Die Mehrheit derjenigen, die das Kapitol stürmten, dürfte aus einem Umfeld stammen, in dem Gewalt häufiger vorkommt. Dass diese Personen dann weiterhin eher zu Gewalt neigen, egal ob sie ihre Strafe voll absitzen oder vorzeitig entlassen oder begnadigt werden, erscheint mir alles andere als unlogisch. Von daher verwundert es mich nicht, dass die begnadigten Straftäter teilweise wieder straffällig werden.
Man müsste es mal damit vergleichen, wie hoch die Rückfallquote bei Personen ist, die ihre Haftstrafe ordnungsgemäß verbüßt haben.
Nun ja, im ungünstigsten Fall genösse die Gesellschaft wenigstens einen zeitlichen Vorteil. Ein Argument für die Begnadigung der Capitolstürmer ist es jedenfalls nicht.
Spannende Reportage über Neukölln, die dortigen Linken und die verschiedenen dort vorzufindenden Subkulturen.
Lieber @cheffe, vielen Dank für Deine konstruktive und freundliche Antwort, die ich inhaltlich und in der Art des Vortrags – verbindend, freundlich, vermittelnd, nach Brücken suchend – sehr schätze.
Ja, ich verstehe, was Du meinst. Philosophie ist keine empirische Wissenschaft, die überprüfbare Hypothesen aufstellt, und niemand würde beispielsweise Hegels Phänomenologie des Geistes „in die Tonne treten“, weil seine Geschichte eines absoluten Geistes, der in der Entwicklung der Welt stufenweise zu sich selber findet bis zur Vollendung absoluten Wissens und absoluter Freiheit weder empirisch überprüfbar noch widerlegbar ist.
Ich kann akzeptieren, dass auch Frau von Redecker in diesem Geiste (hahaha) schreibt, dass sie weniger empirisch überprüfbare Hypothesen oder Theorien aufstellt, als sie neue Begriffe, konzeptionelle Denkrahmen und Scheinwerfer zur Ausleuchtung subjektiver Erfahrung zur Verfügung stellt, mit denen die Welt neu und besser verstanden werden kann als zuvor.
Allerdings kann ich das bei Frau von Redeckers Text im Gegensatz zu Hegels Phänomenologie des Geistes nur verhältnismäßig schwer akzeptieren, da ihre Theorie zum einen relativ viele, relativ konkrete empirische Behauptungen aufstellt, die man sehr wohl operationalisieren und testen könnte. Dass zum Beispiel Rechte zunächst einen Anspruch auf Besitz an beispielsweise Juden und Frauen erheben, um diese dann auszulöschen, weil sich die so als Objekte in Besitz genommenen Subjekte gegen diesen Besitzanspruch wehren, was wiederum der Kern des Faschismus sei, ist eine ziemlich enge und konkrete Behauptung über die Beschaffenheit der Welt, die man sehr wohl überprüfen könnte und ich möchte sagen auch müsste, um von jemandem wie mir ernst genommen zu werden. Wir sprechen hier nicht über Abstrakta wie einen Weltgeist, der durch den Lauf der Geschichte hinweg seine Bahn zur Vollendung seiner selbst zieht.
Noch dringlicher wird diese Forderung nach empirischer Unterfütterung vor dem Hintergrund, dass Frau von Redecker nicht nur behauptet, dass die Welt auf eine bestimmte Weise eingerichtet sei, sondern ausgehend von dieser nun als festgestellt geltenden Grundlage auch noch konkrete politische Forderungen daraus ableitet, etwa zum Wirtschaftssystem, wo sie den Kapitalismus und das Eigentum an Produktionsmitteln überwinden möchte.
Ist ja auch irgendwie logisch: Wenn Eigentum und Besitz die Quelle allen Übels sind, dann ist es nur folgerichtig, zur Linderung des Übels Eigentum und Besitz einzuschränken oder abzuschaffen.
Ich habe nichts gegen politische Forderungen. Jeder kann von mir aus politisch fordern, was er möchte. Aber hier verquickt Frau von Redecker eine politische Forderung mit einer vorausgehenden Behauptung, wie die Welt beschaffen sei, vor dessen Hintergrund die Forderung Sinn ergibt. Ihre Weltbeschreibung soll der Forderung Schlüssigkeit verleihen. Aber dafür müsste die Weltbeschreibung auch empirisch stimmen. Wenn ich sage, es sei sinnvoll, einen Regenschirm aufzuspannen, weil das vor dem Regen schützt, dann wäre es schon nicht schlecht, wenn es auch tatsächlich regnet. Und dass die Welt so ist, dass ihre politischen Forderungen aus den von ihr genannten Gründen Sinn ergeben, hat Frau von Redecker nicht nachgewiesen, sondern einfach nur behauptet.
Wie gesagt (im Geiste Ballacks) bin ich trotzdem überzeugt, dass das Buch für intellektuelle Denker über die Welt anregend zu lesen ist, um seinen Horizont zu erweitern, neue Begriffe zu erfahren und seine eigenen Vorstellungen zu überprüfen und zu reflektieren. Aber es ist wahrscheinlich aus den von mir genannten Gründen genau die Art Literatur im Spannungsfeld zwischen Philosophie, Sozialwissenschaft und politischem Aktivismus, die nichts für mich ist, weil sie auf eine denkbar ungünstige Weise alle drei Bereiche miteinander kombiniert.
Rassismus wird ganz offen ausgelebt von der AFD… und der Staat schaut zu und lässt es zu.
Wer das zur Zeit verfolgt: es geht um die deutsche Nationalmannschaft.
Irgendwie lässt es zur Zeit jeder zu: es wird kaum darüber berichtet, dass die deutsche Nationalmannschaft gerade massiv von der AFD rassistisch angegangen wird.
Ich weiß nicht, ob das schon vor 30 Jahren erlaubt war… aber anscheinend ist sogar nun offener Rassismus gesellschaftsfähig geworden.
Die sind halt alle gerade mit den (neuköllner) Linken beschäftigt.
Eine mögliche linksgeführte Landesregierung inklusive potentieller Vergesellschaftung/Enteignung von kriminellen Wohnkonzernen (also der eigentliche Grund für das ganze aktuelle Mediendrama) ist viel schlimmer als Rassismus, Abschaffen von Stolpersteinen, Erhöhung des Deutschlandtickets bei gleichzeitigem Tankrabatt oder Sozialkürzungen.
Zum morgigen Tag der deutschen Einheit ein traurig stimmender Text der ostdeutschen Schriftstellerin Anne Rabe über einen Auftritt des AfD-nahen Comedians Uwe Steimle und sein begeistertes Publikum.
Uwe Steimle hat eine Biographie, die wirklich mehr als interessant ist:
Er wurde sogar damals von der Linkspartei als Mitglied der Bundesversammlung benannt und gewählt. Sich selbst bezeichnet er eher als „alten Linken“ und will sich nicht zu einem „neuen Rechten“ machen lassen. Nun ja…
https://x.com/atrupar/status/2106113288085885111
Der widerliche alte Rapist-in-chief solidarisiert sich natürlich öffentlich mit seinen jungen Nachahmern.
Ich würde allerdings diese Taten weder direkt noch indirekt in Trumps Verantwortung stellen, das macht es den wirklichen Tätern zu einfach (die übrigens als Cornell-Studenten mit hoher Wahrscheinlichkeit liberal-progressive Parteigänger sind). Für seine Handlungen ist erst mal jeder selbst verantwortlich. Jeder kann hier Gut und Böse für sich identifizieren, auch wenn miese, monströse Vorbilder von miesen Schwachköpfen in höchste Positionen gewählt werden.
Letztere, seine Wähler, die ihn für seine Verbrechen glorifizieren, seine Schergen, die ihm sehenden Auges auf allen Ebenen Rückhalt geben, um selber davon zu profitieren, schaffen und validieren diese Umgebung erst. Sie nehme ich tatsächlich nicht aus der Verantwortung für diese generelle zivilisatorische Werteerosion.
Komisch, dass du und @willythegreat so sicher sein könnt, dass die Täter wahrscheinlich liberal/Demokraten waren.
Republikaner können genausogut zu Unis gehen wie Demokraten - besonders die aus einem reichen Elternhaus.
Die Unis in großen Städten/Metropolen werden natürlich mehrheitlich von liberalen/Demokraten besucht, da Menschen mit höherem Bildungsgrad eher liberal/demokratisch sind - aber bei vornehmlich männlichen Studentenverbindungen/Burschenschaften sieht das anders aus.
Da gehören viele den rechten chauvinistischen looksmaxxing/incel/manosphere/groyper communities an.
Damit will ich nicht sagen, dass Linke nicht auch chauvinisten oder Vergewaltiger sein können - aber dort wo diese arme Frau gruppenvergewaltigt wurde deutet vieles eher auf rechte Täter hin - auch da sie ihre Taten in einem Gruppenchat mit über 50 Mitgliedern geteilt haben wovon keiner die Polizei gerufen hat.
Und nochmal zu Trumps Einfluss:
Trump ist offen chauvinistisch, verteidigt andere Straftäter (besonders Vergewaltiger) und kommt seit er (wieder) Präsident wurde mit allem davon.
Natürlich fühlen sich gerade in den USA deswegen viele Männer in ihrem Chauvinismus bestätigt und fürchten weniger Konsequenzen bei solchen Taten - gerade wenn sie weiß und reich sind.
Aber auch bei ICE und der Polizei fühlen sich viele von Trumps Regime geschützt - auch da es keine Konsequenzen für die Morde in Minnesota gab.
Trump hat übrigens nicht nur die Jan6er begnadigt sondern auch dutzende Wirtschaftskriminelle die im Vorfeld Trump Geld gegeben haben.
Bist du reich und hast Kontakte zu Trump, dann bist du momentan Sicher vor der Justiz.
Hierzu noch einmal mein Post zu dem Thema:
Eine demokratische Prägung der Uni muss natürlich nicht heißen, dass die Täter selbst eher den Demokraten als den Republikanern anhängen. Deinen Rückschluss, dass die Art des Verbrechens und die mangelnde Bereitschaft der Gruppe, die Polizei zu rufen, stark auf rechte Täter hindeutet, finde ich ehrlich gesagt ziemlich gewagt.
Außerdem ging es mir eigentlich um etwas ganz anderes, nämlich darum, dass die Ivy League Unis und somit auch Cornell, deutlich eher demokratisch geprägt sind als republikanisch, v.a. auch in dem Bereich, der die Entscheidungen trifft, wie mit Studenten, die sich daneben benehmen, umzugehen ist, also der Verwaltung und Leitung der Uni.
Und wenn eine deutlich eher demokratisch geprägte Uni als Bestrafung für Massenvergewaltigung überspitzt gesagt den Weg Essay statt harter Bestrafung wählt (wie du zu Recht kritisiert hast), dann sagt das mMn auch einiges über die fehlende Bereitschaft auch unter Demokraten aus, gegen sexuelle Gewalt angemessen vorzugehen.
Zum zweiten Teil deines Posts gibt es von meiner Seite volle Zustimmung.
Wie @willythegreat schon schrieb, Cornell ist historisch eine überwiegend von demokratischen Parteigängern genutzte und unterstützte Institution. Das ist also einfach eine statistische Erwägung. Eine politische Einstellung macht einen auch nicht zu einem besseren oder schlechteren Menschen im ethischen Sinne, ich glaube, das ist ein Fehlschluss, dem Du häufiger erliegst.
Beim Rest Deines Postings gebe ich Dir völlig Recht.
Wer hätte es gedacht…
Ich hoffe mal, dass es nichts weiter ist - auf eine zweite Pandemie zu meinen Lebzeiten könnte ich gut verzichten!
Die Pest ist eine Krankheit, die durch Bakterien (nicht Viren) verursacht wird (das Bakterium yersinia pestis). Sie kann heute mit Antibiotika wirksam bekämpft werden (mit ein Grund, weshalb die Pest heute weitestgehend als ausgerottet gilt, auch wenn es endemische Ausbrüche wie in Madagaskar gibt).
Die großen Pestausbrüche der Vergangenheit hingen vor allem mit mangelhaften hygienischen Zuständen zusammen: Ratten und Flöhe als Hauptüberträger spielen heute kaum eine Rolle.
Selbstredend ist die Pest noch nicht völlig ausgelöscht: sie mit einer Corona-Pandemie (ausgelöst durch einen neuen Virus Covid-19, für den es zunächst keine Impfstoffe gab) heute zu vergleichen, ist aber sachlich nicht wirklich zutreffend.
Tobias Rausch wurde heute als erster Landtagspräsident einer Partei gewählt, die im Bundesland Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem gilt (das alleine ist schon schlimm genug, denke ich), mit 9 Stimmen mehr, als die AfD-Fraktion hergibt. Das BSW (mit 5 Stimmen) hatte schon vorher angekündigt, ihn zu wählen. Es bleiben aber vier Stimmen übrig, die ihn zusätzlich gewählt haben (aus dem Spektrum von CDU, SPD, Grünen und Linken).
Dass Rausch gewählt wurde, halte ich nicht für eine Überraschung: das BSW hat ja vorher die Zustimmung angekündigt. Die vier Extrastimmen finde ich schon etwas überraschend - und auch erschreckend.
Und als Ergänzung: soeben wurde Hans-Thomas Tillschneider als Vizepräsident gewählt, mit 44 Stimmen (39 hat die AfD).
Wen es interessiert, hier der Eintrag zu Tillschneider bei Wikipedia: das ist ein Vizepräsident des Landtags in Sachsen-Anhalt in der näheren Zukunft:
Wir können davon ausgehen, dass die von der CDU gekommen sind. Vielleicht gab es noch einen sonstigen. Aber 2-3 waren mindestens von dieser CDU. Aus meiner Sicht sollte dieser aktuelle Ministerpräsident und Fraktionsvorsitzender seiner Partei sofort den Hut nehmen. Dass die sympathisieren war eh klar. Aber es hätte jetzt schon klarer Parteidisziplin bedurft. Aber egal in 5 Jahren kommen sie wahrscheinlich nicht mal mehr in den Landtag. Wenn sie so weitermachen zurecht.
Über die AfD müssen wir ja eigentlich nicht mehr reden. Ein absolutes Desaster. Same bei der Union, wie @ChrisCullen sagt.
Aber ich finde, man muss auch über das BSW reden. Mir sind persönlich Menschen bekannt, die einst von der Linken zum BSW wechselten - nicht etwa wegen programmatischer Dinge, sondern zuallererst, weil sie glaubten (zum damaligen Zeitpunkt nachvollziehbarerweise), man müsste alles tun, um die AfD zu verhindern.
Dass es nun das BSW ist, das sich in mehrfacher Hinsicht als Steigbügelhalter der AfD erweist, dank der völlig erratischen, charakterlich allerdings leicht einzuordnender Disruptions-Politik der Chefin, ist wirklich grade für diese Menschen sowas von bitter und enttäuschend, man kann das gar nicht beschreiben. Da wurden Versprechungen gemacht, man glaubt es nicht, wenn man sieht, was daraus wurde.
Dabei will ich das gar nicht strategisch bewerten, diesen einstigen Wechsel. Da wurden Lebenswege und Karrieren riskiert und auf den Kopf gestellt. Aber ich kann anerkennen, dass eigentlich ein hehrer Grund dahinterstand, und umso schrecklicher ist das Heute. Und wenn sich die Wagenknecht nochmal hinstellt und sich als Linke bezeichnet, die ein Herz für die einfachen Menschen hat, kotze ich, sorry. Die ist echt das Hinterletzte. Und ihre Intelligenz macht es nur noch ruchloser.