Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 3)

Am 7. Oktober wurden über 1.200 Menschen ermordet bei einer Gesamtbevölkerung von 10 Millionen Menschen. Das ist in Relation so heftig wie zehnmal 9/11. Jeder Israeli kennt jemanden, der einen Bekannten am 7. Oktober verloren hat. Das sind so krasse Dimensionen, das können wir uns überhaupt nicht vorstellen, auch nicht nach Breitscheidplatz, Solingen und Magdeburg.

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Toller Denkanstoß, das mit 09/11 zu vergleichen. Das macht das alles viel greifbarer.
Eine andere Sache würde mich noch interessieren. Denkst du, dass der Anschlag einen großen Einfluss auf die Wahlen haben kann?

Sicherlich wird es die Wahl beeinflussen.
Auch wenn es sich dieses Mal nicht um einen abgelehnten muslimischen Asylbewerber handelt, geht die Argumentation in rechts-populistischen Kreisen in eine ähnliche Richtung. Der Anschlag passierte demnach deswegen, weil durch massenhafte Zuwanderung aus dem Nahen Osten quasi auch die Probleme aus dieser Gegend „importiert“ werden, in diesem Fall die Intoleranz von einigen Muslimen gegenüber anderen Lebenweisen.
In einer Hinsicht ist aber tatsächlich Vorsicht geboten:
Es darf nicht sein, dass integrationswillige und weltoffene Muslime bzw. ehemalige Muslime in Deutschland von erzkonservativen Muslimen unterdrückt oder sogar bedroht werden. Die Tendenz hierzu ist durchaus vorhanden und dem gehört entschieden entgegengewirkt. Man kann an deutschen Schulen und in kleinstädtischen Milieus durchaus beobachten, dass sich tatsächlich Muslime als Glaubenspolizisten aufspielen und zwar nicht nur innerhalb des eigenen Familienverbandes.
Und das ist einfach ein absolutes No-Go und hier gehört von staatlicher Seite eingeschritten.

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Das versteht sich von selbst. Da stört es auch nicht, dass der Mann ausdrücklich mit der AfD sympathisierte. Faktenresistenz kann, so gesehen, sehr vorteilhaft sein. Ob die Wahl davon beeinflusst wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das zu beurteilen, traue ich mir momentan nicht zu.

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Der Attentäter scheint nach gängigen politischen Kriterien schwer greifbar zu sein. Leute, die mit der AfD und Musk sympathisieren, sich aber gleichzeitig als überzeugt links bezeichnen, sind wohl eher nicht das Stammklientel der AfD.

Ob Stammklientel oder nicht: er war extrem islamkritisch und hielt große Stücke auf die AfD. Sein Attentat taugt daher objektiv nicht für islamfeindliche und rechtsextreme Parolen, kann aber dessen ungeachtet selbstverständlich dafür ausgeschlachtet werden.

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Wenn man von einer Logik bei so einer Tat überhaupt sprechen darf, hier erschließt sie sich mir einfach nicht.
Ein Araber verübt ein Attentat auf Deutsche um gegen Ausländer zu protestieren?

Das erscheint nur dann als undenkbar, wenn man „Araber“ oder „Ausländer“ als monolithische Blöcke betrachtet, in denen die Individuen mit ihren ganz unterschiedlichen Biografien und Denkweisen keine Rolle spielen.

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So sieht’s aus. Ich denke das zeigt (mal wieder) sehr gut dass die Öffentlichkeit, die Medien und die Sicherheitsdienste immer noch kein Verständnis dafür entwickelt haben welche Persönlichkeitsprofile angesprochen sind von diversen alt-right, conspiracy theory, incel, crypto bro podcasts und YouTubern die sich großenteils im Dunstkreis von Right Wing populism aufhalten. Traditionelles Rechts/links/islamisten Schubladen denken ist da wenig förderlich um diese Menschen zu verstehen.

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Da hast du sicherlich recht, aber das ist halt menschlich. Im Umkehrschluss dürfte der Attentäter ja auch nicht auf Menschen losgehen, deren persönliches Umfeld er nicht kennt.

Wenn Du diese Ebenen schon vergleichst: das ist eben generell das Grundproblem rassistischen und nationalistischen Denkens: alle werden über einen Kamm geschoren. @justin weist ja zurecht wiederholt darauf hin, dass es sich dabei um ein alltägliches Phänomen handelt, das einem gar nicht bewusst sein muss. In einem vergleichsweise harmlosen Fall hatte ich da mal ein Aha-Erlebnis. In meinem Job wurden eine Zeitlang die Filialgebiete S-H und MVP zusammengelegt. Als Wessi hatte ich nun viel mehr als zuvor mit „den Ossis“ zu tun. Eines Tages sprach ich mit der Chefsekretärin, einer waschechten Mecklenburgerin mit Arbeitsplatz in Schwerin, über einen Ossi-Kollegen, der neben Stärken auch nervige Seiten hatte. Sie bemerkte: „Was wollen Sie? Ein Sachse halt.“ Natürlich auch ein Klischee, aber eines, das mir in meinen - nicht einmal völlig undifferenzierten - Ost-West-Koordinaten nicht eingefallen wäre.

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Da bin ich nicht deiner Meinung. Das hat mit Rassismus nichts zu tun. Vielmehr möchte man es sich einfach machen. Wenn ich vorher weiß, dass alle Araber Terroristen sind, oder um es noch blöder zu sagen, alle Juden haben eine schiefe Nase, dann gibt das eine Art Sicherheit.
Ich ertappe mich ja selbst oft dabei, dass ich mir meine Welt so zurecht lege, wie ich es brauche. Für mich z.B. ist jeder Fußballfan auch Fan vom FC Bayern. Alle anderen verstehen einfach nichts vom Fußball :wink: .
Aber Spaß beiseite, ich habe einfach das Gefühl, dass es immer schwieriger wird, sich die richtigen Informationen zu besorgen. Man wird zwar zugemüllt mit allen möglichen News, aber was davon ist wirklich wahr? Solange ich mich immer im Umfeld Gleichgesinnter bewegen, gibt mir das Sicherheit, weil meine Meinung tagtäglich bestätigt wird.
Auch deshalb frage ich in diesem Forum gerne die Meinung anderer ab. Dadurch erhalte ich sicher mehr Inputs als z.B. aus der Bild.

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Die Grenze zum alltäglichen Rassismus ist allerdings fließend - bei allem Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis, das durch solche Etikettierungen befriedigt wird.

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Jede Gruppe sucht für sich selbst die einfachste Antwort aus: nämlich, die die zum eigenen Weltbild passt. Das kann man menschlich finden oder einfach auch nur dumm.

In dem Fall hier sucht man nach Erklärungen, je nach Perspektive wird man sicher eine finden.

Das augenscheinlichste ist: hier war jemand mehr als nur geistig verwirrt. Doktortitel oder Bildung schützen also nicht wirklich vor solchen Taten. Die Entscheidung, mit einem Auto Menschen zu töten lässt sich daher rational nicht erklären. Ein gesunder Geist führt so eine Tat nicht aus.

Wie man das verhindern kann? Ehrliche Antwort: gar nicht. Oder: So gut wie nicht.
Eine gesunde Gesellschaft fängt solche Menschen auf. Der Täter war ein Einzeltäter. Es wird spannend sein, welche Forderungen bestimmte Politiker mal wieder stellen werden.

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Wenn diese Tat für eines ein gutes Beispiel ist, dann dafür, dass Extremismus tötet. Nazis töten, Islamismus tötet. So unterschiedlich beide sind, so ähnlich sind sie in der Struktur des „Wir“ über dem Rest, den man ausgrenzt und diskriminiert, gar ausschalten möchte. Spaltung, Hetze, Gewalt.

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Sowas Vernünftiges würde ich gerne von allen möglichen Politikern hören - statt Ausschlachtungen für den Wahlkampf.

Wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.

Wie zu vermuten war, machen sich AfD und Konsorten den Anschlag ihres Bruders im Geiste zunutze: „Deutschland, erwache!“, Weidel for Kanzler, etc.

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Christian Lüth, AfD:
„Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“
Hierzu ein passendes Video:

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Neues aus dem Irrenhaus:

Ihr habt ja sicher die strunzdämlichen Äußerungen des Herrn Musk vernommen.
Wobei ich sagen muss, dass ich gar nicht mal das, was er zur deutschen Innenpolitik äußert, für den eigentlichen Skandal halte, sondern dass sich die WELT herablässt, sowas abzudrucken. Nicht dass es mich groß wundert im Hause Springer, aber es zeigt doch wieder allzu deutlich, in welchen Gewässern die mittlerweile unterwegs sind.
Dass man einen, nun ja, nennen wir es: kleinen Faktencheck gegenüberstellt (den kaum einer lesen wird), ist nicht nur grob heuchlerisch, sondern zeigt nur umso deutlicher, dass die Erfüllungsgehilfen in der deutschen Presse bis heute entweder nicht verstehen, wie Kommunikation heute bei Typen und Konsorten wie Musk etc. funktioniert - oder man weiß es, aber es ist einem egal - oder am schlimmsten, man teilt die Ziele: Disruption, Verwirrung, Demokratiegefährdung.
Auf X ist es vollkommen wurscht, was man schreibt (wichtig sind allenfalls knackige Headlines), wichtig ist nur, dass man schreibt.
Ansonsten wäre ein abstruses Gestammel wie das, was er in der großen WELT veröffentlichen darf, nicht unter Meinungsvielfalt abzuheften, was implizieren würde, dass der Mann zumindest rudimentär kapierte, wie Deutschland und seine Parteienlandschaft funktioniert und aussieht. Aber klar kann ich auf ewig dem vermeintlichen Genie huldigen, ohne mich zu fragen, welche Ziele solche Leute unter dem greisen Schwachmaten, der jetzt vier Jahre noch den Statthalter spielen darf, verfolgen.

By the way:
Den Streit innerhalb des orangenen Lagers zwischen den Ultranationalisten und den staatsfeindlichen Marktreligiösen a la Thiel finde ich da fast schon wieder amüsant. Aber das ist dann wirklich mal die Frage zwischen Pest und Cholera.

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was man so liest, hat Döpfner Musk einst animiert X zu kaufen und zur Propagandamaschine umzubauen…

die drehen mittlerweile das große Rad um die Gesellschaft nach ihrer verderbten Vorstellung umzubauen - und sie werden Erfolg haben…

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