Kane ist als weißer cis-Mann natürlich auch gar nicht in der Rolle, die Kaepernick oder Rapinoe gewissermaßen zuwächst.
Was ihn nicht hindern müsste, sich klar zu positionieren, vielleicht wäre es sogar noch wertvoller. Würde ich mir wünschen, er täte es? Natürlich.
Allerdings wurde ein Hauptaspekt schon erwähnt:
Kane ist in dieser “Funktion”, in der er als Golfpartner des Orangenen auftaucht, nicht nur Einzelperson, als solche würde der Siebenjährige ihn gar nicht kennen. Sondern er ist der englische Teamkapitän. Und damit ein Repräsentant ganz anderer Art. Er trägt Verantwortung für viele Facetten und spricht eben nicht nur als Harry Kane, sondern als britische Vorzeigefigur für sehr viele Menschen.
Für uns Fußvolk ist es immer ein wenig bequem, von öffentlichen Personen Engagement zu fordern oder zu erwarten. Niemand von uns weiß sicher, wie er sich in nämlicher Situation bewähren würde. Und die Fälle, über die wir urteilen, gleichen sich selten. Genauso wie die unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten. Rapinoe hat Einfluss durch ihre Öffentlichkeit und ihr Vorbild, Kaepernick riskiert sogar seine Karriere. Der Einfluss von Harry Kane, wenn er öffentlichkeitswirksam (?) eine Partie Golf absagt, wäre zu diskutieren.
Harry Kane ist auch deswegen mein Lieblingsspieler, weil er ein äußerst sympathischer Mensch zu sein scheint. Als Sportler ist er sowieso ein role model für mich und alle, die Teamsport lieben. Ich bin nicht naiv genug, um daraus zu schließen, das er meine persönliche politisch-gesellschaftliche Haltung teilt. Über die weiß ich auch nach dem Golfsport soviel wie zuvor.
Kaepernick und Rapinoe sind meines Erachtens Helden. Kane ist ein Lieblingssportler. Das eine, letztere, kann zum anderen werden.
Für mich der zentrale Punkt in dieser Diskussion. Vielen Dank dafür.
Ich kann auch jeden verstehen, der sich gewünscht hätte, Kane hätte diese Einladung abgelehnt. Den Wunsch habe ich selbst.
Was mich eher stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier so getan wird, als sei das eine völlig einfache und kostenlose Entscheidung gewesen.
Wir sind in dieser Konstellation doch alle Mr. Nobody. Uns lädt weder der amtierende US-Präsident zum Golf ein, noch wird aus unserer Zu- oder Absage womöglich eine politische Schlagzeile. Kane war zwar privat in Florida, aber er ist eben nicht irgendein Urlauber. Er ist Englands Kapitän und einer der bekanntesten Sportler des Landes. Genau deshalb wäre auch eine Absage kaum privat geblieben. Sie hätte sehr leicht als demonstrative politische Zurückweisung gelesen werden können.
Man darf sich trotzdem wünschen, dass er es tut. Anerkennen sollte man aber wenigstens, was man da eigentlich von ihm verlangt.
Eine gemeinsame Runde Golf ist für mich außerdem noch keine Zustimmung zu Trumps Politik. Zumal Kane die Geschichte offenbar nicht mal selbst öffentlich gemacht hat, sondern erst darauf angesprochen wurde. Dass er hinterher ausgesprochen freundlich vor allem über dessen Golfspiel gesprochen hat, zeigt ja, dass er hier zu keine Zeitpunkt politische Sympathien erweist oder ihn charakterlich positiv darstellt (ein kluger Mann oder ähnliches ist ja nicht gefallen).
Darum bin ich bei Cheffes zentralem Punkt. Wir dürfen Erwartungen an öffentliche Personen haben. Aber etwas Demut beim Urteil täte uns allen ganz gut. Kaepernick und Rapinoe haben bewusst politische Kämpfe aufgenommen und dafür viel riskiert. Das macht sie bewundernswert. Es macht aber nicht jeden Sportler, der in einer anderen Situation nicht denselben Weg geht, automatisch charakterlos. Einen ausländischen Sportler gleich dreimal nicht.
Vom heimischen Sessel aus einen „generational aura loss“ auszurufen, ist jedenfalls der leichteste Teil der Übung.
Sehr schön formuliert. Ich würde auch noch etwas ergänzen wollen: Oft üben extrem berühmte Personen auch eine gewisse Anziehungskraft aus, auch auf ebenfalls prominente Personen.
Eine Einladung von Papst Benedikt hätten viele auch nicht ausgeschlagen, obwohl klar war, dass Benedikt im Umgang mit Kindesmissbrauch Dreck am Stecken hatte.
Wenn man die Chance hätte, Tom Cruise zu treffen, würden viele das auch nicht abschlagen, obwohl er mit seiner Sympathie für Scientology eine Organisation unterstützt, die für vielfaches Leid gesorgt hat.
Dass türkisch-stämmige Spieler den türkischen Präsidenten treffen wollen, ist für mich auch ein verständlicher Punkt. Dass man ihm nicht huldigen muss, wie in der Causa Özil/ Gündogan geschehen, allerdings ein anderer.
Und hier ist genau der Unterschied für mich:
es ist nicht das gleiche, ob man jemanden trifft oder ob man diese Person nach dem Treffen auch noch abfeiert oder der Welt mitteilt, dass man jemanden getroffen hat und diese Person auch noch toll findet bzw. dann dessen Verfehlungen relativiert.
Wenn Kane gleich nach dem Golf-Spiel ein Foto gepostet hätte und darunter etwas stünde wie „Great player, great president“ oder „outstanding job on the golf court and in the Oval Office“, dann wäre das noch einmal eine ganz andere Liga.
Wer sich heute auf eine “private” Unternehmung mit Trump einlässt, verbindet damit möglicherweise sehr ehrenhafte Ziele, wie etwa der finnische Staatspräsident, der durch seine Golfrunden politischen Zugang zu Trump erreichen wollte.
Es muss aber auch jedem klar sein, dass man in einem solchen Fall sofort (oder anderthalb Jahre später; solche Sachen merkt er sich) von Trump für dessen eigene Ziele vereinnahmt werden kann - ein bisschen so, wie Don Corleone seine Freund- und Patenschaften irgendwann einklagt.
In Kanes Fall war es Trump nach der Rote-Karte-Affäre sehr daran gelegen, sein “ehrliches” Interesse am Fußball und seinen persönlichen Bezug dazu herauszustellen. Da kam ihm das freundliche Tete-a-tete mit einem der geachtetsten Vertreter dieser Sportart gerade recht.
Ich finde, das ist ein berechtigter Einwand. Natürlich muss eine prominente Person damit rechnen, dass Trump eine solche Begegnung irgendwann für sich nutzt. Genau das scheint er jetzt getan zu haben.
Aber damit ist die eigentliche Frage für mich noch nicht beantwortet. Die Golfrunde lag anderthalb Jahre zurück. Die jetzige Rote-Karten-Geschichte gab es damals nicht, und Kane konnte schwer vorhersehen, zu welchem Anlass Trump die Begegnung irgendwann aus der Schublade ziehen würde.
Vor allem macht Trumps Hang zur Vereinnahmung eine Absage nicht automatisch einfacher. Derselbe Mann, der aus einer gemeinsamen Golfrunde politisches Kapital schlägt, hätte auch die Absage eines englischen Nationalmannschaftskapitäns öffentlich ausschlachten können. Kane hatte also nicht die bequeme Wahl zwischen einer politischen Zusage und einer vollkommen unpolitischen Absage. Beides konnte politisiert werden.
Nochmals Cheffes Punkt. Vom heimischen Bildschirm aus ist sehr schnell entschieden, was ein anderer in einer außergewöhnlichen Situation gefälligst zu tun hat. Wir tragen weder das Risiko der Zusage noch das der Absage.
So eine Instrumentalisierung ist mMn aber nicht unwahrscheinlich. Ansonsten könnte man ja auch eine Runde Saunieren mit Putin gehen oder mit Scheich aus Saudi-Arabien eine Runde auf dem Sand Buggy drehen und nachher sagen, man konnte dich nicht wissen, dass Putin die Ukraine angreift oder der Scheich Khashoggi zersägen lässt.
Ich weiß, man kann mal Entzugserscheinungen bekommen, wenn zwei Tage lang kein WM-Spiel ist, aber kann man den Quatsch nicht wenigstens im Politikfaden belassen? Ich wollte hier eigentlich noch mitlesen.
Cis bedeutet nicht-trans. Der Begriff ist nicht neumodisch, sondern ist in der Wissenschaft schon ein Jahrhundert alt, wird aber heute häufiger genutzt, weil es generell mehr Sensibilität und Anerkennung für Transsexualität gibt.
Was der Umstand, dass Kane nicht transgender ist (wissen wir das überhaupt?) jetzt mit dem Golfabenteuer zu tun hat, weiß ich auch nicht. Die Beschreibung wird gerne genutzt, um dem „Standard“-Mann Empathie für andere abzusprechen.
Ich würde - nicht dich persönlich - infach drum bitten, den gesamten Gesprächsverlauf zu lesen, dann wird sicher schnell klar, warum ich diese Zustandsbeschreibung gewählt habe: nämlich schlicht, um eine kategoriale Unterscheidung zu den Fällen Rapinoe und Kaepernick herzustellen. Weil es eben ein Unterschied ist, ob eine queere Person oder ein nicht-weißer Mann sich politisch gegen Trump positioniert oder Harry Kane mit ihm eine Partie Golf spielt.
Darauf kann ich nun wirklich nichts mehr antworten. Gegen eine bestimmte Form der Borniertheit kann man nur selbst vorgehen, wenn ich das mal so deutlich sagen darf.
Mache den Thread hier über Nacht zu. Da ich jetzt ins Bett will und keine Lust habe, morgen früh hier weitere Nachrichten zu moderieren. Ich werde ihn morgen wieder öffnen und bitte darum, dann wieder zu einem sachlichen Ton zurückzukehren. Wenn man sich hier weiterhin mit „Quatsch“, „Grütze“ und anderen Vorwürfen verbal prügeln will, ist er aber auch schnell wieder zu. Zumal das alles auch nichts mehr mit der Sache zu tun hat, sondern einfach nur vom eigentlichen Thema ablenkt. Ist nicht das Niveau einer Debatte, das ich hier sehen will. Dann können wir’s auch einfach lassen.
„Auch für den Weltklasse-Stürmer sei der englische Stil offenkundig gewöhnungsbedürftig. „Bei Bayern kriegt Kane den Service. Er hat zwar schon sechs Tore bei dieser WM, aber wenn wir nicht nach vorne Richtung Strafraum spielen, dann sieht man ihn nicht“, kritisierte Woodcock.
Dass Kane nicht mehr in der Premier League seine Brötchen verdient, sei indes kein Problem. „Er ist in ein anderes Land gewechselt, zu einem Verein, der gefühlt der bestgeführte Verein auf und neben dem Platz ist. Keiner spricht mehr über die 100 Millionen Euro Ablöse“, stellte Woodcock klar.“
Der bestgeführte Verein? Schönes Statement von Woodcock.