Hier auch der erste Teil.
Und paar Zitate, wie üblich bei Tah hochreflektiert und interessant:
“Was Sie auch beschäftigt, ist das Thema mentale Gesundheit. Sie arbeiten mit einer Psychologin und einem Performance-Coach zusammen. Wie oft holen Sie sich da Unterstützung zur Seite?
Mit meiner Psychologin und mit meinem Performance-Coach spreche ich sehr regelmäßig. Es geht dabei um Balance in meinem Leben. Für mich war immer wichtig, zu verstehen, dass ich nicht nur Fußballer bin. Ich bin jetzt auch Ehemann, ich bin Sohn, ich habe Freunde, also einfach auch andere Bereiche. Und ich definiere mich selbst nicht nur über den Fußball, weil es den Zeitpunkt geben wird, an dem ich keinen Fußball mehr spielen werde.
Anders als vor einigen Jahren ist es im Spitzenfußball inzwischen Usus, dass Mentaltrainer und Psychologen hinzugezogen werden. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Das sollte normal sein. Und da hat sich im Fußball sowie in der Gesellschaft insgesamt etwas verändert. Gerade im Fußball, finde ich, geht aber noch viel mehr. Ich ziehe gerne dieses Beispiel heran: Wenn dein hinterer Oberschenkel nicht so stark ist, weil du vielleicht mal verletzt warst, dann trainierst du den. Und genauso kannst du dein Gehirn oder deine mentale Gesundheit verbessern. Manchmal sind es Erlebnisse aus der Kindheit, die dich später einholen und belasten. Ich kenne Spieler, denen es total leichtfällt, in einer neuen Mannschaft anzukommen und sich in einem neuen sozialen Umfeld schnell zurechtzufinden. Und es gibt andere, denen es extrem schwerfällt, weil sie vielleicht in der Schule gemobbt wurden oder andere schlechte Erfahrungen gemacht haben. Daran zu arbeiten, das aufzuarbeiten - das kann dir enorm helfen. Und das ist auch kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.
Sie setzen sich gesellschaftlich ein, etwa bei der Egidius-Braun-Stiftung, die unter anderem krebskranke Kinder unterstützt. Was ist Ihre Motivation dafür?
Das bedeutet mir extrem viel. Aber es geht dabei nicht um mich. Ich kann den Kindern zeigen: Ihr werdet gesehen. Und durch meine Stellung als Nationalspieler werden vielleicht auch andere darauf aufmerksam und engagieren sich – vielleicht auch in der Fußballbranche. Ich glaube, wenn wir das alle so ein bisschen in uns haben und jeder ein Prozent einbringt, dann können wir viel bewirken, damit die Welt schöner wird.
Es gab auch in dieser Saison wieder rassistische Vorfälle in den Stadien, in der Gesellschaft sieht man bedenkliche Entwicklungen. Sie wurden als Jugendspieler beim Hamburger SV selbst rassistisch beleidigt. Haben wir im Fußball immer noch – oder wieder – ein Rassismus-Problem?
Ich mag es nicht, immer zu sagen: Rassismus-Problem. Aber es gibt natürlich viel zu viele Situationen, in denen Menschen Rassismus erfahren und man das Gefühl hat: Okay, eigentlich sollten wir in unserer Gesellschaft doch schon viel weiter sein. Auf der anderen Seite gibt es auch viele positive Beispiele, wo ich sage: Cool, das hätte es früher so nicht gegeben.
Was meinen Sie genau?
Dass ich im Länderspiel gegen Luxemburg als Kapitän für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen bin. Ich weiß nicht, ob das vor 30 Jahren oder 40 Jahren möglich gewesen wäre für einen deutschen Spieler mit meiner Hautfarbe. Ob das als normal angesehen worden wäre und mir viele Leute gratuliert hätten. Ich glaube nicht.
Was kann man im Fußball und gesellschaftlich tun, um gegen Rassismus anzukämpfen?
Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Es ist wichtig, im Austausch zu bleiben, denn nur so versteht jemand auch, was es überhaupt bedeutet: Wieso hat das gerade jemanden verletzt oder wieso war das rassistisch? Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die Leute nicht so richtig trauen, zu fragen. Da könnten wir noch mehr erreichen und mehr verbessern.
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