Ich stimme durchaus zu, dass ich Trump und seinen Kumpanen nahezu alles zutrau - halte es aber im Falle des Attentatversuchs für extrem unwahrscheinlich, dass es wirklich eine false flag Operation war. Sich in Verschwörungsmythenbereichen aufzuhalten, was dieses Ereignis angeht - da spricht bisher nach allem, was bekannt ist, sehr wenig für.
Und zu der Äußerung von Leavitt
Der Ausdruck " there will be some shots fired tonight" klingt im Nachhinein zwar fast wie ein Beweis der false flag-Theorie, aber das „shots firing“ ist ein gängiger Ausdruck für einen sehr scharfen, oft satirischen Angriff auf den politischen Gegner, der an diesem Abend zu erwarten gewesen wäre.
Handfeste Beweise für eine false flag-Operation gibt es Stand heute nicht. Das wirklich Bedauernswerte - wie @cheffe zurecht schrieb - ist in der Tat: man traut es dieser US-Regierung zu.
Mir scheint es, als wäre die Rolle der Journalist:innen eine andere. Da hat kaum jemand ein Problem mit den notorischen Lügen. Sie kennen das aus ihren Zeitungs- und TV-Redaktionen nur zu gut. Für diese Leute dürfte es erleichternd und orientierend sein, wie sich Politik vollständig dem verbal-hooliganistischen Meinungsartikel angeglichen hat. Man schaue sich das von den ekligsten Celebrities (aktuell Melania und Kid Rock, zuvor Kanye West, Tucker Carlson und Andrew Tate) umschwärmte Personal nur an, da geistern so viele Medienleute herum: Hegseth war bei Fox, Trump blödelte beim Wrestling herum, Patel hat ein Kinderbuch veröffentlicht und sein Unwesen bei Truth getrieben, Vance hat eine Autobiografie geschrieben, die von Netflix verfilmt wurde und hat wohl jede seiner Überzeugungen mindestens einmal komplett umgekehrt. Keine dieser Personen zeichnet sich durch Bescheidenheit aus, im Gegenteil ist ihre Geltungssucht einzigartig und wird nur durch ihre Inkompetenz übertroffen.
Und jede:r einzelne dieser ganzen Journalist:innen, die unter den Tischen herumkrabbelten, wissen: Deren Job könnte meiner sein. Man muss nur laut genug lügen, dreist genug hetzen und ahnungslos genug die ganze Welt verspotten. Das orange Regime ist ohne den Medienapparat nicht denkbar. Die Regierung produziert Click- und Ragebait billigster Sorte, alle fünf Minuten widerlegen neue gewissenlose Peinlichkeiten jede Hoffnung in menschliche Vernunftbegabung. Wiederum Medien und influencendes Packzeug umschwirren nicht länger wie Fliegen den Unrat, sondern machen immer groteskere Vorschläge, wie der Präsident die USA zu retten habe vor immer fiktiveren, immer aufgeblaseneren Bedrohungen. Maßgaben gibt es überhaupt keine mehr. Weltkrieg beginnen, Bruce Springsteen beschimpfen, Tanzschuppen bauen - alles ist gleich wichtig bzw. irrelevant und so real wie AI Slop. Das Regime und die 4. Gewalt, untrennbar verflochten und weitgehend identisch, haben eine Matrix verbrochen, die wie das Negativ eines Alptraums funktioniert: obgleich wach (um nicht zu sagen woke) in der Realität, ist es unmöglich, inmitten des Irrationalen irgendwie zu handeln oder auch nur vorherzusagen, was in der nahen Zukunft passieren wird. Die Medien, das immerhin ist gewiss, werden nicht dabei helfen, eine Logik innerhalb des ganzen Irrsinns zu finden - außer Empörungseskalation und/oder Erschöpfungsdepression ist nichts im Angebot.
In Deutschland passiert übrigens genau das gleiche. Weimer und Poschardt sind MAGA auf deutsch.
Mir war so, als hätte ich auf einem Foto gesehen wie Stephen Miller seine schwangere Partnerin als Schutzschild vor sich gehalten hat. Übrigens ist das Video sehr sehenswert, das zeigt, wie der Präsident evakuiert wird. Der schlägt noch auf der Bühne einmal sauber der Länge nach hin. Keine Ahnung, was die beiden Sicherheitskräfte beruflich machen, die ihn links und rechts halten und führen…
Solche Fotos und kurzen Videoclips hatte ich in meinem längeren Kommentar übrigens im Sinn. Das wirkt alles wie “Content” und damit weniger real als es eigentlich ist. Die Wirklichkeit erscheint nicht länger als echt, sondern als Unterhaltung. Und auch die mächtigsten Akteur:innen verhalten sich entsprechend. Ob Fußball-Vlogger oder Regierungen - sie verhindern aktiv die Möglichkeit von Authentizität. Kein Wunder, dass die Verschwörungstheorien blühen. Man sollte sich daher wieder und wieder klarmachen, dass wir es mit einem gigantischen Spektakel, einer on-going Show zu tun haben, die allerdings komplett wirkmächtig ist. Wir leben wortwörtlich im Reality-TV.
Ja, das Photo von Miller ist unglücklich aber die Videos von ihm zeigen, dass er wirklich einer der wenigen Gäste war, der seine Frau in Sicherheit bringen wollte und sie nicht zurückgelassen hat.
(Er ist trotzdem einer der wohl hasserfülltesten und gefährlichsten Menschen der Welt)
Am besten war hier der Clip aus dem CNN-Interview mit Trump - sowohl die Reaktion der Reporterin auf den Umstand, dass Trump die Anklage des Attentäters gegen “pedophiles, rapists and traitors” automatisch auf sich bezog wie auch Stewarts Grimassen hinterher (ab Minute 15).
Wenn ausgerechnet ein Monarch den Repräsentanten einer Demokratie erklären muss, was richtig, notwendig und anständig ist. Wir leben schon in merkwürdigen Zeiten. Und der Mann macht seinen Job.
Eine schöne Analyse des neuesten Details der Zerstörung der US-Demokratie. Der Supreme Court hat den Voting Rights Act von 1965, der die Diskriminierung von Farbigen bei Wahlen verhindern sollte, mit diesem Urteil weitgehend außer Kraft gesetzt. Genauer genommen ist es jetzt erlaubt, Wahlkreise so zuzuschneiden, dass die Republikanische Partei maximalen Vorteil hat, auch wenn dabei farbige Wähler entrechtet werden. Schätzungen zufolge kann das in den US-Südstaaten, in denen die Hälfte der schwarzen Bevölkerung lebt (die zuverlässig und aus gutem Grund zu 90% für die Dems stimmt), bis zu 19 zusätzliche Sitze für die Republikaner im Repräsentantenhaus bedeuten. Damit kann man Wahlen gewinnen, ohne die Mehrheit zu haben.
“Alliierte werden bestraft, Gegner hofiert”. Nach einem langen Telefonat mit Putin verkündet Trump die neuesten Maßnahmen gegen die EU. Der Appeasementkurs erweist sich mehr und mehr als unwirksam. Die EU sollte jetzt endlich Gegenmaßnahmen ergreifen. So das Resümee des Kommentars.
Der Journalist Lau hat recht mit seinen Argumenten gegen die deutsche Beschwichtigungslinie.
Aber „harter Gegenkurs“ darf nicht heißen symbolische Kraftmeierei. Das wäre richtig dumm.
Er muss heißen, dass wir Abhängigkeiten abbauen die Kosten für Erpressung erhöhen und europäische Verteidigungsfähigkeit beschleunigen. Gleichzeitig müssen wir aber die transatlantischen Restbrücken offenhalten.
Ich bin leider nicht so guter Dinge, dass die Europäer das hinbekommen.
Ganz so pessimistisch bin ich da nicht. Es gibt viele langfristig gewachsene Beziehungen, die weiterhin Bestand haben. Naturgemäß ist von denen gegenwärtig nicht so viel die Rede, weil Trump & Co. die Bühne beherrschen. Das Ganze steht und fällt selbstverständlich damit, dass es ihnen nicht gelingt, Europa in dem von ihnen angestrebten Maß zu destabilisieren. Nicht alles gelingt ihnen auf diesem Wege wie erhofft. Das jüngste Beispiel ist die Abwahl Orbans, für den sie sich doch mächtig ins Geschirr gelegt hatten.
Mein Pessimismus bezieht sich darauf, ob Europa taktisch klug reagiert. Beispielsweise müssen sie das Anti-Coercion Instrument glaubwürdig auf den Tisch legen. Aber nicht wie eine Bazooka abfeuern.
Deutschland muss auch den Satz „strategische Autonomie“ entromantisieren.
Das heißt nicht raus aus der NATO, weg von Amerika, Gaullismus 2.0. Es heißt vor allem
Patriot-Abfangraketen, Luftverteidigung, Munition, Drohnenabwehr, Satelliten, Cyber, Langstreckenfähigkeit und Logistik so weit europäisieren, dass Washington nicht mehr jeden kritischen Hebel in der Hand hat. Hier habe ich leider massive Zweifel, ob das gelingt.
Auch die Beziehung zur Urkraine sollte man überdenken. Die sollten ein strategiescher Partner werden und kein Hilfsgelder Empfänger.
Der Rasenfunk hat ein interessantes Thema aufgegriffen - nicht nur für den Fußball, aber ggf. auch deshalb, da der evangelikale Glaube ja gerade in den USA die Politik mitbestimmt und bei “Ballers in God” geht es vorallem um Evangelikale und ihren “seltsamen Glauben”.
@Mimi_Kri : ich kam erst jetzt dazu, den Podcast bzw. das Video anzuhören bzw. zu sehen. Ganz herzlichen Dank für das Teilen! Ich habe mich dabei ertappt, an ganz vielen Stellen einfach nur zustimmend zu nicken.
man fragt sich wirklich zunehmend, was dieser Mann noch bei der (rechts)populistischen CDSU will… glaubt er wirklich, er könnte diesen Haufen an Hetzern und Lügnern von innen heraus bekehren? ich habe da große Zweifel!!!
Dieser, wie ich finde, sehr lesenswerte Artikel ist leider paywallgeschützt und kann im Gegensatz zu anderen von mir verlinkten auch nicht verschenkt werden. Ich habe daher angefragt, zu welchen Konditionen ich ihn Euch zugänglich machen kann. Neben den üblichen, für alle Artikel geltenden Regeln lautete die Antwort wie folgt:
“Auch wenn es sich um einen SZ Plus-Artikel, exklusiv für zahlende SZ-Leser, handelt, gibt es mit dem kostenlosen SZ Plus-Testzugang oder via SZ Plus-Tagespass jedoch durchaus kostengünstige Varianten, um den Artikel lesen zu können.”
Überschrift:
“Ach so, die Leute sind komplett verrückt geworden”
Hier eine zentrale Passage:
“Eine der Grundregeln der politischen Auseinandersetzung in der Demokratie lautet: Man darf den politischen Gegner nicht pathologisieren. Aber auf ein paar sehr plausibel von Freud erklärte Gesellschaftsphänomene hinzuweisen und diese einmal in Bezug auf Leute durchzuspielen, die Freiheit zur Diktatur und ein Killer-Regime wie das russische zum Verteidiger des christlichen Abendlandes erklären – das wird ja wohl, wie Rechte sagen würden, noch erlaubt sein in Deutschland!”