Nein, das tun sie keineswegs. Und schon gar nicht eindeutig.
Dieses Narrativ begegnet einem heutzutage immer wieder, auch wir haben es hier schon ausgiebig debattiert. Doch es bleibt, um es freundlich zu umschreiben: arg unterkomplex.
Zumal man sich zuerst mal einigen müsste, was denn unter konservativ genau zu verstehen wäre. Weiter müsste man eruieren, über welches Politikfeld man spricht. Hätte man diese und einige weitere Fragen geklärt, könnte man sich an ein breites Spektrum an soziologischen Studien wagen, die einem Wählerverhalten mehr oder weniger schlüssig erklären können. Oder eben nicht.
@Lukenwolf1970 hat es ganz korrekt erwähnt:
Wer die AfD für eine konservative Partei hält, sollte sich mal genauer mit deren Programm beschäftigen und den Gestalten, die für sie sprechen.
Dass eine Mehrheit des Zulaufs für die Radikalen eine konservative Politik vermisst und sich deswegen enttäuscht von der Union abwendet, ist in Zeiten von Merz, Spahn, Söder und Co. eine solche Mär, dass ich mich ernsthaft frage, welches Verhältnis zur Realität da vorhanden ist. Da werden so viele Phrasen gedroschen, die vielleicht vor 20, 30 Jahren mal Gültigkeit hatten…
Ich finde es interessant, wieso du von der SPD erwartest, dass sie der Union bei ihrem Kurs noch als Steigbügelhalter zu dienen hat. Schon mal überlegt, ob nicht auch bei der Union einige fachliche Mängel erkennbar sind? Ich bin kein SPD-Wähler, aber ich kenne einige. Die sehen das, anekdotische Evidenz hin oder her, eher andersrum - aber wenn du mir erklärst, in welchen Punkten die SPD momentan in der Koalition noch als solche erkennbar ist, bin ich sehr gespannt. Für mich klingt deine Analyse eher so, als hättest du deine persönliche Präferenz an Politik schon definiert, und jede Partei, die das nicht mitträgt, muss also versagt haben. Das ist dann auch ein interessantes Verständnis von Demokratie.
Sorry:
Da hat jemand den Schuss nicht gehört. Wer allen Ernstes noch an das Märchen glaubt, Rechtsradikale würden sich in der Regierungsverantwortung entzaubern lassen, ignoriert komplett die Folgen, welche auch bei einer Junior-Beteiligung schon entstehen würden.
Was stimmt, wenn man schon mit altgedienten Begriffen arbeiten will wie konservativ/rechts/links:
Wir haben momentan ein strukturelle Mehrheit rechts der Mitte. Die meisten soziologischen Studien deuten darauf hin, dass sich in Krisenzeiten viele den Radikalen zuwenden, weil sie Angst haben, sich Sorgen machen, wütend sind. Nicht, weil sie mehrheitlich konservativ sind. Ich wäre ohnehin vorsichtig diesbezüglich. Sehr lange Zeit hatten wir nämlich eine strukturelle Mehrheit links der Mitte. Was aber wenig daran geändert hat, dass zumeist die Union die Kanzlerin stellte. Solche Dinge wie Wählerwanderungen sind volatil und sehr komplex.
Abgesehen von der Lust der jetzigen Koalition an dilettierender Regierungsarbeit, sollte man vielleicht als Wähler mal auf die Idee kommen, dass praktische Politik offensichtlich nicht alle Probleme so leicht lösen kann wie dies von der Union in der Opposition gerne suggeriert wurde. Es war halt leichter, die Grünen zu verteufeln. Jetzt sind sie an der Macht, tun alles und mehr, um ihre Vorstellungen durchzusetzen - und die AfD-Wählerschaft wächst und wächst. Warum wohl?
Wie gesagt: wir haben diese Fragen hier schon so oft durch den Fleischwolf gedreht, dass es mich ermüdet. Okay, dafür kann keiner was.
Doch offensichtlich macht es vielen Spaß, auf demokratische Parteien einzudreschen, während Rechtsradikale dabei sind, bereits in Ländern in die Nähe einer Alleinregierung zu kommen. Übrigens betrifft das sowohl Konservative als auch linke Kräfte: Da wird auf SPD und Grüne eingedroschen, als seien die die größten Flaschen. Das ist nicht gut. Man sollte sich schon klar sein, wo der wirkliche Feind sitzt.