Da reden wir aneinander vorbei, glaube ich. Es geht mir nicht um Schuld und auch nicht darum, wie weit jemand zurückgehen und sich für die Vergangenheit verantwortlich fühlen müsste. Das wäre tatsächlich absurd. Diesen Punkt hatte ich weiter oben mit justin sogar ausdrücklich beiseitegelegt.
Mein Kriterium ist ein anderes. Wirkt das Klischee heute noch und trifft es heute lebende Menschen. Und genau da liegt der Unterschied zu deinem Römer-Beispiel. Niemand wird im Jahr 2026 auf „Nachfahre der Römer" reduziert, das hat keine Folgen mehr. Das Bild vom wilden, untaktischen afrikanischen Fußball dagegen hörst du heute im Liveкommentar, und es ordnet lebende Spieler einer Schublade zu. Das eine ist Geschichte, das andere ist Gegenwart.
Deshalb ist es kein Zurückgehen in die Vergangenheit. Es ist die Feststellung, dass eine bestimmte Vergangenheit bis in die heutige Sprache hineinwirkt. Wenn ein Stereotyp keine Wirkung mehr hat, ist es mir auch egal. Bei diesem hier ist sie eben noch da.