Der Politik- und Gesellschafts-Thread (Teil 1)

Danke, hatte mich auch extra eingelesen ins Thema Kosten von Beamten vs. Angestellter mit selber Funktion.

Es ist in der Tat vorallem mal total illusorisch, dass damit direkt Geld frei würde für mehr sonstige Bidlungs (oder sonstige) Ausgaben, das liest man in der Tat überall, dass ganz im Gegenteil dann direkt deutlich höhere Kosten für die Bundesländer anfielen. Es ginge als tendenziell sogar eher auf Kosten unserer Kinder und Enkel (insbesondere eben deren Bildung wenn dann stattdessen dort noch gespart würde) und erst unsere Urgroßenkel würden davon wohl profitieren bildungstechnisch !!!

Selbst die Frage, was Overall das Bundesland auf Sicht der Lebenszeit des Beamten vs Angestellten weniger kostet ist keineswegs trivial:

Entscheidend ist hierfür der Zinssatz mit dem man diese Ausgaben nicht nur wie im Finanzbereich üblich „rück-diskontiert“ sondern sie als Rücklagen auch durchaus schon (ohne das von dir angedeutete „in die Tasche lügen“ das in der Tat noch weit verbreitet, in Bayern werden da aber zB sehr wohl auch Rückstellungen für gemacht) dementsprechend anlegen kann.

Und bei einem sehr langfristigen Zinssatz von aktuell grob 2,5% für Bundesanleihen sorgt das dafür dass die aktuellen Kosten gerade mal grob bei einem Drittel liegen im Vergleich dazu was in 40 Jahren gezahlt werden soll an Pension…

Und so selbst bei fair die zukünftigen Kosten eingerechnet/ bzw. zurück- und angelegt, der Beamte für den Staat Overall dann sogar billiger wegkommt als der Angestellte - völlig anders als wenn wie vor paar Jahren noch der langfristige Zins dagegen lange bei 0 lag, da wären dann langfristig wiederum die Angestellten deutlich günstiger gewesen…

Ich finde es zumindest bemerkenswert, dass der Satz, den ich explizit mit „nebenbei“ beschrieben habe, hier jetzt zu dieser Diskussion führt - die sehr sachlich und konstruktiv ist.

Ausgangspunkt war ja ursprünglich die Frage, wie man das Bildungswesen verbessern könnte.

Es war halt ein spannender Satz, den viele (vielleicht auch ich) so unterschrieben hätten, der sich wenn man es sich genauer anschaut aber als totale Illusion herausgestellt hat :wink:

Von daher, ja, allemal schöne Anregung Deinerseits ,:+1:

Wäre es im Umkehrschluß dann nicht erstrebenswert wenn viel mehr Berufsgruppen verbeamtet werden? Vielleicht sogar die gesamte arbeitende Bevölkerung?
Das würde ja dann einiges einsparen. :grinning::grinning:

Und „money, money, money“ halt eh fast immer zentraler Punkt bei allen politischen Fragen, so auch hier, wenn auch natürlich auch bei weitem nicht ausschließlich :wink:

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Maybe we can repeat it from the first phrase… :wink:

Bei den von Dir vorher angeführten Beispielen aus der kritischen Infrastruktur würde ich es in der Tat schwer überlegen.

Überall kannstes leider ned machen, insbesondere nicht auf die Schnelle, weil die aktuellen Rentner ja dummerweise von den aktuellen Beitragszahlern finanziert werden müssen.

Aber schrittweise immer mehr auf Kapital- (siehe das Bsp eben bei den Rücklagen für die Beamten) statt Umlagenbasiert umzustellen wäre durchaus erstrebenswert in der Tat…

Von was werden denn die Pensionen, bzw die Rücklagen dafür, finanziert?

Umsonst ist der Tot und der kostet das Leben. :wink:

Alles hat seine Vor- und Nachteile und meistens ist es nicht so simpel was denn nun besser Overall und erst recht nicht vom bisherigen Status quo wegzukommen wenn das denn erstrebenswert wäre…

Aber um doch auch konkret die Frage zu beantworten, genauso wie es das Bundesland für die Angestellten und den für sie zu zahlenden Sozialbeiträgen finanziert.

Was billiger ist keineswegs klar, siehe die beiden Zinsbeispiele vorher. Den Zinssatz in 10 Jahren zB kennt keine Sau ebenso wie die Inflationsrate dann, aber alles relevant dafür womit man besser wegkommt.

Prinzipiell aber nicht so verkehrt eben auch gerade auf unterschiedliche „Pferde“ zu setzen mit unterschiedlichen Risiken (Beamte vs Angestellte, Umlage vs Kapitalfinanzierte Rente) und den Leuten auch unterschiedliche Angebote zu machen - manche findens total geil Beamter zu sein, für andere eher ein Alptraum…

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Ich wusste es :laughing:

Keine weiteren Fragen :innocent::innocent:

Dann passts, ja :wink:

Wos Genaus woas ma ned…

@Andy und @Faenger:
hier noch ein paar Ergänzungen von meiner Seite:

Als Lehrer für Englisch und Geschichte kann ich den Arbeitsaufwand von Sportlehrern und Deutschlehrern natürlich nicht persönlich nachvollziehen. Es wird möglicherweise schon was dran sein, dass der Deutschlehrer mehr für sein Geld tun muss. Da wären wir dann aber bei folgender Scherzfrage: „Woran erkennt man Intelligenz? An der Berufswahl. Woran erkennt man wahre Intelligenz? An der Fächerkombination.“ Jeder Student, der sich für das Fach Deutsch entscheidet, hat in seiner Schulzeit (egal ob am Gymnasium oder an der Realschule + FOS/ BOS) mehrmals seitenlange Klausuren geschrieben, also kommt es nicht überraschend, wenn man solche dann auch als Lehrer schreiben und korrigieren muss.
Normalerweise haben Lehrer auch am Gymnasium aber nicht nur ein Fach, also gibt es im Normalfall weder den Deutschlehrer der 24 Stunden pro Woche Deutsch unterrichtet, noch den Sportlehrer, der die gesamte Woche nur Sport gibt. Bei Sportlehrern ist es übrigens so, dass es eine Rolle bei der Gesamtstundenzahl spielt, wie viele Stunden der Lehrer pro Woche Sport unterrichtet und wie viele Stunden er in seinem zweiten Fach eingesetzt wird. Wenn ein gewisser Prozentsatz an nicht-wissenschaftlichem Unterricht (da zählt Sport dazu) überschritten wird, dann erhöht sich die wöchentliche Arbeitszeit auf 27 oder 28 Wochenstunden statt der üblichen 24 Stunden. 24 Stunden veranschlagt man im Übrigen deshalb, weil man bei Lehrern in der Sekundarstufe von einem Arbeitsaufwand von 100 Minuten pro Unterrichtsstunde ausgeht und man bei 24 mal 100 auf 2400 Minuten also 40 ganze Stunden Arbeitszeit käme. Man rechnet also nicht nur die 45 Minuten, die der Lehrer vor der Klasse steht ein, sondern auch die Vorbereitung und die Nachbereitung (in diesem Fall hauptsächlich die Korrektur). Somit wird sich auch bei einem Deutschlehrer mit 30 Oberstufen-Schülern das Arbeitspensum von Woche zu Woche ziemlich unterscheiden. 1-2 „Horrorwochen“ mit Korrektur einer Klausur, die pro Schüler schon eine Stunde oder mehr in Anspruch nimmt, also Minimum 30 Stunden, stehen dann wieder Wochen gegenüber, in denen der Deutsch-Lehrer evtl. eine Lektüre liest inklusive Film dazu und dann wahrscheinlich nur unwesentlich mehr Zeit für die Stunde aufwendet als die 45 Minuten, die er/ sie in der Klasse verbringt. Sport ist natürlich im Regelfall weniger aufwändig in der Vorbereitung, dafür ist der Sportlehrer natürlich auch derjenige, der quasi für alle Schulfahrten gesetzt ist, weil man ihn fürs Skilager braucht, aber auch für Kennenlerntage, Sommersportwochen oder die Abschlussfahrt ans Meer, weil der Sportlehrer eben die Lizenz besitzt, die man aus Versicherungsgründen braucht, um bei diesen Fahrten auch Sportangebote anzubieten. Glaub mir: ich korrigiere mittlerweile lieber ein Wochenende durch, als mit einer Gruppe Teenagern eine Woche 24 Stunden pro Tag gefordert zu sein.
Kleine Anektdote: Wenn sich Deutschlehrer verschiedener Schulen auf Fortbildungen treffen, ist die erste Frage meist nicht: „Wie geht es dir?“ sondern „Wie viele Deutschklassen hast du dieses Schuljahr?“ :joy:

Auch hier muss ich zumindest ein bisschen einhaken. Wenn man mit seiner Gehaltsstufe zufrieden ist, dann kann man als Lehrer wirklich die oft angesprochene „ruhige Kugel“ schieben, weil man trotzdem auf dieser Stufe bleibt. Um aufzusteigen ist es aber vielfach nötig, eine Funktionsstelle (z.B. in der Schulleitung, als Seminarlehrer bei der Ausbildung, als Systembetreuer, Beratungslehrer etc.) zu bekleiden und hier kommt man nur dann zum Zug, wenn die dienstliche Beurteilung (die normalerweise alle 4 Jahre neu geschrieben werden muss) passt. Hier spielen sowohl die Qualität des Unterrichts als auch die über den normalen Unterricht hinaus geleistete Arbeit an der Schule eine Rolle und da solche Stellen eher begrenzt sind, muss man sich da schon ins Zeug legen, um ganz oben auf dem Stapel der Bewerbungen zu liegen.

Das ist in der Tat eine Riesensauerei. Aktuell ist diese Unart in Bayern gottseidank wieder auf dem absteigenden Ast, weil es in manchen Schulformen mittlerweile kaum mehr Bewerber als offene Stellen gibt oder sogar Stellen mangels Bewerbern frei bleiben. Die von dir geschilderte Situation war vor allem vor ca. 10 Jahren extrem. Kurz zur Ausgangslage: Man stellte sich damals auf rückläufige Schülerzahlen ein. Erst gegen Mitte der 2010er Jahre wurden im Schnitt wieder mehr Kinder in Deutschland geboren. Dann kamen durch die extrem steigenden Flüchtlingszahlen ab 2015 viele schulpflichtige Kinder hinzu. Somit war der tatsächliche Bedarf spätestens ab ca. 2020 deutlich höher als man es zu Beginn/ gegen Mitte der 2010er Jahre gedacht hätte. Es gab aber zwischen 2010 und 2015 eine Menge Lehramtsstudenten und entsprechend auch viele Referendare. Somit war ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen offenen Stellen und Bewerbern vorhanden. Jetzt kommt der Nachteil des Beamtentums zum Tragen. Im Kultusministerium sitzen nicht nur Pädagogen, sondern auch Finanzexperten und die haben den Auftrag, nur so viel Geld wie unbedingt nötig auszugeben. Da eine Planstelle für einen Absolventen des 2. Staatsexamens bedeutet, dass der Staat ihn/ sie quasi von Mitte 20 bis zum Tod finanziert, geht man mit diesen Stellen eher behutsam um. Bevor man also jemandem, der ausgebildet ist, um als Lehrer zu arbeiten, eine Planstelle anbietet, die sich evtl. mal als unnötig, weil zu viel herausstellen könnte, speist man die Leute, die ja auf dem Markt sind, erst einmal mit befristeten Verträgen ab. Diese Unart hat man sich natürlich von der freien Wirtschaft abgeschaut, wo Leihfirmen ja auch Hochkonjunktur haben. Im Schulwesen war es allerdings ein ziemliches Eigentor, denn nicht wenige haben dem Schuldienst den Rücken gekehrt und diese Leute könnte man heute gut brauchen.

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Hochinteressant, alles!

Danke für die Einblicke @willythegreat, die man so detailliert (zb 1h pro Deutsch Klausur und Schüler, wirklich gruselig in der Tat, lol) wirklich selten wo in den Berufsalltag bekommt und insbesondere bei Lehrern, bei denen auf der Gegenseite ja jeder so seine Erfahrungen hat als Schüler besonders interessant…

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Danke Dir für Deine - dann doch :wink: - Insider Einblicke.

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eine Ex-Freundin von mir unterrichtet an einer Gesamtschule mit Oberstufe in einem recht prekären Umfeld u.a. Deutsch-Leistungskurs…

heiligs blechle… mit ihr möchte ich nicht tauschen…

und um auch mal mit der Mär des vielen Urlaub aufzuräumen:
zum einen muss man immer mehr zahlen und man ist an die festen Zeiten gebunden… und - wenn man den Beruf ernsthaft betreibt - man hat von den 6 Wochen Sommerferien maximal 3 wirklich frei, wenn überhaupt…

Wie hieß es so schön bei Monty Python’s Flying Circus:

And now for something completely different…

Das Time Magazine hat soeben TAYLOR SWIFT als „Person des Jahres“ ausgezeichnet.

Nun kann einem diese „Auszeichnung“ schnurzegal sein. Ich finde diese Wahl immer ganz interessant, weil sich daraus so manches über die Zeit ablesen lässt, in der wir leben.
Also: Taylor Swift.
Auf den ersten Blick mag das überraschen - keine Person aus dem politischen Lager, keine Aktivistin, kein Unternehmer oder eine Wissenschaftlerin, kein Diktator, kein Papst. Ich zitiere aus dem SZ-Artikel, der wiederum das Time Magazine zitiert:
„In einer gespaltenen Welt, in der viele Institutionen scheitern, hat Taylor Swift es geschafft, Grenzen zu überschreiten und eine Quelle des Lichts zu sein“. Und: „Sie war wie das Wetter. Sie war überall.“

Mein Bezug zu ihr ist bis heute irgendwie ambivalent. Flächendeckender Erfolg ist für mich noch kein maßgeblicher Nachweis für Qualität, schon gar nicht in der Welt der Musik/Künste. Allerdings auch nicht zwingend das Gegenteil. Trotzdem lässt mich ihre Musik bis heute eher kalt, mag sie noch so viele Charts dominieren. Irgendwie ist mir da zuwenig Gehalt drin. Das ist alles nicht schlecht oder ekelerregend (wie so vieles, was sich gut verkauft), es ist… nett. Ihre Hinwendung vom redneckig angelegten Country zum Mainstream-Pop goutiere ich durchaus, und sie schreibt den Großteil ihrer Sachen selbst, das ist schon mal auf der Haben-Seite.
Gewisse Aktionen von ihr sind ausdrücklich cool. So hat sie etwa mehrere Hit-Albums, deren Rechte ein Heuschrecken-Manager erworben hatte, einfach neu eingespielt, etwas unveröffentlichtes Material dazu, Ergebnis: mal schnell acht von zehn Top Ten-Plätzen in den Charts belegt. Sehr cool.
Oder den Tour-Film mal zackig über die klassischen Kino-Verleihe hinweg direkt in die Kinos gebracht.
Derart kapitalistische Gewohnheiten oder Gepflogenheiten auszuhebeln, finde ich schon lässig. Offensichtlich ist sie in der Lage, als immer noch junge Frau in einem patriarchalischen Business wohlgemerkt, über die eigene Branche hinaus sogar, Bedingungen zu diktieren - und sie traut sich das auch!
(Dazu passt natürlich auch, dass sie verflossenen Liebhabern gerne bei der nächsten Platte textlich eine mitgibt…)

Trotzdem würde ich diesen Titel eher bei einer Beyonce sehen. Die für mich die wesentlich bessere Musik macht. Die politisch für Aufsehen und klare Ansagen sorgt (auch wenn Taylor diesbezüglich etwas aufgeholt hat).
EDIT: siehe auch bei den neuesten Posts im Musik-Thread.

Aber klar: Queen Bey ist Schwarz. Taylor ist weiß. Keine Wertung, natürlich. Aber Beyonce sorgt naturgemäß für Kontroversen, während mir Swift so wie die natürliche Nachfolgerin von Dolly Parton vorkommt: die, auf die sich alle einigen können (zumal in einem so gespaltenen Land).
Das ist schon eine gewisse Qualität für sich, zumal sie, wie erwähnt, mit diesem Pfund auch einiges Vernünftige anstellt. Rein künstlerisch würde ich mir wünschen, sie möge den Anspruch an sich selbst noch etwas höher schrauben - das Talent hat sie, und ihre Follower kann sie gerne auf ebendieses Niveau mitziehen. Das käme dann endgültig allen zugute, Stichwort Geschmacks-Bildung.

Ich würde gerne eure Gedanken dazu hören, sofern ihr das interessant genug findet. Allerdings verbiete ich die Nennung des Namens Helene Fischer bei euren Reaktionen. Just kidding…

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ich finde es bemerkenswert vielsagend, wenn ein beliebiges Popsternchen solch einen „Titel“ verliehen bekommt… gruselig!

zur Ablenkung hören ich jetzt Helenes Weihnachtskonzert…

Ist das jetzt auch rassistisch?

Und warum nicht Taylor Swift? Die jungen Menschen auf der ganzen Welt mögen und lieben sie.

Und künstlerische Qualität? Die hat sie ohne Zweifel. Wenn Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen etwas schön finden, dann kann es nicht so verkehrt sein. Dies als niedriges Niveau zu bezeichnen ist in meinen Augen fast ein wenig arrogant.

Word!!!

Hatte bisher einen Artikel zum Thema gelesen wo beklagt wurde, dass der Titel nicht an den Chat-GPT Gründer ging.

Das fand ich überzeugend, denn:

So n’en Boom jedweder Art auf der Welt, wie heuer mit AI, ausgelöst durch eben dieses, hat man weiß Gott nicht alle Jahre…

Nach Selensky ist die Verleihung doch sowieso nur noch eine Farce. Dieses Jahr Taylor Swift und nächstes Jahr wird es das AI-Model Aitana Lopez.