Du beschreibst was Reales, aber die Schlussfolgerung ist mir zu groß.
Ja, Zugehörigkeit ist heute fließender. Doppelte Pässe, komplexe Biografien, Spieler, die zwischen Verbänden wechseln.
Aber dass die alte Nationalromantik bröckelt, heißt nicht, dass der ganze Wettbewerb keinen Sinn mehr hat. Diese Romantik mit elf Männer tragen die Seele einer Nation aufs Feld, das war eh immer ein Mythos.
Dein stärkstes Argument sind die krassen Fälle die es tatsächlich gibt.
Spieler, die für ein Land auflaufen, in dem sie nie gelebt haben, dessen Sprache sie nicht sprechen. Fair enough. Aber das sind Grenzfälle, die jedes Regelsystem produziert. Die allermeisten Nationalspieler haben eine echte biografische Verbindung zu ihrem Land. Eine Verbindung die existiert selbst wenn sie nicht immer geradlinig ist.
Der Unterschied zum Clubfußball bleibt real.
Kompany kann sich auf dem Weltmarkt bedienen, Nagelsmann nicht.
Ja, Einbürgerungen und Doppelstaatsbürgerschaften weichen das ein wenig auf, aber sie heben es nicht auf.
Allein diese Begrenzung dass man nur für ein Land spielen kann (Pflichtspiele Männer) erzeugt eine andere Wettbewerbslogik.
Das ist nicht einfach Clubfußball mit Hymne.
Wenn der Wettbewerb so sinnentleert wäre, müsste man das auch den Zuschauern erklären. Eine WM zieht weltweit mehr Aufmerksamkeit als jedes Clubturnier, mehr als die Champions League, mehr als die Clubweltmeisterschaft, die du als Alternative ins Spiel bringst.
Menschen identifizieren sich offensichtlich immer noch mit Nationalteams. Das kann man als irrational abtun, aber es ist eine ziemlich robuste Realität.
Und was du als Erosion beschreibst, kann man auch anders lesen: Ein Nationalteam mit Spielern, die verschiedene Sprachen sprechen, mehrere Kulturen kennen und unterschiedliche Wege ins Team gefunden haben, ist kein Beweis für die Sinnlosigkeit des Wettbewerbs. Es ist ein Spiegel der Gesellschaft. Frankreich 2018 war das beste Beispiel. Polyglott, multikulturell, und trotzdem eine Mannschaft mit einer gemeinsamen Identität. Das ist keine Erosion, das ist Bereicherung.
Dass du persönlich damit leben könntest, wenn Länderspiele irgendwann wegfallen. Klar, das ist ja Deine Sache. Aber „brauche ich nicht“ ist halt kein Argument dafür, dass es sinnlos ist.