Blockzitat
„Und warum tun wir es in der Ukraine?
Weil die USA, der Sieger, nach Ende des Kalten Krieges einfach weitergemacht haben. Sie haben die Nato beibehalten, die ein Verteidigungsbündnis gegen Russland ist, und haben sie sogar immer weiter ausgedehnt und die Russen gleichsam eingekesselt. Die Ukraine und Georgien waren die letzten Bastionen, die noch fehlten. Mit der Wahl Selenskyjs kam in der Ukraine ein Präsident an die Macht, der sich bedingungslos an die USA, insbesondere an die Biden-Regierung hielt, massiv aufrüstete und die Nato-Mitgliedschaft ansteuerte. Russland hat darauf reagiert und die Ukraine völkerrechtswidrig mit einem schrecklichen Krieg überzogen, was ich zutiefst verurteile. Aber ich teile nicht die simple Erzählung, dass es hierbei um die „Freiheit des Westens“ geht. Und ich glaube auch nicht, dass Putin nun plant, Nato-Staaten anzugreifen.
Diesen Gegensatz zwischen Freiheit und Diktatur hat in den Achtzigern auch Helmut Schmidt aufgemacht. Er sagte, wer den Frieden als absolut höchsten Wert setzt, muss damit rechnen, dass er die Freiheit aufopfern muss.
Aber derselbe Helmut Schmidt hat auch davor gewarnt, Russland einzukesseln und zu viele Länder in die Nato aufzunehmen. Sicher, viele Staaten wollten das, sie hatten schlechte Erfahrungen mit Russland gemacht, Polen und das Baltikum an erster Stelle. Und die USA, die der große Sieger waren, wollten ihren Machtbereich ausdehnen. Unser Fehler war, dass wir in den 90er-Jahren kein neues Verteidigungssystem unter Einbeziehung Russlands geschaffen haben. Das wäre damals möglich gewesen, wenn der Sieger gewollt hätte. Stattdessen haben wir in einer neuen Welt, in der wir nicht mehr von Russland bedroht waren, die alten Strukturen beibehalten. Das ist die Mutter aller Konflikte mit Russland.“
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Das ist die einzige Passage des Interviews, in der es um die Ukraine geht. Außerdem gibt es noch davor eine Passage, in der Precht bezweifelt, dass Putin s Imperialismus sich demnächst gegen NATO-Staaten richten werde.
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Sie sprachen gerade von der deutschen Angst vor einem russischen Angriff. Deutschland rüstet massiv auf. Hätten Sie mit so etwas gerechnet?
Überhaupt nicht. Und es bestürzt mich. Ich halte die Gefahr eines russischen Angriffs auf Deutschland für äußerst minimal. Es gibt kein Motiv dafür, wohingegen es für den Angriff auf die Ukraine ein aus russischer Sicht starkes Motiv gab. Putin verfolgt eine strategische Machtpolitik, die er wie ein Schachspieler berechnet. Krieg gehört dabei leider zu seinen Mitteln. Aus meiner Sicht ist das verbrecherisch. Aber Putin wird deshalb noch lange nicht so etwas Irrsinniges tun, wie die polnische Grenze zu überqueren. Denn in dem Moment müssen wir mit einem Dritten Weltkrieg rechnen, in dem alle sterben. Es hat deshalb auch für Deutschland kaum einen Sinn aufzurüsten, denn für den Fall, dass es einen Krieg gäbe, würden wir ihn verlieren.
Auch wenn wir militärisch stark wären?
Ja, weil der Krieg in Deutschland und Polen ausgetragen würde. Dann würde hier kein Haus mehr stehen und kein Mensch mehr leben. Das heißt, wir haben in diesem Krieg rein gar nichts zu gewinnen. Aber ehrlich gesagt, geht es bei der zukünftigen Aufrüstung ja ohnehin nicht um Landesverteidigung. Das ist das, was man den Leuten erzählt, damit sie emotional getriggert werden.
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Noch mal meine Frage:
Was an diesen Aussagen über die Ukraine ist konkret fürchterlich?