Analysen Transfers und Kader (Bundesliga+International)

Nachdem @Bart7 bereits mit einigen Analysen der Kader & Transfers der Bundesligisten angefangen hat, möchte ich hier die richtige Bühne für geben.

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Die Transferzeit ist so ein bisschen meine Lieblingszeit im Jahr. Hab deshalb aus Spaß am Mercato ein paar kleine Analysen gemacht. Vielleicht interessiert es ja wen oder regt zu Diskussionen an. Den Anfang mach ich mit dem 1. FC Köln und der Frage, ob er gerade sehenden Auges auf den Abstieg zusteuert oder clever das Fundament für Transfergewinne legt, die einen nachhaltigen Kaderumbau in der Zukunft ermöglichen.

1. FC Köln

Nachdem man überraschenderweise Said El-Mala halten konnte, fehlen auf der anderen Seite natürlich die Einnahmen aus dessen Transfers. Dadurch, dass man Kaminskis Kaufoption von Wolfsburg ziehen und ihn mit 11,5 Mio. Transfergewinn zu Benfica weiterverkaufen konnte, ist aber etwas Spielraum vorhanden gewesen.

Mit den Leihspielern Özkacar und Lund sowie zusätzlich Eric Martel verlor man erfahrene Spieler, die viele Einsätze hatten, ohne von ihren Leistungen her unersetzbar zu sein. Mit Gideon Mensah und Ellyes Shkiri holte man auf diesen Positionen WM-Fahrer, bei denen aber unsicher ist, wie gut sie sich der Liga anpassen bzw. wieder in alte Form (Shkiri) kommen können. Letzteres gilt auch für den am Deadline Day verpflichteten Borna Sosa, der schwierige Jahre bei Crystal Palace hinter sich hat. Ein echtes Upgrade zu Özkacar dürfte dagegen Neuzugang Luka Lochoshvili sein, der in Nürnberg einer der stärksten Verteidiger der Zweiten Liga gewesen ist.

Tom Krauß wurde nach seiner Leihe fest verpflichtet und erweitert im dennoch dünn besetzten Zentralen Mittelfeld die Optionen ebenso wie Paul Okon-Engstler. Thijs Dalinga könnte sich nach zwei durchwachsenen Jahren bei Bologna als der Transfer des Jahres entpuppen. In seinem ersten Einsatz in der BL erzielte er direkt zwei Tore. Sollte es so weitergehen, dürfte der FC seine 11 Mio. teure Kaufoption ziehen, sei es um ihn zu behalten, sei es um wie bei Kaminski vom Weiterverkauf profitieren. Zusammen mit einem Abgang von El-Mala könnte das hohe Transfererlöse im nächsten Sommer bedeuten, die einen größeren Kaderumbau ermöglichen könnten.

Auch bei Jahmai Simpson-Pussey und Reigan Heskey, die aus der Akademie von Manchester City für zusammen 8 Mio. gekommen sind, dürfte die langfristige Wertsteigerung der Plan sein. Sollten sie sich in der BL durchsetzen können, dürften sie als begehrte Homegrown-Player ein Vielfaches auf dem englischen Markt einbringen. Während der letztes Jahr schon ausgeliehene Simpson-Pussey direkt eine Startelfalternative darstellt, muss bei Heskey ebenso wie bei dem als absolutes Top-Talent gehandelten Mikey Moore, der von Tottenham ausgeliehen wurde, aber abgewartet werden, wie gut sie sich akklimatisieren.
Ausgaben: 25,65 Mio, Einnahmen: 18 Mio.

Fazit:
Köln fährt mit ihren beschränkten Mitteln eine interessante und langfristig orientierte Strategie, holt junge Spieler mit Wertsteigerungspotential und Leihspieler, bei denen man mit Kaufoptionen die Kontrolle behält, aber zugleich das Risiko minimiert. Die hohe Fluktuation (9 Zu-, 12 Abgänge) und viele Spieler, die aus Formkrisen kommen oder wenig Erfahrung auf dem Niveau haben, erfordern allerdings ein stabiles Umfeld und einen Trainer, der Sicherheit gibt. Fraglich, ob das auf Rene Wagner zutrifft, der öffentlich bereits als erste Trainer-Entlassung gehandelt wird. Wenn Köln in eine Abwärtsspirale gerät, ist fraglich, wie druckresistent der Kader sein wird. Vor allem im Zentralen Mittelfeld und auf Rechtsaußen muss Köln beten, dass die Neuzugänge einschlagen, da man dahinter viel zu dünn besetzt ist.

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Bitte noch Werder Bremen (inkl. wieso die so hohe Überschüsse jedes Jahr benötigen)

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Mir würde da auf Anhieb einfallen, 2. Liga, fehlende Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben. Dann ist mir so, als wäre irgendetwas bei der Stadionfinanzierung falsch gelaufen und man hatte, wenn ich mich richtig erinnere, zukünftige Gelder bereits vorher schon verbraucht, um finanzielle Lücken zu stopfen.
Gefühlt ging es für mich in Bremen bergab, als Klaus Allofs von Bord ging.

René Wagner war bei mir auch einer der ersten potentiellen Trainerkandidaten, die ihren Job verlieren könnten. Aber neben Stuttgart nächste Woche spielt man bis zur Länderspielpause auch noch gegen Bremen und den HSV, wo schon etwas möglich sein sollte. Und nach der Länderspielpause steht das Rheinderby gegen Gladbach an, wo man potenziell sogar einen anderen potentiellen Trainerkandidaten (Eugen Polanski) der kurz vor einer Entlassung steht endgültig den “Todesstoß” geben.

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Vielen Dank! Das ist wirklich spannend zu lesen und hilft mir enorm ein besseres Bild über die anderen Vereine und deren Transfersommer zu bekommen. Ich freue mich auf die nächsten Analysen :slight_smile:

Ist auf jeden Fall ein spannender Weg von Köln, der richtig gut aufgehen oder auch komplett floppen kann. Bin gespannt, was die Saison bringt.

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Freut mich sehr dass es auf Interesse stößt! Bremen schau ich mir noch an, jetzt kommt erstmal der schon erwähnte niederrheinische Nachbar der Kölner…

Borussia Mönchengladbach

Nach einer sehr starken Dekade in den 2010er Jahren hat der einstige Bayern-Rivale einige schwache Jahre hinter sich, was auch an seinen Transferentscheidungen lag. Von den 9 teureren Transfers mit einer Ablösesumme über 5 Mio. (Friedrich, Wolf, Omlin, Ngoumou, Weigl, Honorat, Cvancara, Kleindienst, Machino) schlug eigentlich nur Kleindienst ein, der letzte Saison allerdings mit einer schweren Verletzung ausfiel und sich erst wieder an sein altes Niveau heranarbeiten muss. Die anderen trugen trotz Ausgaben von zusammen knapp 50 Mio. eher dazu bei, dass der Kader als unausgewogen und mit zweifelhafter Mentalität wahrgenommen wurde. Nach Weigl und Wolf gingen in dieser Saison auch Friedrich, Omlin und Ngoumou und zwar ablösefrei. Mit Giovanni Reyna verließ ein weiterer einst hochveranlagter Spieler den Klub. Für Machino und Cvancara wurde zumindest Stand heute kein neuer Verein gefunden.
Mit Takai, Sarco, Engelhardt und Tabakovic wurden auch vier Leihspieler abgegeben, von denen die beiden letzteren eine wichtige Rolle im Kader hatten. Dies gilt umso mehr für Rocco Reitz und Nico Elvedi, die aber mit zusammen 28 Mio. an Ablöse den Spielraum schufen, um den Kader neu aufzustellen.

Es gab also viel zu tun für die Gladbacher Kaderplaner und sie entschieden sich dementsprechend die Ablösesummen nicht in ein oder zwei teure Spieler zu investieren, sondern breit zu streuen. Von den 11 Neuzugängen kamen mit Kühn und Hashioka nur zwei per Leihe, sechs Spieler kosteten moderate Ablösesummen zwischen 0,5 und 3,5 Mio und kamen aus Japan, Schweden, Niederlande oder der 2. Bundesliga. Den Eindrücken aus der Vorbereitung zufolge ist dafür sehr viel an Qualität und Kaderbreite herumgekommen, die für Optimismus bei den Fans sorgt.
Lidberg, Bolin und Last-Minute-Zugang Nicolas Kühn sorgen für viel Konkurrenzkampf und Variabilität in der Offensive und lassen zusammen mit Top-Talent Wael Mohya die Fantasie zu, wie Gladbach auch ohne Kleindienst Tore erzielen könnte.

Auf der notorischen Problemstelle Außenverteidigung wurden für beide Seiten Optionen geholt. Ex-Campus-Spieler David Herold machte mit vielen Assists bei Karlsruhe auf sich aufmerksam, Hashioka ist immerhin japanischer Nationalspieler und Konoplya sammelte ebenfalls internationale Erfahrungen in der Champions League mit Shaktar Donetsk und in der ukrainischen Nationalelf, hat sich allerdings prompt verletzt. In der Innenverteidigung sollte Rückkehrer Ko Itakura Elvedi ersetzen und mit Kevin Diks ein stabiles Duo bilden können. Dahinter kann sich der äußerst vielversprechende Jan Leszczyński entwickeln.
Problematisch bleibt hingegen die Besetzung im zentralen Mittelfeld nach den Abgängen von Reitz und Engelhardt. Enzo Leopold und Zento Uno müssen erst beweisen, dass sie mehr sein können als Ergänzungen, ebenso wie Philipp Sander und das junge Eigengewächs Mathieu Nguefack aus dem bestehenden Kader. Angesichts der Verletzung von Jens Castrop, der bis Ende des Jahres auszufallen droht, ruhen die Hoffnungen also vor allem auf Routinier Kevin Stöger.
Ausgaben: 16 Mio., Einnahmen: 32,25 Mio.

Fazit:
Trotz der Schwachstelle im Zentralen Mittelfeld wirkt der Kader insgesamt runder, variabler und setzt eher auf viele hungrige Spieler, die sich beweisen wollen, als auf einzelne teuer verpflichtete Hoffnungsträger. Die Frage ist, ob Trainer Eugen Polanski daraus etwas machen kann oder ob auf der Trainerposition eine Änderung erfolgen muss. Das Potential ist jedenfalls da, um wieder einen Schritt in Richtung obere Tabellenhälfte zu machen und Kaderwerte zu schaffen.

EDIT: Der Kreuzbandriss von Enzo Leopold verschärft natürlich die beschriebene Problemsituation im zentralen Mittelfeld. Stöger soll angeblich eine automatische Vertragsklausel haben, die seinen kostspieligen Vertrag bei 17 Spielen automatisch verlängert. Die andere Frage ist, ob er defensiv stark genug ist für eine Position im Zentralen Mittelfeld und wer taktisch neben ihn passt in dem Fall. Florian Neuhaus dürfte weiterhin keine Rolle mehr spielen, eher könnten Bolin oder Itakura dorthin rücken, aber ideal ist dies natürlich nicht.
Vertragslose Spieler könnten noch geholt werden, mit Dahoud ist auch ein Exspieler unter ihnen, auch wenn dies aktuell nicht wahrscheinlich scheint.

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Ich finds toll, dass Du Dir so viel Mühe machst!

Wäre das nicht in einem eigenen Thread besser aufgehoben, nachdem es ja vermutlich 18 Teile werden?

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Nicolas Kühn bei Gladbach? Hatte ich gar nicht mitbekommen. Interessant.

Ebenfalls schon mal vielen Dank für die Mühe.
Falls du das tatsächlich für 18 Teams (oder wie viel auch immer) durchziehen möchtest, wäre ein eigener Thread vielleicht wirklich eine Idee.
Da hätte man alles gebündelt.

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Wenn der mal 37 seine Spielerkarriere beendet, hat er wahrscheinlich die gleiche Anzahl an Stationen und Reisekilometern wie Lutz Pfannenstiel.

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Ich würde sagen, dass Honorat von den teuren Neuzugängen auch noch relativ wichtig ist. Als er letzte Saison verletzt ausgefallen ist, sah es zwischenzeitlich schon relativ düster für Gladbach aus.

Das größte Missverständnis ist sicherlich Cvancara. Da hat gar nichts zusammen gepasst.

und

sind diese Saison mMn die Player to watch bei Gladbach.

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Sieht nicht gut aus für Gladbach.

https://www.kicker.de/hiobsbotschaft-fuer-gladbach-leopold-erleidet-kreuzbandriss-1249233/artikel

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Der hat wenigstens was von der Welt gesehen. :slightly_smiling_face:

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Vielen Dank für die Threaderstellung und das Feedback!
Ich werde sicherlich nicht alle Bundesligisten unter die Lupe nehmen, bei manchen fällt mir auch einfach nicht so viel ein. Dafür eher auch mal ein paar internationale Teams. Aber vielleicht hat ja jemand anders auch Lust was zu schreiben. Und generell kann man auch gerne den Thread für andere Analysen nutzen, Kader, Taktik, Jugend, Finanzen, was euch so einfällt und in den anderen Threads vielleicht schnell untergeht :slight_smile:
Zu Borussia Mönchengladbach habe ich angesichts des KBR von Leopold nochmal was aktuelles ergänzt. Ansonsten schau ich mir zum Abschluss der Rheinland-Trilogie den ungeliebten Pillenklub an.

Bayer Leverkusen

Es ist gerade einmal etwas mehr als 2 Jahre her, dass sich Bayer Leverkusen nach einer sensationellen Saison zum Bundesligameister krönte. Doch heute sind von den 24 damals eingesetzten Spielern mit Tapsoba, Schick, Tella, Andrich, Hofmann und Boniface nur noch sechs im Verein, wobei die drei letzteren erfolglos zum Verkauf standen und keine wirkliche Rolle mehr spielen. Mit Palacios und insbesondere Standardwaffe und Flankengott Grimaldo werden zwei Meisterspieler schmerzlich vermisst werden, die für zusammen 37,5 Mio. verkauft wurden. Die deutlich größeren Summen zum Reinvestieren brachten zwei Spieler, die letzte Saison gar nicht im Kader waren. Alajbegovic wurde dank Option von RB Salzburg zurück- und direkt an Juventus weiterverkauft mit 24 Mio. Gewinn, der bereits ausgeliehene Hincapie brachte von Arsenal mindestens 40 Mio. Ablöse.

Auf der Trainerbank versucht sich mit Carles Martinez bereits der dritte Trainer als Nachfolger von Xabi Alonso. Damit es für ihn besser läuft, wurde der Kader noch einmal aufgerüstet und dafür ein Transferdefizit von 40 Mio. in Kauf genommen und das obwohl man diese Saison nicht in der Champions League spielt. In den letzten Jahren haben die Erfolge und späteren Transfers allerdings auch beträchtliche finanzielle Gewinne erwirtschaftet. Dieses Jahr scheint Konzernmutter Bayer bereit sein, antizyklisch zu investieren, um mit aller Macht zurück in die Champions League zu kommen. Völlig andere Voraussetzungen als bei der rheinischen Konkurrenz also, die es ermöglicht haben, sich auf wirklich große Schlüsseltransfers zu konzentrieren.

Die größte Aufmerksamkeit bekam sicher der Transfer von Kennet Eichhorn, der aufgrund der zwischenzeitlich großen Transferkonkurrenz als echter Coup angesehen wurde. Durch die Stoffwechselerkrankung ist allerdings schwer vorherzusehen, wann und wie er sich tatsächlich in die Mannschaft spielen kann. Unter Bayer-Fans ist die Rückkehr von Exstar Diaby ein großes Thema, der zusammen mit seinem Berater vehement auf eine Rückkehr aus Saudi Arabien drängte, die für 30 Mio. kurz vor Transferschluss realisiert werden konnte. Nicht vergessen sollten allerdings vier andere Transfers, die zielgerichtet auf die Wünsche des Trainers hin betrieben wurden. Drei von ihnen kommen aus der französischen Liga, in der Carles Martinez vier Jahre als Trainer aktiv war. Insbesondere bei Afonso Moreira soll er die treibende Kraft für den Transfer gewesen sein, für die später verpflichteten Guéla Doué und Facundo Medina dürfte das gleiche gelten. Auch Miguel Gutierrez soll die Wunschlösung des Trainers für die Grimaldo-Nachfolge gewesen sein. Wer für insgesamt 108,5 Mio. Ablöse seine vier Wunschspieler bekommt, ist ein glücklicher Trainer.

Auf dem Papier ist vor allem die Defensive überragend besetzt, Doué und Gutierrez wurden auch schon mal als potentielle Zugänge bei Bayern gehandelt, in der Innenverteidigung stehen mit Badé, Tapsoba und Medina drei starke und erfahrene Spieler zur Verfügung, dazu mit Quansah ein hochveranlagter Herausforderer. Dadurch kann man punktuell auch auf eine Dreierkette setzen oder die offensiven Außenverteidiger durch Medina oder Quansah für zusätzliche Stabilität ersetzen, so wie Arsenal es tut. In der Offensive ist man nicht doppelt, sondern dreifach auf allen Positionen besetzt und Diaby, Maza, Moreira und Schick könnten ein extrem torgefährliches Offensivquartett darstellen. Dahinter hat man sowohl Spieler, bei denen nach einer schwachen Vorsaison angesichts ihres grundlegenden Talents noch viel Luft nach oben ist (Ben Seghir, Tillman) als auch aufstrebende Youngster (Culbreath, Kofane).

Fragezeichen wirft Mark Flekken auf, der bei Leverkusen nicht an seine starken Leistungen aus Freiburg anknüpfen konnte, aber eigentlich ein guter, spielstarker Torhüter ist. Dahinter steht mit Blaswich zumindest ein solider Ersatz zur Verfügung.

Das größte Problem ist aber das Mittelfeld. Medial wurde bereits hinterfragt, ob Aleix Garcia pressing- und laufstark genug ist für das System von Martinez. Eine wirkliche Alternative gibt es aber nicht, zumal Aleix Garcia einer der ganz wenigen Spieler ist, die Erfahrung und Führungsqualitäten mitbringen. Flekken und möglicherweise auch der designierte Kapitän Tapsoba nach seinem schwachen ersten Spiel, haben dahingehend erstmal mit sich selbst zu kämpfen. Neben Garcia dürfte Equi Fernandez spielen, ob seine guten Ansätze dauerhaft tragen, wird sich zeigen. Dahinter gibt es aber kaum Alternativen. Hofmann und Andrich werden das voraussichtlich nicht mehr sein, Maza dürfte in einer offensiveren Rolle wertvoller sein. So ruhen alle Hoffnungen auf die schnelle Genesung von Eichhorn, der sich aber auch in einer höheren Liga erstmal adaptieren muss.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur großen Bayer-Loan-Army. Neben Eigengewächs Francis Onyeka sind darunter viele Spieler, die in den letzten Jahren für kleines Geld verpflichtet wurden und in den kommenden Jahren Transfergewinne erwirtschaften oder sich vielleicht sogar in den Kader spielen können. Noah Mbamba, Luca Erlein, Issa Traoré, Farid Alfred-Ruprecht, Abdoulaye Faye und Axel Tape wurden in den letzten Jahren für zusammen 6,2 Mio. geholt. Eine Kategorie darüber sind Jeannuel Belocian und Arthur, die für 15 bzw. 7 Mio. kamen und nächste Saison wieder in den Konkurrenzkampf im Kader eingreifen sollen.
Knapp 30 Mio. an Transferausgaben in anderen Vereinen zu parken und reifen lassen ist eine vielversprechende Strategie, die man sich aber auch leisten können muss.

Ausgaben: 159 Mio., Einnahmen: 119,85 Mio.
Fazit:
Wenn die Mannschaft das Spielsystem von Martinez schnell verinnerlicht und wenn er das Problem im Zentralen Mittelfeld gelöst kriegt, und das sind zwei sehr sehr große Wenns, dann ist das für mich das zweitstärkste Team in Deutschland mit einem tiefen, variablen und zukunftsträchtigen Kader. Wahrscheinlicher ist, dass Leverkusen eine Zwischensaison dafür braucht und hoffen sollte, dass ihre vielversprechendsten jungen Spieler dann nicht schon wieder weitergezogen sind.

Die Champions League sollte Martinez nach den Investitionen aber nicht verpassen, sonst könnte der Vertrauensvorschuss in seine Wunschspieler sich als Boumerang erweisen und Carros Geduldsfaden auf die Probe gestellt werden, der sich in der Vergangenheit schon öfter als sehr dünn erwiesen hat.

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Tolle Analysen, @Bart7 Gut zu lesen und auch inhaltlich gut aufgebaut. Danke Dir

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Werder Bremen

Kürzlich kam im Thread das Thema Werder Bremen auf, insbesondere die Frage, warum sie eigentlich jedes Jahr Transferüberschüsse erwirtschaften müssen, um Finanzlöcher auszugleichen. Dabei hat Bremen doch früher extrem erfolgreiche Transfers getätigt, teuer verkauft und jahrelang in der Champions League gespielt. Fette und rosige Zeiten. Was hat sie also bloß so ruiniert? Um den Auf- und Abstieg von Werder Bremen in diesem Jahrtausend zu verstehen, muss man ins letzte Jahrtausend zurückgehen. Aber ich finde die Geschichte ist so spannend, dass es wert ist sich Zeit für sie zu nehmen…

Die gute, alte, wilde Zeit

So wie der Abstieg Werder Bremens literally in der 2. Bundesliga endete, ist auch ihr Aufstieg durchaus wörtlich zu nehmen. 1981 kamen sie aus der Zweitklassigkeit und wurden in der Folgesaison erstmals Vizemeister. Es folgten die erfolgreichsten anderthalb Dekaden der Vereinsgeschichte mit zwei Meisterschaften, vier Vizemeisterschaften, vier Teilnahmen am DFB-Pokalfinale mit zwei Titeln, legendären internationalen Auftritten und dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Wirklich einmalig dürfte sein, dass die ganze Zeit dieser Erfolgsphase hindurch ein Trio die Geschicke des Vereins lenkte. Trainer Otto Rehhagel (1981-1995), Präsident Franz Böhmert (1970-1999) und Manager Willi Lemke (1981-1999).

War Rehhagel der unumstrittene sportliche Vater des Erfolgs, tat Lemke alles um die finanziellen und strukturellen Möglichkeiten des Vereins zu verbessern. Er postulierte einmal, er würde niemals auch nur 5 Mark auf der Straße liegen lassen, wenn man sie für den Verein umsetzen könnte. Als erstes verkaufte er ein komplettes Bundesligaspiel an einen Sponsor, trieb den Verkauf von Übertragungsrechten an die neuen privaten Fernsehsender voran, um das Monopol der öffentlich-rechtlichen Sender zu brechen und mehr Einnahmen zu erlösen. Manche Dinge, die uns heute völlig selbstverständlich sind, wurden von ihm eingeführt, etwa Frauentoiletten, um ein neues Publikum zu erschließen oder Einlaufkinder, die neben dem positiven medialen Bild auch die Bindung der Jugend an den Verein stärken sollten. Er hatte aber auch deutlich umtriebigere Seiten. 2001 musste der Verein Steuern nachzahlen und die langjährige Existenz einer schwarzen Kasse einräumen, in die potente Sponsoren bei besonderen Ereignissen, etwa Siegen gegen Bayern München, Geld einzahlten und aus der u.a. beim Ailton-Transfer 1998 Geld geflossen ist. Noch wilder ist die von einem Spielerberater überlieferte Geschichte, derzufolge drei Werder-Spieler eines Nachts in einem Bordell festsaßen, weil sie die teure Zeche nicht bezahlen konnten. Lemke soll einen Anruf bekommen haben und sie persönlich ausgelöst haben. Praktischerweise stockten bei zwei von ihnen gerade die Vertragsverhandlungen und Lemke ließ sich seine Diskretion mit der Vertragsunterzeichnung auf einem Bierdeckel vergolden. Wer Lemke unterschätzt, sollte sich in Erinnerung rufen, dass er 1971 vom sowjetischen KGB angeworben wurde und daraufhin mit dem Verfassungsschutz als Doppelagent drei Jahre zusammenarbeitete.

Mit dem Abgang von Erfolgstrainer Otto Rehhagel zu Bayern München begann der sportliche Abstieg, für den auch die verbliebene Vereinsführung verantwortlich gemacht wurde. Plötzlich tauchten überall Gerüchte und Skandale auf, die in den Folgejahren nach und nach medial aufgearbeitet wurden. So etwa um den Zuschlag für den Ausbau des Werder Stadions, den eine Baufirma erhielt die dann auch teure Renovierungen für Lemke, Böhmert und Vizepräsident Fischer durchführte und besagte Schwarzgeldkasse. 1999 trat das gesamte Präsidium um Böhmert, Fischer und Lemke zurück und wechselte in den durch die Ausgliederung der Profiabteilung neu geschaffenen Aufsichtsrat, wobei vor allem Lemke sich als ökonomischer Erfolgsarchitekt ungerechtfertigt behandelt fühlte und in den Folgejahren aus der zweiten Reihe heraus so manche Intrige anführen sollte.

Die Rückkehr der Werder-Ritter

Es ist bezeichnend, dass auch der Weg zurück an die Spitze der Bundesliga in den 2000er Jahren von der Kontinuität eines Trios lebte, das 1999 in der Krise Bremens die alte Garde ablöste: Thomas Schaaf (1999-2013), Klaus Allofs (1999-2012) und Jürgen Born (1999-2009). Born stand von nun an an der Spitze der neu geschaffenen Vereinsstrukturen, er war zuvor jahrzehntelang für das Geschäft der Deutschen Bank in Südamerika zuständig und dort auch Präsident der Deutschen Handelskammer. Er baute die guten Kontakte Bremens in der Region aus, war bei einigen Südamerika-Transfers wie der erstmaligen Verpflichtung Pizarros stark involviert und sorgte ansonsten für den finanziellen Rahmen.

Klaus Allofs war hauptverantwortlich für die Transfers und man muss sagen, er machte über viele Jahre einen legendären Job. Für meist wenig Geld verpflichtete er oftmals aus kleineren Ligen Claudio Pizarro, Frank Baumann, Nelson Valdez, Mladen Krstajic, Fabian Ernst, Johan Micoud, Angelos Charisteas, Valérien Ismaël, Petri Pasanen, Miroslav Klose, Tim Wiese, Naldo, Hugo Almeida, Clemens Fritz, Diego, Per Mertesacker, Sebastian Prödl, Mesut Özil, Zlatko Junuzovic, Sokratis Papastathopoulos. Thomas Schaaf fügte die spektakulären Offensivspieler wie Micoud, Diego, Pizarro oder Klose in eine erfolgreiche Mischung zusammen mit langjährigen, verlässlichen Arbeitern (Baumann, Ernst, Reinke, Fritz) und einigen Nachwuchskräften (Borowski, Schulz, Stalteri, Hunt). Nicht wenige Spieler funktionierten nur in Bremen unter Schaaf, floppten aber auf ihren weiteren Stationen. Doch Bremen konnte das egal sein, nahmen sie doch hohe Ablösesummen ein und konnten in einigen Fällen ihre Verkäufe wieder zurückholen (Borowski, Frings, Pizarro). Von 1999-2009 holte Bremen eine Meisterschaft und zwei Vizemeisterschaften, zwei Pokalsiege, kam zwei weitere Male ins DFB- und einmal ins UEFA-Pokalfinale und spielte die Hälfte der Saisons in der Champions League.

Zusammenbruch auf Raten

Ähnlich wie in den 1990er Jahren fiel mit dem ersten Abgang aus dem Führungstrio die langjährige Erfolgsphase innerhalb kurzer Zeit in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Diesmal erwischte es als erstes den Mann an der Spitze, Jürgen Born. Im Frühjahr 2009 veröffentlichte eine peruanische Zeitung Dokumente, die ihr von der Exfrau von Carlos Delgado zugespielt worden sein sollen, einem umtriebigen Berater und Geschäftspartner von Claudio Pizarro. Die Dokumente belasteten diverse Personen, darunter Born, der an Transfers aus Südamerika persönlich mitverdient haben soll. Willi Lemke, der bereits 2006 erfolglos versucht hatte zurück an die Vereinsspitze zu kommen, nutzte die Chance und setzte im Aufsichtsrat den sofortigen Rücktritt seines alten Rivalen Born durch. Die Dokumente sollten sich später als teilweise gefälscht entpuppen und Untersuchungen entlasteten Born vom Vorwurf der persönlichen Bereicherung, angeblich wurden sie zeitweise von Lemke zurückgehalten. Doch zuvor sorgten sie für ein unrühmliches vorzeitiges Ende der Amtszeit von Born. Davon profitierten Allofs, der seinen Posten übernahm und befördert wurde, sowie Lemke, der mehr Einfluss im Verein gewann.

Wer letztlich verantwortlich sein sollte für das was folgen sollte, wird unterschiedlich diskutiert und teilweise haben sich Born, Allofs, Lemke und Schaaf auch gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben. Fest steht, dass Allofs glückliches Händchen ihn verlassen hat. Auch früher hat er mal daneben gelegen, so etwa beim Transfer von Carlos Alberto 2007. Doch ab seiner Beförderung 2009 bis 2012 geht vier Saisons lang ohne Ausnahme jeder einzelne teurere Transfer schief: Marko Marin, Wesley, Marko Arnautovic, Eljero Elia, Wesley und unser ehemaliges Talent Mehmet Ekici kosten für damalige Verhältnisse sehr stattliche 32,4 Mio. und werden alle kurze Zeit später mit teils beträchtlichem Verlust wieder abgegeben. Jahrelang hatte der Verein seine Einnahmen aus Spielerverkäufen direkt wieder investiert, seine Kaderqualität erhöht, aber auch seine Gehaltsausgaben. Nun konnten die Abgänge nicht mehr adäquat ersetzt werden und Schaafs Mannschaft spielte inkonstanter, Niederlagenserien in der Bundesliga und Pokalerfolge wechselten sich ab und verhüllten den langsamen spielerischen Abstieg. Durch die schlechten Platzierungen ab der Saison 2010/2011 verpasste Bremen das internationale Geschäft, schied auch im DFB-Pokal mehrmals in der 1. oder 2. Runde aus. Plötzlich fehlten finanziell sicher eingeplante Spiele. Erfolglos versuchten sich Schaaf und Allofs durch neue Spielertransfers zurück ins internationale Geschäft zu kaufen.

Zur gleichen Zeit gerät zwischen 2009 und 2011 der neue Stadionausbau aus den Fugen und verteuert sich während des Baus deutlich von 40-50 auf mindestens 76,5 Mio. Zwar profitiert der Verein von neuen Logenplätzen, der ursprünglich geplante Kapazitätsausbau auf 50.000 Plätze wurde aber aus Kostengründen wieder gestrichen. Obwohl die Namensrechte 2007 für zehn Jahre verkauft wurden und 30 Millionen einbrachten, sind bis heute noch etwa 50 Mio. an Schulden zu tilgen und durch die Beteiligung der Stadt Bremen an der Stadiongesellschaft erweist sich das Stadion als dauerhafte finanzielle Belastung. Nach Borns Ausscheiden ist Willi Lemke stark involviert in die Stadionpläne, es gibt aber rund um ihn noch diverse andere Berichte um fragwürdige Finanzpraktiken und Spekulationen an den Finanzmärkten, u.a. in Verbindung mit der Pleite der Reederei Beluga, die langjähriger Werder-Sponsor mit Aufsichtsratssitz war und in deren Folge Bundesligaspieler um Tim Borowski ihre Investitionen in Beluga verloren haben.

Ob auf sportlicher oder infrastruktureller Ebene, die Verantwortlichen von Werder trieben überall die Ausgaben wie bei einer Blase umso stärker voran, desto unsicherer der Erfolg wurde.
Obwohl der Verein durch die Transfers von Diego, Özil und Mertesacker zwischen 2009 und 2011 drei Jahre in Folge Transferüberschüsse von insgesamt etwa 36 Millionen produzierte, blieb von dem Geld nichts übrig. In den Folgejahren machte der Verein drei Jahre in Folge in seiner Jahresbilanz Millionenverluste von insgesamt 31,6 Millionen. Das Eigenkapital schrumpfte zusammen von einst 45 auf nur noch 6,7 Millionen. Aus der sportlichen Glanzzeit in einer Phase, in der überall Erlöse von Marketing, TV-Einnahmen und internationalen Wettbewerben explodierten, ging Bremen mit Schulden raus. Klaus Allofs flüchtete im November 2012 nach Wolfsburg. Thomas Schaaf wurde als Werder-Ikone der sportliche Abstieg am ehesten verziehen, doch zog er sich immer mehr zurück und konnte die Mannschaft kaum noch erreichen. Am Ende empfahl er 2013 dem Aufsichtsrat selber seine eigene Entlassung. 2014 trat auch Willi Lemke vom Vorsitz des Aufsichtsrats zurück, den er 2016 dann ganz verließ.

Auf dem Werder-Weg in den Abgrund

Für kurze Zeit schien es so, als sei nach über dreißig Jahren Erfolg und Pleiten, Klüngel und Korruption, die Zeit der frischen Gesichter von außen gekommen. 2012 war Klaus Filbry von seinem erst kurz zuvor erlangten Job als Marketingchef zum Nachfolger von Allofs befördert worden. Mit Bremen hatte er nichts zu tun, er hatte Karriere bei Adidas gemacht. Thomas Eichin wurde Geschäftsführer Sport und Robin Dutt der Nachfolger von Schaaf auf dem Trainerposten, beide hatten zuvor im Rheinland und Breisgau gearbeitet. Der Verein backte kleinere Brötchen, gab sowohl für Transfers als auch für Gehälter weniger aus, es gelangen aber auch nicht mehr die ganz großen Verkäufe und sportlich war in den nächsten Jahren Tabellenplatz 8 das höchste aller Gefühle. Eichin und Dutt mussten wieder gehen und in ihrer Nachfolge wurde von nun an strikt auf die Werder-DNA geachtet. Frank Baumann kam für Eichin und wurde von Clemens Fritz ersetzt, auf der Trainerposition folgten Viktor Skripnik, Alexander Nouri und Florian Kohfeldt, alle fünf waren langjährige Spieler und Mitarbeiter im Verein. Vielleicht war es gerade die nostalgische Phantasie, die Florian Kohfeldt mobilisieren konnte, die Werder Bremen zu einem letzten großen Anlauf anspornte. Wie Thomas Schaaf einst hatte er als Trainer der zweiten Mannschaft mitten in einer krisenhaften Saison die Profis übernommen und zum Klassenerhalt geführt. Die nächste Saison schloss er auf einem respektablen 8. Platz in Reichweite zum internationalen Geschäft ab. Kohfeldt wurde daraufhin zum Trainer des Jahres gekürt und Werder medial als das „spannendste Start-Up der Bundesliga“ tituliert. Was auch immer das heißen sollte. Aber war die Rückkehr in den Europapokal nicht der logische nächste Schritt in der Nachfolge von Thomas Schaaf? Erinnerte Kohfeldts Fußball bisweilen nicht sogar taktisch an den offensiven Rautenfußball von früher? Musste man dafür nicht auch finanziell nochmal ins Risiko gehen, nach all den Jahren der tristen Sparsamkeit?

Die Vereinsführung setzte für die Saison 2019/2020 die Qualifikation zum Europapokal als internes Ziel und obwohl sie keinen einzigen Euro an Transfereinnahmen erwirtschaften konnte, gab sie 10 Millionen für Marco Friedl und Niclas Füllkrug aus und verpflichtete überdies mit Michael Lang, Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt und Davie Selke erfahrene Leihprofis, die allerdings auch teure Gehälter und Leihgebühren von insgesamt 3 Mio. kosteten. Die Saison endete im Fiasko. Erst in der Relegation konnte man sich sportlich retten. Gleichzeitig sorgte die Pandemie für Geisterspiele und ungewisse Zukunftsplanung. Am Ende stand der bilanzielle Rekordjahresverlust von 23,7 Mio. Obwohl die Verantwortlichen öffentlich die Pandemie zur alleinigen Ursache des Verlusts erklärten, rechneten sie intern mit nur 11 Mio., die dadurch entfallen seien. Für den Rest des Minus sorgte die sportliche Fehlplanung. Den anschließenden Verkauf von Davy Klaasen für 11,7 Mio. investierte der Verein im Sommer 2020 dann für die Kaufoptionen von Bittencourt und Toprak, die zusammen 11 Mio. kosteten. Darüber hinaus kamen mit Felix Agu, Tahith Chong, Oscar Schönfelder und Patrick Erras nur junge Talente, die erfahrene Abgänge wie Bargfrede, Pizarro, Langkamp, Sahin, Bartels, Harnik und erwähnten Klaasen natürlich nicht ansatzweise ersetzen konnten und kaum spielten. Am Ende stand der Abstieg in die 2. Bundesliga, den auch die kurzzeitige Rückkehr von Thomas Schaaf nicht mehr verhindern konnte.

Nach dem Abstieg verkaufte Werder seinen halben Kader, um mit 30 Mio. Transferüberschuss den finanziellen Verlust zumindest teilweise aufzufangen. Rashica und Sargent brachten den größten Batzen ein und gingen für zusammen 20 Mio. zu Norwich City, mit den Eggestein-Brüdern verließen auch zwei langjährige Hoffnungsträger aus dem eigenen Nachwuchs den Verein. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg und dem folgenden Klassenerhalt erwirtschaftete Bremen 2023 erneut einen Überschuss von 22 Mio., vor allem durch den Verkauf Füllkrugs nach England. Dennoch musste 2024 ein regionales Investorenbündnis einspringen, um den Klub mit dem Kauf von knapp 20% der Vereinsanteile für 38 Mio. aus der Schuldenfalle zu retten. Geld für Transfers blieb hingegen kaum übrig. Das Eigenkapital bleibt seitdem weiter auf geringem Niveau, ein jährliches strukturelles Defizit aufgrund von Altschulden und dem Stadionproblem zwingt jedes Jahr zu Spielerverkäufen. Gelingt dies nicht, wie 2024/25, schlägt sich das in einem Verlustjahr nieder. Bremen setzte in der Folge größtenteils auf einen Mix aus Leihspielern, wenigen älteren und vielen jungen, günstigen Spielern, in der Hoffnung sie entwickeln und weiterverkaufen zu können. Doch die 2023-25 verpflichteten Keke Topp, Olivier Deman, Isak Hansen-Aaroen, Skelly Alvero, Julian Malatini konnten weder sportlich helfen, noch ihren Marktwert steigern oder einen Teil der Investition von immerhin 13,25 Mio. einspielen. Als 2025 Bremen dann ihr ganzes Budget in ein einziges Talent investierte und Samuel Mbangula für 10 Mio. holte, wurde es auch nicht besser. Heute muss Werder hoffen, dass er auf seiner Leihstation wieder in die Spur kommt. Mit insgesamt 12 Leihspielern in drei Jahren versuchte Bremen die Lücken im Kader temporär zu schließen, Kaderwerte wurden so aber nicht geschaffen. Dies gelang immerhin mit den Transfers von Senne Lynen 2023 und Jens Stage 2022.

Sommertransferfenster 2026

Wer es bis hierher geschafft hat, wird sich vermutlich nicht wundern, warum man dieses Jahr sein Tafelsilber für 40 Mio. Ablöse verkaufen musste und trotzdem nicht viel Budget zum Ausgeben übrig blieb. Eigengewächs Mio Backhaus geht zu Freiburg, Karim Coulibaly und Romano Schmid kamen einst als blutjunge Talente günstig zu Werder und ziehen nun zu Straßburg und Frosinone weiter, bei Coulibaly gibt es immerhin eine Weiterverkaufsbeteiligung. Neben bereits erwähntem Mbangula verließ auch Leonardo Bittencourt ablösefrei den Verein und schloss sich seinem Jugendverein Energie Cottbus an, für den sein Vater Franklin schon einst spielte.

Im Tor verpflichtete Werder den bereits ausgeliehenen Karl Hein von Arsenal für 3 Mio, dahinter noch mit Alexander Schlager einen ablösefreien Routinier von RB Salzburg. In der Innenverteidigung holte man als Ersatz für Coulibaly für 3 Mio. ein neues Abwehrtalent von Cracovia, und hofft dass Oskar Wójcik genauso einschlägt wie sein Vorgänger. Dariusz Stalmach und Chuki sind zwei talentierte Mittelfeldspieler, kommen aber aus der Zweiten Liga von Magdeburg bzw. Real Valladolid. Mit Cedric Itten von Zweitligaabsteiger Fortuna Düsseldorf und Ludovit Reis, der zuletzt bei Club Brügge fast gar nicht spielte, holte man zwei erfahrene, aber auch limitierte Ergänzungen und mit Kenny Quetant und Darwin Soylu zwei Talente, die bisher aber nur in der zweiten Mannschaft spielen. Um der lahmenden Offensive, die letztes Jahr fast vollständig von Jens Stage abhängig war, neuen Wind zu geben setzt man auf die Leihtransfers Eren Dinkçi und Niclas Füllkrug, die schließlich beide eine Werder-Vergangenheit haben. Beide haben aber auch zwei Saisons zum Vergessen hinter sich, in denen sie beide jeweils wettbewerbsübergreifend 4 Tore in 2 Jahren schossen. Die Hiobsbotschaft des Sommers war schließlich die langfristige Verletzung von Jens Stage kurz vor Transferschluss. Werder reagierte mit der Leihverpflichtung von Youri Regeer, der in einer schwachen Ajax-Mannschaft immerhin Rotationsspieler war. Am Deadline Day kamen zusätzlich noch zwei Außenverteidiger auf Leihbasis: Moussa Ndiaye, der das letzte Halbjahr an Schalke ausgeliehen war und Artur von Bayer Leverkusen. Bei den fünf Leihtransfers gibt es lediglich im Fall von Regeer und Ndiaye eine Kaufoption.

Mit den Last-Minute-Transfers von Ndiaye und Artur konnte Bremen immerhin ihre Unterbesetzung in der Außenverteidigung beheben. Doch insgesamt fehlt es dem Kader weiter an Qualität. Zu viele Spieler kommen aus Formkrisen oder Verletzungen, müssen sich an das Liganiveau gewöhnen oder fallen sogar weiterhin aus. Insbesondere in der Offensive tummeln sich viele Spieler, aber Stand jetzt wenig Qualität. Auch mittelfristig sieht es nicht gut aus. Der Kadermarktwert ist im Sommer deutlich gesunken und deutlich hinter Köln, HSV und Mönchengladbach zurückgefallen. Neben den Aufsteigern hat nur Union Berlin einen noch geringeren Marktwert. Der Vertrag des bereits diese Saison wechselwilligen Stage läuft 2028 aus, selbst wenn er stark von seiner Verletzung zurückkommen sollte, wird er mit 30 Jahren und einem Jahr Restvertrag nicht sehr viel einbringen. Auch Friedl und Lynnen sind nicht in einem Alter, in dem mit den ganz lukrativen Angeboten zu rechnen ist und dahinter kommt nicht allzu viel. Werder muss darauf hoffen, dass Hein, Wójcik und Chuki sich entwickeln, aber es wird schwer, wenn man bei so wenig hochwertigen Spielern auch noch die besten aus finanziellen Gründen verkaufen muss.
Möglicherweise wird dies eine Chance für Eigengewächse wie Mick Schmetgens, Paul Erevbenagie oder Salim Musah. Aber insgesamt sieht die Zukunft düster aus in Bremen und der erneute Abstieg scheint deutlich näher als eine nachhaltige Konsolidierung in der Bundesliga.

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@Bart7 Riesenkompliment für die Arbeit, die Du in diesen Post gesteckt hast! Ich hatte in einigen Passgen kribbelnde Erinnerungen!

Aber ganz ernst gemeint: Das wäre einen eigenen Thread oder sogar eine eigene Kategorie wert.

Oder Du schreibst ein Fußball-Buch, das mehr Substanz hat, als 99% aller Posts hier - auch meiner.

Von mir ganz viele Herzen, aber suche Dir bitte ein Format, das Deiner Arbeit gerecht wird.

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Ich lege noch einen drauf und sage das hat MSR Artikel Niveau!

@justin ist zwar im wohlverdienten Urlaub aber freut sich ja immer über Zuwachs in der MSR Redaktion…

PS: und klar, thematisch jetzt nicht MSR Kerngebiet aber bisschen BL Rundumblick interessiert wie man an den Likes sieht hier doch auch ne Menge Leute

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Wow, ein echtes Brett!
Wie @Mehmet68 schreibt, mit einigen Erinnerungen die da hochkommen.
Werderfans sollten sich allerdings von diesem Beitrag fernhalten. Das könnte zu hart für sie werden. :wink:

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Und wieder fehlt ein ROFL oder Smiley.