Mit dem '„packen“ ging es mir darum, dass ich wie gesagt Dinge vereinfacht darstelle um sich verständlicher zu machen. Ich freue mich über jede Antwort von Dir. Es ist wichtig das klarzustellen. Wir hatten das schon bei der FC Bayern Bilanz.
Inhaltlich lese ich deine Antwort ohnehin als Beleg dafür, dass wir näher beieinander sind als am Anfang.
Du sagst inzwischen, Vorabzugriff sei ein enormer Vorteil, sofern man gute von schlechten Investments unterscheiden kann. Ich sage, Urteilsvermögen sei entscheidend, sofern man die Investments überhaupt zu sehen bekommt. Das ist dieselbe Aussage mit unterschiedlicher Betonung. Verschiedener Meinung sind wir eigentlich nur bei der Gewichtung. Zwei Punkte dazu:
Deinen Ex-ante-Einwand gestehe ich vollständig zu. Der Rückschaufehler ist real, und wer heute von der KI-Blase redet, hätte die 500.000 Euro vermutlich nie riskiert. Der mutige Investor aus deinem Beispiel trägt selbstverständlich echtes Risiko und hat seinen Gewinn verdient, da bin ich ganz bei dir. Das wollte ich auch nie in Frage stellen.
Nur beantwortet das eine andere Frage als meine. Mir geht es nicht darum, ob der Gewinn verdient ist, sondern wer die Wette überhaupt platzieren konnte. Wer eine halbe Million in eine einzelne illiquide Beteiligung stecken kann, ohne dass ein Totalverlust seine Lebensplanung berührt, verfügt bereits über ein erhebliches Vermögen. Die Kühnheit, die du zu Recht würdigst, ist eben auch eine Funktion der Fallhöhe. Dazu kommt, dass die diversen Wege nach OpenAI bis vor kurzem qualifizierten Anlegern vorbehalten waren. Breiter Zugang für Privatanleger kam erst mit der Runde im März über Bankkanäle, und selbst dort entfielen auf Einzelinvestoren rund 3 von 122 Milliarden Dollar. Dein mutiger Investor aus Deutschland brauchte also nicht nur Mut, sondern auch einen Status, den die meisten nicht haben.
Beim Satz, du und ich könnten in VC-Fonds investieren, die diesen Zugang haben, liegt für mich der Kern unserer verbliebenen Differenz. Der Satz stimmt wörtlich und führt trotzdem in die Irre, weil er zwei verschiedene Produkte gleichsetzt.
Anders als am Aktienmarkt ist die Renditepersistenz bei Venture Capital ausgeprägt. Die Überrenditen konzentrieren sich seit Jahrzehnten auf eine kleine Gruppe von Fonds, und genau diese Fonds sind chronisch überzeichnet und nehmen kein fremdes Geld an.
Der durchschnittliche VC-Fonds schlägt den Aktienmarkt nach Gebühren nicht. Was dir und mir offensteht, ist also systematisch das andere Segment, im Zweifel noch mit einer zusätzlichen Gebührenschicht über eine Zugangsplattform. Wir können in Venture Capital investieren, nur eben nicht in das Venture Capital, um das es geht.
Damit sind wir wieder bei der Gewichtungsfrage. Wenn Urteilsvermögen der knappe Faktor wäre und der Zugang nachrangig, dann müssten die besten Fonds ihren Zugang eigentlich meistbietend verkaufen können, statt ihn über Beziehungen zu rationieren. Warum tun sie das deiner Einschätzung nach nicht?
Es ging hier um einen Vergleich von zwei Fällen. Da spielt es keine Rolle, ob man die Rendite nominal oder real berechnet, sofern man in beiden Fällen das gleiche macht.
Klar, wenn Dein Vermögen nominal mit 3 % pro Jahr wächst, aber die Inflationsrate 4 % beträgt, dann bist Du real nach einem Jahr ärmer als zu Beginn.
Das Problem einer Vermögenssteuer zwecks Umverteilung, um arme Leute reicher zu machen, ist, dass sie kontraproduktiv wirken kann. Dafür braucht man gar nicht so drastische Annahmen.
Besteuerungsziel einer Vermögenssteuer wären ja die oberen 10 % oder 1 % oder 0,1% der Vermögenden und nicht die Klasse der überdurchschnittlich gut verdienenden Personen mit Aktien, Betriebsvermögen oder einem Haus im Wert von vielleicht ein paar Millionen Euro, auf die @WunderVonGetafe in einem ähnlichen Zusammenhang bereits verwiesen hat.
Das Vermögen der oberen 10 %, und erst recht das der oberen 1 % und 0,1 % besteht aber zu erheblichen Anteilen aus Betriebsvermögen. Bei den oberen 0,1 % sind es über 50 %, bei den oberen 1 % sind es noch über 30 %. Ein großer Teil des Rests ist Immobilienvermögen, das auch gewerblich genutzt wird.
Selbst wenn man Vermögen nur moderat besteuert, z. B. mit 2 % pro Jahr, entsteht für diese Leute ein großer Anreiz, ihre Immobilien verfallen zu lassen und ihre Betriebe ins Ausland zu verlegen, jedenfalls aber wird ihr Betriebsgewinn durch die Steuer so stark geschmälert – 40 bis 50 % sind nicht unrealistisch –, dass signifikant weniger Geld für Investitionen in Forschung und Entwicklung, neue Anlagen und allgemein in den Fortschritt, der Effizienz steigert, Arbeitsplätze sichert und neuen Wohlstand schafft, zur Verfügung steht.
Hier ist ein Beispiel, um die möglichen Effekte zu verdeutlichen. Angenommen, die Unternehmen in Deutschland schöpfen einen Wert von 100. Davon gehen 75 als Lohn an die Arbeitnehmer und 25 als Profit an das Kapital. Jetzt möchte der Staat den Arbeitnehmern helfen und besteuert das Kapital mit 5, um den Betrag an die Arbeitnehmer, die dann 80 haben sollen, umzuverteilen. Die Unternehmer reagieren mit Ausweichbewegungen, ziehen Kapital ab, verringern Investitionen, und im nächsten Jahr beträgt die Wertschöpfung aller Unternehmen in Deutschland nur noch 90. Von diesen 90 gehen 0,675 (unverändert 75 %) als Lohn an die Arbeitnehmer und 22,5 (unverändert 25 %) als Profit an das Kapital. Mit der Vermögenssteuer wandern weitere 4,5 (unverändert 5 %) von den besteuerten Vermögenden an die Arbeitnehmer, die damit 72 haben – drei weniger als vor der Einführung der Vermögensteuer!
Ich möchte die Vermögensteuer damit nicht grundsätzlich verurteilen. Es ist alles eine Frage der Abwägung verschiedener Güter, und es gibt ja auch noch andere Argumente für so eine Steuer, aber ökonomisch ist sie nicht ohne ihre Tücken und kann zum gegenteiligen des intendierten Effektes führen (hier: dass es armen Leuten durch Umverteilung von Ressourcen von reichen Leuten zu ihnen hinterher besser geht als vorher).
Ich stimme dir in deinen Ausführungen größtenteils zu, merke aber, dass ich in meinem Statement klarer hätte sein sollen.
So hatte ich das nicht gemeint und diese Neiddebatte gegen reiche Menschen finde ich vielfach auch schwierig so wie sich da Politiker teils äußern. Im Gegenteil, geht es mir darum, dass große Arbeitseinkommen im Verhältnis zu großem, z.B. geerbtem, Vermögen zu hoch besteuert sind. Wohlstand also zu einem nicht unerheblichen Teil vererbt und nicht selbst erarbeitetet wird. Damit möchte ich mich auch nicht als Gegner von Erbschaften verstanden wissen. Auch das motiviert Eltern, wenn sie was für ihre Folgegeneration aufbauen können. Nur wie gesagt, wenn jemand beispielhaft 10mio erbt, kann er ein sehr gutes Leben führen ohne noch irgendeinen Beitrag zur Wertschöpfung hier leisten zu müssen. Daher, wenn ich entscheiden dürfte, würde ich bei sehr hohen Erbschaften etwas mehr ansetzen, um Arbeitseinkommen (auch die hohen) etwas mehr zu entlasten. Aber aus den von dir genannten Gründen muss man da vorsichtig mit umgehen, definitiv. Nur vorsichtig heißt halt auch nicht, dass man es sich gar nicht anschauen sollte.
Als Beitrag zur Neiddebatte hatte ich Deine Einlassung auch nicht verstanden. Ich kann die Politiker, die eine höhere Besteuerung von reichen oder sehr wohlhabenden Menschen fordern, um armen und schwachen Menschen finanziell zu helfen, verstehen. Das ist ein nobler Zweck, und ich würde dieses Ansinnen nicht grundsätzlich verteufeln oder mit irgendwelchen Schimpfworten belegen. Es ist ja auch schwer erträglich, wenn extremer Reichtum in unmittelbarer Nachbarschaft zu bitterer Armut existiert. Wer würde diese Verhältnisse nicht ändern wollen? Wer würde nicht sagen, dass es besser sei, dass der Arme das erste Brot zu essen bekommt, statt dass der Reiche sich das hundertste kaufen kann? Ich möchte die Motivation der Politiker, die höhere Steuern auf reiche Menschen fordern, nicht in Frage stellen, weil ich das Anliegen sehr gut nachvollziehen kann.
Ich finde es daher auch politisch vollkommen legitim, höhere Steuern auf das Vermögen oder die Einkommen reicher Menschen zu fordern, sei es in Form einer Vermögenssteuer, einer höheren Erbschaftssteuer oder einer höheren Einkommensteuer, um mit dem Geld die Gesellschaft ein wenig weniger ungleich zu machen, um sie ein wenig „gerechter“ zu machen, unter einem spezifischen, aber vollkommen legitimen Gerechtigkeitsbegriff, der viel mit der Herstellung von Gleichheit zu tun hat.
Wenn ich vor diesem Hintergrund gegen die Vermögensteuer argumentiere, dann interessiert mich in erster Linie die Effizienz. Wenn das Ziel eine stärkere Umverteilung von Reich zu Arm ist, wenn es die Schaffung einer finanziell gleicheren Gesellschaft ist, ist die Vermögenssteuer ein effizientes Mittel, dieses Ziel zu verwirklichen?
Und in der Tat mag sie es vielleicht sein, aber auf eine andere Weise, als ihre Proponenten es intendieren, nämlich indem sie die Vermögensunterschiede zwischen Arm und Reich auf einem für alle niedrigeren Niveau reduziert. Idealerweise würde der Staat aber versuchen, die Vermögensunterschiede zwischen Arm und Reich auf einen für alle höheren Niveau zu reduzieren, indem er die institutionellem und tatsächlichen Voraussetzungen dafür schafft, dass auch arme Menschen reich werden können.
Die Erbschaftssteuer hat zwar auch negative Effizienzwirkungen (Ausweichbewegungen, verminderte Investitionsanreize), aber nicht so drastische wie eine Vermögenssteuer, weil sie im Leben jedes Menschen nur einmal anfällt, und zwar wenn das Vermögen rechtlich an einen Erben übergeht. Wenn die dadurch erzielten Steuereinnahmen intelligent in die Förderung nachwachsender Generationen investiert werden, könnte sie sogar positive Effizienzeffekte haben, weil Geld von nicht notwendig besonders genialen, innovativen oder produktiven Erben zu mittellosen, aber hungrigen, intelligenten und aufstrebenden Menschen unverteilt werden kann. Mit Deiner Kritik, dass wohlhabende Erben einen verringerten Anreiz haben, selbst wertschöpfend tätig zu werden, wenn sie von dem Ersparten leben können, hast Du jedenfalls nicht ganz unrecht. (Gesamtwirtschaftlich gesehen dürfte diese Gruppe allerdings verschwindend klein sein und die negativen Wachstumseffekte durch sie auch.)
Passend zur neuen Hitzewelle hier ein Interview mit Maurice Höfgen und dem Energie-Experten Jens Brodersen zum Versagen der Merz-Regierung angesichts der Klimakrise.
Also in meinem Fall kommt das aus einer Mischung aus konkreter Erfahrung und abstrakter Reflexion. Mir fallen unzählige Beispiele von korrupten, heuchlerischen und unfähigen Politikern ein, die mir in den letzten Jahren so in den Nachrichten begegnet sind und hin und wieder mal auch im wahren Leben. Gibt auch ganz ganz wenige Gegenbeispiele von Politikern, die mir tatsächlich recht aufrichtig und kompentent vorkommen, Karl-Josef Laumann, zum Beispiel, der für die CDU NRW-Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit ist, ohne dass ich jetzt alles richtig fände was er so macht oder mitträgt. Aber weil das so seltene Ausnahmen sind, ändern sie meine Einstellung zu Politikern im Allgemeinen nicht. Wenn ich darüber nachdenke, warum die meisten so sind wie sie mir erscheinen, denk ich mir, dass um im Politikbetrieb voranzukommen du bestimmte Verhaltensweisen anwenden und Widersprüche zu deinen politischen oder ethischen Vorstellungen, die du vielleicht hast, ausblenden musst. Und um dann deine Position zu sichern gegen den Druck von Konkurrenzdenken und persönlichen Intrigen, Lobbyismus, Mediendruck, etc., musst du das erst recht. Zu guter Letzt zieht die Aussicht auf Macht und Einfluss auch eine bestimmte Art von Menschen eher an als andere.
Klar, das kann theoretisch sein. Aber zum Einen gibt es da diese Vorgeschichte, dass in der CDU viele kritisiert haben, dass im Rahmen der ganzen Proteste, die der CDU vorgeworfen haben die Brandmauer gegen die AfD aufzuweichen, NGO’s mitgewirkt haben, die von der Bundesregierung gefördert wurden. Und die Überprüfung dieser Förderung gefordert haben, weil sie es unverschämt fanden als Geldgeber kritisiert zu werden. Zum anderen gabs parallel zu Karin Priens Reform von Demokratie leben, die Berliner Fördermittelaffäre, wo die CDU mit der Gießkanne Projekte gegen israelbezogenen Antisemitismus gefördert hat, die zum Teil gar nicht existierten, aber Verbindungen zur eigenen Partei und ihrem Umfeld hatten. Nun hatte Karin Prien damit nichts direkt zu tun, war ja eine Landesangelegenheit. Aber der Verdacht, dass bei den Förderungskriterien die inhaltliche Übereinstimmung mit den Zielen der CDU wichtiger ist, als ihre bloße Effizienz liegt schon nahe.
Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch gar nicht anders möglich. Es gibt ja keinen objektiven Maßstab, nach dem man messen könnte, umwieviel Prozent “Demokratie und Toleranz” durch ein bestimmtes Projekt gefördert wurden. Wenn die Grünen diese nur sehr vage bestimmten Begriffe anders inhaltlich füllen als die CDU, dann ist ja auch klar, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, ob eine konkrete Projektförderung für die Stärkung der Demokratie ein effizientes Mittel ist oder nicht. Dass es, abseits von Vorgängen die für mich wirklich nah an direkter Korruption sind wie beim Berliner Skandal, unterschiedliche Einschätzungen über die Förderungswürdigkeit von NGO’s und zivilgesellschaftlichen Projekten gibt, find ich völlig selbstverständlich und ist kein Skandal. Dass es aber überhaupt möglich wäre, diese Förderungswürdigkeit objektiv zu bewerten und es sinnvoll wäre, das zu unterstellen, würd ich aber deutlich bezweifeln.
Ich glaube manche Dinge sind tatsächlich auch wesentlich banaler, ernüchternder und langweiliger, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aber zum Glück gibts ja viele andere spannende Fragen.
Aber mal die Gegenfrage gestellt, warum glaubst du wäre es intellektuell anspruchsvoller und spannender davon auszugehen, dass die meisten Politiker nicht bösartig, heuchlerisch oder unfähig wären? Ich meine, wenn ich allen erstmal glaube was sie zur Begründung ihres Tun sagen, dann erscheint mir das doch nicht per se intellektuell anspruchsvoller?
Berufspolitiker:in wird man ganz sicher nicht, wenn man nicht ein gewisses Interesse an Macht (oder - etwas neutraler formuliert - Einflussnahme) hat. Das gilt aber für jede Partei. Jede:r von uns kann sich übrigens in unserer demokratischen Gesellschaft dafür entscheiden, Berufspoliker:in zu werden - oder es auch sein lassen: eine gewisse Verantwortung für unseren demokratischen Staat tragen wir dabei alle zusammen.
Ich zumindest halte es für sehr schwierig, in unserem Land den Politiker:innen weitestgehend Korruption, Heuchlerei und Unfähigkeit zu unterstellen. Wir untergraben aus meiner Sicht mit solchen Pauschal-Aussagen durchaus die Grundwerte unserer Demokratie. Als Berufspolitiker:in steht man im dauerhaften Aufmerksamkeitsfeld der öffentlichen Wahnehmung und muss (im Ministeramt z.b.) Entscheidungen treffen, die eine gesamte Gesellschaft betreffen. Vielleicht muss man sich einfach auch mal persönlich fragen: wäre ich bereit, diese große Verantwortung zu übernehmen?
Ich halte den Job des Berufspolikers für einen durchaus anspruchsvollen. Und Kompromissfähigkeit zählt unbedingt dazu. Das mag später heuchlerisch erscheinen, ist aber Teil des demokratischen Prozesses.
Verschafft sich irgendwelche Vorteile ohne sich um Konsequenzen zu scheren
Wenn nicht heuchlerisch dann
Realitätsfern
sieht sich in einer anderen Klasse für die die gleichen Gesetze nicht gelten
Am Ende ist es völlig egal welche Gründe Politiker für ihre Entsxheidungen haben (mal abgesehen von Korruption).
Was zählt sind die Ergebnisse und momentan hat uns kurzsichtige Regierungspolitik völlig unvorbereitet für den Klimawandel sowie wirtschaftliche Veränderungen gelassen.
Sie hat Infrastruktur und Bildung vernachlässigt und Know-How abwandern lassen um heimische klimaschädliche und teure Wirtschaft/Unternehmen weiter zu fördern.
Da gab es bestimmt Politiker die glaubten, dass Atom/Kohle/Gaskraftwerke gut für Wirtschaft und Bürger sind oder dass wir weiterhin auf den Verbrenner, Gasheizung etc setzen müssen zum Wohl unserer Bevölkerung.
Da helfen aber gut gemeinte, naive Begründungen wenig, wenn wir heute abgehängt werden.
Eine Katharina Reiche bspw hingegen arbeitet wirklich nur für die Gaslobby - anders kann man ihr Verhalten nicht erklären.
Wie kann man bzw. Wie möchte man in so einer Welt bzw. dann Staat überhaupt leben wollen. Wäre denn dann nicht auswandern eine Alternative; übrigens komisch dass dennoch so viele aus anderen Länderngerade in unserem Staat Hilfe suchen.
Wow, mein lieber @Alex, da hast du dich mal kurz echauffiert.
Ich gehe mal zu deinen Gunsten davon aus, dass mein Post etwas für dich hatte, was das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht hat. Täte ich das nicht und wäre es vielmehr tatsächlich genau so auf ausschließlich meinen Post gemünzt, was du geschrieben hast, kann ich nur schlicht erwidern:
Nein, den Schuh zieh ich mir nicht an.
Woher immer sie kommt, von mir nicht. Wir führen diesen Thread jetzt schon sehr, sehr lange. Vielleicht mach ich mal eine Statistik und stelle meine Beiträge, in denen ich deutliche Kritik übe, neben diejenigen, die auch für Verständnis von politischem Handeln werben. So oder so:
Ich übe deutliche, zielgerichtete Kritik an Frau Prien. Zumal sie mir bisher als eher liberale Kraft in der Union aufgefallen ist. Ich halte für möglich, dass sie das immer noch ist. Aber ich bleibe ausdrücklich dabei: die Neu-Ausrichtung der Fördergelder ist parteipolitisch motiviert, ich halte sie für falsch, nicht zielführend, in Teilen sogar für eine Frechheit, und ihre konkreten Äußerungen, was sie ganz grundsätzlich warum für förderungswürdig hält (ich bitte darum, selber nachzulesen, ich habe wirklich keine Lust, das auch noch zu wiederholen), lassen mich komplett irritiert zurück, denn solche Aussagen habe ich bisher eher bei einer ganz anderen Partei verortet.
Stell dir vor, inmitten meines Furors der kompletten Aburteilung der gesamten Politikersparte:
Ja, in der Tat. Ich habe die Möglichkeit in Betracht gezogen. Mit einer kleinen Anmerkung: dass man bei der Demokratie- und Toleranzförderung vor allem in Effizienz-Kriterien denkt, ist womöglich schon Teil des Problems. Und zwar nicht nur wegen der mehr als sinnvollen Anmerkungen von @Bart7 zum Thema, sondern auch, weil es schon eines einigermaßen naiven Glaubens an das Gute im Menschen bedarf, um bei einem solchen Vorgehen, wie es Frau Prien verantwortet, nämliche Effizienz als Hauptgrund anzunehmen.
Ja, solche Sätze kommen bei all den Ehrenamtlichen, die sich vor Ort für Minderheiten, Opfer von Gewalt und Rassismus etc einsetzen, bestimmt gut an. Ich verstehe ja auch nicht, wieso die sich erdreisten, keine festgestanzten 20-Seiten-Berichte abzuarbeiten, mit dem behördlichen Förderungsstempel am unteren rechten Rand, sondern womöglich dem Gewaltopfer einfach nur länger als 10 Minuten zuhören. Was das kostet! Und alles von unsere Steuergeld!
Du hältst das für polemisch? Undifferenziert?
Nun, schön: dann hast du jetzt den Unterschied wahrgenommen zwischen meinem Post, auf den du dich bezogen hast, und meiner jetzigen Replik.
Leider nein. Höchstens vereinzelt. Ich könnte dir so einige Verhaltensweisen nennen, die man in Fußballvereinen lernt und eingebimst bekommt. Spoiler: Toleranz und ein progressives Menschenbild gehören eher nicht dazu. Aber das mögen manche anders sehen oder erlebt haben. Nur: um das zu beurteilen, sollte man schon diese Erfahrung haben.
Ja, tatsächlich. Aber Frau Prien will dies ja genau nicht. Mach du nur weiter in Ironie, aber diese Pläne führen in die Vergangenheit und drehen Schrauben zurück, die eigentlich bereist festgezurrt waren. Dafür gibt’s von mir nun mal keinen Beifall.
Über diese Passage solltest du ausdrücklich nochmal dringend nachdenken, was du da eigentlich sagst.
Eine Unterstellung und unwahr. Ich meinte es genau so: Ich halte die Formulierung von Merz für entlarvend, weil ich ihm meinerseits unterstelle, dass er mit der ganzen queeren Szene auf eine Art und Weise fremdelt, die ich persönlich ihm übelnehme (ich kann bei Bedarf gerne deutlicher werden). Und warum unterstelle ich ihm das? Weil ich ihn seit Jahren beobachte, wie er Politik betreibt, was er schon alles gesagt und in dieser Funktion getan hat. Irgendwann darf man den Eindruck halt auch mal anwenden, wenn er sich so verfestigt.
So, und wo stehen wir nun?
Ein Vorschlag zur Güte:
Wir fahren beide ein wenig zurück, Du akzeptierst (auch intellektuell) meine ab und an dargebotene Kritik an ultra-konservativer Politik, die ich als gestrig wahrnehme und wirst weiter gerne argumentativ dagegen vorgehen. Nur bitte etwas treffsicherer als vorhin. Dafür werde ich meinerseits jede weitere Feier des Kapitalismus in seiner Theorie mit einem Schmunzeln begleiten, genau wie die Darstellung eines Monsters wie Peter Thiel als clever-vorausschauenden Börsen-Genies. Und weiter davon ausgehen, dass du ein grundsympathischer Mensch mit den besten Absichten bist.
Die Aussage, dass Politiker in Deutschland im Allgemeinen nicht korrupt, heuchlerisch oder unfähig sind, ist übrigens auch eine Pauschal-Aussage.
Aber was soll ich machen, ich komme zu meiner recht pauschalen Aussage eben durch meine persönliche Wahrnehmung der Realität. Ich kenn viele Menschen die eine ähnliche Meinung zu Politikern haben und auch statistisch lässt sich ja so eine Haltung in relevantem Ausmaß belegen.
Du musst eine solche Wahrnehmung natürlich nicht teilen, man kann sich sowohl über jeden konkreten Fall als auch über die allgemeine Ableitung streiten, aber du kannst diese Wahrnehmung ja auch nicht mit dem normativen Hinweis vom Tisch wischen, dass sie schlecht für die Demokratie ist.
Ist das nicht ein Grund, warum es so schlecht bestellt ist um unseren Glauben an die Demokratie und ein Grund, dass das Erstarken der Rechten erst möglich macht?
Ich möchte überhaupt nicht einzelne Vorwürfe wegwischen.
Ich möchte lediglich zu bedenken geben: wir leben hier nach wie vor in einem der reichsten Länder der Welt. Und man frage sich bitte mal nur ganz, ganz kurz: warum streben Migranten nach Deutschland? Sicher nicht, weil es hier sehr vielen wirtschaftlich schlecht geht. Deutschland belegt laut transperency international momentan Rang 10 von 182 Staaten in der Welt und ist damit recht weit vorne, was den Korruptionsindex angeht. Könnte besser sein, keine Frage - könnte aber auch schlimmer sein.
Auf dem „fragile states index“ (also dem Index, der Staaten bewertet, welche als stabil oder eher instabil gelten) wird Deutschland übrigens in der Kategorie „nachhaltig“ geführt (das ist Platz 166 von 179, wobei 179 der beste ist). Davor stehen übrigens außer mit Kanada und Australien ausschließlich weitere europäische Länder.
Wir leben hier - um es deutlich zu sagen - auf einer weltweiten Insel der Glückseligkeit, alleine durch unsere Geburt (für die wir nichts, wirklich gar nichts können). Natürlich hat auch unser Staat Verbesserungspotential, keine Frage! Aber diese (ich habe es mal im Zusammenhang mit der AfD so formuliert) „Jammerlappigkeit“, dieses ständige - auch durchaus systemkritische und allumfassende - „Meckern“ : es liegt mir wirklich komplett fern. Man muss auch das schätzen können, was man hat. Und erst wenn es fehlt (wenn z.b. die AfD übernommen hat), dann werden wir es bedauern.
Einzelfälle sind keine allgemeinen Fälle. Mich stört persönlich massiv, dass sehr viele positive Aspekte, die unser Staat und unsere Demokratie anbietet, teils nicht gewürdigt werden. Wir sind kein perfektes Land - das ist ganz sicher keines auf der Welt. Aber wir liegen (trotz CDU, um es etwas zynisch zu formulieren) nicht ganz schlecht dabei. Auch hier gibt es vieles zu verbessern: ich würde mir auch mehr soziale Gerechtigkeit wünschen, auch mehr Maßnahmen gegen den Klimawandel, keine AfD vor allem : aber sich mal kurz zurückzulehnen und das wertzuschätzen, was wir alle hier haben (und das ist eine verdammt große Menge!), das lohnt sich. Statt immer nur zu meckern, was falsch läuft und was man besser machen kann. Man kann ganz sicher vieles besser machen, keine Frage. Aber in diesem Punkte unterscheiden sich ganz Rechte und ganz Linke wenig: es gibt vor allem Kritik am Bestehenden. Dieses kritisiere ich.
Liegt der Grund für die Krise der Demokratie darin, dass die meisten Politiker korrupt, heuchlerisch oder unfähig sind (das war ja irgendwann mal die kontroverse Ausgangsthese) oder darin, dass sie so wahrgenommen werden?
So oder so kannst du Menschen mit einer halbwegs gefestigten Politikverdrossenheit nicht einfach einreden, dass die Politiker es doch alle ehrlich meinen, denn dann zweifeln sie entweder an deiner Menschenkenntnis oder deiner Aufrichtigkeit. Und wenn man das Problem der Politik- oder auch Demokratieverdrossenheit in das rechte Lager schiebt und gleichzeitig den demokratischen Konsens und die vielen inhaltlichen Gemeinsamkeiten aller anderen Parteien von Linkspartei bis CDU beschwört, dann muss man sich auch nicht wundern, dass viele Politikverdrossenen sich irgendwann mit der AfD identifizieren und denken sie wäre die einzige echte Alternative zu dem, was sie scheiße finden. So fatal das auch ist.
Ich glaube nicht, dass in Deutschland die meisten Politiker korrupt sind. Gar nicht.
Wenn Du Lobbyismus als korrupt bezeichnest (was ich nicht weiß)? Lobbyismus ist aber ganz normal in einer Demokratie. Es gibt natürlich viele undemokratische Kräfte die genau das immer und immer wieder täglich suggerieren (alle korrupt).
Im übrigen eine Sache (unabhängig von Dir und Deinem Post). Es wird ja immer so über die Beamten geschimpft und deren Privilegien. Ein ganz wichtiger Grund für diese Privilegien ist ja der Kampf gegen Korruption. Man würde ja die Privilegien aufgeben, wenn man der Korruption überführt würde. Ich wollte das nur kurz erwähnt haben.
Ich auch nicht. Die Ausgangsthese war ja dass sie entweder korrupt oder unfähig oder heuchlerisch sind und ich glaube deutlich mehr sind unfähig oder heuchlerisch als korrupt.
Aber die Frage ist ja nicht, was du glaubst, sondern ob du den Glauben der anderen relativieren kannst, indem du darauf verweist, dass ihr Glauben der Demokratie schadet.
Ich würde aber hinzufügen, dass die Beweggründe für die bevorzugt kritische Haltung durchaus unterschiedlich sind und es sich lohnt, diese Unterschiede analytisch wahrzunehmen.
Unbedingt. Meine ständige Mahnung (und die anderer) vor und das Unverständnis für den Zulauf der AfD beruht schließlich zu einem Gutteil darauf, dass diese Bande genau die Zustände, die Du zurecht als positiv darstellst, gefährdet.
Mich stört hier nur der Gebrauch von immer und nur. Wie ich schon weiter oben @Alex entgegnete, würde ich zumindest für mich persönlich nicht akzeptieren, derart zu agieren. ich wäre nicht Wähler einer demokratischen Partei, wenn ich nicht bestimmte Politik und bestimmte Politiker/-innen dieser Partei überwiegend für honorig, kompetent und gewillt hielte. Und darüber hinaus gibt es einzelne Exemplare in anderen Parteien oder inhaltliche Ansätze, die ich gut finde oder unterstützen kann.
Was aber zu weit geht:
Dass ich das Komplettversagen der gesamten Politik in Sachen Klimaschutz irgendwie schönrede. Oder die weltweite Rück-Entwicklung gesellschaftlicher Fortschritte verschweige. Oder das brandgefährliche Einsickern rechtsradikaler Haltungen in die gesellschaftliche Mitte unterschätze. Es ist ein schmaler Grad. Und bei aller Sympathie und begründeten Wahrnehmung unseres immer noch freien Lebens in Deutschland: dass die Demokratie weltweit und auch bei uns extrem gefährdet ist, wird nicht dadurch besser, indem ich allzu wohlwollend auf die Politikerkaste schaue. Zumal ich bei einem Thema wie dem Klima und dem Stand der wissenschaftlichen Forschung dazu davon ausgehen muss, dass alle Betroffenen nicht etwa zu doof sind, um selbigen anzuerkennen, sondern dass es eine bewusste Entscheidung ist, so zu agieren wie sie es tun.
Mal im Ernst, werte Verteidiger der Integrität unserer Politiker:
Was ist eure Erklärung für die aktuelle Klimapolitik, wenn nicht Unfähigkeit, Korruption oder Bösartigkeit?
Was ist eure Erklärung für das neue Informationsfreiheitsgesetz, für Sozialkürzungen, für Stigmatisierung Arbeitsloser und Asylsuchender?
Was ist eure Erklärung für die Deportation von gut integrierten Immigranten, die sich nichts schwerwiegendes zu schulden kommen lassen?
Was ist eure Erklärung für die Kürzungen der Gelder beim CSD und anderen demokratiefördernden Programmen nach der Gewalttat?
Was ist eure Erklärung für die Pflegekriese?
Was ist eure Erklärung für die Marodisierung unserer Infrastruktur, Bildungseinrichtungen etc?
CDU/CSU und SPD haben immer in verschiedenen Konstellationen regiert - meist gemeinsam.
In dieser Zeit ist die Schere zwischen Arm und Reich gewachsen, Löhne sind nicht ansatzsweise so gestiegen wie die Wirtschaftsleistung, die Kinderarmut steigt stetig…
Aber klar die Schuldenbremse kann man wohl nur fürs Militär lockern… (ja ich weiß auch für Infrastruktur, aber der Betrag reicht für den Infrastrukturstau nicht aus).
Warum hat Merz zu den Hitzetoten (+/- 10.000 Übersterblichkeit) kein Wort verloren?
Werter @Cosray8d : ich möchte wirklich nicht mehr auf diesem Niveau mit dir diskutieren, das ist mir einfach zu platt. Ich wünsche trotzdem weiterhin eine gute Diskussion.