Berater und Gebühren

Da gibt es doch einen ganz einfachen Ausweg:
Ab sofort nur noch 10-Jahres-Verträge, bzw. Vertragslaufzeiten bis zum 33. Lebensjahr.

Früher wurden 2- oder 3-Jahres-Verträge abgeschlossen, mittlerweile sind 5Jahre Standard. Wenn die bösen Profis diese dann auch einfach auslaufen lassen und ablösefrei wechseln, dann müssen wir sie halt demnächst 7, 8 oder gleich 10 Jahre an uns binden.
Dann hast halt irgendwann jede Menge Ladenhüter, die ihre Verträge aussitzen oder abgefunden werden wollen.
Ein Teufelskreis :smiling_imp:

1 „Gefällt mir“

Das habe ich von dir schon ganz anders gelesen.
Woher der Sinneswandel?

Vielleicht sollte „Spielerberater“ nur als zertifizierter Ausbildungsberuf zugelassen werden. Statt mächtiger Cohiba, entspiegelter Ray-Ban und maßgeschneidertem Brioni muss dann eine schlichte, aber fälschungssichere A-Lizenz vorgewiesen werden…

1 „Gefällt mir“

918: Zwei Anmerkungen:

I. Deine Aussage stimmt nicht ganz. Technisch gesehen sind Ablösen nach Beendigung der Laufzeit nicht refinanziert, sondern lediglich abgeschrieben, der Spieler als Asset hat also in den Büchern noch einen Wert von 0 (Erinnerungswert 1). Aber wenn der Verein für den Spieler, sagen wir, 50 Mio. Euro ausgegeben hat, diese Summe aber über die Vertragslaufzeit = Abschreibeperiode ceteris paribus nicht wieder einnehmen konnte, hat er den Spieler streng genommen nicht refinanziert.

II. Ein grundsätzliches Problem von Spielern als Investitionsgütern ist ja, dass sie eines der ganz wenigen aktiv in der Produktion eingesetzten Güter sind, die im Laufe der Zeit in aller Regel an Wert gewinnen und nicht verlieren. Mir fällt spontan keine andere Maschine ein, die normalerweise im Produktionsprozess sozusagen „reift“ und immer wertvoller wird.

Dieser Umstand führt natürlich dazu, dass die berechtigte Erwartung entsteht, dass für einen Spieler bei einem Wechsel eine Ablösesumme bezahlt wird, denn wer gibt schon gerne ein werthaltiges Wirtschaftsgut für Null ab, egal wie abgeschrieben sein Buchwert sein mag.

Ergänzung: Und dieser Umstand wiederum führt dann dazu, dass die Erwartung entsteht, dass die Vereine sich rechtlich gegen das Eintreten dieses Falls - ein Spieler geht ablösefrei - absichern, sprich, frühzeitig die Verträge der Spieler derartig verlängern, dass dieses Szenario regelmäßig nicht eintritt. Spielerverträge sind im Fußball im Regelfall nicht dazu da, eingehalten zu werden, sondern lediglich als Absicherung für den Verein, sein werthaltiges Wirtschaftsgut nach Ende der Nutzungsphase zu einem marktgerechten Preis veräußern zu können. Eine Vertragsdauer von X zwingt nach deutschem Recht niemanden, diese einzuhalten, sondern sie kann jederzeit im gegenseitigen Einvernehmen der Vertragsparteien vorzeitig verlängert oder verkürzt werden. Und genau eine solche vorzeitige Ablösung des Vertrages sollte im Fußball in Anbetracht der Besonderheit des Wirtschaftsguts „Spieler“ aus Sicht des Vereins der Regelfall sein und entsprechend in der strategischen Kaderplanung IMMER angestrebt werden (Ausnahme: Spieler am natürlichen Lebenszyklusende). Alles andere wird von den Fans berechtigterweise als eine zumindest finanzielle Niederlage gesehen, wenn vielleicht auch nicht immer als sportliche.

Insofern kann ich all diejenigen, die nicht so wie du einen sehr technischen und engen buchhalterischen Blick auf die Dinge werfen und die beim Abgang eines Spielers einen angemessenen monetären Gegenwert ungefähr in Höhe seines Marktwertes erwarten, schon sehr gut verstehen. Buchhalterische Feinheiten hin oder her.

4 „Gefällt mir“

Zum Thema „Das Geld an Berater fließt aus dem Fußball“, das Hasenhüttl in dem o.g. Kicker-Interview und viele andere immer wieder ansprechen.

Das hört sich erst einmal griffig an, und wer möchte schon, dass die Raiolas und Zahavis und Struths dieser Welt das Geld, das die Fans mit ihren Trikotkäufen und Sky-Abos in den Fußball geben, aus diesem mit vollen Händen wieder abziehen.

Aber was heißt eigentlich „aus dem Fußball“? Was ist denn „der Fußball“? Wo fängt er an, wo hört er auf? Das müsste man erst einmal sauber definieren. Sind die Bauunternehmer, die die Stadien der Vereine bauen, Teil des Fußballs? Sind die Handwerker, die die Vereinsheime ausbauen, Teil des Fußballs? Sind die Bäcker, die Feinkostläden, die Autohändler, die Fashion-Designer, bei denen die Spieler ihr üppiges Geld lassen, Teil des Fußballs?

Ich glaube, wir alle können uns darauf einigen, dass die Spieler und die Clubs und ihre Angestellten Teil des Fußballs sind, aber darüber hinaus wird es schon schwierig. Berater machen ja eigentlich letztlich nichts anderes als auch die Spieler: Sie stellen ihrem Arbeitgeber - oder in diesem Fall Auftraggeber - eine Dienstleistung zur Verfügung und werden dafür bezahlt. Und genau wie die Spieler und Angestellten der Vereine tragen sie dann ihr verdientes Geld in die weite Welt hinaus, also heraus „aus dem Fußball“.

Und was ist eigentlich mit der Einnahmen-Seite? Sind die Sponsoren „Teil des Fußballs“? Die Pay-TV-Anbieter? Beklagen sich die Mitarbeiter von Audi und der Telekom, dass das Sponsoring-Geld ihrer Unternehmen an die Bayern „aus der Automobilindustrie“ oder „aus der Telekommunikationsindustrie“ abfließe? Die Kunden von DAZN & Co. überweisen ihr in aller Regel außerhalb des Fußballs verdientes Geld sogar freiwillig „in den Fußball“.

Man kann bei den Geldflüssen im Fußball empirisch sicherlich eine höhere Frequenz und auch ein höheres Volumen zwischen den Vereinen untereinander als zwischen den Vereinen und dritten Parteien feststellen, aber ein lebendiges Wirtschafts-Ökosystem lebt davon, dass sich das Geld möglichst breit verteilt und einzelne Sektoren überschreitet.

Versteht mich nicht falsch, ich finde die Höhe der Beraterprovisionen heutzutage auch enorm, aber in meinen Augen haben diese Summen eine viel größere Aussagekraft über den Zustand des Fußballs an sich und ich glaube, es wäre besser, über diese Summen einmal insgesamt nachzudenken, als mit dem Argument, zu viel Geld fließe „aus dem Fußball“ (an die Berater) sich in letztlich nur symptomatischen Nebenkriegsschauplätzen zu verlieren.

5 „Gefällt mir“

Jetzt mal unabhängig wohin dieses Geld fließt, finde ich die Frage viel spannender und auch ärgerlicher warum es überhaupt fließt.
Klar, es gibt gut begründete Zahlungen an Berater, wenn wir sie z.B. auf unsere Initiative als Makler einsetzen, wie öfters bei Branchini.
Aber sonst?
Struth hat mit Nahelsmann, Upa und Süle drei hochrangige Klienten bei uns. Er wird über die Jahre sehr, sehr viele Millionen vom Verein abzapfen.
Aber wofür eigentlich? Welche Dienstleistung hat er vollbracht?
Er hat für alle die höchstmögliche Gage ausgehandelt. Und zum Dank dafür, will er für diese Summe auch noch eine Provision. Vom Verein?
Eigentlich wäre es doch eine Selbstverständlichkeit, dass der Profiteur der Dienstleistung dafür bezahlt. Und das ist nun mal der Spieler.

4 „Gefällt mir“

@918: Ich finde es immer wieder bemerkenswert, mit welcher gedanklichen Sprunghaftigkeit du hier munter durch die Themen pflügst. :smile:

Du hast Recht, unter den besonderen Ausnahmebedingungen dieser Pandemie kann ein ablösefreier Verlust eines Spielers im Einzelfall gerechtfertigt sein, wenn der sportliche Mehrwert, den Spieler zu halten, den finanziellen Verlust eines ablösefreien Wechsels kompensiert.

Ich überblicke den Markt nicht gut genug und kann auch die Qualitäten weder der aktuellen Bayern-Spieler noch potenzieller Ersatzkandidaten gut genug einschätzen, um mehr als nach reinem Bauchgefühl sagen zu können, in welchem Fall welche Entscheidung gerechtfertigt wäre.

Aber als grundsätzliche Richtschnur würde ich als Vereinsverantwortlicher immer alles versuchen, einen ablösefreien Wechsel eines werthaltigen Spielers, also ein Auslaufen eines Vertrages, nach Möglichkeit zu verhindern. Das wäre immer der Ausgangspunkt meines Handelns. Von dieser Basis würde ich dann fallweise je nach sportlicher und wirtschaftlicher Opportunität abweichen. Ablöse, Gehalt, Handgelder, Beraterprovisionen, Vertragslaufzeiten, antizipierte Wertentwicklung - vieles (nicht alles, zB den sportlichen Wert) kann man ja mathematisch berechnen, man muss diese Variablen dann mit Werten füllen.

Mein Bauchgefühl sagt mir: Dass Boateng gehen lassen wurde und Sühne gehalten, fand ich richtig und strategisch klug. Tolisso würde ich im Sommer gehen lassen. Für einen neuen Verteidiger würde ich keine >40 Mio. Euro ausgeben, Name egal (Ausnahme de Ligt :wink:), und bei den ablösefreien Spielern, die Struth für den Sommer prognostiziert, wäre ich sehr vorsichtig. Diese Situation bietet natürlich eine Riesen-Chance, aber ablösefrei bedeutet nicht kostenfrei. Die Bayern sollten sich ihren Bedarf im Sommer genau überlegen, und zwar Position für Position ganz gewissenhaft.

4 „Gefällt mir“

@Jo_1: Aber glaubst du denn, dass die insgesamt fließenden Beträge vom Verein an die Spielerseite (wie es immer so schön heißt) kleiner werden, nur weil offiziell der Spieler den Berater bezahlt und nicht der Verein? Ich glaube, dasselbe Geld wird einfach nur zuerst zum Spieler fließen und dann zum Berater.

1 „Gefällt mir“

Überrascht mich, dass du das bei Hernández so siehst, aber dem kann ich nur zustimmen. Wäre aber ein enormes Verlustgeschäft bei der Ablöse.

Morgen hat er schon wieder eine andere Meinung dazu.

Erstens wäre es so einfach sauberer.
Aber es ist natürlich auch genau die Argumentation der Berater, dass man nichts zu ändern braucht, weil es genauso käme. Wenn es denn so wäre, müsste sich doch auch kein Berater dagegen sträuben?

Aber in der Realität würde dann die Beraterbranche in einer ganz anderen Welt aufwachen. Und keiner für sie besseren.
Es ist immer die Frage, wem du was, mit welcher Argumentation wegnimmst.
Und wenn es die Spielerseite wäre, würde das doch sehr anders aussehen.

Mal ein konstruiertes Beispiel:
Struth handelt für Süle bei Bayern einen Vertrag aus für 10 Mio €. Für sich veranschlagt er 5 Mio € Provision. Er geht damit zu Süle und erklärt das maximale Angebot von Bayern wäre 10 Mio €. Die Beraterprovision spielt für Süle keine Rolle.
Süle sind 10 Mio zu wenig, Vertragsverlängerung geplatzt.
Im alternativen Szenario handelt Struth für Süle 15 Mio € aus. Die Summe die Bayern bereit war insgesamt zu zahlen.

Er geht zu Süle. Der ist begeistert. 15 Mio, wow! Wo unterschreibe ich?
Dann Struth: Alles wunderbar, aber vergiss nicht, dass du mich auch noch bezahlen musst.
Süle: Is klar Volker, wie viel wäre es denn?
Struth: Ich hatte so 5 Mio € kalkuliert.
Süle: Mann, Volker bisse bekloppt??? 5 Mio für 2 Stunden Gespräche?? ich geb dir ne Million. Damit biste mehr als gut bezahlt!

Resultat: Süle verdient 14 Mio im Jahr. Freut sich wie Bolle.
Der Verein bekommt die Vertragsverlängerung für genau das Geld das er ausgeben wollte.
Struth? Ballt die Faust in der Tasche und kauft sich zum Trost einen neuen Sportwagen.

5 „Gefällt mir“

Erstaunlich wenig Unterschied im Vergleich zur BL.
Die liegt bei ca. 200 Mio € bei 18 Vereinen.

1 „Gefällt mir“

270 Millionen Pfund sind halt aber auch 317 Millionen €

Macht einen Unterschied von 117 Millionen €

1 „Gefällt mir“

Wenn die Frösche derart quaken, scheint es schlecht für den Sumpf zu stehen.
Gut so. :slightly_smiling_face:

Er will zu uns wechseln

Wittmann gegen den DFB.

2 „Gefällt mir“

Ein deutsches Landgericht stoppt die FIFA.

Interessante Begründung:

In der Begründung, die dem „SID“ vorliegt, heißt es, dass ein Verstoß gegen das Kartellverbot vorliege, „weil die angegriffenen Beschlüsse der FIFA und deren zu erwartende Umsetzung durch den DFB geeignet seien, den Handel zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu beeinträchtigen“. Zudem würde eine „Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Binnenmarkts“ bezweckt.

Den Handel zu beeinträchtigen? Welchen Handel? Den Spielerhandel?

2 „Gefällt mir“

Ein interessanter, natürlich auch zweischneidiger Ansatz. Mal schauen was auf Strecke daraus wird.

1 „Gefällt mir“

Hätte mich sehr gewundert, wenn das anders gewesen wäre. Die Sache war natürlich glasklar.

Bin ja immer noch der Meinung, dass die Berater von den Spieler selbst bezahlt werden sollten. Würde in Summe wahrscheinlich kaum etwas ändern, aber der psychologische Effekt für die Spieler, dass die Berater etwas von deren Geld und nicht direkt vom Verein bekommen, wäre vielleicht schon etwas wert.

4 „Gefällt mir“