Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 2)

Das ist mir schon klar. Es kann dennoch nicht schaden, wenn wir hier schon von den erschreckenden Vorgängen im UK sprechen, auf diesen Zusammenhang hinzuweisen. Der lässt sich nämlich nicht so leicht mit dem angeblichen Versagen der demokratischen Parteien, der Regierung und der Mehrheitsgesellschaft wegargumentieren.

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Gut möglich. Ich hätte allerdings gerne gewusst, wie der Verfasser dieses Posts diesen von ihm ja nicht erwähnten Umstand bewertet.

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Da sie mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden, mitdiskutieren, tendiere ich dazu, ihnen die Antworten auf die Fragen, die ihre Posts auslösen, nicht abzunehmen.

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Aber der Zusammenhang ist doch: Diese Falschinformationen und diese einseitigen Informationen werden gestreut und fallen auf fruchtbaren Boden, WEIL man die Rechten gewähren lässt!
Oder meinst Du was ganz anderes?
Grüße
Der Dingens

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Eigenwillige Interpretation… aber damit hast du ja gleich das Framing auf das gewisse User hier dann direkt anspringen.

Dass aber immer mehr Menschen die Hutschnur platzt wenn sie immer mehr solche Geschichten lesen, hören oder selber erleben ist wohl unstrittig. Wie man damit umgeht muss jeder für sich selber entscheiden.
Mit genug Wut im Bauch ist eben inzwischen „Selbstjustiz“ das Mittel der Wahl. Vor allem wenn die eigene Regierung die Probleme runterspielt

es war ein in GB geborener Christ, der diese schreckliche Tat begangen hat!
und mir wäre es neu, dass marodierende Horden durch die Straßen ziehen, um ihre „einheimischen“ Mitbewohner zu lynchen, weil die mal wieder ihrer Ehefrauen verprügeln, rauben und morden oder ihre Kinder fi…!

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Unstrittig ist, dass genau in diesem Fall gezielt gestreute Falschinformationen als Brandbeschleuniger gewirkt haben. Diesen Umstand beiseite zu lassen und stattdessen das übliche Lamento über eine zu nachgiebige Ausländerpolitik anzustimmen, halte ich für nicht stimmig.

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Wahnsinn. Wie kann man das, was da gerade passiert, mit (auch schon schlimmen und illegalen) „Selbstjustiz“ euphemistisch verklären? Es wird ja nicht ein Täter per Selbstjustiz verfolgt, sondern Unschuldige verprügelt, verfolgt, Läden geplündert, die Polizei attackiert… aber klar, kann man alles verstehen und entschuldigen… (wenn man sich vor Augen führt, wie kaputt, verzweifelt, unzufrieden mit dem eigenen dauerhaften Versagen im eigenen Leben diese erbärmlichen „Menschen“ sein müssen, die das alles gerade veranstalten).

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Genau das ist es, worauf ich mit meinen Fragen abzielte. All dies ist ja leider vollkommen nebensächlich, wenn man nur den willkommenen Anlass sieht, mal wieder gegen die eigene zu migrationsfreundliche Regierungspolitik zu wettern.

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Wenn die Regierung weiterhin so freundlich beim Thema (wohlgemerkt) illegale Migration ist, dann wird die Wut bei der einheimischen Bevölkerung immer größer. Und nicht nur bei den extremen Rechten, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft. Und dann reicht irgendwann ein Tropfen um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Ob der Tropfen der Wahrheit entspricht oder nicht, ist dann scheißegal.
Das heißt übrigens nicht, dass ich das was in England momentan abläuft gutheiße. Mich wundert es halt nur nicht. Und ich fürchte auch in Deutschland wird uns so etwas bald erwarten.

Ich wäre ja eher dafür gegen die Religion der Ausländer vorzugehen. Und wenn man schon dabei ist, gegen die der Inländer gleich auch.

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Nun ja, dann gehöre ich damit auch zu denen, die sich demnächst warm anziehen können. Aber warum auch nicht? Zwischen 1933 und 1989 war es teils in ganz Deutschland, teils im Osten nicht anders. Und was soll man sagen: die harte Linie hat sich ja irgendwie bewährt, oder? Naja, wer bereit war, mit dem Führer zu paktieren, musste im Grunde nichts befürchten.

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Krawalle in England: Die Ignoranz der Politiker rächt sich (nzz.ch)
Der Artikel liefert ein paar Anhaltspunkte und Infos zum Thema. Illegale Migration spielt in England nur eine eher untergeordnete Rolle. Die massenhafte legale Einwanderung wird aber in Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen, vor allem dort, wo die Menschen sich abgehängt fühlen.
Interessant ist mMn auch der Quervergleich zu anderen Protesten in den letzten Jahren in GB. Der Autor zieht den Schluss, dass immer dann, wenn Menschen sich von der Politik nicht gesehen fühlen, Unruhen drohen. So war es 2011, als dunkelhäutige Briten nachdem ein Ladendieb von der Polizei erschossen wurde aufgrund ihrer gefühlten Ohnmacht gegenüber Polizeigewalt London tagelang in Aufruhr versetzten und so ist es 2024 wieder, weil weiße Briten - angestachelt von Provokateuren - ihren Ärger über jahrelang nicht erfüllte Versprechen der Regierung(en), die Einwanderung zu begrenzen, meinen, ihren Protest gewaltsam zum Ausdruck bringen zu müssen.
Die Zündschnur wird auf jeden Fall immer kürzer und das verheißt für die Zukunft nichts Gutes.

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Komisch, ich nehme das immer so wahr, dass „die Rechten“ gegen die laxen Gesetze sind, also legale Migration, die die „ausländerfreundliche“ Regierung zulässt, bekämpfen will. Denn 1) warum müßte ich eine Regierung sonst so massiv attackieren?? 2) Illegal bedeutet ja, dass es vom Gesetzgeber NICHT gewollt ist. Die Aussage ist also, dass extreme Rechte der Regierung vorwerfen, dass sie von ihr selbst per Definition ungewollte Migration gut findet. Das ist doch paradox.

Und glaubst du wirklich, dass auch nur einer der marodierenden braunen Massen zwischen „legalem“ und „illegalem“ Ausländer unterscheidet, bevor er zuschlägt? Und woran würde er das festmachen? Wenn Flüchtlinge attackiert werden, ist da die Hypothese, dass die alle „illegal“ sind? Ah geh weida.

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Man muss es wohl nochmals so deutlich herausstellen:
Solche Geschichten werden von interessierter Seite, auch von russischen Trollen, im Netz lanciert, um tumb-doofe oder allzu willige Leser zu finden, die sie ungeachtet von Faktenchecks verbreiten.
Dass du es noch einmal so äußerst wie oben, ohne den hier konkreten Kontext, unter dem es zu den Randalen kam, zu beachten, obwohl er hier jetzt wiederholt korrekt dagestellt wurde, verrät entweder eine entsprechende Agenda oder, so leid es mir tut, eine verminderte intellektuelle Reflexionsfähigkeit.

Ich bin es wirklich leid, solche hetzerischen Netzfunde zu lesen. Was zum Geier ist nur los mit euch Typen? Statistisch ist die größte Gefahr für deutsche Frauen, Gewalt zu erleiden - der deutsche Ehemann. Gehe ich deswegen los und hetze gegen deutsche Ehemänner?

Das heißt noch lange nicht, dass diese Wut berechtigt ist.
Und Gottverdammt, der Scheiß kommt sogar dann, wenn der Ursprungspost einen Fall schildert, wo FALSCHINFORMATIONEN zu Randalen führten!!!
Könnte es nicht sein, dass unsere Probleme etwas komplexerer Natur sind als „nur“ illegale Migration??? Wie wär’s mit russischen Trollen und Rassismus? Mit Bürokratie, verkrusteter Gesetzeslage, mangelnder Integration und und und…

Wir hatten kürzlich erst die Debatte, wo einige forderten, rechte Trolle (oder gern auch linke) auszusperren oder zu ignorieren. Wir - also MSR - tut es aus absolut lobenswerten Gründen nicht, solange gewisse Regeln eingehalten werden.
Aber diese Entwicklung in England jetzt wieder zum Anlass zu nehmen, gegen Migranten zu hetzen oder auch „nur“ gegen Migrationspolitik, ist wirklich das Allerletzte. Meine Güte, wieviel Probleme muss man haben, um alles wirklich immer wieder auf das Thema Migration zu lenken???

Migration ist Realität. Und wird es bleiben.
Wir alle können uns entscheiden, ob wir uns gegenseitig nur noch die Köpfe einschlagen wollen oder generell das Wir-Gegen-Die-Denken pflegen, oder ob wir fair, vernünftig und humanistisch versuchen wollen, friedlich zusammen zu leben.

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das ist der Punkt. Meine Hypothese: Viele. Und die liegen sowohl im Kognitiven als auch im Selbstwert. Denn wer mit sich und seinem Leben im Reinen ist, ist auch anderen gegenüber toleranter. Hat es nicht nötig, ständig Schuldige an der eigenen Misere zu suchen etc.

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Wenn so etwas passiert, dann kommt das nicht aus der Mitte.Dann kommt es von einem rechtsradikalen Mob.

Natürlich gibt es Probleme aufgrund von Parallellgesellschaften, Clans von Menschen die hier kriminell werden. Von Teilen unserer Bevölkerung denen der Rechtsstaat am Arsch vorbei geht.

Ja, unsere Justiz ist in vielen Fällen überfordert. Wir haben eine Menge struktureller Probleme. Die zeigen sich auch daran,dass Integration oftmals scheitert und vielen anderen damit verwandten Themen.

Aber

Wenn wir zu demokratischen Werten stehen zu Rechtsstaatlichkeit, dann ist Selbstjustiz und ein lynchender Mob niemals zu tolerieren. Das wird die Mitte unserer Gesellschaft niemals gut heißen.

Dass die Mehrheit in Deutschland sehr unzufrieden sind mit der Regierungsarbeit kann nicht herhalten für solche Drohungen. Das ist Mittelalter.

Im übrigen sollte sich die Gesellschaft mal um Wirtschaftspolitik kümmern, die Probleme die wir da haben gefährden die Mitte der Gesellschaft, unseren Sozialstaat und den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Aber wahrscheinlich geht es uns noch zu gut oder diese Probleme sind dann zu anspruchsvoll. Da gibt es Themen die jeder Idiot glaubt zu verstehen, da reitet es sich einfacher drauf herum. Populismus eben.

Je komplexer unsere Welt wird, desto stärker wirkt das Gift des Populismus.

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Das ist ja der Treppenwitz, dass man den Ausländern vorwirft, das deutsche/britische Recht nicht anzuerkennen, aber dann Plünderungen etc für vollkommen legitim und normal zu halten und den Widerspruch nicht zu erkennen.

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Wie gesagt, ich befürworte das nicht was in England passiert. Aber es ist die Realität.
Und wer offenen Auges und Ohres durch die Welt läuft, der ist darüber nicht verwundert. Ob diese Wut berechtigt ist oder nicht ist egal. Sie ist da. Dass die Probleme und die Weltlage komplex sind ist klar, aber nur totschweigen und schönreden wird sie auch nicht lösen.

Ich hetze nicht. Willst du behaupten Migration in Deutschland (und in England) ist überhaupt kein Problem? Läuft alles toll? Brauchen wir nichts unternehmen, einfach so weiterlaufen lassen?
Okay, wenn du das so empfindest, dann gut. Deine Meinung.
Es gibt aber auch andere Meinungen dazu. Und die Menschen die eine andere Meinung wie du dazu haben sind nicht alles rechtsradikale Rassisten und Schläger und was weiß ich was. Und haben ganz normale Probleme wie du auch.

100% Zustimmung. Soweit möglich, sollte jedes Land aber bestimmen können wer und wie viele.

Das wäre doch mal ein Anfang. Aber für Wirtschaftspolitik ist die Regierung zuständig, wenn ich mich nicht irre.