Ist immer eine Frage, wie man’s tut. Euphorie ist wichtig, wenn sie nicht grundlos ist. Natürlich sage ich nicht, dass wir jetzt definitiv jeden weghauen, es kommen schwere Gegner und man muss das von Spiel zu Spiel denken. Aber die Möglichkeit, dass das nachhaltig ist, kann man nicht von vornherein ausschließen. Wie lange war Leverkusens Ungeschlagen-Serie? 50 Spiele. Da war auch Glück dabei, das man natürlich braucht, aber glaubt hier wirklich irgendwer, dass das für uns in der derzeitigen Konstellation unmöglich wäre? Unmöglich ist nichts, solange wir nicht das Gegenteil bewiesen bekommen. Deswegen wäre mir viel lieber, wenn wir darüber nachdenken, wie wir den BVB demnächst auseinandernehmen (weiter will ich noch gar nicht denken), als dass wir kollektiv darüber grübeln, dass das doch alles viel zu schön, um wahr zu sein, ist und dass der Rückschlag auf unser Durchschnittsniveau der letzten 100 Jahre (und ggfs. darunter als statistischer Ausgleich) unmittelbar bevorsteht. Vielleicht hat der komplette mentale Zusammenbruch der Mannschaft nach der Nagelsmann-Entlassung da etwas in unserem Selbstverständnis kaputt gemacht.
Heulen und wehklagen können wir noch unbegrenzt, wenn wir wirklich mal Grund dafür haben. In fünf Jahren oder so, wenn Kane in Rente geht.
Und wieder wird hier unterstellt, jemand hätte die nächste Niederlage herbei geschrieben. Obwohl @justin schon mehrfach, sich wehement dagegen gewehrt hat.
Er hat lediglich darauf hingewiesen, dass die statistischen Werte aktuell unormal gut sind und dass die nicht so bleiben werden.
Oder hältst du ein Szenario in dem der FCB in einer Bundesliga-Saison 141 und Kane davon 62 Tore erzielt für realistisch?
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Der FC Bayern München schwebt derzeit durch alle Wettbewerbe. Zehn Pflichtspiele, zehn Siege – wer soll diese Mannschaft überhaupt noch aufhalten?
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Wie der erste Satz des Artikels schon nahelegt: Es geht allgemein um alle 10 Pflichtspiele…
Für Verwirrung sorgte wohl dieser Absatz:
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Zunächst mal der Blick aufs Offensichtliche: 3,8 Tore pro Spiel sind ein extrem hoher Wert. In der Bundesliga liefe das auf insgesamt 129 Treffer hinaus, in 50 Pflichtspielen wären es 190 Tore.
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Das mit dem Hochrechnen in der BL dient also nur zur Veranschaulichung - hier haben wohl anders als bei den Pflichtspielen die meisten grob im Kopf dass 100 Tore (der Allzeit Rekord liegt bei 101 in einer Saison immer noch aus den 70ern) bisher eher die „Schallmauer“ darstellen…
Zahlen der Vergangenheit sind so lange realistisch, bis sie es nicht mehr sind, sonst würde es ja nie Rekorde geben. Schon 100 Tore pro Bundesliga-Saison sind völlig unrealistisch, trotzdem wurden sie schon zwei Mal erreicht. Gerd Müllers 40 Tore-Rekord war so lange völlig uneinholbar, komplett undenkbar, bis er es nicht mehr war.
Das Durchrechnen von vergangenen Statistiken deckt halt Unwahrscheinliches, noch nie Dagewesenes nicht ab. Deswegen sollte man sich auch nur nachträglich daran orientieren, sonst begrenzt man sich selbst. Von mir aus kann man dann auch ein „ich hab’s euch ja immer gesagt“ damit verbinden. Aber bitte erst hinterher.
mit dem Satz führst du aber gleichzeitig deine Argumentation ad absurdum, weil du in einem Artikel in dem es darum geht, dass irgendwann eine Serie reißt den Untergang hineininterpretierst.
In anderen Worten, es ist schon sehr deutsch in den möglichen ersten Wolken am Horizont direkt den Untergang zu sehen…
Man muss bei der Diskussion auch immer erwähnen, dass Justin nicht geschrieben hat, dass wir am Ende titellos aus der Saison gehen oder bald anfangen zu verlieren. Möglicherweise gewinnen wir in Zukunft einfach nur 2 oder 3 zu null anstatt 5 oder 6 zu null.
Das ist halt naiv. Das ist so, als würdest du sagen: Usain Bolt ist 9,5x auf 100 Meter gesprintet, warum sollte nicht bald einer 8,5 rennen?
Ganz einfach: Weil gewisse Höhen nun mal nicht möglich sind. Solange die Bundesliga qualitativ auf diesem Niveau bleibt und nicht deutlich (eher sehr deutlich) schlechter wird, während der FC Bayern bei seinem Niveau bleibt, wird es keine 130 Tore pro Saison geben.
Das nennt man nicht Pessimismus, dazu braucht es auch keine Mathematik, das ist schlichtweg Realismus.
Wir sprechen hier nicht von einem marginalen Unterschied, der am Ende auf ein knappes Überbieten des Rekords hinausliefe. Wir sprechen hier von Sphären, die alles pulverisieren und jede Art von Bewertungsmaßstäben auf ein Level hieven würden, das alle anderen Rekordhalter lächerlich aussehen lassen würde.
Wir sprechen hier von 8,5 Sekunden auf 100 Meter, von 65 Km auf dem Fahrrad in eine Stunde, von utopischen Rekorden.
Alles, was ich im Artikel sage, ist: Diese Form wird sich nicht über eine ganze Saison so halten lassen. Man kann aber auch mit weniger Spiele gewinnen. Ob die Serie nun noch 50/60 oder 1 Spiel hält, kann niemand vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Zahlenniveau aber gehalten wird tendiert gegen Null.
Ich bin da ausnahmsweise mal bei Karl-Heinz Rummenigge. Fußball ist keine Mathematik. Auch die Diskussion, die Du mit @Alex hier hattest, hat de facto mit Mathematik, in dem Fall der Wahrscheinlichkeitstheorie, herzlich wenig zu tun.
Das Objekt, über das wir hier reden, nämlich ein Fußballspiel und die Tore, die fallen, ist neben halbwegs objektiven Faktoren wie Qualität und Fitnesszustand der Spieler, oder Eingespieltheit des Teams, extrem von schwer bis gar nicht fassbaren Faktoren abhängig: Selbstvertrauen der Spieler, Stimmung im Team (unbedingter Wille oder Überheblichkeit), Schiedsrichterentscheidungen, und schlicht Zufall - Unebenheit auf dem Platz, Schnürsenkel krumm, Windbö, Gegner rutscht weg … deswegen ist auch bei noch so großer objektiver Überlegenheit immer mal wieder ein Unentschieden oder eine Niederlage drin.
Nun hat aber die Kollege Zufall die Unart, dass er macht, was er will. Mal verteilt er seine Gunst gleichmäßig, dann ist er mathematisch ganz gut fassbar, mal lässt er sich sehr lange Zeit, bevor er die Events auslöst, die die unvermeidbare Regression zum Mittelwert bewirken.
Bei Leverkusen hat die Anomalie eine ganze Saison angehalten …
Wenn man also Prognosen abgeben will, dann geht das nur für die über längere Zeiträume gemittelten Ergebnisse; und da sagt dann in der Tat die Vergangenheit, dass eine Saison mit 100 Toren schon recht außergewöhnlich ist - wesentlich mehr als das wäre dann schon ein extremer statistischer Ausreißer …
Lange Rede, kurzer Sinn: freuen wir uns am aktuelle Hoch, werden wir nicht hektisch, nur weil ggf. mal ein Spiel verloren geht - viel wichtiger als irgendein Rekord ist im Fußball ja eh der Erfolg in Form von Titeln
Das Beispiel Leverkusen ist interessant weil es da ja lediglich quasi (ein Punkt reißt es nicht raus) ein Einstellen des Fabelrekords von 2013 war.
Der wiederum war aber wirklich das Erreichen einer völlig neuen Dimension wie es @justin oben beschreibt. Ein Jahr zuvor hatte im Überschwang ein Kloppo ja erzählt:
„Es ist Außergewöhnliches passiert. 81 Punkte, das ist eine historische Marke, die sobald keiner knacken wird – auch wir nicht. In 30 oder 40 Jahren werden wir mit einem Lächeln auf den Lippen zurückblicken, vielleicht ist die Marke dann ja noch immer nicht geknackt.“
Ebenso wie es damals völlig neue Dimensionen bei den Punkten waren (grob Halbierung des Abstands zu den theoretisch möglichen 102 Punkten) so gab es damals auch völlig neue Dimensionen bei den Gegentoren:
Mehre Saisons in Folge (3 von 4 Jahren ab der Triple Saison) war man unter 20 Toren obwohl vorher über Jahrzehnte diese Marke nie zu knacken war.
Natürlich sind die 130 Tore bei weitem unrealistisch - dass die 100 unter VK mit seinem offensiven Spielstil und mittlerweile ziemlich dafür passenden Spielern aber zum ersten Mal in der BL Geschichte - egal ob nun heuer oder in den nächsten Jahren - deutlich geknackt werden könnten:
Für mich sogar ziemlich wahrscheinlich!
PS: und die Frage wie weit man es realistisch tatsächlich bald über 100 Tore schaffen könnte, @Alex , die finde ich dann wiederum gar nicht so unspannend!
PPS: und es wäre halt anders als die meiste sonstige Diskussion hier eher ein „Reiten auf der Euphorie Welle“, Wellenreiten soll ja durchaus Spass machen
Sorry, @anon83403225, danke für die Erwähnung, aber ich habe den Überblick über die Diskussion verloren. Selbstverständlich werden die Bayern in dieser Saison mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht > 100 Punkte und > 130 Tore in der Bundesliga erreichen. Das ist praktisch ausgeschlossen. Dementsprechend finde ich die Diskussion darüber, ob es realistisch sei, auch müßig.
Weil es völlig unwahrscheinlich ist, ist allerdings auch die Prognose, dass es nicht passieren wird, total banal und jede Diskussion über die Eintrittswahrscheinlichkeit der Prognose dementsprechend kurios. Selbstverständlich kann es theoretisch passieren, dass die Bayern in dieser Saison 130 oder 150 Tore schießen, aber ebenso selbstverständlich ist es so unwahrscheinlich, dass ich eine Diskussion darüber, wie realistisch eine Prognose, dass dies nicht passieren wird, sei, interessant, aber auch seltsam finde.
Ja, 100 Tore ist im Bereich des realistisch Möglichen. Die Marke ist in den vergangenen Jahren schon mehrfach beinahe und in der Spielzeit 2019/20 genau erreicht worden. Ich glaube, in keiner dieser Spielzeiten war die Zahl der geschossenen Tore bis zum gegenwärtigen Spieltag so hoch wie in dieser. Rein quantitativ stehen die Vorzeichen damit sogar so gut wie nie, dass die Marke in dieser Saison wieder erreicht wird.
Aber 100 Tore sind nicht 130 Tore. 130 Tore werden die Bayern nicht schießen (alle Angaben für die Bundesliga).
Exakt dieses Argument habe ich ebenfalls angeführt, als es mir zu mathematisch wurde. Ändert ja trotzdem nichts daran, dass dieses aktuelle Niveau so nicht zu halten ist. Was daraus exakt wird, bleibt abzuwarten. Ebenso der Zeitpunkt, an dem es schwieriger wird.
Es ging doch hier nie um einen Untergang, einen krassen Downfall oder Ähnliches, es ging auch nie darum, jemandem die Freude zu verderben, sondern einfach nur um aus meiner Sicht interessante Zahlen, die so halt nicht auf Dauer zu liefern sind. Nicht mehr, nicht weniger.
Aber ich gebs auf, mich zu erklären. Ich weiß nicht, an welcher Stelle ich mich noch präziser ausdrücken könnte, um ehrlich zu sein.
“Zunächst mal der Blick aufs Offensichtliche: 3,8 Tore pro Spiel sind ein extrem hoher Wert. In der Bundesliga liefe das auf insgesamt 129 Treffer hinaus”
Das war nach Spieltag 6.
Jetzt hat man sage und schreibe 3mal soviele BL Spiele hinter sich. Und die aktuellen 71 Tore würden sogar auf 134 rauslaufen!
Natürlich werden es aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem am Ende deutlich weniger als das werden.
Aber alleine auch schon dass das so viel weiter in der Saison sogar noch steigerbar war - kann keine Sau vorhersehen!
Einfach nur der Wahnsinn…
PS: und dabei gab es ja Nov/Dez durchaus schon ne Phase wo man der Mannschaft ansah, dass langsam körperlich und mental die Puste ausgeht und die Winterpause kein bisschen zu früh kam - da lag man dann auch wirklich zum Jahresende “nur” noch auf Kurs 125 Tore
Muss nicht sein. Wenn der Druck weg ist kickt es sich wesentlich entspannter und es dürfen ggf. auch mal andere ihr Können zeigen. Ist aber alles noch Zukunftsmusik.
Also ich bin zu dem damaligen Zeitpunkt auch fest davon ausgegangen, dass sich dieser Trend nicht so lange fortsetzt. Einfach aus der Erfahrung heraus, dass Superlative aus den ersten Spieltagen einer Saison nur sehr, sehr selten auf die gesamte Saison hochrechnen lassen.
Inzwischen überrascht mich schon gar nichts mehr bei dieser Truppe. Einfach unglaublich, wie sie auch in schwachen Spielen es immer wieder schaffen den Hebel umzulegen und dann noch sichere Siege einfahren. Das war heute bereits der sechste Sieg nach einem Rückstand. Und alle diese Comeback-Siege waren dann mit mindestens zwei Toren Abstand!
1:4 in Köln
6:2 gegen Freiburg
3:1 gegen Pauli
3:1 gegen Sporting
1:3 in Köln
1:5 in Leipzig
Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass junge Spieler mehr Einsatzzeit erhalten. Und da ist die Frage dann schon gegeben, ob und wie gut sie spielen. Ich wäre aber natürlich nicht überrascht, wenn es auch mit den Jugendspielern richtig gut funktionieren würde.