Welche Verbündeten hätten denn Probleme damit? Den USA wird’s herzlich egal sein. Die anderen europäischen Länder würden wahrscheinlich auch gerne Ausreisepflichtige Afghanen abschieben.
Man sollte sich damit abfinden, dass das Land die nächsten 100 Jahre von den Taliban regiert wird. Das scheint auch die einzige Regierungsform zu sein, die in diesem Land überhaupt zu halbwegs stabilen Verhältnissen führt.
Warum genau wird über diese Frequenz eigentlich NIE so richtig gesprochen? Warum werden sie immer wieder abgetan? Die Fälle werden nicht mal breit berichtet, es bekommt nicht annähernd die Audienz, die gerechtfertigt wäre. Es ist so frustrierend. Und bevor die üblichen Verdächtigen jetzt wieder auftauchen und „Verharmlosung“ brüllen: Nein, es geht nicht darum, Fälle aufzuwiegen. Es geht darum, dass schlichtweg eine einseitige und unvollständige Berichterstattung stattfindet, die dazu führt, dass die geforderten Maßnahmen in keinem Verhältnis mehr stehen. Wie breit wäre der Fall mit 82 Messerstichen wohl diskutiert und berichtet worden, wäre er ein Syrer? Wie groß wäre der Aufschrei im Bundestag von den bekannten Parteien? Das ist so heuchlerisch.
„Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau getötet, das zeigen neue Daten. Täter sind häufig die (Ex-)Partner.“
Auch hier vorbeugend: „Die überwiegende Zahl der Opfer und Tatverdächtigen ist deutscher Staatsangehörigkeit.“
Wo sind hier die Fünf-Punkte-Pläne im Bundestag? Welche Lösungen hat die Politik hier parat? Wo ist hier die konkret in Verbindung gebracht Angst davor, auf die Straße zu gehen?
Eines der größten Probleme in der Kriminalstatistik jedes Mal mit „Whataboutism“ abzukanzeln, hilft ebenfalls nicht weiter. Aber genau das passiert ständig. Wir haben fast jeden fucking Tag einen Fall und das Thema erfährt fast keine Aufmerksamkeit. Warum nicht? Warum wird das so abgetan? Während andere Themen ja auch ständig gesetzt werden, kann das hier sehr gern auch getan werden. Scheint aber niemanden zu jucken.
Ali Al-Dailami (43), ein Sohn jemenitischer Geflüchteter, erklärt, weshalb er - auch aus migrationspolitischen Gründen - von den Linken zum BSW wechselte.
Da wird es mehrere Gründe geben. Bei Migranten, die ja eine Minderheit sind, lässt sich leicht sagen: wenn die nicht hier wären, gäbe es diese Verbrechen nicht. Also weg mit ihnen, Problem gelöst.
Eine Lösung, die bei autochthonen Männern natürlich entfällt. Die zugrunde liegenden Konflikte sind uns auch auf unangenehme Weise näher. Man kann eben nicht auf das bedrohlich Fremde weisen.
Andererseits fächern sich die Geschichten dann auf in Eifersuchtsdramen, verkorkste Berufskarrieren, Alkoholismus etc. Man weiß, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann. Bei Migranten tut man es, weil es so einfach ist. Und weil eine latente Fremdenfeindlichkeit immer schon da ist und leicht von interessierter Seite angeheizt werden kann.
Bei den eigenen Leuten weiß man, dass es unrealistisch wäre, Wohlverhalten von allen vorauszusetzen. Bei den Fremden verlangt man es, weil sie ja keinen Anspruch darauf haben, hier zu sein. Das Grundrecht auf Asyl tragen ja nicht alle im Herzen. Und die Abgrenzung von denen, die es nicht beanspruchen können, fällt umso leichter.
Amokläufe/Attentate generieren generell mehr Aufmerksamkeit. Das einfach nur auf Fremdenfeindlichkeit/Rassismus zu reduzieren ist schon stark vereinfacht, auch wenn es vielleicht besser ins eigene Weltbild passt. Wenn irgendwo in der Welt ein Attentat, Amoklauf etc. stattfindet wird darüber global berichtet, „normale“ Morde stehen eben nur in der Regionalzeitung.
Genauso wie ein Flugzeugabsturz oder Zugunglück mehr Aufmerksamkeit generieren als ein Autounfall, dabei ist Autofahren das deutlich gefährlichere Transportmittel.
Ja, sicher. Amokläufe sind aber kein Alleinstellungsmerkmal von Migranten. Wir sehen dann eher die Details. Außenseiterbiografien, Abtauchen in eine bedenkliche Isolation, Frust über ungerechte Behandlung in Schule und Arbeit, schlecht verwahrte Waffen von Verwandten, unauffällig verlaufene Gefährderansprachen bei psychischen Auffälligkeiten, auch Fremdenhass, etc. Alles schlimm und traurig, aber kein Anlass, ganze gesellschaftliche Gruppen als Problem zu betrachten. Alle Grundrechte basieren auf der Bedeutung des Individuums.
Die „normalen“ Morde, die hier erwähnt wurden, haben ein Muster und sind schon deshalb nicht mehr „normal“, weil sie strukturell und für die Politik relevant sind. Dass nicht ausreichend darüber berichtet wird, es in der Öffentlichkeit viel zu wenig Druck gibt, ist ein Versagen. Unabhängig von irgendwelchen Vergleichen.
Zu Recht, weil das schreckliche und brutale wie auch nicht nachvollziehbare Taten sind. Schockierend, schwer greifbar und zutiefst erschütternd.
Das aber ist eine Verharmlosung dessen, was tatsächlich passiert. Natürlich spielt die Herkunft des Täters eine große Rolle und entscheidet darüber mit, wie groß und breit das Thema letztlich diskutiert wird. Oft genug erlebt und auch nachweisbar. Es gibt Studien und Erhebungen, die darüber Auskunft geben, wie oft die Herkunft beispielsweise in Kriminalberichten oder in den Medien eine Rolle spielt und vor allem wann. Aus einer Studie des Mediendienstes Integration von 2019 (es gibt auch neuere Studien, aber gerade keine Zeit, die alle rauszusuchen):
„Wie unsere Langzeitanalyse zeigt, hat sich die Fernsehberichterstattung über Gewaltkriminalität gravierend verändert: Während die Herkunft von Tatverdächtigen 2014 praktisch keine Rolle spielte, wurde sie 2017 in jedem sechsten und 2019 in jedem dritten Beitrag erwähnt. In den untersuchten Zeitungsberichten ist der Anteil mit 44,1 Prozent besonders hoch. Doch die Herkunft von mutmaßlichen Gewalttätern wird meist nur dann hervorgehoben, wenn sie Ausländer sind.“
Abschließend nochmal das, was ich schon sehr oft geschrieben habe hier: Es geht mir nicht darum, Aschaffenburg oder München zu relativieren. Das sind schlimme Taten, diese Menschen gehören bestraft. Es MUSS sich mit diesem Problem auseinandergesetzt werden. Aber die Lösung kann es NICHT sein, dass wir sagen: Wir schließen ab sofort alle Grenzen und verschwenden Milliarden Euro dafür und Polizei-Personal, um dann festzustellen: ach, Mist. Es gibt immer noch Attentate, weil Leute trotzdem in unser Land kommen, wenn sie hier Anschläge verüben wollen. Es kann NICHT sein, dass die Lösung ist, Ausländer per se zu verurteilen und sie alle abschieben zu wollen und ggfs. in den sicheren Tod in ihrem Heimatland zu schicken. Es kann NICHT die Lösung sein, den billigen und niederträchtigen Forderungen der Rechten nachzukommen.
Stattdessen MUSS es die Lösung sein, endlich über Angebote zu sprechen. Angebot der psychologischen Hilfe, ein Angebot, konstruktiv darüber zu diskutieren, wie man diesen vielen Menschen, die hier herkommen und eben nicht straffällig werden und auch nicht initial böswillig agieren, zu helfen und ihnen einen würdevollen Aufenthalt zu gewähren. Ein Angebot, diese Menschen schnellstmöglich in Jobs und Alltag zu integrieren, wie man ihnen Sprachkurse anbieten kann und wie man Bürokratie abbauen kann.
Ja, das ist der harte Weg. Es ist der Weg, der einem Steine in den Weg legt und der dafür sorgt, dass man an Grenzen stoßen wird. Es ist ein Weg, der auch Rückschläge beinhaltet. Viele vielleicht sogar. Aber es ist ein Weg der Menschlichkeit und ein Weg des Zusammenhalts, der Solidarität mit vielen Menschen, die leiden und die traumatisiert sind, die schlicht auf Hilfe angewiesen sind, um wieder ein Stück weit in ein neues Leben zu finden. Das schließt nicht aus, dass man hart im Umgang mit jenen sein muss, die dieses Angebot nicht annehmen oder mit Füßen treten. Aber die Schlussfolgerung, dass das alle oder auch nur der größte Teil von ihnen tut, ist falsch.
Es geht nicht in meinen Kopf rein, wie man derart empathielos agieren kann, wie es einige tun. Wie man echt glauben kann, dass Massenabschiebungen und geschlossene Grenzen a) die eigenen Probleme lösen werden und b) die Lösung dessen sind, was wir hier gerade erleben. Es macht mich betroffen, wie kaltblütig einige Menschen sind und wie wir es verlernt haben, vermutlich eher nie gelernt haben, wie ein Miteinander funktioniert. Einfach nur bitter.
Ergänzung noch zu Zahlen und Statistiken: Wenn wir über diese sprechen, dann sprechen wir oft über Tatverdächtige. Wenn wir über Tatverdächtige sprechen, sprechen wir auch darüber, dass Ausländer häufiger verdächtigt und angeklagt werden. Auch dazu gibt es Studien, Berichte und Nachweise. Selbes Prinzip wie bei der Ungleichgewichtung von Straftaten im öffentlichen Diskurs.
Manchmal fasse ich es wirklich nicht, was hier so geschrieben steht.
Soll das ironisch oder zynisch sein?
Inwiefern ist eine Regierung, die von den Taliban besetzt ist, eine Regierungsform?
Und was soll stabil heißen? Stabil frauenfeindlich und repressiv? Stabil rückwärtsgewandt? Sollen wir jetzt jede Diktatur, die sich stabil hält, ganz toll finden?
Selbst wenn dem so ist, steht einem denkenden Menschen nichts im Wege, eine rationale Gefahrenanalyse durchzuführen. Das hat übrigens auch nichts mit Whataboutismus zu tun, wie oben erwähnt wird, da es sich, wie ich schon öfters dargelegt habe, um einen gleichen Vorgang, sprich eine Gewalttat, mit der potentiell gleichen Opfergruppe, nämlich der Bevölkerung in Deutschland, handelt.
Das tut doch keiner. @jep sprach ausdrücklich von mehreren Gründen. Dass bei der ganzen Lage Fremdenfeindlichkeit mindestens bei einer bestimmten Gruppe eine relevante Rolle spielt, kann man doch wirklich nicht ernsthaft anzweifeln.
Ansonsten hat @justin das eben präzise ausgeführt, was ich weiter oben auch schon angesprochen habe:
Du liest allgemein viel, informierst dich sicher in der Breite deutlich tiefergehend und differenzierter wie ich und du und deine Beiträge nehmen in der Draufsicht sicher hier einen zwar eigenen aber wertvollen Part für das differenzierte große Ganze ein.
Ich lese hier immer mal wieder, selten schreibe ich aber dazu etwas, auch weil es meist so ist, dass ich nicht täglich dazu komme und somit die Diskussion oft schon ihr Ende fand/alles zu geschrieben wurde.
Hier finde ich es aber wichtig und angebracht etwas zu schreiben.
Findest du nicht auch, dass dein Beitrag im Ganzen irgendwie durchaus auch eine Art Brandbeschleuniger sein könnte?
Ich jedenfalls empfinde das so, denn die Denkanstöße die du so gekonnt verpackst, finde ich schwierig und gleichzeitig gefährlich.
Du schreibst selbst von Brandbeschleuniger, wie darf ich denn diese Zeile(im Text dick markiert) verstehen?
Für meinen Geschmack wirfst du in deinen Beitrag gekonnt und gewollt vieles in einen Topf, mMn um Diskussionen darüber zu starten, vergisst aber wie finde dabei, dass man das durchaus Stück für Stück differenzieren müsse.
Auch dir stelle ich eine Frage, wie hätte denn dMn diese furchtbare Tat gestern verhindert werden können?
Ich halte Ausländer per se nicht für gefährlicher als Deutsche. Allerdings schaffen wir die perfekten Rahmenbedingungen, dass sich einige kriminalisieren. Das fängt schon bei der Unterbringung an, die immer noch in Containersiedlungen, Sporthallen, etc. erfolgt, und geht weiter bei Sprachkursen, psychologischer Hilfe etc.
Das liegt m.E. auch nicht am fehlenden Geld oder am Willen, sondern es ist schlicht nicht möglich Strukturen in dem Maße zur Verfügung zu stellen, wie es nötig wäre.
Die Überforderung aller Behörden in diesem Bereich ist mit Händen zu greifen und ich halte es für realitätsfern, dass man das mit Geld und gutem Willen lösen kann.
Du kannst mich auch empathielos halten, meine größte Sorge ist halt die AFD und Putin’s und vorraussichtlich auch Trumps Versuch der Spaltung der EU. Und die bisherige deutsche Asylpolitik ist m.E. der Brennstoff der das beschleunigt.
Volle Zustimmung zu diesem Absatz. Hier sind wir uns einig und es wäre naiv, das in Frage zu stellen.
Hier kommen wir nicht zusammen. Ob es am „fehlenden Geld“ liegt, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass aber die Politik der letzten Jahre/Jahrzehnte sozial Schwachen in Deutschland nicht unter die Arme gegriffen hat, um es ganz, ganz vorsichtig zu formulieren (ich will ja nicht wieder Alex triggern), ist auch recht offensichtlich. Und das hat dann auch Auswirkungen auf Infrastruktur, auf Unterbringung von Flüchtlingen, auf den Umgang mit ihnen usw. usf. – ich gehe nicht mit, dass Deutschland das nicht packen kann. Ich gehe auch nicht mit, dass es „schlicht nicht möglich“ ist. Ich gehe aber sehr wohl mit, dass es naiv wäre, zu glauben, dass all die Probleme sich mit etwas Geld und Fingerschnippen auflösen lassen. Der Weg ist schon etwas länger.
Was ich aber sehr wohl behaupte, ist, dass das konsequente Abschieben und Schließen der Grenzen nicht die Lösung sein kann. Jeder für sich ist keine Option. Es kann keine Option sein, Menschen in den sicheren Tod zu schicken und sich die Augen zuzuhalten. Das ist menschenverachtend und unwürdig für ein Land wie unseres. Es ist die Verantwortung von Deutschland, aber auch von anderen Staaten, die leider von Rechtsextrimisten und Rechtspopulisten regiert werden, hier eine bessere Lösung zu finden.
Meine geäußerten Gedanken und deine müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Auch wenn wir unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Ja, ich finde es durchaus empathielos, wenn man massenhaft abschieben möchte und dafür sorgen möchte, dass wir keine Flüchtlinge aufnehmen. Ich finde es nicht empathielos, wenn man kritisiert, dass das Aufnehmen vieler Flüchtlinge zu Problemen führt. Das entspricht schlicht der Realität. Ich finde nur, dass die Lösung eben nicht sein kann, zu ignorieren, dass man bei den anvisierten Maßnahmen für den Tod sehr vieler Menschen mitverantwortlich ist. Und wie will man das mit sich vereinbaren? Indem man sagt „lieber die als wir“? Da driften wir in philosophische Problemstellungen, die mir jetzt etwas zu weit gehen.
Nur sollten wir schon versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren und uns nicht von rechtem Populismus tragen lassen. Uns nicht in der Entscheidungsfindung davon beeinflussen lassen, was wir als vermeintlich „einfache Lösung“ betrachten, sondern weiter dafür kämpfen, gemeinsame Lösungen zu finden. Es gibt Graubereiche zwischen „wir nehmen alles und jeden auf, ohne uns zu kümmern und wundern uns dann, dass es eine steigende Kriminalität von Ausländern gibt“ und „wir schließen die Grenzen, geben dafür Milliarden von Euro aus, verschwenden Personal an den Grenzen und schieben massenhaft Leute ab, die keinen deutschen Pass haben oder kürzlich hier her geflohen sind“. Es muss auch in diesen Zeiten einen Willen dazu geben, echte Lösungen zu finden. Lösungen, die nicht menschenverachtend sind.
Ne, dafür haben sie die Gewaltenteilung und die rechtsstaatlichen Institutionen demontiert.
Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob es dort nicht auch Anschläge gibt. Wenn es Dich interessiert, recherchiere doch einfach. Statt provokative Fragen zu stellen.
Werde ich machen. Ich dachte halt hier sind Leute unterwegs, die sofort eine Antwort parat haben und mir diese Arbeit abnehmen.
Ich werde die Ergebnisse mitteilen.