Ich würde den Niedergang der Volksparteien nicht zu sehr verkomplizieren. Liegt m.E. einfach am gesellschaftlichen Wandel, größerer Pluralität der Gesellschaft, etc. Es gibt einfach nicht mehr so trennscharfe Klassen/Gruppen/Interessen.Gewerkschaften und Kirchen erodieren seit Jahren und das waren früher die wesentlichen Identifikationsstifter. Würde das an sich auch nicht negativ sehen. Politische Stabilität geht allerdings dadurch etwas verloren.
Wie du und auch @willythegreat richtigerweise schreiben, hätte ich die Identifikationsfrage zusätzlich aufgreifen müssen. Wobei gleichzeitig diese Frage aus meiner Sicht gerade an den Rändern eine ganz wichtige Komponente ist. Mit radikalen und damit sehr einfachen Parolen kann man sich leichter identifizieren als mit komplexen Zusammenhängen. Die Suche nach der Zugehörigkeit bleibt ja bestehen.
Sieht man ja auch bei der Religion. Der Zulauf zu esoterischen Strömungen bleibt konstant hoch, während die Kirchen leer bleiben. (Außer im ländlichen Bereich, die Schwiegereltern werden schräg angeschaut, wenn sie Mal nicht im Gottesdienst waren
)
Spannende Reportage aus der aktuellen Ausgabe der Süddeutschen. In der Wolle gefärbte Sozialdemokratin, alleinerziehende Mutter in Essen, tritt 2016 aus der SPD aus und 2021 in die AfD ein. Sieht dort ihre christlichen Werte, ohne es konkretisieren zu können, am besten verwirklicht und kann auch mit einer Reihe weiterer Widersprüche gut leben. Sprich: eine Sache des Gefühls. Das weckt in mir die Erinnerung an Kurts Aussage, er lasse sich hauptsächlich vom Gefühl leiten (nicht wortwörtlich, aber sinngemäß). Negative Dinge kann sie gut abspalten, sich „von dem ganzen rechten Zeug distanzieren“, und den Laden trotzdem als ihre Heimat empfinden, „weil da viele Menschen ähnlich denken.“
Danke!
Ich wollte das auch gar nicht damit ausdrücken, sondern wollte „nur“, und im Rückblick offensichtlich zu „schnell“ die aus meiner Sicht grundfalsche Aussage von Kurt, „Rechte sind friedlich“ „man liest nichts mehr von rechter Gewalt wie noch in den 90ern“ mit Fakten widerlegen. Mir ging es gerade nicht um ein „Aufrechnen“ sondern um den Schritt anzuerkennen, dass es auf „beiden“ Seiten diese sch… Gewalt gibt. Nochmals danke, dass du das herausgestellt hast!
Lebenswert definiert wohl jede(r) anders. Ich denke, die Welt wird sich stark verändern und wie immer wird es so sein, dass sich manche Dinge verschlechtern und manche Teilaspekte verbessern werden. Prinzipiell atmen wir heute ein deutliche gesündere Luft ein, als die letzten 100 Jahre. Es sterben jedes Jahr weniger Menschen durch Verkehrsunfälle. Unsere Lebenserwartung steigt stetig an durch bessere medizinische Versorgung und bessere Ernährung.
Gleichzeitig sinkt die Artenvielfalt, die Anzahl der Unwetter steigt, und ja Teile der Erde werden unbewohnbar.
Im Gegensatz zu manch anderen hier, habe ich Kinder und würde ihnen gerne manche Dinge erhalten, andererseits muss ich mir eingestehen, dass sie jetzt schon ein so viel höheren Schatz an Möglichkeiten im Vergleich zu meiner Kindheit haben, dass es unmöglich ist, alles so zu haben wie früher und die Vorzüge der Gegenwart der Zukunft zu genießen. Beispiele: wir haben früher auf der Straße gespielt und wir haben 2 Autos um unsere Kinder ins Theater, zur Musik, zum Sport fahren zu können, widerspricht sich nunmal. In einem Dorf gibt es nur einen Fußballverein, heute könnte ich auch in der nächsten Stadt BMX fahren. Ich kann mich selbst bereichern indem ich immer Informationen beziehe und andere Länder und Kulturen kennenlerne. Gleichzeitig zerstört der Betrieb des Internets und das Fliegen Inseln und Landschaften.
Prinzipiell treffe ich Entscheidungen, um meiner eigenen Moral gerecht zu werden. Alleine wird keiner den Klimawandel stoppen. Muss ich beispielsweise Milch von Kühen trinken oder Fleisch von Schweinen essen, die kein Sonnenlicht kennen?
Zitat
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Die Familienpolitik, die sei ihr viel wichtiger. Die betrifft sie ja selbst. „Ich, alleinerziehend mit zwei Kindern, da tut keiner mehr was für mich. Ich muss arbeiten, um irgendwie meine Familie am Kacken zu halten.“ Frage also, Frau Wortmann: Was tut die AfD für Mütter wie Sie? „Das kann ich so gar nicht genau sagen, wenn ich ehrlich bin.“
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Am Ende bleibt es also bei dem scheinbar „guten Gefühl“ es den etablierten Parteien gezeigt zu haben…
Würde sie sich damit beschäftigen, würde sie feststellen, dass die AfD zwar gerne von „kleinen Leuten“ spricht, in sozialpolitischen Fragen aber die neoliberale Lucke/Henkel-Tradition fortführt:
„Untere Einkommensschichten bis 40.000 Euro Jahreseinkommen profitieren gar nicht von der AfD. Insbesondere die Abschaffung des Solis und die Einführung eines sozial ungerechten Familiensplittings, wie die AfD es sich vorstellt, würden für ein Haushaltsloch von 50 Milliarden Euro sorgen – zugunsten höherer Einkommensgruppen. Am meisten profitierten diejenigen mit einem Einkommen ab 300.000 Euro. Bei sozial gerechteren Parteien, vor allem der Linken, sieht es genau andersrum aus.“
Quelle: Die AfD und die Sozialpolitik: National, neoliberal, nicht sozial - taz.de
Wieso? Dieser Gedanke setzt ja voraus, dass unser Planet nur unter exakt den klimatischen Bedingungen von Menschen auf eine lebenswerte Weise bewohnbar wäre, wie sie vielleicht so gerade eben heute noch vorherrschen.
Aber das ist ja keineswegs gesetzt. Sicher werden die Menschen in 50 Jahren nicht mehr in der heutigen Weise lebenswert leben können, an den heutigen Orten, in der heutigen Gebäudequalität usw. Viele werden umsiedeln müssen, man wird ortsbezogen anders bauen müssen, mancherorts z. B., wo das bisher nicht vonnöten war, wird man Klimaanlagen brauchen, um die Sommer zu überstehen (wie heute z. B. schon im Nahen Osten), andernorts wird man vielleicht das erste Mal richtige Heizungen einbauen müssen, weil der Zusammenbruch von gewissen Meeresströmen dafür sorgen könnte, dass manche Regionen in Europa oder Nordamerika im Durchschnitt spürbar kälter werden, als sie es heute sind.
Ich will hier nichts schönreden, der Klimawandel wird viele Menschen ganz unmittelbar und ganz existenziell in ihrem Leben betreffen, und tut es heute schon, und jedes Zehntelgrad Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur der Erde, das die Menschheit verhindern kann, bedeutet später zig Milliarden eingesparte Anpassungskosten an lokale Änderungen von Wetter und Lebensraum bei höheren globalen Durchschnittstemperaturen. Wir bekommen die Konsequenzen dieses Anstiegs ja in Form von Dürren, Bränden, Stürmen, Fluten und so weiter jeden Tag in extenso in den Medien zu sehen.
Allerdings ist ja, grundsätzlich betrachtet, die ganze Menschheitsgeschichte ein einziger dialektischer Prozess der Anpassung an die und Unterwerfung der Natur, der bisher stets außerordentlich erfolgreich war. Und so wird es auch in den nächsten 50 und 100 Jahren weitergehen. Auch wenn die Rate der Transformation momentan spürbar anzieht, sehe ich keinen prinzipiellen Grund, warum dieser permanente dialektische Adaptions- und Unterwerfungsprozess nicht auch in den nächsten 50 oder 100 Jahren noch für ein lebenswertes Leben auf diesem Planeten sorgen können sollte.*
*Wirkliche, harte, existenzielle Grenzen für die Möglichkeit des Menschen auf diesem Planeten zu leben - auch angenehm zu leben -, sehe ich nur, wenn uns entweder die Energie oder die Nahrung oder der Platz oder die Luft ausgeht.
Über die Luft habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber mir sind keine Berichte bekannt, dass dem Menschen demnächst der Sauerstoff ausgehen oder die Luft in der Atmosphäre in direkter oder indirekter Folge des Klimawandels unatembar werden könnte. Der Platz sollte kein Problem darstellen, auch wenn selbstverständlich durch einen gegebenenfalls ansteigenden Meeresspiegel dutzende oder hunderte Millionen Menschen gezwungen sein könnten, tiefer landeinwärts zu migrieren. Die Energie wird uns bis zum finalen Sonnenuntergang nicht ausgehen, und das ist noch ein paar Milliarden Jahre hin, bleibt also die Nahrung, das alte malthusianische Problem. Bei der Wasserversorgung gehe ich davon aus, dass der Mensch zur Not dank prinzipiell grenzenlos vorhandener Energie auf Meerwasserentsalzung zur Wassergewinnung umsteigen könnte, wenn alle Süßwasservorräte irgendwann aufgebraucht sein oder zusammenbrechen sollten. Was feste Nahrung angeht, scheint es so zu sein, dass es bei weiterer starker Erderwärmung zwar dazu kommt, dass sich die Regionen fruchtbaren Ackerlandes auf dem Planeten tendenziell weiter nordwärts verschieben würden, wovon dann Länder wie die USA, Kanada, Norwegen, Schweden, Finnland und Russland profitieren würden, während Regionen in vielen Teilen Afrikas, Südamerikas, Südasiens und Australiens an Fruchtbarkeit einbüßen würden, aber der Menschheit würde es nicht grundsätzlich an fruchtbarem Ackerboden mangeln, um eine Population von 10 oder 12 Milliarden Menschen zu ernähren.
(Das ist natürlich wohlgemerkt eine Grenzfallbetrachtung aber es sind ja immer die Grenzfälle, die das Spielfeld abstecken, auf dem man sich hinterher gedanklich und tatsächlich bewegen kann).
P.S.
Moment, wie hattest Du mich denn eingeschätzt? ![]()
der nächste widerliche Faschist, der die Maske fallen lässt - aber das war bei ihm ja schon lange klar… ![]()
Einen Aspekt sollte man auch noch erwähnen. Vielleicht ist unser Planet in den nächsten 50 bis 100 Jahren durchaus für Menschen noch lebenswert aber eben nicht für eine Weltbevölkerung von dann möglicherweise fast 10 Milliarden Menschen sondern vielleicht nur noch für deutlich weniger?
Allen, die sich nicht so mit dem bisherigen Wachstum der Weltbevölkerung befasst haben, sei mal der Blick auf diese Zahlen empfohlen:
Bevölkerungsentwicklung | Globalisierung | bpb.de
Die ältesten User hier wurden wohl gerade geboren, als die Marke von 3 Milliarden übertroffen wurde.
Als die heutigen Mittvierziger (schreibe ich jetzt mal, weil ich selber dazu gehöre) das Licht der Welt erblickten, waren ca. 4,4 Milliarden Menschen auf der Welt und ich hatte Zeit meines Lebens eher selten das Gefühl, dass es furchtbar leer wäre auf unserer Erde.
Zu meinen Lebzeiten sind aber bis zum heutigen Tag noch einmal über 3,4 Milliarden Menschen dazugekommen und die Entwicklung scheint derzeit nicht so, dass sich das wieder in eine andere Richtung drehen könnte.
Eine Prognose:
Ich hab’s gerade nicht gefunden, aber es gibt auch eine ausführliche Grafik dazu.
Mesut küsst die Augen von weidel? Oder wie ?
Ich blicke nimmer durch.
Hier noch etwas zum Thema, wie sich Sprache bzw. Ansichten im Laufe der Zeit verändern.
Braune Flut - DER SPIEGEL
Der Artikel hat mittlerweile fast 60 Jahre auf dem Buckel.
Klingt seriös und unabhängig.
Vielleicht brauchen wir noch ein Tschernobyl oder Fukushima damit es auch der letzte kapiert.
und wie auf Bestellung lässt auch Merz immer mehr die Maske fallen…
Danke für den Beitrag — hätte ich so jetzt nicht erwartet
Könnte zu einer Zerreißprobe für die Union werden.
Wieso nicht? Die Meinung zum Thema Atomkraft ist doch völlig unabhängig von Meinungen zu anderen Themen.
Im Grunde schon ein alter Hut.
Zusammenarbeit gibt es schon länger, auch von anderen Parteien.