 Prozent leistungsverlust, die man dann sieht. Dann muss man zusätzlich noch zwischen mental und physisch unterscheiden. Die Pausen werden für die vielspieler ja auch immer kleiner. Wir sprechen hier eher weniger von platt als eher von leichten Verlusten und letztlich auch Verletzungsrisiko.
Und der Vergleich zu anderen Sportarten hinkt, wenn man sich die Verletzungshäufigkeit in anderen Sportarten ansieht, die noch größere Belastung haben, weil es auch noch mehr Richtungswechsel und Sprints gibt. Es gibt auch Sportarten wie Radsport, die belastungstechnisch enorm sind, wo muskuläre Themen eher selten echte Risse sind, sondern reine Überlastungssymptome.
Fußball ist von der Belastung für die Muskeln her deutlich heftiger, als viele glauben. Viele abrupte Tempo- und Richtungswechsel. Wenige Pausen. Und je mehr die Gesamtbelastung eines Spielers steigt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Muskel dem nicht standhält.
Konsequent wären in Zukunft noch größere Kader mit noch mehr Wechselmöglichkeiten. Dafür müssten die Spieler aber auch ihre Egos in den Griff kriegen.
Datengesteuerte Wetten verhindern. Alles, was hilft, soll verhindert werden. Ich las jüngst irgendwo, dass die Wettanbieter dahinterstecken. Muss das aber noch verifizieren.
P. S. Ich möchte noch eine Sache erwähnen, die ich oben vergessen habe: Ja, Spieler bringen unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mit und ein Sprint mit 25 km/h fordert einen Spieler wie Alphonso Davies ganz anders als einen Spieler wie Sascha Mölders, was die Erkenntnisse für den einen nicht notwendig auch für den anderen anwendbar macht.
Aber solche Unterschiede zwischen den Spielern sind nur dann problematisch, wenn es zwischen den Mannschaften systematische Unterschiede in der Spielerzusammensetzung gibt. Der untersuchte Zusammenhang ist ja ein Zusammenhang auf Ebene der Mannschaften, nicht der einzelnen Spieler.
Man müsste es natürlich untersuchen, aber was die Ebene der Mannschaften angeht, wäre die Hoffnung, dass sich Unterschiede zwischen einzelnen Spielern auf dieser Ebene sozusagen „rausmitteln“. Im Mittel hat jede Mannschaft x Davies und y Mölders, etwaige Unterschiede in der Komposition sind zufällig und nicht systematisch, und so sind die Erkenntnisse von Mannschaft zu Mannschaft übertragbar, wenn auch nicht für jeden einzelnen Spieler in gleicher Weise gültig.
Keine Kritik an einer konkreten Aussage von Dir, nur eine allgemeine Anmerkung.
Aber die gibt es doch. Tempo ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal im Fußball. Qualität kostet Geld. Und auch verschiedene Spielweisen erfordern verschiedene Spielertypen und Attribute.
Aber auch auf die konkrete Kritik meinerseits macht es keinen Unterschied. Selbst wenn jede Mannschaft exakt gleich viele gleich schnelle Spieler hat, bleibt die Datenlage viel zu ungenau.
Tja, ich bin ja froh, dass diese Diskussion überhaupt nochmal “rechtzeitig” (was natürlich einfach nur glückliches Timing war) angestoßen habe - wenn jetzt eine Woche später diesen 3 Monaten alten Blog-Artikel erst hochgepusht hätte wären wohl nicht mehr fast 100 neue Beiträge lange hochinteressante Diskussion bei rüberkommen:
Zu offensichtlich ist längst wieder dass die Risse in der Façade nicht mehr so leicht zu kitten sind und @justin mit seiner Skepsis Recht behalten hat…
Trotzdem natürlich die Frage wie viel von den sage und schreibe 4 ausgefallen/angeschlagenen RVs wirklich auf die Kappe der “körperlich fordernden Spielweise” gehen ebenso wie ob bei dem Vorsprung in der BL in der 3. englischen Woche in Serie ein total verkraftbarer “Ausrutscher” (noch dazu einer wo wir bei den XG immerhin vorne lagen wenn auch nur knapp, aber Pech war da allemal auch im Spiel obwohl eine Normalisierung bei der XG Oberperformance zuletzt ebenso erwartbar wiederum war) nicht auch irgendwie normal ist?
Tja, oder haben wir genau das in den letzten beiden BL Spielen gesehen?
Es klappt lange und es klappt Anfang der Saison auch in englischen Wochen. Aber desto länger die Saison läuft und desto dichter gedrängt die englischen Wochen kommen - umso eher geht es dann doch in den Graben?
Und dummerweise stehen im März/April wenn man dann noch hoffentlich lange in CL und Pokal dabei ist erneut solche brutalen Serien an wo es dann obendrein ständig um alles geht…
Dann muss man fürchte ich hoffen, dass die letzten beiden Spiele da nur bedeutungslose Ausrutscher waren weil man halt mit dem fetten Polster in der BL und vermeintlich leichten Gegner meinte sich weniger Einsatz leisten zu können und eben nicht repräsentativ dafür waren wie einem mit VKs Spielstil später in der Saison die unvermeidlichen (ohne Ausscheiden) englischen Wochen immer weiter weg vom davor lange in der Saison gezeigten Möglichen (eben besten ever gerade in Punkto Torflut) unter VK bringen…
Zugegebenermaßen muss schon viel zusammenkommen, damit man es bis zum Ende der Saison vollständig durchziehen kann. Es darf wenige Verletzen geben, die Rotation muss funktionieren, die nationale Liga sollte entschieden sein und natürlich auch müssen auch die Ergebnisse passen bzw. erreicht werden.