Der KICKER und Alisha Lehmann - eine Medienkritik (aber nicht nur)

Ist das schon der Streisand-Effekt? :thinking:

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Das habe ich mich auch zunächst gefragt.
Und mit Deinen Einwänden gebe ich Dir meistenteils sogar recht: Nein, der Kicker sexualisiert Lehmann nicht explizit. Nein, ein Medium ist nicht für jede Folge seiner Publikationen verantwortlich.

Verkürzte Antwort (wie vor):
Indem der KICKER einen Zusammenhang zwischen Nominierung (sportliche Qualität) und Instagram-Erfolg (außersportlicher Erfolg) unterstellt, wird dazu eingeladen, sie nicht mehr als Fußballerin zu bewerten. Lehmann wird zum Objekt. Die Folge haben wir beide analysiert. Der Vergleich mag hinken: Aber eine Waffen-Zeitschrift, die die Begeisterung von Waffen-Fans featured, kann auch nicht direkt für Graz verantwortlich gemacht werden.
Ich habe als Journalist die Wahl, ob ich einen Bericht über Lehmanns Struggle für die Nominierung verfasse - mit Fotos aus dem Kraftraum, vom Trainingsplatz usw. Ich könnte sie zum Beispiel interviewen, wie es ihr kurz vor der Nominierung geht mit dem ganzen Hype. Oder ich entscheide mich für den easy way - Hat die Queen of Beauty eine Nominierung verdient? Damit wird sofort ein Zusammenhang zwischen ihrem Social Media Content und ihrer sportlichen Qualifikation hergestellt - auf der Grundlage ihres Äußeren. Das ist mbMn Objektifizierung in Reinkultur.

Längere Antwort:

Blockzitat Überschrift Kicker
Social-Media-Königin, aber sportlich eine Randfigur
Reicht es für die EM? Ein Phänomen namens Alisha Lehmann
(…)
Die blonde Mähne zum Zopf gebunden, Wimperntusche, spitze Lippen, knappe Hose - so kennen die Fans Lehmann auf dem Rasen. Ihre Fotos und Filme bei Instagram: mit Ball beim Training, Meisterjubel mit Juventus. Und oft Bikini-Bilder und Szenen mit stylishem Outfit.
(…)
„Das hat vor allem mit ihrer Optik zu tun, die sie geschickt einsetzt. Die Leute erkennen sie wieder, das ist ein entscheidender Punkt. Sie steht für das Thema Attraktivität und einen bestimmten Lebensstil“, erklärte Wiske. „Überraschend ist, dass sie sportlich gar nicht so erfolgreich ist.“
(…)
Lehmann selbst sagte der Zeitung 20 Minuten: „Ich bin mittlerweile älter geworden und es ist mir egal. Ich finde die ganze Kritik sogar lustig. Wenn mich jemand für mein Make-up kritisiert, nehme ich halt extra den dunklen Lippenstift, dass sie noch mehr zu reden haben.“

Das alles sind Textpassagen, die sich zum Teil süffisant mit Lehmanns Äußerem beschäftigen.

Ich habe den ganzen Artikel durchforstet - außer Lia Wältis Hinweis, dass Lehmann genau so hart trainiere, wird genau zweimal etwas über die Fußballerin Lehmann gesagt: In der Überschrift „sportlich eine Randfigur“ und im Wiske-Zitat „sportlich gar nicht so erfolgreich“. Beides ist im Rahmen des Schweizer Fußballs faktischer Blödsinn (wie ich oben schon ausführlich aufgeführt habe).
Der KICKER verweist auf das weniger erfolgreiche letzte Jahr bei Juventus und ein schlechtes Spiel gegen Deutschland.
Das reicht aus, um sie zur sportlichen Randfigur zu machen. Der Rest des Artikels bezieht sich auf Lehmanns Äußeres und ihren Social Media Erfolg.
Mit Sportjournalismus hat das nichts zu tun, wohl aber mit dem Versuch, die Bekanntheit Lehmanns für eigene Publicity zu missbrauchen.

Ich glaube, besser kann ich es nicht erklären.
Nein, das Seite-1-Mädchen der BILD Zeitung ist nicht explizit für Vergewaltigungen, Prostitution und Pornoindustrie verantwortlich. Das alles gab es schon vor der BILD-Zeitung. Die BILD reitet lediglich die Welle weiter und melkt die Kuh.
Und genau dasselbe sehe ich beim KICKER.

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Ja, den Vorwurf habe ich erwartet.

Blockzitat Wikipedia
Der Streisand-Effekt bezeichnet ein soziologisches Phänomen, bei dem der ungeschickte Versuch, eine unliebsame Information zu unterdrücken, das genaue Gegenteil erreicht, weil er die öffentliche Aufmerksamkeit auf ebendiese Information lenkt und so ihre allgemeine Verbreitung fördert.

Dieselbe Diskussion führen wir bei Trump oder der AfD. Besser totschweigen, so tun als ob da nichts problematisches wäre…?
Allerdings versucht mein Artikel nicht, den (mir unliebsamen) Sexismus (sowie das im Journalismus zugrunde liegende Mindset) zu unterdrücken, im Gegenteil: Ich stelle ihn an den Pranger.
Der Streisand-Effekt meint exakt das Gegenteil: Der Versuch, Artikel, Fotos, Berichte zu unterdrücken, sorgt erst für deren Verbreitung. Ich will den KICKER-Artikel nicht zensiert sehen, sondern mit seiner Analyse dazu beitragen, dass wir Medien aufmerksamer wahrnehmen.
Ob ich das geschickt oder ungeschickt gemacht habe, überlasse ich Eurem Urteil.

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Bei der Sexismus Debatte wollte ich Ihren Namen neulich schon einwerfen. Da ich mich aber, weder mit Frauenfußball noch mit der Gesellschaftlichen Debatte um Seximus sonderlich gut auskenne, habe ich es gelassen.

Wollte ich nur mitteilen. :slight_smile:

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Ich habe mir mal ihre Stats und besonders die Spielzeit angesehen. Das letzte Jahr in England war auch schon sehr, sehr absteigend.

Hinzu kommt, dass sie im Schweizer Team seit Jahren keine unumstrittene Position hat.
Die Diskussion ob sie nominiert werden sollte, finde ich legitim. Sie ist sowohl bei ihrem Verein als auch im Nationalteam eher eine „Randfigur“.

Dass kein Lehmann-Artikel ohne Erwähnung ihres Äußeren auskommt, ist auf jeden Fall anstrengend. Das kann ich nachvollziehen.

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Genau richtig.
Die Diskussion ist legitim, ob Alisha Lehmann nominiert werden sollte.
Aber der KICKER führt die Diskussion, ob die Social Media Queen nominiert werden sollte, um eventuell von ihrer Popularität zu profitieren.
Ab da hat das Ganze nix mehr mit der Fußballerin Lehmann zu tun.

PS: Danke für das erste Feedback mit seriösen Stat-Infos zu ihrer sportlichen Performance - Du weißt ja, dass das mein wunder Punkt ist. Da bleibe ich auf Deine/Eure Background-Infos angewiesen. Vielen Dank - und weiter so in der Zusammenarbeit :+1::wink:

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Im NZZ-Artikel wird auf ihre eigenständige Absage der EM-Teilnahme 22 (aus privaten Gründen) hingewiesen, ohne dass ich verstanden habe, worum es dabei ging.
Klingt vor dem Hintergrund Deiner Spielwerte-Einschätzung so, als es sportlich seit zwei oder gar drei Jahren nicht mehr stabil für Lehmann läuft. Vielleicht gabs da einen persönlichen Knacks, von dem sie sich nicht mehr erholt hat…? Mer weiss et net.

Allerdings werden wir bald erfahren, was Pia Sundhage dazu denkt - wenn das Trainingslager der Schweizerinnen zuende ist und Sundhage das 25er-Aufgebot der Spielerinnen benennt, die gekommen sind, um zu bleiben…
Welches am kommenden Montag den 23sten veröffentlicht wird: Noch fünf Tage Geduld.

Am 26sten spielt die Schweiz ein letztes Testspiel gegen Tschechien.

Ich kannte ihn auch nicht, bis mir das OnlyFans Video von ihm bei Youtube vorgeschlagen wurde, muss Dir also nicht peinlich sein :wink:

Ich finde es wirklich schade, dass Frau Lehmann nicht selbst Stellung nehmen kann.
Vielleicht leidet sie unter dem ganzen Zauber (Die ich rief, die Geister…) ober sie ist so eine starke Frau, dass sie da komplett drüber steht.
Die Frage an sich finde ich aber absolut legitim.
Nominierungen erfolgen nicht immer aufgrund der sportlichen Leistungen.
Da gibt es bei den Männern und sogar bei der aktuellen Mannschaft des FC Bayern Beispiele genug.

Übrigens ist das alles viel weniger schlimm als das hier, habe das zufällig auf Twitter entdeckt. Und behelfsmäßig zensiert.

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Annika Doppler und Ivana Rudelic für die U19-Nationalmannschaft.
Selina Wagner, Kristina Gessat und Julia Simic im Kader des U23-Nationalteams.

Die fünf Frauen haben sich selbst dazu entschieden. Das ist der Unterschied zu Lehmann.
So begrüßte der FOCUS damals das Playboy-Fotoshooting

Ich glaube, nen weiteren Kommentar kann ich mir sparen.

Entschuldige meine Unwissenheit, ich verfolgen den Frauenfußball erst seid kurzem. Waren das 2011 Spielerinnen der Nationalmannschaft?

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Glaubst du nicht, dass auch Alisha Lehmann sich freiwillig dazu entschieden hat diese Rolle zu spielen?
Ich denke, es macht ihr Spaß sich so zu zeigen. Wieso auch nicht? Sie hat einen schönen Körper und wieso soll sie ihn nicht fotografieren?

Ohne das Interview der 5 Spielerinnen im damaligen Playboy finde ich deinen Post unzulänglich @Armaster .

Ich hab ein bisschen gebuddelt und Glück gehabt. Das haben die 5 Frauen dem Playboy damals auf seine Fragen geantwortet:

Blockzitat Playboy (ohne Garantie auf Vollständigkeit - ich hab den Text über 3 Umleitungen rekonstruiert)

Blockzitat

Playboy: Welches Klischee über Frauenfußball nervt Sie am meisten?
Simic: Mich nervt der Satz: „Du siehst ja gar nicht aus wie eine Frauenfußballerin.“
Dahinter steht dieses unzutreffende Bild der unattraktiven Fußballerin.
Rudelic: Genau, nach dem Motto: Die sind sowieso alle Mannweiber.

Blockzitat

Playboy: Warum wird der Frauenfußball dieses Image nicht los?
Doppler: Weil sich zu wenige Männer wirklich mit Frauenfußball beschäftigen. Die meisten Spielerinnen in den höheren Ligen
sind zwar sehr durchtrainiert, sehen aber immer noch weiblich aus - und oft auch sehr gut. Ich lade alle Männer ein, sich bei einem Spiel live davon zu überzeugen.
Simic: Ich glaube ohnehin, dass wir bereits auf dem besten Weg sind, dieses Image loszuwerden. Es spielen immer mehr süße,
hübsche Mädels Fußball, die auch shoppen gehen und Wert auf ihr Äußeres legen.
Gessat: Wir wollen mit unseren Playboy-Bildern ja auch genau dieses Mannweiber-Klischee widerlegen. Die Botschaft ist: Seht
her, wir sind ganz normale - und hübsche - Mädels!

Blockzitat

Playboy: In den 70er- und 80er-Jahren soll es in der deutschen Frauennationalmannschaft keine einzige heterosexuelle Spielerin gegeben haben. Wie hoch ist der Anteil an lesbischen Spielerinnen im Frauenfußball heute?
Rudelic: Ich bin 1992 geboren, in den 70er- und 80er-Jahren war ich noch nicht mal in Planung. Und bisher haben wir keine Erhebung gemacht, welche Spielerin
welche Orientierung hat. Natürlich gibt es homosexuelle Spielerinnen. Das ist im Frauenfußball kein Geheimnis.
Simic: Ich denke, auch bei den Männern gibt es homosexuelle Spieler. Aber die sind
einfach viel verschwiegener in dieser Hinsicht. Natürlich ist das auch deshalb so, weil ein Fußballer, der sich als schwul outen
würde, wohl einen extrem schweren Stand hätte in der Bundesliga. Bei den Frauen geht man damit einfach offener um.
Gessat: Ehrlich gesagt, das ist doch auch völlig egal. Ich weiß gar nicht, warum das immer so ein Thema ist. Der Sport sollte
im Vordergrund stehen.

Blockzitat

Playboy: Frau Wagner, Sie spielen in der Frauen-Bundesliga beim VfL Wolfsburg. In welcher Männerliga könnte Ihr Team
mithalten?
Wagner: Wir haben schon Kreisligamannschaften geschlagen, aber vor allem weil
wir taktisch und technisch besser waren. Körperlich waren wir deutlich unterlegen. Über das Kreisliga-Niveau hinaus wird es
schon schwer.
Gessat: Man darf nicht den Fehler machen, Männer- und Frauenfußball miteinander
zu vergleichen. Taktisch und technisch sind wir auf einem guten Weg, das gleiche Niveau zu erreichen. Aber was das Körperliche angeht, werden wir das nie schaffen. Wir werden nie so schnell laufen und so
hart schießen können.

Blockzitat

Playboy: In der gesamten abgelaufenen Bundesligasaison der Frauen gab es vier
Rote Karten. Bei den Männern waren es 32. Sind Frauen auf dem Platz freundlicher
zueinander?
Rudelic: Nein, wir teilen auch mal aus.
Simic: Es geht schon zur Sache, gerade verbal.
Wagner: Es fallen Sprüche, wie: „Pass auf, oder du fliegst!“
Ich habe auch schon
mal gehört: „Ich
brech dir das Bein.“ Aber es bleibt zum Glück meist bei den Drohungen.

Blockzitat

Playboy: Mal ehrlich: Sie haben Tickets für das WM-Finale der Männer und das
WM-Finale der Frauen. Beide Spiele finden gleichzeitig statt. Wohin gehen Sie?
Rudelic: Natürlich zu den Frauen, weil wir sie unterstützen wollen!
Simic: Ehrlich, Ivana?
Rudelic: Klar, da geht es ja auch um unsere Zukunft!
Simic: Na ja, unter dem Gesichtspunkt betrachtet, hast du vielleicht recht. Aber ganz ehrlich: Ich würde wahrscheinlich
die Männer vorziehen. Die warten ja mittlerweile seit über 20 Jahren auf einen Weltmeistertitel, während die Frauen jetzt bereits den dritten WM-Pokal in Folge
holen könnten.
Doppler: Ich würde die erste Halbzeit zu den Frauen gehen und die zweite zu den
Männern.
Wagner: Weil ich einige der Mädels persönlich kenne, die bei den Frauen mitspielen, würde ich wohl eher zum Frauenfinale
gehen.
Gessat: Da wäre ich auch dabei.

Blockzitat

Playboy: Louis van Gaal als Trainer: Albtraum oder Wunschtraum?
Simic: Auf jeden Fall Wunschtraum - für eine Zeit zumindest. Von seinem Fachwissen kann man auch als Frau nur profitieren.
Über eine längere Strecke hinweg könnte es mit ihm aber anstrengend werden.
Doppler: Die Männer beim FC Bayern hat er spielerisch schon vorangebracht. Ob er
mit seiner schroffen Art in ein Frauenteam passen würde, ist aber eine andere Frage.
Bei mir ist es so, dass ich schon einen etwas sensibleren Trainer brauche.
Wagner: Meins wäre er auch nicht. Ich brauche einen Coach, der menschlich ist, auf mich eingeht.
Rudelic: Van Gaal war ja mal Trainer einer
Frauenmannschaft.

Playboy: Van Gaal? Wirklich?
Rudelic: Ja, ganz früher. Das hat mir sein ehemaliger Co-Trainer Andries Jonker mal
erzählt. Er meinte, dass van Gaal einen seiner ersten Trainerjobs bei einem Frauenteam hatte. Die hätten reihenweise Titel
geholt - bis er kam. Im ersten Jahr unter ihm stiegen sie ab. Und im Zweiten spielten sie scheinbar auch grottenschlecht.

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Unglaublich dass das von 2011 ist. Liest sich ja teilweise wie 90er oder früher. Schrecklich.

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Du sagst es. Aber einfach nur das Titelbild hinzustellen ohne den zugehörigen Text lässt noch mehr Raum für Spekulatius.

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Stellt euch doch bitte mal vor, MSR hätte Grund, sich für Alisha Lehmann zu interessieren und würde sich wie der KICKER einen Artikel zum Thema gönnen.

Ich bin mir sehr sicher, dass die Redaktion sich Alishas sportliche Performance genauer anschauen würde - mit Daten, Zahlen, Fakten, so wie @Gratschifter und @Sascha_11 sie hier auch genannt haben. Und dann würde die Frage, ob eine Nominierung gerechtfertigt wäre, eine sachliche Einschätzung unter der Einbeziehung aller Faktoren finden.

Und dies deshalb, weil auf MSR seriöser Sportjournalismus geliefert wird, während der KICKER, der sich, sorry nochmal: als was versteht? Als seriöses Magazin über Fußball? - …einen Artikel abliefert, der exakt das tut, was @Gratschifter so treffend beschrieben hat.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass der KICKER sich bezüglich des Frauenfußballs normalerweise ein gepflegtes Desinteresse leistet. Ich hab diese Pappnasen lange genug gelesen - der Raum, den der Frauenfußball bekommt, ist lächerlich gering. Aber bei Alisha Lehmann springt man plötzlich auf einen Zug auf, der einem sonst am… langen Arm vorbeigeht. Nur über Sport schreibt man genau: nichts.

Nun ist es legitim, die grundsätzliche Frage zu stellen, welche Nominierungskriterien gelten. Und jeder Sportinteressierte wird darauf nur eine Antwort geben können, die eben sportbasiert ausfällt. Das selten andere Kriterien mit hineinspielen, mag eine Tendenz sein, die man feuilletonistisch hinterfragen kann, man kann auch mal nachfragen, wie diese Unterhaltungsindustrie funktioniert.
Oder man lässt es raunen wie der KICKER in dem Bewusstsein, dass die Kommentarspalten genau den Bodensatz der menschlichen Eigenschaften nach oben spült, wie ihn @Gratschifter so fleißig herausgearbeitet hat.

Tut ja keiner. Aber man sollte nicht übersehen, dass jeder Artikel, der seinen journalistischen Job so versteht wie hier geschehen, Einfluss ausübt, wie Menschen denken und die Welt wahrnehmen.

Die prinzipiell zugrunde liegende Thematik des Sex sells ist hier, finde ich, gar nicht so das Problem. Es wäre albern, sich gegen Vorgänge aufzulehnen, die ihre Grundlage auch in der Biologie haben. Und da Frauen wie Männer Interesse an Sex haben und wir in unserem kapitalistischen System mit Nachfrage und Angebot leben, wird sich das nicht ändern. Aber auch an Alisha Lehmann erkennt man, dass wir immer noch patriarchalische Strukturen haben, die Frauen eben nicht gleich behandeln, sondern objektivieren, reduzieren und auf eine Art beurteilen, die Männer eben nicht zu spüren bekommen. Und wehe, eine Frau erdreistet sich mal, dieselbe Nummer durchzuziehen wie ein Mann! Meine Güte, die kann sich aber warm anziehen.

Ich bin bei Gott kein Fan von Alisha Lehmanns Social Media-Aktivitäten. Auch, weil ich der Meinung bin, dass dem Frauen-Fußball nicht jede Form der Aufmerksamkeit immer nur gut tut. Aber wenn es das ist, was sie selbstbewusst tun möchte, hat sie jedes Recht, es zu tun. Allein die Frage, ob es wegen ihres quantitativen Erfolgs dort einen Einfluss auf Nominierungskriterien haben könnte/sollte, empfinde ich nach KICKER-Art formuliert als grob verlogen, dummdreist naiv, sachlich für eine Frau mit 60 Länderspielen und eine Entscheiderin namens Pia Sundhage (!) eine Frechheit sondergleichen.

Amen.
Und deswegen lesen wir den KICKER hoffentlich nicht mehr, oder mit kritischem Bewusstsein.

Was mich betrifft:
Großer Respekt für die Ausführlichkeit der Recherche, und Zustimmung zu all Deinen Punkten.

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@Gratschifter
Danke für den Kontext. Der muss natürlich immer mit erwähnt werden.
Ich habe ehrlich gesagt nur das Bild gesehen, dachte das passt eigentlich gut zu dem Thema Medienkritik und habe es gepostet.

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Nochmal: gehe da bitte in die Recherche und schaue dir an, was Lehmann aktiv macht, um Geld einzunehmen. Wie schon geschrieben, Lehmann verkauft einen playboy-ähnlichen Kalender mit sehr freizügigen Bildern. Und sie hat sich eine eigene Plattform aufgebaut, in der sie gegen Geld exklusives Material zeigt. Und wenn du dir das Profilbild von der Plattform anschaust, dann weißt du, dass es da weniger um Tore und Assists geht.

Ich finde es wirklich sehr naiv zu denken, Lehmann wurde da komplett unbeabsichtigt in etwas gedrängt, was sie nicht sein möchte.

Sie hat das zu 100% komplett bewusst gemacht und war und ist sich den Folgen komplett bewusst. Auch dass du dann weniger als Sportlerin wahrgenommen wirst, sondern eben mehr als Influencerin oder was auch immer. Nochmal, sie lebt davon und nutzt das ja auch gegen Geld aus. Ist jetzt nicht so als hätte sie einfach nur Lust was aus ihrem Leben zu zeigen und dann einfach Fotos postet, in dem nur ihr Hinterteil in einem Tanga zu sehen ist.

Ich habe die Karriere schon etwas verfolgt. Lehmann kommt hauptsächlich über ihre Geschwindigkeit. Sie ist keine besonders gute Fußballerin. Sie hatte am Anfang etwas mehr Einsatzzeiten, auch weil die Liga und die Teams damals noch nicht so gut waren. Danach hat sich ihr Fokus verändert. Es ist halt einfach extrem schwierig auf höchstem Level zu performen, wenn du ständig irgendwelche Fotoshootings, Medientermine, etc hast. Das schlaucht so, die Regeneration nimmt ab und es beeinflusst dich auf dem Fußballplatz. Aber auch das gehörte eben zu ihrer eigenen Entscheidung. Daher brauch man sie hierfür nicht bemitleiden. Nicht falsch verstehen, ich kann es absolut verstehen, dass sie das tut. Über Fußball wäre sie nie reich geworden, dafür reicht das Talent nicht aus.

Sorry, aber das ist kompletter Quatsch. Zum Sport gehört eben auch Business dazu und dann ist guter Sportjournalismus auch diese anderen Seiten zu beleuchten. Soll man sich als kicker jetzt komplett aus allen möglichen Business- und Politikthemen raushalten und nur noch über rein sportliches schreiben? Dann haben wir aber bald ganz dünne Blätter. Das ganze Obi-Ding war ja auch keine sportliche Entscheidung, sondern ein reines Politik-Ding.

Am Ende macht man das Thema völlig unnötig groß. Ja, für Lehmann wird’s eng mit dem Kader. Rein sportlich würde es nicht reichen und ich glaube bei Sundhage tatsächlich, dass sie sich von allem drumherum wenig beeinflussen lässt. Der Schweizer Verband wird sicherlich großes Interesse daran haben, dass sie mit dabei ist, da dann einfach eine ganz andere Aufmerksamkeit auf dem Turnier und der Mannschaft liegt.

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Da hast Du mich missverstanden.
Die fünf Frauen auf dem Playboy hatten sich für die Titelstory freiwillig entschieden. Alisha Lehmann sich für ihre adaptive Vermarktung durch den Kicker wohl eher nicht. (Ich würde an ihrer Stelle Tantiemen verlangen…)

Aber jetzt werde ich in eine Rolle gedrängt, in der ich Lehmann verteidige - und die nehme ich nicht an. Es ging und geht mir nicht um eine moralische Bewertung von Lehmanns Content. Allerdings hast Du mich erwischt:

Genau das habe ich wirklich nicht getan. Ich habe mich mit Lehmanns Content auf Instagram bisher überhaupt nicht beschäftigt. Denn das ist, was im Anschluss dann passiert: Nicht die fußballerische Frage (Lehmann for Nati) wird diskutiert. Sondern die moralische Frage (Calendar-Pin-Up-Girl for Nati). Wenn Du die Frage so diskutieren willst, haben wir eine neue Debatte. Bin gespannt drauf, wo und diese Debatte dann hinführt.

Aber in deiner Aussage, dass man einen Themen-Komplex vor dem Hintergrund aller Aspekte behandeln sollte, folge ich Dir.

Ich hatte das schon ausgeführt: Der Kicker-Artikel beschäftigt sich kaum mit Lehmanns fußballerischer Entwicklung (@Sascha_11, Du und ich haben in diesem Thread schon wesentlich mehr sportliche Fakten über Lehmann aufgezählt als der Kicker). Einen Bericht über die Lifestile-Celebrity Lehmann betitelt man nicht mit „ Social-Media-Königin, aber sportlich eine Randfigur - Reicht es für die EM? Ein Phänomen namens Alisha Lehmann“
Der Kicker reitet die Alisha-Welle, die die NZZ zuerst aufgenommen hatte. Mit Sport und Fußball hat das recht wenig zu tun. Aber die Überschrift suggeriert, das es das täte.

Weiteres Beispiel zur Seriosität von Recherchen des Kicker gefällig:

Die Trittbrett-Fahrer-Geschichte beruhte auf einem Hoax eines FakeProfils, dem die Internet-Community, ea-Sports und letztendlich der Kicker auf den Leim gingen.
https://tribuna.com/de/blogs/jack-grealishs-falscher-kommentar-zu-alisha-lehmanns-post-ge/
Sechs Tage, nachdem Tribuna den Hoax dokumentiert, greift der Kicker die Story auf, ohne mit einem Wort darauf hinzuweisen, dass das Ganze auf einem Fake beruht. (Wenn ich das mit einmal googeln herausfinde, könnte der Kicker das auch.)
Entspricht das Deiner Vorstellung von „gutem Sportjournalismus, der auch diese anderen Seiten beleuchtet“?
Ich frag mich dabei dann schon eher: Unwahrscheinlich, dass der Kicker-Autor „svg“ zu blöde war, einmal „Lehmann - Grealish“ zu googeln, um dann nicht sofort über mehrere Artikel zum „Fake-Account Grealish zu stolpern“.
Dann bleibt nur noch vorsätzliches Ignorieren und Verschweigen als Option - warum? Weil die Welle geritten wird, weils Klicks generiert. Ist doch egal, ob das alles auf ner Ente beruht - Hauptsache Auflage, würde die Printabteilung der BILD sagen.
Muster erkennbar?

Nun ja.

Letzten Endes war das indirekt, worauf ich im Nebenthema auch hinaus wollte. Erst die Verknüpfung von Lehmanns Popularität mit der Frage ihrer Nominierung bläst das Thema auf. Die NZZ ritt diese Welle zuerst, der Kicker sprang auf den Zug auf.

Da sind wir einer Meinung. Die wird nen Sch… auf das ganze geben (und hat, nebenbei gesagt, auch echt wichtigeres zu tun…)
Fußballerisch habe ich ebenfalls keine Einwände gegen deine Ausführungen zu Lehmann (ich bin da weniger hart und absolut, aber das sind Peanut-Unterschiede) - zum gleichen Schluss sind @Sascha_11 und ich weiter oben auch schon gekommen.

Aber mein Ausgangs-Thema war nicht die Frage der Nominierung Lehmanns. Sondern die Instrumentalisierung ihrer Popularität zu „Auflage“-Zwecken durch NZZ und Kicker.

By the way:

Meinst Du das Hin und Her um ihre EM-Nominierung? Was meinst Du damit - war ein Polit-Ding?

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