Gut, da müssen wir nochmal zurück zur eigentlichen Aussage:
Das “ich-bezogen” (da können wir dann gerne auch wenn noch ein “überwiegend” davorsetzen um das zu qualifizieren, weil irgendwie “ich-bezogen” ist unweigerlich absolut jeder Mensch, auf über 90% der Weltbevolkerung gehen) ist natürlich geschenkt. Das liegt leider in der menschlichen Natur, richtig. Da liegen aber schon Welten zum Rest der Anschuldigungen. Und bei denen kann ich große oder überwiegende Teile nicht mitgehen.
Ebenso wie in Deiner neuen Aussage: “Fremdgehen” zusammen mit den massigen genannten kriminellen Handlungen zu nennen - passt da auch null rein.
Von “perfekt” war ja auch bei mir keine Rede.
Aber zwischen brutal/kriminell und zu egoistisch sowie “fehlbar”. Da liegt mir viel zu viel als dass man das alles in einen Topf werfen dürfte/sollte…
Das ignoriert aber, dass der Fremdgeher das halt meistens nicht aus einem reinem Fehlen von Moral macht sondern in den meisten Fällen wohl eher aus einem Moment der persönlichen Schwäche bzw. weil die bisherige Beziehung eigentlich eh schon gescheitert aber man den Absprung nicht packt.
Weitab des Optimums, keine Frage, aber finde ich eben fragwürdig das in einen Topf mit tatsächlichen kriminellen Handlungen zu werfen.
Man könnte als Beispiel vielleicht auch jemand nehmen der Trump oder die AFD wählt.
Ja, auch ich finde beides furchtbar und kann mit so jemand eigentlich keine enge persönliche Beziehung mehr haben.
Aber vom kriminellen Bereich sind wir auch da extrem weit weg…
BKA, Familien- und Innenministerium haben soeben eine Langzeitstudie über Zahl und genaue Beschaffenheit an Gewalttaten in Deutschland veröffentlicht.
Es ist die erste sog. Dunkelfeld-Studie in Deutschland seit 2002 (die auch den Bereich der nicht angezeigten Straftaten untersucht).
Hier die zusammenfassende Pressemeldung der Tagesschau:
Ein Schwerpunkt der Studie: Gewalt in (Ex-) Partnerschaften. Fast die Hälfte aller Frauen ist laut Studie mindestens einmal im Leben von psychischer Gewalt betroffen, bei Männern sind es 40 Prozent.
Körperliche Gewalt erfahren der Studie zufolge 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer. Der Unterschied liege hier in der Intensität der Gewalt. Frauen berichten demnach von mehr Angst, schwereren und mehr Verletzungen. Sowohl bei psychischer als auch bei körperlicher Gewalt liegt die angegebene Anzeigequote meist unter drei Prozent.
Es lohnt sich, die Ergebnisse im Detail zu studieren - hier der Originaltext der Studien-Ergebnisse
Wenn ich diese Studie aufmerksam lese, sind Frauen zwar häufiger und auch drastischer Opfer von Gewalttaten. Aber das Bild, dass ausschließlich oder überwiegend Männer für Gewalttaten verantwortlich sind, gewinne ich daraus nicht. Ebensowenig sind ausschließlich oder überwiegend Frauen die Opfer von Gewalttaten.
Frauen sind in stärkerem Maße von sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking betroffen. Die 5-Jahresprävalenz – also die Betroffenheit in den vergangenen fünf Jahren – bei körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften fällt jedoch bei Männern und Frauen nahezu gleich hoch aus.
Der Schweregrad der Gewalterfahrung ist bei Frauen über alle Gewaltformen hinweg (deutlich) höher als bei Männern.
Der Anteil der Frauen unter den Gewaltopfern ist höher - keine Frage. Der Anteil der Männer unter den Gewalttätern ist höher - keine Frage.
Aber ob die Abschaffung der Männer das Problem lösen wird…? To be continued…
Körperliche Überlegenheit, Authorität und auch finanzielle Abhängigkeit sind da die gängigsten Faktoren.
Frauen können natürlich auch macht über Männer und Kinder haben und diese missbrauchen - sie haben sie nur weniger.
Dazu kommt toxische Männlichkeit in der Erziehung und im Alltag unter der auch Männer leiden - wobei hier auch Frauen häufiger Opfer von Gewalttaten sind.
Ghislaine Maxwell, die rechte Hand von Epstein, ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Frauen zu unmenschlichen Taten fähig sind.
Dennoch hat sie als Mittäter eines Mannes gehandelt und ihre Opfer waren Kinder und Frauen.
Insgesamt kann man aber schon von Männern als Hauptproblem ausgehen, da diese in Führungs- und Machtpositionen überproportional vertreten sind.
Sie halten die toxischen Strukturen aufrecht und haben eine Vorbildwirkung auf einen großen der der Bevölkerung.
Meiner Vermutung nach (als weißer cis Mann) wird Frauen schon in der Kindheit beigebracht anders mit Konflikten und Stress umzugehen.
Sie bilden häufiger soziale Kontakte, sprechen über ihre Gefühle und wählen weniger oft physische Gewalt als Lösung.
Ihnen wird beigebracht nur in Begleitung Abends in Clubs etc zu gehen, eher feminine Hobbys und Jobs zu wählen und selbst im Gym wollen die meisten Frauen eher schlank und fit statt kräftig und muskulös aussehen.
Das sind aber alles nur Symptome oder Beobachtungen.
Das ist ein gesellschaftliches Thema das wahrscheinlich so alt wie die Menschheit ist. Ich lese diese Diskussionen hier ja schon seit längerer Zeit. Seit längerer Zeit kommt es mir so vor, als gäbe es hier Grabenkämpfe. Dabei hilft das überhaupt nicht.
Wenn wir nur mit dem Finger auf die Männer zeigen, endet es schnell in Abwehr und Lagerkampf und dann reden wir nicht mehr über Gewalt, sondern über Identität.
Klar ist, dass in vielen Bereichen Täter überwiegend männlich sind. Genau deshalb müssen Männer Teil der Lösung sein und Verantwortung übernehmen, im Umfeld nicht wegsehen, Grenzüberschreitungen ansprechen und Hilfe früh holen.
Wenn ich solche Statistiken lese ist für mich wichtig, dass die Gesellschaft noch stärker sensibilisiert wird.
Wir müssen vermehrt Muster erkennen die zur Gewalt führen (Kontrolle, Drohungen, Isolation, Abhängigkeit und Eskalation) und konsequent handeln, bevor es knallt. Dazu braucht es aber Veränderungen wie wir mit dem Thema umgehen. Vielleicht einfach mal mit dem Totschweigen und Wegsehen anfangen.
Ich habe ganz bestimmt nicht die Absicht, mich abzuschaffen…
Das ist für mich ein Schlüsselsatz.
Zur Erinnerung nochmal an meinen Einstiegs-Post:
Ich bezog mich mit meinem Männer und Macht - Problem auf die Erkenntnisse aus den Epstein Files. Die ganze Bagage um Epstein, die von den Machenschaften profitierte, waren nun mal Männer. Und wenn man sich im Berufs-, aber auch im Privatleben ein wenig umschaut, ist der Gedanke nicht so fern, dass dieses spezielle Netzwerken der Jungs-Cliquen auch ohne den kriminellen Hintergrund durchaus typisch ist.
Mir geht es gar nicht so sehr darum, diese Art prinzipiell zu werten. Mir geht es darum zu begreifen und einzuordnen, inwieweit solche Verhaltensweisen die Vorkommnisse begünstigen, wenn nicht gleich erst ermöglichen.
Genau das.
Ich würde auch anmahnen, dass man nicht sämtliche sexuelle Gewalt über einen Kamm schert. Das sind verschiedene Muster, allesamt abscheulich, aber wenn man darüber nachdenkt, wie so etwas zu verhindern ist, muss man genauer hinschauen. Bei Epstein spielen Dinge eine Rolle, die eben einen anderen Ansatz haben als etwa Gewalt innerhalb von Beziehungen. Es ist mir sogar erstmal egal, welche politischen Lager stärker betroffen oder entlarvt sein mögen - wenn sich sogar Leute wie Noam Chomsky nicht zu schade sind, auf gut Freund mit einem Sexualstraftäter zu machen, ist klar, dass die politische Farbe hier nicht das zu priorisierende Thema sein kann.
Es geht mir explizit nicht darum, mit dem Finger auf Männer zu zeigen, und @ChrisCullen hat völlig Recht: Grabenkämpfe helfen niemandem. Nur muss man sachlich begreifen, inwieweit klassisch männliche strukturelle Eigenheiten so einen Abgrund, wie er in den Epstein Files aufscheint, beeinflussen oder, wie gesagt: begünstigen und ermöglichen. Und dies gilt ebenso für die notwendige Aufarbeitung, die folgen muss: denn lässt sich nicht schon wieder beobachten, dass man sich gegenseitig deckt und entschuldigt? Wer schon mal in Jungs-Klubs Zeit verbracht hat, kennt die Mechanismen. Das sind keine Zufälle, das sind seit Jahrhunderten eingeübte Verhaltensweisen. Ob sie Frauen nach einem jahrhundertealten Matriarchat ebenso umsetzen würden, ist heute und hier nicht das Thema. Wir reden über die Epstein Files und müssen uns fragen, wie so eine abgehobene vermeintliche Elite der Gesellschaft über sämtlichen, geschriebenen wie ungeschriebenen Gesetzen stehen kann.
Naja, so dumm wie wir Deutschen alle (also auch Du und ich) sind, wenn wir diese unsägliche Frau Reiche die Förderung für Windenergie kippen lassen. Oder Fritze Merz glücklich sein „nur 2% des weltweiten CO2-Ausstoßes“ verkündet, um zu erklären, weshalb Verbrenner-Motoren auch nach 2035 noch völlig okay sein werden.
Aber Du hast natürlich inhaltlich völlig recht: Trump übertrifft mit schöner Regelmäßigkeit täglich meine schlimmsten Befürchtungen von gestern. Und wie jeden Tag: Trump ist in seiner Selbstwahrnehmung stets und in jeder Handlung der „größte aller Zeiten“ - hier die
größte Deregulierungsmaßnahme in der Geschichte der Vereinigten Staaten
GröFaZ - kleine Männer brauchen große Spiegelbilder! Das war schon vor hundert Jahren so - doch was mit dem orangenen GröFaZ anders ist: Er hält die Lobeshymnen auf sich selber. Selbst Hitler hatte das seinem Joseph, seinem Rudolf, seinem Hermann überlassen.
Eigenlob stinkt, hab ich als Kind gelernt. In diesem Sinne ist Trump doch in einem Punkt der „greatest of all times“ - der schlimmste (Eigenlob-) Stinker aller Zeiten (zumindest der US-amerikanischen Historie).
Die Sehnsucht danach, dass die Amerikaner uns doch bitte wieder lieb haben sollen, ist offenbar so groß, dass unsere Politiker sich zu Standing Ovations für Rubios Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz hinreißen lassen. Dabei gibt nur der im Vergleich zur Gardinenpredigt von Vance im Vorjahr moderatere Tonfall Anlass dazu, nicht aber ihr Inhalt. Peinlich, ja, besorgniserregend diese Reaktion. Der DLF-Kommentar bringt es auf den Punkt.
Das fragst Du mich? Dein Vertrauen ehrt mich. Was schlage ich also vor?
Das erste wäre die Kontrolle der eigenen Gefühle. Das könnte bedeuten, vor einer nüchternen Bestandsaufnahme (“was genau hat Rubio gesagt, was hat es für uns zu bedeuten, und welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen?”) angemessen höflich zu applaudieren und sich Bekundungen übermäßiger Erleichterung fürs erste zu versagen. Das kann man von solchen Politprofis schon erwarten, finde ich. Derartige Reaktionen senden m.E. völlig falsche Signale an Trump und seine Kamarilla. Und auch an die deutsche (und die europäische) Gesellschaft.
Habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und kann die Kritik schon nachvollziehen. Mein Punkt ist natürlich immer der, dass ich mich frage, woher kommt solche Kritik. Aber ich denke in diesem Fall ist schon was dran.
Standing Ovations für eine Rede ohne harte, überprüfbare Zusagen sind kein Grund für Euphorie. Wenn wir uns schon von weniger Krawall als Vance euphorisieren lassen, senden wir das falsche Signal dass Europa billig zu beruhigen ist. Das war sicherlich nicht ideal.
Professioneller wäre ein zweistufiges Signal gewesen. Erst diplomatische Höflichkeit, dann klares Erwartungsmanagement. Es muss klar werden, dass wir Partnerschaft an konkreten Entscheidungen und Planbarkeit messen müssen. Das hat mir gefehlt. Da kann man die Jungs auch ein wenig “an den Eiern packen”. Das wäre dann weder antiamerikanisch noch beleidigt. Es wäre einfach erwachsen gewesen.
Nun ja. Es ist ein sehr schwieriges und rutschiges Parkett auf dem man sich da bewegt. Dieses neue Zeitalter ist auch noch sehr neu .
Ich stimme dem DLF-Kommentar zu: auch Rubio hat Trumps nationalistische Identitätspolitik propagiert. Und es ist bezeichnend, dass seine Entourage sich mit AfD-Politikern traf und dass danach noch Besuche in Ungarn und der Slowakei anstehen, wo dies bereits - z.T. seit langem - Regierungsprogramm ist. Die US-Regierung hat jedenfalls klare Erwartungen, nämlich Gefolgschaft. Von hier an eigene Interpretation: Und Trump ist süchtig nach Unterwerfungsgesten. Vielleicht war man der Meinung, ihm diese schon zu lange - ungefähr einige Wochen - vorenthalten zu haben und demnächst womöglich mit neuen Strafzöllen belegt zu werden. So gesehen wären die Standing Ovations vielleicht der Versuch gewesen, mit möglichst kleiner Münze zu zahlen. Man will den immer noch guten Freund ja nicht mehr als unbedingt nötig vergrätzen.
Traurig natürlich, dass ausgerechnet der Nius Reichelt so etwas “aufdecken” muss. Ich bin natürlich nicht für eine Abschaffung es ÖRR, aber so wie das gerade läuft werden die Stimmen natürlich lauter werden.
Wir erleben seit Jahren eine Tendenz zu Oberfläche, Tempo und Effekt. Nicht nur im ÖRR, aber dort wiegt es schwerer, weil der Anspruch ein anderer ist. Wenn dann noch KI ins Spiel kommt, braucht es maximale Sorgfalt. Lieber im Zweifel lieber kein Bild als ein falsches.
Mein größeres Problem ist dass der ÖRR viele Themen zu eindimensional und oft ohne ökonomische Tiefenschärfe diskutiert.
Das ist nicht nur in der politischen Berichterstattung zu sehen, sondern auch wenn ich mir gerade die Berichterstattung über die olympischen Spiele betrachte.
Die Interviews drehen sich fast nur nur noch um das Thema wie denn gefeiert wird und beim Gesehenen wird auch gerne alles sehr drastisch beschrieben. Himmelhochjauchzend und das Ende der Welt. Dazwischen geht es fast nicht mehr mehr.