Mit Burnley stieg Kompany auf, weil er extrem auf Offensive, laufintensives Pressing- und Gegenpressing setzte und damit die englische 2. Liga in Grund und Boden spielte.
In der Premier League bleib er diesem äußerst offensiven Stil, der auf dem ganzen Spielfeld auf 1:1-Situationen setzt, unverdrossen treu.
Da die gegnerischen Angreifer hier aber deutlich stärker waren als in der 2. Liga, hagelte es Niederlage auf Niederlage, ohne dass Kompany versucht hätte, in seinem System die defensive Absicherung und „Restverteidigung“ auf ein professionelleres Niveau anzuheben, das in der Premier League aber dringend notwendig gewesen wäre.
Er versuchte, Teams wie Liverpool und ManCity genau so „über den Haufen zu rennen“, wie es in der 2. Liga doch so hervorragend geklappt hatte - ohne zu berücksichtigen, dass sich erstens die erfahrenen Abwehrspieler solcher Topclubs nicht so einfach auskombinieren lassen und zweitens deren erstklassige Angreifer die eigene, auf einem 1:1-System basierende Defensivreihe überwinden würden.
In den englischen Medien wurde Kompany deswegen monatelang für seine Sturheit und taktische Inflexibilität kritisiert, änderte aber nichts.
Die Folge war, dass sein Team sang- und klanglos wieder abstieg - und er erstaunlicherweise vom FCB als neuer Cheftrainer verpflichtet wurde!
Nun haben seit dem gestrigen Spiel hier wohl viele Angst, dass sich genau das bei uns wiederholen könnte - obwohl der FCB natürlich über einen viel hochwertigeren Kader verfügt als Burnley.
Also die Angst, dass sich mit Kompanys laufintensivem Pressing und 1:1 zwar Teams wie Ulm 4:0 besiegen lassen, dass man mit diesem Ansatz aber schon gegen mittelmäßige BL-Teams wie Wolfsburg viel zu viele Torchancen zuließ und locker hätte verlieren können.
Insbesondere, wenn Spieler wie Min-jae Kim und Upamecano wieder ihre notorischen konzentrativen Aussetzer zum Besten geben, ist das 1:1 im Defensivverhalten zum Scheitern verurteilt. Und wie Du zu recht sagst, steht zu befürchten, dass Gegner der nationalen Spitze oder gar in der CL sich unsere defensiven Defizite noch viel stärker zunutze machen werden als Wolfsburg.
Die alles entscheidende Frage wird nun also sein, ob Kompany diese Schwachstellen seines Systems rasch erkennt und es soweit modifiziert, dass wir auch hinten sicher stehen.
Natürlich war es in diesem Zusammenhang sicher ein Fehler, ausgerechnet de Ligt zu verkaufen. Wenn Min-jae Kim und Upamecano weitere eklatante Fehler begehen, sehe ich schon kommen, dass unsere Innenverteidigung in Kürze aus Dier und Goretzka bestehen wird. Von daher kann ich nur hoffen, dass Eberl und Freund in den nächsten Tagen doch noch einen neuen guten Abwehrspieler verpflichten - ob nun doch Tah oder jemand anderen Guten.
Wenn es Kompany gelingt, sein System zeitnah mit genügend defensiver Stabilität zu kombinieren, steht ihm beim FCB eine große Zukunft bevor.
Sollte er sich aber als ein „one trick pony“ entpuppen und - wie schon zuvor in der PL - stur an seinem gestrigen System festhalten und auf diese Weise tatsächlich bald die ersten Niederlagen einfangen, wird er bei uns sicher nicht alt werden.
Mein Trainer-Favorit für diese Saison war ja Mourinho, weil ich dem zugetraut hätte, Ordnung und Disziplin in unseren schon seit Jahren löchrigen Defensivverbund reinzubringen.
Kompany hat (v.a. offensiv) sicher große Qualitäten, aber erst wenn er seinem System „30 % Mourinho“ beimengt, wird er wirklich erfolgreich sein.