Anbei ein Auszug aus einem Interview mit dem mehrfachen Fritz Walter Medaillengewinner Sergej Evluiskin (vor Hummels, Özil, Boateng und Co). Er zeigt klar auf, dass es nicht immer den KBR oder exzentrischen Lebensstil braucht um vom U19 Kapitän der Nationalmannschaft in die Regionalliga zu stürzen. Wolfsburg war unter Magath im Aufwind, er vermasselte den Schritt zu den Profis aufgrund von Kleinigkeiten beim Trainer und versumpfte im entscheidenden Moment in der Zweiten und sank auf das dortige Niveau. Daher ist es auch umso kostbarer, dass VK auch eigentlich noch unreife Spieler wie Kiala mit der ersten Mannschaft trainieren lässt und so ihre „verregionalisierung“ verhindert.
…Wie sind Sie damit umgegangen?
Evljuskin: Ganz gut, würde ich meinen. Der Hype um mich war schon groß, es gab viele Journalisten, die dann etwas von mir wollten. Ich habe aber nie den Dicken markiert oder mich für den großen Star gehalten. Eher im Gegenteil, der Hype war mir fast unangenehm. Ich bin eigentlich ein bescheidener, bodenständiger Kerl.
Nach vier Jahren in der Wolfsburger Jugend unterschrieben Sie 2006 schließlich Ihren ersten Profivertrag.
Evljuskin: Das war für mich das ein Zeichen, dass der Verein mit mir plant. Ich wollte den Weg dort weitergehen, denn der führte bis dahin nur nach oben. Ich dachte mir: Jetzt geht’s erst richtig los!
Als Sie unterschrieben, wurden die Profis von Klaus Augenthaler trainiert. Der musste nach einer enttäuschenden Saison jedoch gehen und es kam Felix Magath. War das ein Problem für Sie?
Evljuskin: Im Nachhinein frage ich mich schon, wie es gelaufen wäre, wenn man Augenthaler mehr Zeit gegeben hätte, um ein Team zu formen. Der Verein war aber auch sehr ambitioniert. Mit Magath kam ein neues Trainerteam mit einer anderen Denke. In der Vorbereitung durfte ich mit ein paar Jugendspielern die ersten Einheiten unter ihm mitmachen. Mehr war leider nicht drin, denn zu diesem Zeitpunkt fand auch die U19-Europameisterschaft statt - und ich war der Kapitän des Teams. Da wollte ich natürlich unbedingt teilnehmen. Ich war dann aber drei Wochen bei den Profis raus.
Wie war während seiner Amtszeit Ihr Verhältnis zu Magath?
Evljuskin: Ich hatte einmal ein Gespräch mit ihm im Büro. Da wollte ich ihm erklären, dass wir unsere Abi-Zeugnisse überreicht bekommen und ich an diesem Tag daher nicht zum Vormittagstraining kommen kann. Der Fußball stand bei mir immer an erster, zweiter und dritter Stelle und ich habe stets jeden Termin so angepasst, dass der Fußball nicht darunter leidet. Das nun war aber ein Pflichttermin und ich wollte da schon mit dabei sein. Zur Einheit am Nachmittag wäre ich ja auch wieder dabei gewesen.
Wie hat Magath reagiert?
Evljuskin: Er sagte nur: Wenn du meinst, dass es richtig ist. Er hatte offenbar eine andere Einstellung erwartet. Danach gab es keine Berührungspunkte mehr mit ihm, weil ich dann dauerhaft Teil der zweiten Mannschaft war.
Mit der deutschen U19 scheiterten Sie im Halbfinale an Griechenland, anschließend hingen Sie bis zu Ihrem Abgang 2010 in Wolfsburgs zweiter Mannschaft fest. Ihre Weggefährten im DFB-Team wie Mesut Özil, Jerome Boateng oder Benedikt Höwedes starteten zeitgleich große Karrieren. Was hat das mit Ihnen gemacht?
Evljuskin: Es hat mich natürlich geärgert, das so zu sehen: Die spielen Bundesliga und Champions League gegen Real Madrid und du spielst Regionalliga gegen Havelse. Viele meinten später zu mir, dass ich bei einem anderen Verein den Sprung auch geschafft hätte. Man braucht in diesem Alter einfach Unterstützung und Rückendeckung. Es müssen Fehler akzeptiert werden. Ihnen wurde der richtige Weg aufgezeigt, sie durften sich entwickeln. Ich habe mich in diesen wichtigen Jahren eher dem Niveau der zweiten VfL-Mannschaft angepasst. Es ist halt ein Unterschied, ob du auf Schalke bei den Profis trainierst oder in der Zweiten von Wolfsburg.