Und es ist erstaunlich still.
Nicht nur in den USA, auch hierzulande. Zumindest haben die Trump’schen Einlassungen zur Ukraine dafür gesorgt, dass die Parteien, die nach allgemeiner Einschätzung als koalitionsfähig gelten dürfen, mal mit einer Stimme sprechen. Trotzdem muss man skeptisch sein, ob Europa in der Lage ist, sich wirklich in einer gemeinsamen Sicherheitspolitik wiederzufinden, die in der Lage wäre, in der neuen Weltordnung eine andere Rolle zu spielen als die des Befehlsempfängers.
Ich kann mich noch gut an die Debatten erinnern, die wir vor ein paar Monaten führten, etwa als ich der Überzeugung Ausdruck verlieh, Trump würde die komplette globale Sicherheitsarchitektur zerstören.
Wie sich nun herausstellt, kann man nie pessimistisch genug sein. Das Tempo, mit dem Trump, Musk und Co. die Errungenschaften unserer gesamten Zivilisation in Trümmer legen, ist unfassbar. Musk hält den Menschen ohnehin für ein Auslaufmodell.
Höre ich immer noch mäßigende oder optimistische Argumente, dass es schon nicht so schlimm kommen wird? Ich denke, dass dieses überfordernde Tempo auch Teil des strategischen Ansatzes ist, indem man den Wahn- und Irrsinn so umfassend raushaut, dass niemand mehr zu reagieren oder zu folgen vermag und hilflos abschaltet. Dabei ist das, was die amerikanische Regierung da anrichtet, in ihrer Wirkung auf den gesamten Planeten so durchschlagend und tödlich, dass ein Mao dagegen mit seinem Großen Sprung nach vorn wie ein kleiner Hopser wirkt.
Interessiert uns das? Bemerken wir es?
Oder machen wir einen auf Wagenknecht und halten, ich zitiere, Trumps Gespräche mit Putin für „seriös“. So kann man seine eigene Intelligenz (und Seriosität) als Politikerin und Mensch natürlich auch an der russischen Garderobe abgeben.
Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie man mit all dem umzugehen vermag, ohne in tiefe depressive Zustände abzugleiten. Geholfen hat mir der große Regisseur Todd Haynes (FAR FROME HEAVEN, I’M NOT THERE, CAROL), der mir folgende Sätze schenkte:
Wie wir das jetzt alles durchleben, wie wir all dem etwas entgegenstellen können, wie wir es hinkriegen, dass wir uns nicht niedermachen lassen, und ob es uns gelingt, die gegenwärtige Stimmung in den USA auf die Leinwand zu bringen, das sind jetzt die großen Fragen. Vielleicht müssen wir erst eine Weile in der Dunkelheit träumen.
Mit letzterem bezieht er sich auf einen Satz des Dramatikers Jean Genet:
Ein Mann muss lange träumen, um mit Größe zu handeln, und das Träumen wird in der Dunkelheit gepflegt.
Todd Haynes liest das so:
(…) das bedeutet, sich an Orte der Dunkelheit zu begeben, in antisoziale Bereiche und randständige Räume, aus denen man seine Kraft zieht. Die Kraft, um den Status Quo zu befragen und zu unterwandern.
Das Kino ist ein Ort des Träumens und des Widerstands.
Nun bin ich selbst nicht der Meister des Queer Cinema, sondern nur ein Bewunderer seiner Werke, aber trotzdem hat mir dieser Ansatz geholfen (weswegen ich ihn hier teile).
Mit Todd Haynes sage ich:
Die Zeit der Gemütlichkeit ist definitiv vorbei. Lasst uns vormittags einen Daiquiri trinken, und dann ab in den Widerstand.